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Westernreiten mit Harmonie

Das Gefühl gewinnt

Dieses Trio geht einen eindrucksvollen Weg. Silke Woitaschek und ihre Stuten räumen bei Westernturnieren ab – doch Shows sind Nebensache.

Mutter und Tochter stecken ihre Nasen ins Gras. Nichts Besonderes? Doch! Denn diese beiden Quarter-Stuten im Winterfell, die auf der Weide im baden-württembergischen Remstal grasen, sind Weltklassepferde. Sie gehören Silke Woitaschek, mehrfache Europa- und Deutsche Meisterin im Westernreiten. Schimmelstute Tari ist 20 Jahre alt, ihre Tochter Jeamie sieben.

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Westernreiten in Harmonie - so geht's
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Was die drei so besonders macht? Es ist die innige Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Die Leichtigkeit, mit der Silke Woitaschek mit ihren Stuten umgeht, die Harmonie. „Der Erfolg ist für mich zweitrangig“, sagt die 49-jährige Reiterin. Was für sie zählt, ist das Vertrauen.

Der Sattel brachte sie zum Westernreiten

So war es für sie auch kein Zufall, sondern Schicksal, das sie mit ihren Seelenpferden zusammengeführt hat – davon ist die Westernreiterin überzeugt. Das erste Schicksalspferd trägt den Namen Miri. Die Arabermix-Stute zog mit ihrer damaligen Besitzerin 1990 auf den Aussiedlerhof, der bis heute Heimat für Woitascheks Pferde ist. Ein schwieriges Pferd, das unter Jungbullen aufgewachsen war, völlig unsozialisiert, gerademal angeritten.

„Eine unverstandene Seele war das“, erzählt Woitaschek, „aber bei uns hat es vom ersten Moment an gepasst.“ Denn sie nahm sich für die Stute Zeit, hörte auf ihre Signale und setzte ihr klare Grenzen. „Ich habe mir damit täglich ihr Vertrauen erarbeitet.“

Nach einem Jahr übernahm Silke Woitaschek die Schimmelstute und stellte sie auf Western um. Warum? Darauf hat die Reiterin eine pragmatische Antwort: Das Pferd hatte nur einen Westernsattel – und Westernprofi Ute Holm gab damals regelmäßig im Stall Reitunterricht. „Wir haben uns gemeinsam entwickelt“, erinnert sich Silke Woitaschek. Das alles klappte so gut, dass die beiden auf Turnieren starteten. Druck hat sie sich dabei keinen gemacht – ein Schlüssel zum späteren Erfolg.

Durch Miri lernte Silke Woitaschek auch ihr zweites Schicksalspferd Tari kennen: Für ihr erstes A/Q-Turnier, eine Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft, wollte sie Miris Westernsattel ein wenig aufpeppen und fuhr dazu in die Nähe von Köln zu dem Sattler Christoph Rieser.

Drei Tage alt – und Liebe auf den ersten Blick

Dieser züchtete auch Quarter Horses aus alten Blutlinien. Weil eine Freundin ein Pferd suchte, ließ sich Woitaschek seine Nachzucht zeigen. „Und dann stand da Tari“, erinnert sie sich. Die Stute war gerade drei Tage alt, ein fuchsfarbenes Fohlen auf langen Beinen. „Ich fand sie gleich genial. Dieser Blick, diese Augen, diese Ausstrahlung.“ Liebe auf den ersten Blick.

Bei einem weiteren Besuch ein paar Monate später lief ihr Tari hinterher – weg von der Herde bis zum Weidezaun. Silke Woitaschek zögerte zunächst: Sie hatte ja schon ein Pferd, ein zweites war eigentlich zu viel. „Aber schon damals hatte ich das Gefühl, dass wir beide füreinander bestimmt sind.“

Das Gefühl siegte. Woitaschek holte das Fohlen zu sich, ließ es in einer Herde auf der Schwäbischen Alb groß werden und brachte es mit drei Jahren ins Remstal. Die Ausbildung nahm Silke Woitaschek selbst in die Hand. Dabei zeigte Tari, die offiziell Cee Taris Sunshine heißt, ihr großes Herz, wollte gefallen, alles richtig machen. Unterstützung holte sich die Westernreiterin nur gelegentlich, vor allem von ihrer Freundin und Reitlehrerin Gabi Kelch.

Ansonsten hielt sie sich an die neun „goldenen Regeln“, die sie gemeinsam mit Gabi Kelch erarbeitet hat. Sie reitet viel mit Handpferd ins Gelände, verzichtet regelmäßig auf Sattel oder Zaum. Draußen ist sie nur mit dem gebisslosen Sidepull unterwegs.

Dem Rind hinterher und spielerisch voran

Zur Abwechslung lässt sie ihre Quarters auch mal mit Rindern arbeiten. „Beim Rindertraining lernen junge Pferde ganz leicht und spielerisch, sich lenken zu lassen“, erklärt sie. Zum Beispiel könne man ganz in Ruhe einem Rind hinterherreiten und sein Pferd mit leichten Impulsen steuern. Das Pferd verknüpfe die Reiterhilfen ganz unverkrampft, als sei es seine eigene Idee. „Es geht darum, Dinge zu tun, in denen das Pferd einen Sinn erkennt und Spaß hat“, sagt Silke Woitaschek: weg vom starren Training, hin zum Spiel. Was unspektakulär klingt, hatte Erfolg.

Schon 2006 holten Woitaschek und Tari den Europameistertitel in der Amateur Western-Riding. Diese Prüfung gehört zu den anspruchsvollsten Westerndisziplinen: Es geht vor allem um fliegende, auf den Punkt absolvierte Galoppwechsel. Die Richter bewerten zudem die Übergänge zwischen Schritt, Trab und Galopp, Leichtigkeit, Tempo, Takt und flüssiges Reiten.

Inzwischen, sagt Woitaschek, ist Tari das beste Western-Riding-Pferd Deutschlands und wohl auch Europas. Ein Turnier-Team hat die Reiterin nicht. „Ich mache alles selbst.“ Die Stute genieße die Aufmerksamkeit und findet es sogar klasse, für Wettbewerbe herausgeputzt zu werden.

Taris Tochter Jeamie geht’s ähnlich. Auch die heute Siebenjährige, die korrekt My Blue Sunshine heißt, hat Silke Woitaschek selbst ausgebildet – mit etwas mehr Unterstützung von Reitlehrerin Gabi Kelch. Ob Jeamie einmal so erfolgreich wird wie ihre Mutter? Vielleicht. Doch eigentlich hänge ihr Herz nicht an den Shows, sagt Silke Woitaschek. Vor einem Turnier müsse sie sich eher überwinden, um überhaupt hinzufahren. Aber wenn sie dann mit einer ihrer Stuten in der Arena ist, seien sie in ihrem Tunnel, blendeten alles aus. „Und dann sind wir eins.“

Weltklasse aus dem Ländle

Silke Woitaschek und ihre Pferde gehören seit über zehn Jahren zu den besten Teams des Western-Reitsports. Sie ist mehrfache Europameisterin und Deutsche Meisterin, u.a. bei der Deutschen Quarter Horse Association (DQHA/AQHA) und gehört zum Nationalkader. Zahlreiche Titel wie Grand Champion und Superior gehen auf ihr Konto.

Nachwuchspferd Jeamie hat bereits zwei Deutsche Meistertitel und zwei Vizemeistertitel. Beide Pferde waren immer wieder für die Weltmeisterschaften in den USA qualifiziert.

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Lisa Rädlein
Ohne Allüren: Ein Turnierfoto von Meisterpferd Tari hat Woitaschek einfach ans Holz gepinnt.
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