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So starten Sie Ihr Training

Der beste Auftakt fürs Training

Ob nach Krankheit oder Winterpause: Drei Expertinnen verraten, wie ein perfekter Start ins Training gelingt.

Der richtige Auftakt entscheidet über Top oder Flop. Für unsere Expertinnen Katrin Frankenberger, Marcella Becker und Simone Carlson ist klar: Das Training beginnt, sobald Sie Kontakt zu Ihrem Pferd aufnehmen. Dieser erste Moment verrät viel über Ihr Tier. „Dabei merke ich schon, ob es aufmerksam, neugierig oder ängstlich ist“, sagt Katrin Frankenberger.

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Aufmerksam sein

Achten Sie genau auf die Signale Ihres Pferds. Ist es aufmerksam oder desinteressiert? Neugierig oder ängstlich? Motiviert oder unmotiviert? Ein motiviertes Pferd hat einen wachen, klaren Blick und freut sich: Es kommt bereitwillig auf Sie zu und lässt sich ohne Probleme aufhalftern.

Schauen Sie genau, wie Ihr Pferd mit Augen-, Gesichts- und Ohrenspiel auf Berührung und Ihre Anwesenheit reagiert. „Allein schon das Aufhalftern zeigt mir, ob das Pferd bereit ist für ein Miteinander oder nicht“, erzählt Simone Carlson. Schlüpft es gleich ins Halfter oder zieht es womöglich den Kopf weg?

Auch Putzen und Satteln ist ein Warm-up

Auch fürs Putzen, Satteln und Trensen sollten Sie sich Zeit lassen. So versucht Klassikreiterin Marcella Becker, sich jeden Augenblick auf das Pferd zu konzentrieren und zu fokussieren: Sie achtet auf die genannten Zeichen und findet so heraus, wie es dem Pferd heute geht.

Ebenso wichtig für einen gelungenen Start: Erwarten Sie nicht zu viel. Fragen Sie lieber freundlich: „Na, was geht denn heute?“, und lassen Sie sich auf einen Austausch mit Ihrem Pferd ein.

Tipp von Simone Carlson: Wenn Sie Ihr Pferd aus dem Stall holen und es mehr Interesse am Heu als an Ihnen zeigt, klatschen Sie mit der Hand mehrmals auf Ihr Bein. So lenken Sie die Aufmerksamkeit auf sich. Klatschen Sie jedes Mal, wenn sich Ihr Pferd von Ihnen abwendet. Bald kommt Ihr Pferd freiwillig: Sie sind nun interessanter als die leckere Heu-Mahlzeit.

Laden Sie Ihr Pferd in jedem Moment ein, beim Training mitzumachen, rät Simone Carlson. Begegnen Sie ihm freundlich. Machen Sie ihm Lust auf die gemeinsame Zusammenarbeit. Vor allem aber: Bringen Sie möglichst viel Abwechslung in Ihren Trainings-Auftakt. Fangen Sie jeden Tag ein bisschen anders an. „Routine ist tödlich“, weiß die Expertin.

Achten Sie auf die Stimmung Ihres Pferdes

Wie Sie optimal ins Training starten, hängt von der Stimmung Ihres Pferds ab.

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Lisa Rädlein
CAVALLO Der beste Auftakt fürs Training

Motiviert?

Bauen Sie im Schritt viele kleine Übungen ein. Stellen Sie dabei das Genick im Vorwärts-abwärts für ein paar Schritte leicht nach innen und außen. Bauen Sie Volten und Seitengänge ein.

„Das lockert die Muskeln und schmiert die Gelenke. Nach der Schrittphase lasse ich mein Pferd am langen Zügel laufen“, sagt Katrin Frankenberger. Dabei trabt das Pferd auf Zirkeln und großen Volten. Im Galopp am langen Zügel lässt Ihr Pferd überschüssige Energie raus und wird konzentrierter.

Müde?

Zeigt Ihr Pferd Desinteresse und ist unmotiviert, reiten Sie anfangs am langen Zügel Schritt. Nach einer entspannten Schrittphase stellen Sie Ihrem Pferd leichte Aufgaben und bauen Schritt-Trab-, Trab-Galopp oder auch Schritt-Galopp-Übergänge ein.

m Trail beim Stangen-L oder den Sidepass-Übungen sind längere Pausen mit viel Lob wichtig. Gestalten Sie den Trail möglichst einfach: „Es ist jedes Mal klasse zu erleben, wie sich die Pferde dadurch motivieren lassen“, sagt die Expertin.

Der Fokus sollte auf Trail-Hindernissen liegen, bei denen Ihr Pferd rückwärts- und seitwärtsgehen muss.

Ängstlich?

Wenn Ihr Pferd eher ängstlich ist, bleiben Sie vorerst am Boden. „Mir ist es wichtig, die Augen und den Gesichtsausdruck des Pferds zu sehen“, so Katrin Frankenberger. Auf Ihren Beobachtungen bauen Sie dann die Art der Bodenarbeit auf: Überlegen Sie, was Ihrem Pferd Sicherheit gibt.

Trail-Hindernisse oder doch lieber Scheutraining? Je nach Entwicklung des Trainings entscheiden Sie spontan, ob Sie es bei der Bodenarbeit belassen oder doch noch in den Sattel steigen. Ist das der Fall, reiten Sie viele Volten und Richtungswechsel. Ihr Pferd soll sich nicht mehr auf die Angst konzentrieren.

Perfekt beginnen mit Gefühl und Leichtigkeit

Begegnen Sie Ihrem Pferd von Anfang an fair und empathisch. Fragen Sie nicht gleich schwierige Lektionen ab, starten Sie lieber mit leichten Übungen. Das macht Ihrem Pferd Lust auf mehr.

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Lisa Rädlein
CAVALLO Der beste Auftakt fürs Training

Beginn am Boden

Marcella Becker arbeitet anfangs gerne mit dem Pferd an der Hand: „Je nach Ausbildungsstand kann dies ein leichtes Übertreten von beiden Seiten sein. So kann ich das Pferd auf die Arbeit einstimmen und prüfen, ob das Pferd fein auf meine Anfrage reagiert.“

Mit einem weiter ausgebildeten Pferd üben Sie auch Schulterherein. Hat Ihr Pferd sehr viel Energie, longieren Sie es vor dem Reiten. Den Anfang der Arbeitseinheit sollten Sie so gestalten, dass sie eine Basis für die folgende Arbeit bildet und Pferd und Reiter beieinander ankommen. Verlassen Sie sich immer auf Ihr Gefühl.

Schrittarbeit im Sattel

Marcella Becker empfiehlt, die Arbeit im Sattel mit einer Runde Schritt am langen Zügel zu beginnen. „Kommen Sie im Sattel an und nehmen Sie die Zügel nach der Runde fließend auf.“ Reiten Sie gebogene Linien, die Ihr Pferd lösen und auf Ihre Hilfen einstellen. Richten Sie das Pferd zuerst auf großen Linien (etwa Zirkeln) und später kleineren Linien (wie Volten) gerade. Das Gewicht verteilt sich dabei auf vier Füße, die Hinterhand nimmt Last auf.

Marcella Becker arbeitet meist 10 bis 15 Minuten im Schritt, lässt ihrem Pferd aber immer die Zeit, die es benötigt.

Taktvoll statt taktlos

Nach der Schrittphase traben Sie leicht und prüfen, welcher Takt der richtige für Ihr Pferd ist. Eine Faustregel dafür gibt es nicht, deshalb: „Experimentieren Sie und finden Sie heraus, was für Ihr Pferd ein guter Takt und ein gutes Tempo ist.“ Hierbei hilft Ihnen bestimmt Ihr Reitlehrer. Im Trab und im Galopp nutzt Becker wieder die Linien der Hufschlagfiguren, um ihr Pferd geschmeidig zu machen und an die Hilfen zu stellen. Seitengänge haben den gleichen Effekt.

Die Phase nach dem Aufwärmen im Schritt dauert so lange, bis Ihr Pferd locker ist und gut auf Ihre Hilfen reagiert. Meist ist das nach 15 bis 30 Minuten der Fall.

Entspannen Sie sich. Sind Sie verkrampft, können Sie nicht mit Ihrem Pferd zusammenarbeiten. Schaffen Sie eine angenehme Arbeitsatmosphäre und lassen Sie die Zügel in einer Schrittpause auch mal wieder lang. Konzentrieren Sie sich auf eine ruhige Atmung.

Fragen Sie immer erst die Basislektionen in Form von einfachen Bahnfiguren oder Übergängen ab, bevor Sie an schwierigen Lektionen arbeiten. Diese fallen Ihnen dann bestimmt leichter.

Trainingseinstieg im Gelände

Die Trainingseinheit beginnt Simone Carlson immer vom Boden aus. Bei einem kurzen Spaziergang durchs Gelände übt sie mit dem Pferd grundlegende Dinge wie Antreten und Anhalten. Damit erreichen Sie, dass sich das Pferd nur auf Sie konzentriert.

Das Gelände bietet räumliche Abwechslung und lässt das alltägliche Training nicht so trist erscheinen: „Somit kann ich Geländetraining und Aufwärmen verbinden und die Aufmerksamkeit des Pferds leichter erhalten.“

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Lösungsphase im Dreitakt: Der richtige Galopp am Anfang ist weder eilig noch schleichend.

Checken Sie die Readiness

Oder in anderen Worten: Testen Sie die Bereitschaft Ihres Pferds. Dafür brauchen Sie nur ein Halfter und ein Bodenarbeitsseil.

Stellen Sie sich vor Ihr Pferd und schwingen das Seil mit immer stärkeren Bewegungen auf und ab. Schicken Sie Ihr Pferd so rückwärts. Achten Sie auf die Reaktion Ihres Pferds: Geht es auf Sie ein und läuft rückwärts? Schauen Sie, wie viel Aufwand Sie aufbringen müssen, um Ihr Pferd rückwärtszurichten. Jetzt wissen Sie, ob Ihr Pferd bereit ist, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.

Check vom Sattel aus

Ist das Pferd bereit, setzen Sie sich in den Sattel. Überprüfen Sie die Aufmerksamkeit Ihres Pferds mit Schritt-Halt-Übergängen. Versuchen Sie, allein durch Drehen Ihres Körpers auf einen Zirkel abzuwenden. Schnell wird klar, ob das Pferd Ihre Hilfen annimmt. Falls etwas gar nicht klappt, reagieren Sie prompt. Hat Ihr Pferd zum Beispiel Probleme bei den Übergängen, kontern Sie mit mehr Energie und stärkerer Hilfengebung. Machen Sie es auf sich aufmerksam. „Erkennen Sie, wann Ihr Pferd bereit ist. So können Sie, trotz schwierigem Anfang, immer noch ein gutes Ende finden.“

Unsere Expertin rät: Lösen Sie kleine Probleme gleich, damit kein größeres entsteht!

Trab und Galopp

Die beiden höheren Gangarten sollte Ihr Pferd gelassen umsetzen. Das erreichen Sie mit vielen Tempowechseln. Volten und Zirkel gymnastizieren das Pferd im Trab und im Galopp. Hat Ihr Pferd Balance-Probleme, reiten Sie Schlangenlinien durch die Bahn mit drei oder vier Bögen.

Die Richtung ändern Sie am besten mit einem Wechsel durch den Zirkel. Sie reiten zuerst größere Linien und gegen Ende der Lösungsphase vermehrt kleinere. Wenn Ihr Pferd locker und geschmeidig ist, beginnen Sie mit der Arbeit an Lektionen. Wichtig ist, dass Ihr Pferd versteht, wieso und warum. Reiten Sie von Punkt zu Punkt.

Stellen Sie sich vor, an jedem Punkt eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Dieser gedankliche Trick motiviert auch Ihr Pferd.

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