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Gefühl fürs Pferd: Horsemanship mit Christiane Schwahlen

Die Frau der Pferde vertrauen

Christiane Schwahlen verknüpft Springreiten und Horsemanship. Mit pfiffigen Tricks überzeugt sie jedes Pferd, in einen Anhänger zu gehen.

Foto-Kurs: Verladen in 6 Schritten mit Christiane Schwahlen

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Sue Culig
Ein frischer Galopp motiviert - findet Christiane Schwahlen.

Der Kofferraum des alten VW-Käfer-Cabrios war zu klein, um zwei Shettys zu transportieren. Während Christiane Schwahlen, damals sechs Jahre jung, neben dem Auto stand und die Ponys festhielt, baute ihr Vater kurzerhand die Rückbank aus. „Jetzt müssten alle im Auto Platz haben“, verkündete er freudestrahlend. „Auf geht‘s zur Eisdiele!“

Das war vor 43 Jahren, und noch immer staunen die Leute über Christane Schwahlens ungewöhnliche Verlademethoden: Ihre Warmblutstute Australia galoppiert auf Fingerzeig in den Anhänger.

„So einfach lässt sich jedes Pferd verladen“, sagt Christiane Schwahlen, Begründerin der Initiative "Verlade Kultur" aus Wachtberg bei Bonn. Ihr Erfolgsrezept: Natural Horsemanship. Sie verknüpft die klassische Reiterei mit den Methoden der amerikanischen Vaque­ros. Das ist einmalig in der Springreiterszene.

Früher rümpften viele Reiter die Nase, wenn sie eine Halle mit Knotenhalfter betrat oder Fliegende Wechsel ohne Sattel und Trense übte. Doch davon ließ sich Schwahlen nicht aus der Ruhe bringen. Der Knoten platzte, sobald diese Reiter die Pferdefrau im Springsattel ­sahen: 1,30 Meter hohe Steilsprünge überwindet sie mit Leichtigkeit und Eleganz.

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Sehnsucht nach den Pferden

Foto-Kurs: Verladen in 6 Schritten mit Christiane Schwahlen

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"Entor ist ein richtiger Kumpel“, sagt Christiane Schwahlen über ihren braunen Holsteiner. Der 11-jährige Wallach vertraut seiner Besitzerin in jeder Situation und macht alles mit.

Jedes Jahr finden hier auf dem Rodderberg, einem erloschenen Vulkan bei Bonn, schwerste nationale und internationale Vielseitigkeitsprü­fungen statt. Auch Schwahlen nahm dort im letzten Jahr an einem Turnier teil.

„Schon als Jugendliche bin ich gerne gesprungen“, erinnert sie sich. Mit 18 Jahren legte Schwahlen eine Pause ein – sie wollte die Welt entdecken. „Ich zog nach Kalifornien und studierte freischaffende Kunst am San Fransisco Art Institute und California Institute of the Arts“, erzählt Schwahlen und krault dabei ihren Wallach Entor liebevoll hinter den Ohren. Der 11-jährige Holsteiner genießt die Kuscheleinheit sichtlich: Er schließt die Augen und streckt seinen Kopf nach vorne.

Ein Tag in Las Vegas weckte die Sehnsucht nach den Pferden: Dort besuchte Schwahlen eine Auktion, auf der Wildpferde versteigert wurden. „Ein Typ saß auf einem Pferd – ohne Trense. Er zeigte den Zuschauern, wie man die wilden Tiere an den Menschen gewöhnt“, erzählt sie. Ihre Augen funkeln. Der Cowboy auf dem Pferd war kein Geringerer als der amerikanische Horseman Pat Parelli. Damals konnte Schwahlen mit dem Namen nichts anfangen.

Nach ihrem Kunststudium zog sie wieder in die Bundesrepublik. Doch was Schwahlen in Amerika gelernt hatte, konnte sie hier nicht anwenden. „In den USA geht man ganz anders an die Kunst heran als in Deutschland“, berichtet sie, während sie Wallach Entor fürs CAVALLO-Fotoshooting sattelt und trenst.

Spontan heuerte die damals 35-Jährige als Pferde­pflegerin im Springstall Michaels-Beerbaum im niedersächsischen Theding­hausen an. „Es war mir egal, dass ich den ganzen Tag Mist schippen musste, obwohl ich studiert hatte“, sagt die 49-Jährige. „Hauptsache, ich konnte zwischendurch immer wieder einen Blick auf den Platz werfen und sehen, wie die Top-Reiter trainieren.“

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Wie gut kennen Sie Ihr Pferd?

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Hannoveraner-Stute Australia springt auch ohne Trense über schmale Hindernisse.

Schwahlen lacht und ruft: „Ein schneller Galopp ist die beste Motivationsspritze für Entor.“ Stute Australia kann sie mit einem Sprint nicht aus der Reserve locken. „Sie braucht Möhren“, sagt Schwahlen als sie wieder zum Stall reitet.

Heute benötigt Australia keinen Trainingsanreiz: Die Hannoveraner-Stute steht am Zaun der Paddockbox und fixiert ihre Besitzerin. Während Schwahlen Entor absattelt, erzählt sie: „Australia kaufte ich vor zehn Jahren auf einer Fohlen-Elite-Auktion in Verden.“

Für Schwahlen ging damit ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte schon immer ein Springpferd haben“, sagt sie. Während Australia mit gleichaltrigen Pferden aufwuchs, nahm Schwahlen klassischen Dressur- und Springunterricht.

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Liebe zum Horsemanship

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Christiane Schwahlen verlegt das Dressurtraining gerne ins Gelände.

„Ich war neugierig und meldete mich an.“ Was sie beim Kurs sah und lernte, gefiel ihr. In den folgenden Jahren absolvierte sie die Parelli-Levels eins bis drei, besuchte Pat Parelli selbst in den USA und stöberte in Büchern der amerikanischen Horsemen Ray Hunt und Bill Dorrance. Zudem trainierte sie rund zweieinhalb Jahre im Stall Luther bei Plön in Schleswig-Holstein, feilte an ihrer Springtechnik und der Dressurarbeit. „Ich wollte in klassischer Reiterei und Natural Horsemanship bis zu einem bestimmten Niveau kommen, um in beiden Lagern mitreden zu können“, erklärt Schwahlen.

Das ist typisch für sie: Halbe Sachen gibt‘s bei ihr nicht. Was sie anpackt, zieht sie durch. Und sie hat keine Vorurteile gegenüber anderen Reitweisen. Im Gegenteil: Sie ist ein offener Mensch und lässt sich gerne zu etwas Neuem inspirieren. Dazu trug ihr Studium maßgeblich bei: „Alles, was schon eine Form hat, ist für die Kunst uninteressant“, erklärt Schwahlen. „Daher gibt es in der Kunst auch keine Tabus. Es wäre schön, wenn alle Reiter so denken würden.“

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Klassisch oder Seilschwinger?

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Das Knotenhalfter gehört zur Grundausstattung.

Dass es auch anders geht, erlebte Christiane Schwahlen, als sie 2007 in Amerika war und für einige Monate bei dem Horseman Jack Brainard auf dessen Ranch in Texas arbeitete. Eines Tages kam er auf sie zu und sagte: „Ich habe gestern den Franzosen Jean-Claude Racinet getroffen. Er hat mir gezeigt, wie man den Unterkiefer eines Pferds lockert. Komm, das ­probieren wir auch mal aus.“ Es funktionierte. „Die Amerikaner sind neuen, unbekannten Trainingsmethoden gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt Schwahlen. „Das finde ich klasse.“

Diese offene Denkweise versucht die FN-Trainerin nun ­ihren Reitschülern zu vermitteln und mit Vorurteilen aufzu­räumen. Das fällt ihr sicherlich leichter als anderen deutschen Horsemen: Sie hat den Vorteil, dass sie von der klassischen Reiter- und von der Horsemanship-Szene akzeptiert wird, weil sie M-Sprünge locker überwindet und zum Reiten nicht zwingend eine Trense braucht, geschweige denn einen Sperrriemen.

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Problempferden helfen

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Dabei fiel ihr auf: „Die Bücher wurden für Reiter mit braven Pferden geschrieben. Den Menschen aber, die Pro­bleme mit ihrem Tier haben, helfen diese Strategien meistens nicht weiter.“

Daher hat sich Christiane Schwahlen als Ziel gesetzt, die FN von den Vorzügen des Natural Horsemanship zu überzeugen. Ihr erster Erfolg: Reitmeister Martin Plewa, Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster, hat sie eingeladen, im Mai einen Vortrag an der Reitschule zu halten.

Mit Stute Australia demonstriert Schwahlen ihr selbst entwickeltes Verladetraining (siehe Seite 50). Während den sechs Übungen kniet sie sich immer wieder neben das Pferd und macht eine kurze Pause. Sobald sie die Stute streng anschaut oder den Zeigefinger hebt, reagiert Australia. Schwahlen muss sich nicht aufplustern oder mit den Füßen auf den Boden stampfen, um von Pferden respektiert zu werden. Ganz ohne autoritäre Gesten vertrauen ihr alle Pferde – und lassen sich in den Anhänger einladen.

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Interview mit Berni Zambail: Sie schlägt eine Brücke

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Rädlein
Berni Zambail, Vier-Sterne-Instruktor nach Pat Parelli und Ausbilder von Christiane Schwahlen.

CAVALLO: Woher kennen Sie Christiane Schwahlen?
Zambail: Von einem Savvy-Day im Jahr 2003. An diesem Tag demons­trierte Pat Parelli in München, was man mit guter Kommunikation zwischen Pferd und Mensch alles erreichen kann. Christiane kam dort auf mich zu, erzählte mir von ihren beiden Pferden und fragte, ob sie mich mit Australia und Entor in der Schweiz besuchen dürfe. Ein paar Monate später war es dann so weit: Sie verbrachte 14 Tage auf meinem Betrieb. Wir verstanden uns auf Anhieb. Seitdem sehen wir uns, wann immer ich in der Nähe von Bonn bin, auf Messen und Veranstaltungen. Nur wenige Menschen bezeichne ich als meine Freunde – Christiane zählt definitiv dazu.

Was ist das Besondere an ihr?
Christiane ist ein ehrlicher Mensch und eine gute Pferdefrau. Wenn ich einen Rat brauche, kann ich sie immer fragen. Zudem bewundere ich an ihr, wie sie es schafft, die Brücke zwischen der normalen Reiterei und dem Natural Horsemanship zu schlagen. Mit viel Fingerspitzengefühl versucht sie, Dressur- und Springreitern die Vorzüge des Seilschwingens schmackhaft zu machen.

Warum ist das überhaupt nötig?
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) setzt voraus, dass jeder Reiter sein Pferd führen und verladen kann. Daher gibt es hierfür keine Richtlinien. Einige Menschen haben aber Schwierigkeiten, ihre Tiere zu führen oder in einen Anhänger zu bugsieren. Da die FN keine Lösung dafür parat hat, wenden sich viele Reiter an uns.

Ihre Pferde, wie auch die von Frau Schwahlen, leben in einem normalen Pensionsbetrieb. Wie reagieren die anderen Einsteller auf Ihre Trainingsmethode?
Sie beobachten mich ganz genau. Wenn mich ein Dressur- oder Springreiter anspricht, gebe ich ihm gerne Auskunft oder einen Tipp. Sonst dränge ich mich niemandem auf. Es nutzt nichts, wenn man jemandem seine Methode erklärt, der kein Interesse daran hat.

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