FN-Beurteilungskatalog für Richter
Interview mit FN-Ausbildungsleiter Thies Kaspareit

Was ist pferdegerechtes Abreiten? Diese Frage haben Reit-Profis in einem Gremium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erörtert.

CAV Rollkur
Foto: Rädlein

Daraus entstanden ist ein Beurteilungskatalog für Richter, um auf Abreiteplätzen gezielt gegen aggressives Reiten vorgehen zu können. FN-Ausbildungsleiter Thies Kaspareit beantwortet die wichtigsten Fragen im Interview.

Wie soll der Kriterienkatalog in der Praxis umgesetzt werden

Thies Kaspareit: Die Turnierfachleute werden in diesen Tagen über die Deutsche Richtervereinigung, die Landesverbände und Landeskommissionen informiert und erhalten unser Schulungsmaterial. Fortbildungsseminare sind zudem geplant. Und natürlich werden auch die Reiter flächendeckend informiert. Um es klar zu sagen: Diese jetzt erarbeiteten Kriterien von pferdegerechtem bis zu nicht pferdegerechtem Reiten sind ja nichts grundsätzlich Neues, sondern definieren lediglich den Rahmen für das Handeln des Richters und sorgen so auch bei Reitern und Ausbildern für mehr Transparenz.

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Haben Richter jetzt mehr Entscheidungskompetenz?

Thies Kaspareit: Entscheidungskompetenz hatte der Richter immer schon, er musste sie nur einsetzen. Aber bislang ist es doch so, dass ein Richter viel Mut braucht und sich unter Umständen gegen Anfeindungen zur Wehr setzen muss, wenn er einen prominenten oder für den Veranstalter wichtigen Reiter ermahnt oder sogar von der Prüfung ausschließt. Der Kriterienkatalog stärkt seine Position. Seine Entscheidung kann er transparent begründen. So kann auch beispielsweise eine besonders intensive Trainingssequenz nachvollziehbar begründet werden, wenn sie insgesamt als pferdegerecht beurteilt wird.

Müssen Richter befürchten, dass Zuschauer mit dem Kriterienkatalog am Abreiteplatz stehen und dem Richter auf die Finger schauen?

Thies Kaspareit: Es gab und gibt immer Leute, die alles besser wissen als der Richter, das wird sich deshalb nicht ändern. Der Richter muss Reiter und Pferd als Ganzes betrachten und sollte sich nicht auf Diskussionen einlassen, ob beispielsweise die Kopf-Hals-Haltung zu eng ist. Wenn er fachlich fundiert das Zusammenspiel aller Faktoren, die pferdegerechtes oder grenzwertiges Reiten ausmachen, erklärt, kann er selbstbewusst seine Entscheidungen klarmachen. Das setzt natürlich voraus, dass der Veranstalter die Autorität des Richters achtet.

Die aktuelle Ausgabe
12 / 2022

Erscheinungsdatum 23.11.2022

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