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Pferde ausbilden: Top 20 Lektionen - Das müssen Pferde können

Die Top 20 für jedes Pferd

Damit Reiten sicher ist und Spaß macht, muss ein Pferd viel können. Dies sind die wichtigsten Lektionen im Leben eines Pferds - am Boden und im Sattel. CAVALLO Experten erklären genau, wie Ihr Pferd diese erlernt. Erfolg garantiert!

Was verbindet Musik und Reiten? Top-Hits sind bei beiden echte Dauerbrenner. Die besten Songs beleben jede Feier. Und die Chart-Breaker der Reiterei sollte jedes Pferd beherrschen, damit es den Menschen gelassen respektiert und alle Herausforderungen des Reitpferdelebens meistert. Fehlen wichtige Stücke in der Sammlung, drohen Stress und Risiken.

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CAVALLO hat deshalb die Top 20 für Pferde zusammengestellt - vom Aufhalftern bis zum Gruppengalopp, vom ruhigen Stehen bis zum Durchqueren von Wasserpfützen. Manches davon klingt einfach, doch die Tücken liegen im Detail. Ihr Pferd schafft das locker? Mit den Übungen können Sie leicht überprüfen, ob die Basis wirklich sitzt. Und klappt doch mal etwas nicht, liefern unsere Experten verschiedene Lösungsansätze und Profi-Tipps für jeden Geschmack - von Natural Horsemanship bis Clicker-Training.

Egal nach welcher Methode Sie trainieren, das Wichtigste sind immer Sorgfalt und gute Planung. Welche Lernschritte führen zum Ziel? Welche Ausrüstung brauchen Sie? Wo können Sie sicher üben, und wer kann Ihnen helfen? Stress und Angst verhindern jeden Fortschritt, das Fluchttier Pferd kann dabei nicht lernen. Eine ruhige Lernatmosphäre ist unverzichtbar. Geht die während des Trainings verloren, läuft etwas schief. Schrauben Sie sofort die Anforderungen runter und prüfen Sie, wo der Fehler lag.

Mit jedem Erfolg steigt das Lerntempo Pferde lernen umso schneller, je mehr Erfolgserlebnisse sie haben. Erfolg ist fürs Pferd, was sein Wohlbefinden in einer Situation steigert. Das kann ein unangenehmes Gefühl sein, das aufhört (etwa Schenkeldruck) oder etwas Angenehmes, das hinzukommt (wie Futter). Mit jedem Erfolg wächst die Motivation, weiter zu lernen. Dank dieser Positiv-Spirale erreichen Sie Ziele immer schneller. Die Top 20 schaffen Sie dann leicht!

CAVALLO Experte Peter Kreinberg

CAV Peter Kreinberg
Kreinberg_The Gentle Touch
CAVALLO Experte Peter Kreinberg.

Peter Kreinberg aus Regesborstel bei Hamburg sorgt mit seinem Konzept „The Gentle Touch“ auf sanftem Weg für gut erzogene Pferde und erklärt Reitern in diesem Artikel die "Top 20 für jedes Pferd".

CAVALLO Artikel, Fotos und Videos mit Peter Kreinberg:

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Dressur
CAV Peter Kreinberg Zügelmessung 08
Pferdehaltung

CAVALLO Expertin Viviane Theby

CAV Equitana 2011 Promis Experten Teilnehmer MS Theby
Verlag Müller Rüschlikon
CAVALLO Expertin Viviane Theby.

CAVALLO Expertin Viviane Theby aus Wittlich/Rheinland-Pfalz ist Tierärztin mit Schwer- punkt Verhaltenstherapie. Sie trainiert Pferde mit dem Clicker und erklärt Reitern in diesem Artikel die "Top 20 für jedes Pferd".

CAVALLO Video mit Viviane Theby:

Kauen, Zappeln und Scharren abgewöhnen

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Kauen ist schwierig zu unterbinden, weil es eine Suchtkomponente hat. Ein Anbindeseil schützen Sie, indem Sie einfach ein Stück aufgeschnittenen Gartenschlauch über das Anbindeseil legen. Binden Sie das Pferd dabei so an, dass der Schlauch das Seil direkt vom Anbinder bis zum Halfter unterm Kinn umschließt.

Die Schlaufe des Führseils legen Sie ebenfalls in den Gartenschlauch. Der stabile Schlauch hält das Pferd auf Distanz zum Anbinder und macht zudem das Kauen uninteressant. Ich halte nichts davon, Pferde zu erschrecken, um ihnen das Kauen auf dem Seil abzugewöhnen. Erschreckt das Pferd mit dem Seil im Maul, kann es sich an Kiefer und Zähnen verletzen.


Zappelnde Pferde müssen Geduld lernen. Das können Sie zum einen mit gezieltem Training am Seil üben. Ruhig stehen muss sich für diese Tiere außerdem lohnen. Das ist der Fall, wenn der gewünschte Ort zur Comfort Zone wird. Suchen Sie einen fürs Pferd angenehmen Platz fern von Lärm, Aufregung oder Dingen, die Ihrem Pferd Angst machen. Binden Sie dort an. Sobald das Pferd sich von der gewünschten Position wegbewegt, stellen Sie es ruhig aber bestimmt zurück. Bleibt es am gewünschten Ort, lassen Sie das Tier ganz in Ruhe. Mit der Zeit lernt es, dass ruhig zu stehen angenehm ist.

Scharren sollten Sie unbedingt ignorieren, auch wenn das schwer fällt. Denn wenn Sie sich Ihrem Pferd in dem Moment zuwenden, hat es erreicht, was es wollte: Ihre Aufmerksamkeit gehört wieder ihm. Selbst wenn Sie nur schimpfen, versteht Ihr Pferd Ihre Reaktion falsch, denn jede Form von Aufmerksamkeit bestärkt sein Verhalten. Scharrt Ihr Pferd extrem, können Sie mit einer Wasserpistole auf den Pferdepo schießen. Allerdings nur, wenn Sie dabei emotional völlig ruhig bleiben. Ihr Pferd soll das Wasser mit seinem Scharren verknüpfen, nicht mit Ihrem Verhalten in dem Moment.

CAV Medical Training 25
Medizinwissen

Einparken an der Aufstieghilfe

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Einparken an der Aufsteighilfe: Diese Übung ist im Prinzip wunderbar, aber nur wenn der Mensch in der Lage ist, die Bewegung seines Pferds jederzeit zu stoppen bzw. das Pferd auch in die Gegenrichtung zu schicken.

Fehlt diese Kontrolle, kann es leicht passieren, dass das Pferd den Menschen von der Ausfstieghilfe oder gegen die Wand drückt. Dahinter muss nicht einmal eine böse Absicht stecken – auch das Bestreben beim Pferd, seine Aufgabe besonders gut zu erfüllen, kann schon zum Problem werden. Ich habe das leider schon mehrfach bei Kunden von mir erlebt.

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Jedes Pferd sollte selbstständig an der Aufstiegshilfe einparken, wenn der Reiter darauf steht. Damit gibt das Tier dem Reiter sein Einverständnis zum Aufsteigen. Parkt es nicht ein, weiß der Reiter, dass sich das Pferd unwohl fühlt oder mit der Situation überfordert ist.

Trainiert wird das entweder über das freie Formen. Dabei belohnt der Reiter jede noch so kleine Bewegung in Richtung Aufstieghilfe mit Click und Leckerli. Ansonsten verhält er sich passiv. Clickergewohnte Pferde verstehen schnell, welches Verhalten sich für sie lohnt.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Pferd neben die Aufstiegshilfe zu führen und dann mit dem Hüfttarget die Idee vom Einparken zu geben (siehe „Seitwärts auf den Menschen zukommen“). Stehen Sie auf der Aufstieghilfe, schwenkt es dann den Po zu Ihnen. Bei erfahrenen Clicker-Trainern dauert es in der Regel drei bis vier Trainingssession, bis ein Pferd das Einparken versteht.

Führen ohne Seil

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Führen kann man aus dem Höflichkeitstraining entwickeln, einer der wichtigsten Basisübungen im Clickertraining. Dabei hat das Pferd gelernt den nötigen Abstand zu halten, egal ob man in der Futtertasche herum wühlt oder auch mit dem Futter wedelt. Das Ganze wird dann auf einem sicher umzäunten Platz in die Bewegung verlegt. Man fragt das Pferd, ob es auch höflich sein und dabei einen Schritt mitkommen kann.

Kommt es nicht sofort mit, wird es für das Höflichsein geclickt und dann einen Schritt weiter vorne gefüttert. Nach einigen Wiederholungen wird das Pferd sofort mitkommen. Als nächstes fragt man nach zwei Schritten, dann nach drei, und so weiter. In der Regel lernen Pferde das schnell. Oft kann man schon in der dritten Trainingssession kleine Herausforderungen einbauen, wie etwa eine Plane, die überquert werden soll.

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Freies Führen ist im Alltag unnötig und wird von mir nicht unterrichtet. Die Arbeit gehört in den zirzensischen Bereich und sollte dort bleiben. Denn im Alltag ist die Gefahr, doch mal die Kontrolle zu verlieren, enorm hoch.

Ich unterrichte nach der Maxime, unnötige Risiken zu vermeiden und das Freie Führen gehört aus meiner Sicht absolut dazu. Deshalb halte ich es sogar für fahrlässig. Ich kenne Fälle, in denen Menschen ganz stolz darauf waren, wie toll ihnen ihre Pferde frei folgten. In einem Fall habe ich dann einige Zeit später erfahren, dass eins dieser ach so braven Pferde bei einem Autounfall ums Leben kann, weil es frei laufend abgehauen ist. Deshalb: Frei führen nur in sicher geschlossenen Arealen und nur, wenn man die Freiarbeit vom Profi gelernt hat.

Seitwärts auf den Menschen zukommen

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Das Pferd kann entweder auf Handsignal oder auch auf Wortkommando lernen, auf Sie zuzukommen. Das auf die Hand Zukommen trainiert man mit Hilfe des Hüfttargets. Dafür legt man dem Pferd zehnmal die Hand auf die Hüfte, clickt und füttert. Beim 11. Mal hält man einen Millimeter Abstand. Irgendwann wird das Pferd sich den einen Millimeter zufällig bewegen und bekommt dann wieder Click und Futter.

Nach einigen Wiederholungen versteht das Pferd den Zusammenhang. Manche Pferde brauchen dafür allerdings deutlich länger – haben Sie Geduld. Möchten Sie ein Wortsignal trainieren, ist es wichtig, dass Sie das Wort sagen, kurz bevor Sie das bisher genutzte Handzeichen geben. Nach etlichen Wiederholungen wird das Pferd wissen, dass nach diesem bestimmten Wort immer das jeweilige Handzeichen kommt und die Bewegung alleine aufs Wortsignal ausführen.

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Das Pferd seitwärts auf den Menschen zukommen zu lassen, kann gefährlich werden, wenn Pferde die Übung vorwegnehmen oder aus eigenem Antrieb machen. Hier gelten dieselben Dinge wie beim Einparken an der Aufstieghilfe. Da ich keinen positiven Nutzen darin sehe, ein Pferd seitwärts zum Menschen zu holen, unterrichte ich das nicht.

Freizeitreiter haben meiner Erfahrung nach zu oft Kontrollprobleme. Deshalb sollten Laien, die mit ihren Pferden selbständig arbeiten, den Tieren so wenig Chancen für Fehlinterpretierungen geben, wie nur möglich. Das heißt im Klartext: machen Sie keine Übungen, bei denen Sie nicht sicher sind, dass Sie jederzeit die Kontrolle behalten können. Das ist auch dem Pferd gegenüber fairer. Denn lernt ein Pferd durch menschliche Fehler falsches Verhalten, das man nicht ignorieren kann, weil es den Menschen gefährdet, kommt irgendwann der Moment, wo ich es korrigieren muss. Und das ist selten eine schöne Erfahrung fürs Pferd, weil es ja im Glauben handelt, sein Verhalten sei so gewünscht und es würde das Richtige tun. Frust und der Verlust von Vertrauen und Respekt können die Folge sein.

Gebiss selbst nehmen

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Üben Sie mit einer Trense ohne unnötige Riemen (Reithalfter). Voraussetzung: Ihr Pferd kann ins Halfter schlüpfen. Der Reiter steht neben dem gesenkten Pferdekopf, ein Seil oder die Zügel um den Hals verhindern, dass das Pferd weggehen kann. Die rechte Hand liegt im Pferdegenick und hält das Genickstück der Trense in Richtung rechtes Pferdeohr. Die linke Hand hält das gespreizte Gebiss vor das Pferdemaul.

Achten Sie dabei darauf, dass dabei keine Riemen ins rechte Auge geraten. Damit das Pferd sich mit dem Gebiss beschäftigt, führen Sie es an die Maulspalte uns spielen dort damit etwas herum. Bewegt das Pferd nun die Lippen oder öffnet es sein Maul, beenden Sie die Übung. Nach einer Pause setzen Sie neu an. Reagiert das Pferd nicht auf das Gebiss an seinen Lippen, massieren Sie mit Ihren Fingern sanft das Innere der Maulspalte, während das Gebiss weiterhin vor dem Maul bleibt.

Wieder gilt: sobald das Pferd das Maul öffnet, endet die Hilfe (=Massage), das Pferd bekommt eine Pause und Sie beginnen die Übung von Neuem. Öffnet das Pferd willig sein Maul, legen Sie ihm das Gebiss auf die Zunge, ohne dabei die Zähne zu berühren. Bleibt es dabei entspannt, lassen Sie das Gebiss wieder aus dem Maul gleiten und gewähren eine Pause. Nach einigen Wiederholungen können Sie dann auch den Genickriemen vorsichtig und sanft zuerst übers rechte, dann übers linke Ohr ziehen.

Weicht das Pferd dem Gebiss an einem Punkt aus (egal ob vor dem Maul oder schon darin), halten Sie Zaum und Gebiss in der entsprechenden Position und folgen den Pferdebewegungen. In dem Moment, wo das Pferd stoppt oder den Kopf wieder etwas senkt, nehmen Sie das Gebiss weg. Bei Pferden mit Abneigung gegen das Gebiss, können Sie das Metall im Maul durch ein Leckerli schmackhafter machen. Das Futter hilft, die erste Blockade zu überwinden, sollte aber nicht dauerhaft zum Zäumen nötig sein.

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Bevor Sie die Trense anziehen können, muss Ihr Pferd gelernt haben, selbständig ins Halfter zu schlüpfen. Dann trainieren Sie das Aufnehmen des Gebisses separat. Das Gebiss wird zum Target und das Pferd bekommt bei jeder Berührung Click und Belohnung. Hat es das verstanden, kommt für das Berühren keinen Click mehr. Die meisten Pferde öffnen dann leicht das Maul, was dann sofort geclickt wird. So ist es in der Regel eine Sache von nur wenigen Trainingsminuten, bis das Pferd das Gebiss ins Maul nimmt. Erst wenn das gut klappt, zieht man die ganze Trense an.

Pferde von der Gruppe trennen

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Lässt sich Ihr Pferd entspannt an jeder Position der Gruppe reiten und auch mal einige Meter entfernen, können Sie beginnen, sich ganz von der Gruppe zu trennen. Der beste Ort dafür ist eine Wegkreuzung. Ihr Übungspartner verschwindet mit seinem Pferd kurz um die Ecke außer Sichtweite und kehrt dann sofort zurück. So lernt das Pferd, dass sein Partner nicht ganz verschwindet, auch wenn es ihn mal nicht sieht.

Bleibt das Tier dabei ruhig, können Sie die Zeit ohne Sichtkontakt langsam verlängern. Wichtig: Ihr Partner muss zurückkommen, bevor Ihr Pferd unruhig wird. Passiert das doch mal, war die Zeit zu lang und Sie müssen mit kürzeren Abwesenheiten üben. Bei sehr unsicheren Pferden oder unerfahrenen Reitern kann es helfen, wenn der Reiter des wartenden Pferds absteigt. Damit minimieren Sie die Unfallgefahr, wenn das wartende Pferd doch mal Angst bekommt und heftig reagiert.

Pferd aus der Ferne rufen

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Kommt ein Pferd im Roundpen, kann man ein Komm-Signal etablieren. Das kann das Heben der Peitsche sein, aber auch ein Stimmsignal wie „Komm her!“ Das Signal geben zusammen mit den Hilfen, die Sie im Roundpen fürs Kommen erarbeitet haben. Sobald das Pferd darauf einen richtigen Bewegungsansatz in die Zirkelmitte zeigt, setzen alle Hilfen aus. Nach einer Pause wiederholen Sie die Übung.

Mit der Zeit können Sie die ursprünglichen Hilfen reduzieren, ihr Pferd sollte dann auch auf das neue Signal zu Ihnen kommen. Auch bei dieser Übung gilt wieder: Safety first! Üben Sie das Kommen nur, wenn Sie Ihr Pferd jederzeit stoppen und auch wieder wegschicken können.

Pferd trotz Angst kontrollierbar?

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Lässt sich Ihr Pferd sicher an statischen Angstauslösern wie einer still hängenden Plane vorbei dirigieren, können Sie die Schwierigkeit steigern. Bewegt sich etwas unbekanntes, sind viele Pferde noch ängstlicher. Deshalb sollten Sie Ihr Pferd nur langsam mit mehr Bewegung konfrontieren.

Lässt sich Ihr Pferd entspannt an einer Plane vorbeimanövrieren, die über dem Reitplatzzaun hängt, setzt ein Helfer die Plane vorsichtig in Bewegung. Reiten Sie in der gewohnten seitlichen Abstellung daran vorbei. Immer, wenn das Pferd eine Aufgabe meistert, kann der Helfer die Bewegungen der Plane intensivieren.

Zunächst sollte diese Bewegung gleichbleibend sein. Bleibt das Pferd dabei gelassen, kann der Helfer auch mal spontan voll bewegen. Das sollten Sie aber nur üben, wenn Sie ggf. heftige Reaktionen Ihres Pferds kontrollieren können. Denn bei aller Abhärtung sollten Sie keine gefährlichen Situationen provozieren. Kennt Ihr Pferd eine flatternde Plane, können Sie das Training mit demselben stufenweisen Aufbau und anderen Dingen wiederholen (z.B. einem Regenschirm, der am Ende plötzlich neben dem Pferd aufspringen können sollte, ohne dass das Pferd dabei übermäßig erschreckt). Gelingen die Übungen auf dem heimischen Platz, verlegen Sie sie ins Gelände. So bereiten Sie sich auf alle Eventualitäten vor.

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Bewegt sich ein Angstauslöser, sollte das Pferd stehenbleiben können. Das kann man erreichen, indem man per Clicker gewünschtes Verhalten systematisch belohnt. Stellen Sie Ihrem Pferd doch mal die Frage, ob es stehen bleiben kann wenn...

... ein Ball hinter ihm vorbei geschossen wird
... ein ferngesteuertes Auto vorbei fährt oder
... ein rumpelnder Bollerwagen vorbei fährt

Wichtig dabei ist, dass man immer an einem Punkt anfängt, bei dem das Pferd Erfolg haben kann. Ihr Helfer schießt zum Beispiel den Ball anfangs langsam und in sicherer Entfernung. Meistert das Pferd die Aufgabe, gewinnt es durch den Erfolg Sicherheit. Nun steigert man die Anforderungen indem der Ball immer dichter kommt und vielleicht auch schneller rollt oder fliegt. Verlangen Sie immer nur so viel, dass das Pferd noch gerne mitmacht.

Gegenstand wie Schirm und Ball berühren

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Berührungen mit anderen Gegenständen erarbeiten Sie ebenso wie Sie mit der Plastiktüte vorgegangen sind. Sie nähern sich mit dem Gegenstand zunächst langsam der Schulter-Widerristregion. Immer, wenn Ihr Pferd ausweicht, verlangsamen Sie die Bewegung, bleiben aber dran. Stoppt das Pferd seine Bewegungen, entfernen Sie den Gegenstand sofort und geben dem Pferd eine Pause.

Erst danach beginnen Sie die Übung neu. Ist der Gegenstand an sich an allen Körperstellen akzeptiert, steigern Sie die Herausforderung, indem Sie den Gegenstand schneller annähern, einen Schirm neben dem Pferd öffnen oder einen Ball auf seinem Rücken bewegen. Gehen Sie in kleinen Schritten vor: Wenn Sie Ihrem Pferd beispielsweise bisher nur den geschlossenen Schirm gezeigt haben, machen Sie es zuerst mit dem offenen Schirm vertraut, bevor sie den Schirm neben dem Pferd öffnen.

Genauso langsam üben Sie das Anwerfen mit einem Ball: Zunächst rollt ein kleiner Ball auf dem Pferd, dann werfen Sie aus ganz kurzer Distanz (wenige Zentimeter). Vergrößern sie die Distanz langsam und steigen Sie später auf größere Bälle um (z.B. die Gymnastikbälle, mit denen Pferde oft aus spielen).

Kopf tief mit Reiter - Übung zum Kopfsenken

CAVALLO Experte Peter Kreinberg erklärt die Übung:

Das ist eine gute Übung, wenn Pferde dazu neigen, sich bei Stress hoch herauszuheben und den Rücken wegzudrücken. Sitzt die Grund-Übung vom Boden, sollten Sie ein unabhängiges Signal einführen. Zuerst sollte Ihr Pferd lernen, auch auf Zupfen am Halfter den Kopf zu senken. Dazu kombinieren Sie zuerst beide Signale und lassen dann die Genickberührung zunehmend weg.

Senkt das Pferd den Kopf zuverlässig auf leichte Zupfer am Führseil, kombinieren Sie dazu gleichzeitig ein weiteres Signal am Pferdebauch. Klopfen Sie rhythmisch mit den Steigbügelriemen an den Rumpf. Hat Ihr Pferd verstanden, dass diese Signal-Kombi das Zeichen für „Kopf tief“ ist, können Sie die Übung in den Sattel übertragen.

Wenn Sie gleichzeitig sanft mit den Zügeln zupfen und die Schenkel abspreizen und leicht rhythmisch an den Pferdebauch pendeln lassen, begreifen die meisten Pferde sehr schnell, dass sie den Kopf senken sollen. Wichtig: In der Lernphase müssen Sie wieder langsam aufbauen. Anfangs setzen Sie die Hilfen aus, sobald das Pferd auch nur im Ansatz richtig reagiert und seinen Kopf nur eine Idee senkt. Durch geduldige Wiederholungen wird es bald den Kopf tiefer senken. Diese Übung sorgt nicht nur durch den tiefen Kopf für Entspannung. Wenn der Reiter die Schenkel abspreizt, lockert er seine Hüfte und entspannt seinen Oberkörper. Das hilft dem Pferd zusätzlich, sich zu beruhigen.

CAVALLO Experte Viviane Theby erklärt die Übung:

Senkt das Pferd seinen Kopf im Stehen auf Signal, können Sie das leicht auf die Bewegung übertragen. Wieder belohnt man jede kleine Senkung von Kopf und Hals per Click und Futter. In der Bewegung ist es sinnvoll, den Kopf nicht zu tief zu clicken. Es reicht aus, wenn die Nase auf Buggelenkshöhe ist. Das sorgt sowohl für Entspannung als auch für die Vorteile der Vorwärts-Abwärts-Dehnung. Die Anforderungen steigen, wenn Sie das Kopfsenken später auch bei Ablenkung abfragen.

Pferd soll unangebunden stehen bleiben

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Wenn Sie mit ihrem Pferd bereits geübt haben, dass das Pferd an einer bestimmten Stelle stehen bleibt, können Sie das noch ausbauen. Bewegen Sie sich immer etwas weiter vom Pferd weg und halten zunächst den durchhängenden Strick oder Longe weiter an der Hand. Klappt das gut, können Sie den Strick weglassen. Bleiben Sie aber immer in Sichtweite. Ich selbst würde ein Pferd nicht irgendwo alleine stehen lassen.

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung: Das ist im Prinzip nur eine erschwerte Bedingung des unangebundenen Stehens. Zuerst vergrößere ich den Abstand. Dafür nutze ich längere Stricke. Als weitere Steigerung können Sie Heu in der Nähe ablegen. Das Pferd muss dann lernen, dass es nicht dort hinlaufen darf. Ich lasse das Pferd übrigens nicht stehen und entferne mich. Sicherer ist es, wenn ich das Pferd mitnehme oder anbinde. Jedes Pferd kann sich einmal erschrecken und loslaufen.

Ohne Begleitpferd ausreiten oder führen

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Wenn ich alleine reite, gelten die gleichen Regeln wie am Boden. Das heißt: Das Pferd muss gut an den Hilfen stehen. Beim Führen zählte dazu das Synchronisieren der Bewegungen, dass das Pferd sich also auf mich und meine Bewegungen abstimmt. Beim Reiten heißt es, dass es Zügel und Bein gut annimmt. Durch diese Hilfen darf das Pferd aber nicht gestresst werden, ganz im Gegenteil: Es muss weich werden und sich wohl fühlen. Pusht sich mein Pferd trotzdem in der Halle, auf dem Platz oder im Gelände hoch, lenke ich es mit Seitwärtsgängen wie Schenkelweichen ab. Das Pferd wird locker, gibt nach und wird langsamer. Üben Sie das in einer ruhigen Umgebung, dann funktioniert das auch in angespannten Situationen.

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Bevor Sie mit dem Pferd etwa alleine ins Gelände reiten, muss das Führen klappen. Der Unterschied zum Reiten ist dann nicht allzu groß. Warten Sie einen ruhigen Moment ab und sitzen dann auf. Wird das Pferd nervös, können Sie es auch vom Sattel aus mit der Gerte abstreichen. Das wirkt beruhigend. Erst wenn Sie auf dem Platz oder in der Reitbahn alleine reiten können, sollten Sie sich ins Gelände wagen. Die Übergangsphase wird erleichtert, wenn Sie eine weitere Person zu Fuß oder mit dem Fahrrad begleitet.

Pferd geht von alleine in den Hänger

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Lässt sich das Pferd entspannt in den Hänger führen, kann ich ihm auch beibringen, selbstständig hinein zu gehen. Üben Sie dafür zunächst die Führposition „Dingo“: das ist eine Position nach Linda Tellington-Jones. Ich stehe dafür auf der linken Seite des Pferds auf Schulterhöhe, und zwar frontal zum Pferd. Meinen linken Arm strecke ich zur Seite aus, mein rechter ebenfalls. Mit diesem gebe ich das Signal zum Vorwärtsgehen, indem ich das Pferd auf der Kruppe mit einer Gerte antippe. Funktioniert das an einer beliebigen Stelle, machen Sie das vor der Hänger-Rampe. Geht das Pferd vorwärts in den Hänger hinein, lassen Sie den Führstrick langsam aus der Hand gleiten und schließen die Stange, sobald das Pferd im Hänger steht.

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Voraussetzung ist, dass sich das Pferd locker auf den Hänger führen lässt. Dann können Sie damit beginnen, das Pferd vor dem Hänger an der Hand zu arbeiten. Lassen Sie es beispielsweise seitwärts übertreten oder wenden. Es geht lediglich darum, dass sich das Pferd konzentrieren muss. Führen Sie es dann in den Hänger und geben ihm eine Pause. Wenn das Pferd rausgeht, muss es wieder arbeiten. So motiviert man das Pferd, in den Hänger zu wollen – es wird beginnen, seinen Pausenbereich selbstständig aufzusuchen.

Rückwärts um Kurven reiten

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Muss ich das Pferd rückwärts um eine Kurve herum rangieren lassen wie etwa im Gelände, kombiniere ich dafür zwei Techniken: die Vorhandwendung und das Rückwärtsrichten. Ich teile das also in zwei Schritte auf. Zunächst lasse ich das Pferd um die Vorhand wenden, so dass die Hinterhand in die Richtung zeigt, in die sich das Tier bewegen soll. Dann lasse ich es zurück treten. Danach drehe ich es wieder um die Vorhand und gebe wieder das Signal für „rückwärts“.

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Rückwärts um Kurven zu reiten ist eine Frage der Rittigkeit. Auch das richtige Timing der Hilfengebung ist entscheidend. Angenommen, ich befinde mich auf einer Volte links herum. Dann gebe ich die Hilfen fürs Rückwärtsrichten. In dieser Bewegung will ich dann die Schulter nach außen, also nach rechts, bewegen. Wenn das rechte Vorderbein in der Luft ist, muss ich es genau dann mit meinem linken Bein und meinem Gewicht nach außen schieben. So kann ich das Pferd um eine Kurve rückwärts reiten.

Hufe geben ohne Berührung

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Voraussetzung ist, dass das Pferd gelernt hat, wann es den Huf geben und wann es das Bein stehen lassen soll. Dafür arbeite ich mit verschiedenen Druckphasen. Dadurch wird das Pferd sensibler werden und reagiert auf immer weniger Druck. Verbinden Sie in dieser Phase den Druck mit einem Kommando. Dann hebt das Pferd später auf das Wort „Huf“ das Bein an.

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Dass ein Pferd auch ohne Berührung Hufe gibt, bringe ich nur Pferden bei, die Zirkustricks erlernen. Hier arbeite ich mit dem Clickertraining. Das Berührungssignal am Bein reduziere ich Schritt für Schritt zu einem unauffälligen visuellen Signal mit den Fingern.

Pferdekopf einsprühen und waschen lassen

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Lässt sich das Pferd am Kopf nicht waschen, gehen Sie vor wie beim Punkt Anfassen: Beginnen Sie zunächst damit, das Pferd am Rücken einzusprühen. Akzeptiert es das, arbeiten Sie sich langsam zum Kopf vor. Wird es bereits vor dem Kopf an einer Stelle unruhig, sprühen Sie weiter, bis sich das Pferd beruhigt. Erst dann hören Sie mit dem Sprühen auf. So lernt das Pferd, dass der Druck weggeht, wenn es sich wie gewünscht verhält.

Berühren lassen:

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Zappelnde Pferde beim Tierarzt lassen sich vermeiden, wenn das Pferd gelernt hat, wie eine Statue zu stehen. Dazu gehen Sie nach dem gleichen Prinzip vor wie beim unangebundenen Stehen. Ich persönlich setze auch auf den Einsatz von Futter, das hat oft eine beruhigende Wirkung. Nicht zuletzt sollte auch der Besitzer ruhig und gelassen sein; nur dann kann auch das Pferd entspannen.

Longieren auf Stimm- und Körpersignale

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Eine Kehrtwendung übe ich zunächst auf kürzer Distanz. Dafür muss ich auf der Führposition stehen, also auf Höhe der Pferdeschulter. Ein Beispiel: Ich longiere auf der linken Hand. Die Longe habe ich in der linken Hand. Mit meiner rechten Hand greife ich die Longe ein Stück weiter vorne und drehe zugleich meine linke Schulter nach rechts. Durch den Druck, der über die Longe auf das Pferd wirkt, bekommt es signalisiert: Halt an! Meine linke Schulter zeigt dem Pferd dann, dass es sich drehen soll. Das gelingt mir über meine Körperachsen: Stellen Sie sich vor, dass über Ihre Schultern ein langer Bambusstab verläuft. Wenn Sie sich nun zur Seite – in diesem Fall nach rechts – drehen, dann treibt der imaginäre „Bambusstab“ das Pferd aufdiese Seite. Das funktioniert, sobald das Pferd auf meine Laufwege achtet.

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Ich persönlich verzichte bei Kehrtwendungen an der Longe darauf, dass das Pferd eine Vorhandwendung macht. Ich lasse das Pferd für einen Handwechsel durch den Zirkel wechseln. Dafür nehme ich mein Becken zurück, mache eine einladende Geste mit der Longierpeitsche und gehe ein Stück rückwärts. Das ist für das Pferd das Signal, dass es sich auf mich zubewegen soll. Vor dem Pferd gehe ich dann einen Schritt zur Seite, so dass ich auf seine andere Körperseite komme, und longiere in die neue Richtung weiter. Achten Sie darauf, dass Sie beim Handwechsel die Longe entsprechend nachgreifen.

Mit Pferden über Brücken reiten

CAVALLO Expertin Stephanie Hornung erklärt die Übung:

Gewöhnen Sie das Pferd langsam an Bodenhindernisse. Es muss ruhig über Plastikplanen oder Kartons gehen. Dann ist es daran gewöhnt, dass der Untergrund wechseln kann. Bei einer Brücke kommt dann noch ein neues Geräusch hinzu. Das können Sie üben, indem Sie das Gehen über ein Brett und eine Hängerrampe üben. Betrachten Sie das Hindernis als Spiel mit dem Pferd.

CAVALLO Experte Thies Böttcher erklärt die Übung:

Bodenhindernisse zeigen, wie gut Sie Ihr Pferd führen können. Brücken stellen dabei eine Art von frontalem Hindernis dar, genauso wie Pfützen oder Planen. Der einzige Unterschied ist das Geräusch. Weigert sich das Pferd, eine Brücke zu überqueren, ist das ein Zeichen für eine fehlende Rittigkeit. Funktionieren die Hilfen nicht, sollten Sie auf den Platz zurückkehren und Bodenhindernisse üben.

Neben frontalen Hindernissen gibt es auch Hindernisse, an die Sie sich seitlich heranarbeiten können. Dafür bilden Sie einen Engpass zwischen Hindernis und Ihnen selbst. Bleiben Sie in zwei Metern Entfernung zu dem Hindernis – etwa eine Tonne oder eine Plane, die über der Bande hängt – stehen und führen Sie das Pferd um sich herum. Das Pferd muss unbedingt den Mindestabstand einhalten: Es darf nicht näher an Sie herankommen als eine Armlänge. Beim Hindernis wird das Pferd allerdings in Ihre Richtung drängeln. Damit verstößt es gegen eine Regel beim Führen. Korrigieren Sie das Pferd durch seitliches Wegschieben, bis es nicht mehr drängelt. Danach verkürzen Sie den Abstand zum Hindernis. Durch diese Übung lernt das Pferd, Sie zu respektieren. Außerdem gewöhnt es sich an Hindernisse und wird ruhiger.

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