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CAVALLO-Coach

"Filmore hält gar nichts von Dressur"

Der Wallach von Leserin Katja Bergherr ist beim Dressurreiten zäh wie Kaugummi. Zusammen mit Ausbilderin Nicole Künzel will CAVALLO herausfinden, warum Filmore nicht laufen will.

Früher war er ein sportliches Vielseitigkeitspferd. Heute könnte man ihn Filmore, den Fürchterlichen nennen. Der 14-jährige Wallach greift Menschen an. Nur einen nicht: seine Besitzerin.

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CAVALLO-Coach: Faules Dressurpferd?
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Wie ist es so weit gekommen?

Gemeinsam mit Ausbilderin Nicole Künzel sind wir zu Katja Bergherr und ihrem Pferd gefahren, um den beiden zu helfen. Fragend schauen wir den großen Wallach an. „Filmore hat sicher schon viel hinter sich“, mutmaßt seine Besitzerin. Der Braune hat eine Delle auf der Nase. „Vermutlich trug er als junges Pferd einen zu engen Nasenriemen“, bedauert sie.

Katja Bergherr lernte Filmore als leistungsbereiten Sportler kennen, als die Vorbesitzerin, eine Bekannte von ihr, ihn kaufte. Er ging Vielseitigkeit und wurde jeden Tag geritten. Longieren kannte er nicht. Im Stall der Bekannten zeigte er sich extrem büffelig und distanzlos. Er griff Menschen am Boden an, biss, trat und stieg. „Ich hatte ihn damals schon in Beritt, weil er so schwierig war“, erklärt Bergherr. „Letztendlich überließ mir die Vorbesitzerin Filmore, weil sie nur noch Angst vor ihm hatte.“

Katja Bergherr schaffte es, mit Filmore am Boden zu arbeiten, ohne dass er auf sie losging. „Aber beim Reiten verzweifele ich“, sagt sie bekümmert. Im Gelände und beim Springen ist der Braune voll bei der Sache, aber bei der Dressurarbeit lässt er seine Reiterin im Sattel verhungern. „Er wird schon langsamer, wenn ich die Zügel aufnehme“, klagt Bergherr. Es macht sie traurig, dass ihr Pferd nicht vorwärtsgehen möchte und zudem auch noch Taktfehler zeigt. „Ich habe inzwischen mehrere Reitlehrer durch. Keiner weiß mehr weiter“, erzählt sie.

Medizinisch wurde Filmore komplett durchgecheckt

...von mehreren Tierärzten und einer Chiropraktikerin. Eine Entzündung im Bereich der unteren Halswirbelsäule wurde erkannt und behandelt. Seitdem gilt der Wallach als kerngesund. Der letzte behandelnde Tierarzt sagte, Filmores Unwillen müsse eine Kopfsache sein.

Katja Bergherr führt ihr Pferd zum Putzplatz. Nicole Künzel tastet Filmore vorsichtig ab. Am Hals ist er empfindlich. „Probleme der Halswirbelsäule können auslösen, dass ein Pferd unter dem Sattel wegläuft oder sehr triebig ist. Auch Taktstörungen bis hin zu Lahmheiten können hier ihre Ursache haben“, erklärt die Trainerin.

Beim Satteln und Trensen ist der Braune brav. „Er hatte extremen Sattelzwang und ist schon beim Trensen gestiegen“, berichtet Bergherr, die Filmore einen neuen Maßsattel gegönnt hat. „Es ist anspruchsvoll, Pferde, die viel erlebt haben, wieder zu motivieren, mit uns zusammenzuarbeiten“, sagt Künzel und lobt: „Du hast schon viel erreicht.“

In der Reithalle soll Katja Bergherr ihr Pferd am Halfter führen, anhalten und rückwärtsrichten. Der Trainerin fällt auf, dass Filmore seiner Besitzerin zu dicht auf die Pelle rückt. Deshalb rät Nicole Künzel, den Abstand beim Führen zu vergrößern. „Manche Pferde fühlen sich außerdem herausgefordert, nach dem Menschen zu schnappen, wenn sie zu wenig Raum haben“, erklärt sie.

Dann nimmt Künzel den Wallach selbst an die Hand.

Kommt er ihr zu nahe, bittet sie ihn wieder ein bis zwei Schritte zurück, indem sie ihn mit der Gerte in ruhigem, gleichmäßigem Rhythmus auf die Brust tippt, bis er weicht. Drängelt er mit der Schulter, tippt sie ihn dort mit der Gerte an. Filmore reagiert auf die Korrekturen zunächst sehr verhalten und versucht, nach der Trainerin zu schnappen.

Die Lösung liegt hier darin, immer wieder einen größeren Individualabstand herstellen zu können, damit diese Übersprungshandlungen gar nicht erst entstehen. Künzel wechselt zwischen Führen und Anhalten und lässt die Vor- und Hinterhand weichen. Schon bei der kleinsten Reaktion von Filmore in die richtige Richtung bleibt sie stehen und gönnt ihm eine Pause. Filmore kaut und gähnt. „Er hat noch großen Stress mit mir“, erkennt Nicole Künzel. Dennoch wirkt der Braune nun kooperativer, sein Gesichtsausdruck wird weicher und er reagiert schneller.

Die Trainerin ist zufrieden und übergibt Filmore wieder an seine Besitzerin, die noch unsicher ist. „Wenn du dich langsam bewegst und ruhig und entspannt bleibst, baust du weniger Druck auf“, erklärt Künzel. „Stelle eine klare Frage und freue dich in der nächsten Zeit schon über eine punktgenaue, höfliche Antwort“, rät sie. Als Katja Bergherr anhalten will, läuft Filmore weiter. Künzels Tipp: „Wende dich zu seiner Hinterhand, damit er sich zu dir umdrehen muss und dir wieder seine Aufmerksamkeit schenkt. Danach gehst du weiter in deine gewünschte Richtung.“

Arbeit an der Hand

Nicole Künzel holt die Trense. „Wir probieren mal, wie er die Arbeit an der Hand findet“, sagt sie. Filmore überrascht, weil er prima mitmacht. Künzel rät seiner Reiterin, ihn zunächst mit sanfter Anlehnung am äußeren Zügel zum Nachgeben zu bringen. Um ihn zum Kauen zu animieren und später eine korrekte Stellung herzustellen, darf sie einen Impuls am inneren Zügel nach oben Richtung Maulwinkel geben.

„Erst wenn er eine schöne Haltung hat, sollte er antreten“, betont sie. „Halte leichten Zügelkontakt an beiden Zügeln und achte darauf, dass er sich so beizäumt, wie du es dir auch unter dem Sattel wünschst.“ Nicole Künzel rät, zunächst entlang der Bande das Antreten und Anhalten zu üben, dann Richtungs- und Tempowechsel und Zirkel einzubauen und später Schritt-Trab-Übergänge dazuzunehmen. Aber vor allem soll Filmore lernen, die Zügelhilfen richtig umzusetzen und bereits am Boden eine gute Haltung als Vorbereitung auf das Reiten einzunehmen.

Unterm Sattel

„Nun schauen wir uns Filmore unterm Sattel an“, schlägt Künzel vor. Sie filmt die Reiterin mit dem Handy. Sie zeigt ihr das Video. „Schau mal, sitzt du im Lot?“, fragt sie. Katja Bergherr zweifelt. Künzel legt der Reiterin eine Hand auf den unteren Rücken und bittet sie, sich dort anzulehnen. Im Brustbereich soll Bergherr sich etwas mehr nach vorne verlagern. Dann soll sie die Schenkel aus der Hüfte heraus ein Stück zurücknehmen. Filmore trabt an. Die Trainerin lächelt, aber die Reiterin ist irritiert. „Mein Sitz fühlt sich komisch an“, meint Bergherr. „Logisch“, sagt Nicole Künzel, „es dauert, bis sich das für dich richtig anfühlt.“ Als die Reiterin wieder in den gewohnten Dressursitz wechselt und schwer im Sattel sitzt, werden Filmores Tritte kürzer und er tritt nicht mehr aus der Schulter heraus.

„Es würde Filmore helfen, wenn du ihn vorm Reiten an der Hand arbeitest, damit er gut vorbereitet ist“, rät Künzel. „Achte beim Reiten auf ruhige, große Bewegungen. Ein zu hohes Tempo kann er nicht halten.“ Die Trainerin findet, dass Filmore sich sehr bemüht und nicht wirklich faul ist. Die kleinen Sitzveränderungen helfen ihm schon, sich leichter zu bewegen. Dann zeigt er kaum noch Taktfehler, stolpert jedoch ab und zu. Er macht sich in der Bewegung fest, tritt gebunden und wirkt wie in einem Korsett gefangen. Sie vermutet, dass der Wallach immer noch körperliche Probleme hat und schlägt deshalb vor, ihn noch einmal gründlich therapeutisch durchchecken zu lassen.

Katja Bergherr und ihrem Pferd fallen beinahe die Augen zu. „Puh, das war ganz schön viel auf einmal“, seufzt die Reiterin müde, aber glücklich. „Ich habe jetzt endlich eine Idee, wie ich weitermachen kann“, sagt sie und fragt die Trainerin: „Kann ich ab und zu mal mit Filmore zu dir fahren?“ Natürlich darf sie.

Sind Sie gespannt, wie Filmore sich entwickeln wird? Wir bleiben dran!

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