Reiten lernen - mein erstes Mal Lisa Rädlein

Reiten lernen - mein erstes Mal (Teil 1)

Erst spüren, dann führen

Mona und das Reit-Experiment: Wie fühlt es sich an, mit 23 Jahren Reiten zu lernen? Viele erste Male werden Mona auf diesem Weg begleiten. Zunächst soll ein Führtraining die nötige Sicherheit geben.

„To ride“ (engl. reiten, fahren) war zunächst der einzige Aspekt, der mich als MOTORRAD-Volontärin mit dem Thema Reiten verband. Als Kind – etwa mit acht Jahren – verbrachte ich einige Stunden auf dem Rücken flauschiger Islandpferde: Ausreiten, pflegen, ohne Sattel und Manier.

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Reiten lernen - mein erstes Mal
Reiten lernen Teil 1 Mona und das Reitexperiment - Erst spüren, dann führen
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Reiten lernen - mein erstes Mal
Lisa Rädlein
Der erste Kontakt mit Xalando an seiner Box: Dieses freundliche Gesicht wird mir nichts tun, da bin ich mir sofort sicher.

Zurück in die Kindheit

Die Pferde wichen dann irgendwann den Pferdestärken auf zwei Rädern. Umso euphorischer war ich, als mir die Kolleginnen das Experiment mit CAVALLO vorschlugen. Ich sagte sofort zu und freute mich schon auf samtige Pferdenasen. Die Kollegen ließen mich unvorbelastet losziehen und waren gespannt auf die Erfahrungen, die ich als Reitneuling so mitbringen würde.

Als ersten Tipp gaben sie mir aber eine Empfehlung an die Hand: Das Barockreitzentrum in Heimsheim liegt nahe an meinem Wohnort und ist bekannt für tolle Pferde, einen super Stall und gute Betreuung durch die Leiterin des Zentrums Ulrike Störzbach. Das Abenteuer konnte also beginnen.

Los geht's! Aber was braucht es?

Aber halt! Was brauche ich überhaupt? Was passiert beim ersten Mal? Und darf ich Karotten mitbringen? Ganz ruhig, sage ich mir. Einfach intuitiv handeln: Bequeme Jeans, die abgetragenen Stiefeletten vom Winter 2015, einen Helm leihe ich mir, und Karotten lasse ich erst mal zu Hause. Noch eine Flasche Wasser für mich, nicht gerade den Lieblingspulli anziehen und ab ins Auto nach Heimsheim!

Da wartet er auch schon auf mich: der Geruch von Pferden, Heu und Misthaufen. Herrlich! Sofort schwelge ich in Kindheitserinnerungen und den Isländern. Eine Art Déjà-vu. Irgendwie idyllisch, irgendwie aufregend. Dann tippele ich vorsichtig in Richtung Stall.

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Den Strick hier herum, dann dort hinein und so durchziehen … Während ich am Pferdeknoten verzweifle, beschnuppert Xalando mich behutsam.

Vorwissen-Test und Pferd kennenlernen

Darf man hier einfach so reinlaufen? Aber CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein und Reitlehrerin Ulrike Störzbach empfangen mich bereits. Es scheint, als haben wir den gleichen Klamottengeschmack – Rosa ist die Farbe des Tages und den ersten Lacher wert. Dann bequatschen wir mein Vorwissen.

Wie gesagt, das ist nicht sonderlich viel: Ich weiß, was ein Halfter ist, kenne Schritt, Trab und Galopp und meine mich zu erinnern, wie man Hufe auskratzt. Und dass ich es immer witzig fand, wie die Pferde ihr Bein von ganz alleine anheben und entlasten, sobald es an die Pediküre geht. Offenbar hat Ulrike Störzbach mich schnell analysiert und den sensiblen, aber unglaublich netten Xalando ausgesucht.

Der weiße Lusitano soll mein Partner sein. „Gleich hier links steht er, der kleine Weiße. Sag doch schon mal Hallo“, lädt mich Ulrike Störzbach ein und so mache ich mich auf die Suche nach einem weißen Pferd mit dem außergewöhnlichen Namen.

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Vorsichtig putze ich Xalandos Gesicht. Er scheint mir zu vertrauen und neigt mir seinen Kopf entgegen.

Gegenseitiges Kennenlernen auf dem Putzplatz

Wie sagt man einem Pferd Hallo? Ich versuche es mit einem freundlichen „Hallo“ und Xalando kommt tatsächlich zu mir nach vorn an die Box. Sieht nett aus, nicht sonderlich riesig, auch streicheln lässt er sich von meiner vorsichtigen Hand.

Etwas unbeholfen führe ich den Guten zum Putzplatz und meine Reitlehrerin zeigt mir einen Pferdeknoten, den ich nach ungefähr sieben Versuchen endlich verstehe. Währenddessen beschnuppert mich Xalando und beäugt die Anfängerin kritisch, wirkt aber entspannt. Dann werde ich in die Kunst des Striegelns eingeführt: Hiermit kreisend drüber rubbeln, damit weich machen und Haare abstreifen, Schweif und Mähne ganz vorsichtig kämmen. Ach ja, und die Haare vom Boden in den vorgesehenen Eimer fegen.

Schon jetzt habe ich einiges gelernt: Jedes Pferd hat seine eigene Beauty-Box. Es dauert Jahre, bis ein Schweifhaar nachwächst. Nie eng hinter dem Pferd vorbeigehen. Und: Man striegelt in erster Linie, um den Gesundheitszustand seines Pferds genau zu untersuchen und Veränderungen an Temperatur, Haut, Haar und Knochen zu spüren. Doch das war nur der Anfang.

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„Ich möchte nach links Xalando …“ Denke ich, während dieser sich lieber mit charmantem Blick der Kamera zuwendet. Er ist eben ein Modeltyp.

Auf geht’s zum Sandplatz, Xalando folgt mir genügsam

Xalando ist hübsch, ich bin bereit und wir marschieren nach draußen. Hier lerne ich in meiner ersten Einheit vor allem das Pferd kennen, soll verstehen, wie es tickt und welche Bewegung meinerseits sich wie auf das Pferd auswirkt. Damit hängen das richtige Führen und die korrekte Körpersprache zusammen.

Das weiße Ross und ich verstehen uns auf Anhieb ganz gut. Ich vertraue ihm und habe tatsächlich keinerlei Angst, dass er mir auf die Füße treten könnte. Sein Blick sagt mir, dass er mich zumindest auch okay findet – glaube ich. Dennoch merke ich, als ich so neben den hohen Schultern stehe, wie klein ich im Gegensatz zu ihm bin. Wenn er wollte, könnte er … Das Pferd wäre mir absolut überlegen, könnte mich zertreten wie eine Fliege oder einfach weglaufen.

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„Halt! Langsam! Woher weiß Xalando, dass ich rückwärts gehen möchte? Und was ist der erste Hufschlag?“

Übung: Loslaufen und Anhalten

Doch ich vergesse den Gedanken sofort, während Xalando brav neben mir hertrottet. Meine erste Übung ist das Anlaufen: Das Pferd muss zuerst los, also soll ich mit einer sanften, einladenden Geste andeuten, dass ich laufen möchte. Automatisch sage ich etwas wie „Los!“ oder „Komm!. Der geübte Xalando versteht mein zaghaftes Kommando. Meistens. Manchmal schaut er lieber den Schmetterlingen beim Flattern zu oder träumt schon mal von Karotten, die ich leider nicht dabei habe.

Nächster Schritt: Zum Anhalten groß machen – nicht leicht bei meinen 158 Zentimetern – und stehenbleiben. Nun laufen wir umher. Xalando macht den Anfang, ich übernehme die Führung. Meine Schultern sind möglichst parallel zu denen des Pferds. Letzteres ist bei einer Rechtskurve wichtig – ich führe immer von links – denn hier kann ich das Pferd nicht einfach mit auf meine Seite nehmen, sondern muss mit meiner linken Hand und der bewussten Drehung die Richtung weisen.

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Im Gleichschritt trabe ich mit Xalando über den Platz, den Strick lasse ich locker. Meinen Blick kann ich nur schwer von ihm abwenden.

Zum Glück macht Xalando nicht den Anschein, als würde er mir dabei ins Ohr beißen wollen und so klappt auch diese Übung relativ geschmeidig. Ich habe zwar das Gefühl, den Routinier deutlich zu unterfordern, kann aber nicht leugnen, dass mich diese vielen neuen Punkte ganz schön in Anspruch nehmen. Anlaufen, stehenbleiben, drehen – jede Übung wiederhole ich auf Ulrike Störzbachs Anweisung, bis ich mich sicher fühle.

Zweiter Gang: Führen im Trab und Rückwärtsgehen

Weiter geht’s: Ich erhöhe die Gangart und Xalando rennt mit mir über den Platz, als sei es eine sommerliche Blumenwiese und wir beide gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Wäre da nicht der blöde Sand, in dem er deutlich besserlaufen kann als ich. Ich fühle mich wie in einem dieser kitschigen Pferdefilme und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.

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Loben, streicheln, tätscheln. Gehört genauso dazu wie der Keks nach der Reitstunde.

Ulrike Störzbach weist mich an, am ersten Hufschlag zum Stehen zu kommen. Okay, gerne! Aber wo ist das? Die äußerste Bahn also; hier sollen wir rückwärts gehen. Ein Pferd rangieren – klingt kompliziert. Wäre es vielleicht auch, wenn Xalando nicht so ein Braver wäre, der es mir anscheinend unbedingt recht machen will.

Die Gerte berührt seine Brust gar nicht, ich denke nur an das Rückwärtsgehen und schon erkennt er die Richtung, die ich ihm damit vorgebe. Ich bin begeistert! Er wirkt unglaublich feinfühlig und ich frage mich, ob Pferde das so an sich haben, oder ob ich einfach ein gutmütiges Modell erwischt habe.

Ruhige Art untstützt gute Kommunikation

Viel komme es auch auf die Art des Menschen an, lasse ich mir sagen. Was Lisa Rädlein und meine Reitlehrerin beobachtet haben, beruhigt mich und stimmt mich hoffnungsvoll, bald selbstständig zu reiten: Wohl treffe ich mit meiner ruhigen Art gegenüber den Pferden genau deren Geschmack, was sich positiv auf sie auswirkt.

Da ich Pferde ohnehin als eher schreckhaft und sensibel abgespeichert habe, scheint es mir logisch, nicht hektisch oder nervös neben ihnen zu hantieren. Nach einer Weile erklärt Ulrike Störzbach die heutige Einheit für beendet. Xalando könne noch länger, keine Frage, aber ich solle das Gelernte erst einmal verarbeiten, bis es das nächste mal in den Sattel geht. Ich freue mich schon jetzt.

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Rückwärtsgehen ist für Xalando eine leichte Übung, für mich nach Ulrike Störzbachs Erklärung schließlich auch.

Mein Fazit zum ersten Führtraining

Im Hinblick auf mein tägliches Arbeitsumfeld vergleiche ich das Reiten mit dem Motorradfahren: Beide tragen mich auf ihrem Rücken, beides muss man lernen. Stürzt man, tut es weh. Der Unterschied liegt aber nicht nur in weichen Pferdenasen. Wenn ich Motorradfahren kann, kann ich jedes Modell bewegen, sofern ich mit den Füßen auf den Boden komme.

Im Stall ist das anders: Jedes Pferd ist eigen, hat seinen eigenen Kopf. Ich glaube, Xalando und ich haben uns angefreundet: Ich habe gelernt, mit meinem Körper zu sprechen, die richtigen Signale zu senden, hatte eine Menge Spaß und komme wieder – selbstverständlich mit Möhren.

Die richtige Ausrüstung im Sattel

Sicherlich muss niemand in voller Montur zur ersten Reitstunde erscheinen. Zur eigenen Sicherheit ist aber ein Reithelm unabdingbar. Manche Reitschulen bieten Helme zum Verleih an.

Statt einer teuren Reithose genügt beim ersten Mal eine eng anliegende Hose. Wichtig: Sie sollte innen keine Nähte haben, denn die können scheuern.

Wichtig sind auch die richtigen Schuhe. Sandalen und Turnschuhe bleiben bitte im Schrank. Am besten sind Schuhe aus Leder mit Absatz. Oder Stiefeletten, die über den Knöchel gehen und mehr Halt im Steigbügel bieten. Die Schuhe sollten keine allzu grobe, aber auch keine allzu glatte Sohle haben. Denn entweder bleibt man damit im Bügel hängen oder rutscht leicht heraus.

Ein weiterer Sicherheitsaspekt: Reithandschuhe. Sie schützen vor Brandblasen, falls das Pferd beim Führtraining den Strick durch die Hand zieht.

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