1 CAV Michael Wanzenried Schönewald

Natural Horsemanship trifft klassische Dressur

Ein Mann der leisen Töne

CAVALLO-Porträt: Michael Wanzenried kombiniert Natural Horsemanship und klassische Dressur. Damit bringt er Pferde zum Reden und Menschen zum Fragen.

1 CAV Michael Wanzenried
Schönewald
Parelli-Instructor Michael Wanzenried mit Hispano-Hengst Struppi (links) und Araber Red Sun.

Struppi ist lustig heute. Der neunjährige Hispano-Araber-Hengst, der eigentlich Pecas heißt, springt kreuz und quer über den Hackschnitzelplatz, rast los, bremst und schüttelt herausfordernd den Kopf in Richtung seines Besitzers. Doch Michael Wanzenried lässt sich nicht provozieren. Der Schweizer Horsemanship-Trainer weiß, wie er den fröhlichen Schimmel nehmen muss. Dessen pubertäres Gepöbel prallt an Wanzenrieds Gelassenheit einfach ab.

Nachdem der Hengst seine überschüssige Energie verpulvert hat, widmen sich beide ihrem Spiel aus Bodenarbeit, Freiheitsdressur und klassischer Reiterei. Spanischer Schritt und Passage-Ansätze am Boden, Piaffe, Pirouetten und fliegende Wechsel unter dem Reiter – Struppi ist hochkonzentriert und reagiert auf leichte Hilfen. Irritation beim Zuschauer kommt auf, wenn Wanzenried den Hengst in liebevollem Schwyzerdütsch als faulen Bock, Lügenbold oder „Zuckerohr, Schweineohr, Affengesicht“ bezeichnet. Auf Bierernst und Verbissenheit pfeift der Trainer – ganz wörtlich mit bekannten Melodien aus Pop und Klassik.

Michael Wanzenried vereint in seiner Arbeit, die neben der Pferde-Ausbildung auch Unterricht und Kurse in ganz Europa umfasst, zwei Welten. Er ist einer von drei europäischen Vier-Sterne-Parelli-Instruc-toren und lässt sich seit 2007 von Philippe Karl zum Trainer ausbilden.

„Ich muss dem Pferd bieten, was es braucht, damit ich bekomme, was ich möchte“, ist das Credo des jugendlich wirkenden Manns, dessen sonnenverbranntes Gesicht von Baseball-Kappe und kinnlangen dunklen Locken umrahmt wird. „Beim Natural Horsemanship lernt der Mensch, auf die geistigen und seelischen Bedürfnisse des Pferds einzugehen. Philippe Karl vermittelt dasselbe für den Körper.“

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Ungarische Post ohne Zaum

2 CAV Michael Wanzenried
Schönewald
Ungarische Post ohne Zaum – selbst auf der Weide für Wanzenried kein Problem.

„Wenn ich mein Pferd als Partner will und nicht als Sportgerät, muss ich ihm erlauben, seine Bedürfnisse zu äußern“, sagt Wanzenried. „Es muss seinen Geist benutzen und nicht mechanisch ein Programm abspulen.“ Also darf Stuppi toben und krähen. Im Gegenzug erduldet der Hengst leicht angewidert, dass ihn sein Besitzer mehrfach hingebungsvoll auf die Nase küsst. Zu mehr zwingt Wanzenried ihn jedoch nicht: „Sie würden Ihren Liebsten ja auch nicht an sich ketten, damit er bei Ihnen bleibt.“ Motivation statt Druck – die Beziehung zwischen Mensch und Pferd funktioniert auf freiwilliger Basis besser. Das lernte Michael Wanzenried während seines US-Aufenthalts bei Horseman-Legende Pat Parelli vor allem vom Araber-Wallach Red Sun. Der kam als Problempferd zu Parelli, Wanzenried arbeitete mit ihm.

Red Sun machte zwar bald brav, was von ihm verlangt wurde, blieb aber verspannt, introvertiert und scheu. Der Grund lag in Wanzenried selbst: „Ich war ehrgeizig und hatte bei der Arbeit immer ganz klare Ziele. Das reichte aus, um ihn zu überfordern“, erzählt der Schweizer. „Erst als ich nichts mehr forderte und wirklich offen für das war, was das Pferd mir anbot, gelangen plötzlich Dinge, die zuvor unmöglich waren. Zum Beispiel fliegende Galoppwechsel.“

Heute zeigt der inzwischen 23-jährige Red Sun, der Wanzenried seit 2000 gehört und 2003 mit ihm in die Schweiz zog, am Tor seines Paddocks deutlich, dass er lieber auf die Weide ginge. Seinen Besitzer freut das, denn der schüchterne Wallach brauchte Jahre, um überhaupt Wünsche zu äußern.

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"Als wäre ich selbst geritten"

5 CAV Michael Wanzenried
privat
In seiner Zeit bei Pat Parelli wurden der legendäre Horseman und Michael Wanzenried enge Freunde.

Im Sommer 1998 kam Michael Wanzenried für einen Kurs auf meine Ranch nach Pagosa Springs, Colorado/USA. Mickey war zwar im Vorjahr auch schon bei mir gewesen, aber da war er mir noch nicht besonders aufgefallen.

Im Sommer 1998 bemerkte ich zuerst, dass er kaum Englisch sprach. Dennoch absolvierte er den Kurs mit großem Erfolg. Dank seiner Begeisterung und Hingabe lernte er sehr schnell und war bald der beste Teilnehmer des Kurses.

Am Ende fragte ich ihn, ob er länger bleiben und weiter lernen wollte. Mickey blieb und wurde immer besser. Zuletzt war er mein offizieller Assistenztrainer. Besonders bemerkenswert: Wenn er in meiner Abwesenheit mit meinen Pferde arbeitete, fühlte sich das hinterher genauso an, als wenn ich sie selbst geritten hätte.

Mickey ist inzwischen – ähnlich wie ich – dauernd unterwegs. Doch da die Parelli-Welt klein ist, höre ich immer wieder von den großartigen Dingen, die er leistet. Wir treffen uns mindestens ein- bis zweimal im Jahr. Mickeys große Stärke ist die Arbeit mit schwierigen Pferden. Denn diese Pferde bieten auch für erfahrene Horsemen immer neue Herausforderungen.

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Als die Wende kam

3 CAV Michael Wanzenried
CAVALLO
Michael Wanzenried im Unterricht mit einem Schüler.

Nach dem Schulabschluss mit 15 Jahren machte er die Rennlizenz und begann, auf einer Rennbahn zu arbeiten. Zehn Jahre lang ritt er Vollblüter in Flach- und Hindernisrennen auf konventionelle Art. Die Wende kam, als Ende der 90er-Jahre ein lediglich mit Halfter und Seil ausgestatteter Mann einen Galopper in die Startbox brachte, an dem zuvor mehrere Männer mit Peitschen verzweifelt waren. „Dieses Pferd hatte auf Anforderungen immer negativ reagiert. Plötzlich ging es positiv in die Startbox und sprang sogar direkt vorwärts hinaus, anstatt zuerst rückwärts zu schießen“, erinnert sich der Ex-Jockey, der das Pferd nach diesem Training ritt.

Das wollte Wanzenried auch können – und packte seine Sachen: Im Sommer 1997 reiste er zum ersten Mal zu Parelli in die USA, ein Jahr später erneut. Aus dem Kurs wurde ein jahrelanger Aufenthalt, aus Wanzenried Pats rechte Hand. Bis Ende 2002 war er Assistenztrainer, dann zog es den ledigen Schweizer zurück in seine Heimat. Seitdem gibt er dort als selbständiger Trainer sein Wissen auch auf der Internetseite www.wanzenried.com weiter. Und das wird immer größer, denn Wanzenried lernt selbst eifrig hinzu, zum Beispiel im Umgang mit Reitschülern: „Was muss ich wie sagen? Soll ich bei einem Problem eingreifen oder nicht?“ Dass Menschen ebenso schnell unter- oder überfordert sein können wie Pferde, war ihm neu. „Wie viel Information und Motivation braucht jemand? Der Grat zwischen zu viel und zu wenig ist schmal.“

Manchmal ist weniger mehr, vor allem, wenn Schüler selbst kreativ werden und etwas probieren sollen. Wanzenried erinnert sich: „Bei einem Kurs machte ich viele Übungen vor. Die Teilnehmer standen nur passiv herum.“ Er aber wollte Eigeninitiative. Also zeigte er am nächsten Tag wieder Übungen, ging dann „ganz kurz“ für eine Stunde „auf die Toilette“ – und beobachtete die Gruppe durch ein Loch der Hallenwand: „Nicht lange, und alle übten selbstständig.“

Michael Wanzenried lockt Menschen ebenso aus der Reserve wie scheue Pferde – mit einer Mischung aus Grips, Kreativität und wohltuender Bescheidenheit. Auch die Presse begrüßt er zurückhaltend: „Guten Tag.“ Pause. Dann: „Haben Sie hergefunden?“ Wieder Stille. Wer etwas von ihm wissen will, muss fragen. Und zuhören: So leise Wanzenried als Mensch ist, so ausfürlich sind seine Antworten. Die unterlegt er mit großen Gesten und vollem Körpereinsatz. Von Selbstherrlichkeit aber keine Spur. Der Horseman hat es nicht nötig, auf den Putz zu hauen: „Wer etwas kann, muss sich nicht produzieren. Und am Ende zeigt eh das Pferd, wie gut du bist.“

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Voller Spaß und Hingabe

4 CAV Michael Wanzenried
CAVALLO
Die klassische Dressur ist die neue Leidenschaft von Michael Wanzenried, auch wenn er am Sitz noch feilen muss.

Michael Wanzenried habe ich im Jahr 2006 kennengelernt, als er an mehreren meiner Reitkurse teilnahm. Im folgenden Jahr begann er dann bei mir die Ausbildung zum zertifizierten Trainer. Wie auch die anderen sechs fortgeschrittenen Parelli-Instruktoren, die an meinen Trainerkursen teilnehmen, ist er hochmotiviert, die klassische Reitkunst von Grund auf zu erlernen. Im Gegensatz zu anderen Methoden harmoniert sie mit seiner Philosophie vom gewaltlosen Umgang mit dem Pferd.

Als Schüler ist Michael unglaublich hingebungsvoll und fröhlich. Wie seine Horsemanship-Kollegen musste er einiges hinzulernen, was den klassischen Sitz und das Gefühl für Balance, Bewegung und Impulsion anging. Andererseits war er – wie seine Kollegen – unbelastet von den Dogmen der konventionellen Reiterei, wo Kraft und Zwang vorherrschen. Das ist ein großer Vorteil.

Michael arbeitet hart, ist dabei aber immer freundlich. Er wird ohne Zweifel ein exzellenter Lehrer. Jeder Reiter, der sein Verhältnis zu Pferden verändern möchte und nach einer intelligenten Reiterei sucht, kann von seiner enormen Erfahrung profitieren. Ich erwarte noch viel Positives von Schülern wie ihm.

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