Pferd mit Reiter Rädlein

Pferde mit mehreren Reitern sind schwerer zu treiben

Studie zur Reaktion auf Reiterhilfen Pferde mit mehreren Reitern sind schwerer zu treiben

Forscher haben untersucht, was die Reaktion auf Reiterhilfen beeinflusst: Pferde mit mehreren Reitern reagierten dabei weniger auf treibende Hilfen und ließen sich leichter zurücknehmen. Das könnte unterschiedliche Ursachen haben.

Wissenschaftler der Universität Sidney um Jessica McKenzie untersuchten in einer Studie zur Reaktion auf Reiterhilfen wie es sich auswirkt, wenn ein Pferd regelmäßig von mehreren Personen geritten wird. Die Annahme der Forscher war, dass solche Pferde weniger sensibel auf treibende und bremsende Hilfen reagieren würden. Denn das Pferd werde mit unterschiedlichen Reitstilen und -Niveaus konfrontiert; auch Körperbau und Händigkeit der Reiter könnten zu unterschiedlichen Signalen führen. Widersprüchliche Hilfen würden zu einer schlechteren Reaktion führen. In diesem Zusammenhang betonten die Forscher, wie wichtig das richtige Timing für die Hilfengebung ist: Würden Hilfen zum Beispiel nicht im richtigen Moment ausgesetzt, könne das dazu führen, dass das Pferd das gewünschte Verhalten in Zukunft nicht mehr oder weniger zeigt. Um ihre These zu untersuchen, werteten die Wissenschaftler Daten zu 1819 Pferden aus einer umfassenden Reiter-Befragung aus.

Verwirrung oder Schmerzen könnten Pferde am Vorwärtsgehen hindern

Ihre Annahme bestätigte sich nur teilweise: So waren Pferde mit mehreren Reitern zwar schwieriger zu beschleunigen, reagierten auf zurücknehmende Hilfen aber gut und nicht wie angenommen ebenfalls schlechter. Die Gründe dafür könnten unterschiedlich sein und müssen noch weiter untersucht werden. So könnte es sein, dass Pferde gegenüber Schenkel- und Gertenimpulsen eher abstumpfen als gegenüber Zügelhilfen. Zudem könnte eine Rolle spielen, dass Pferde, die einfacher zu bremsen sind, von vornherein häufiger etwa als sichere Schulpferde oder in Tourismusbetrieben eingesetzt werden, wo sie mehrere Reiter haben. Außerdem betonen die Wissenschaftler, wie wichtig es ist, Pferde nicht zu vermenschlichen und ihnen Eigenschaften wie "faul" oder "arbeitsunwillig" zuzuschreiben. Dies könne dazu führen, die wahren Ursachen wie etwa Schmerz oder Verwirrung zu übersehen und das Pferd für seinen vermeintlichen Unwillen zu strafen. Vielmehr seien Ursachen wie Erschöpfung, Schmerzen des Bewegungsapparats, psychische Apathie oder das Arbeitspensum zu berücksichtigen. In der vorliegenden Studie wurden diese noch nicht untersucht. Auch diese Faktoren könnten jedoch gerade bei Pferden mit vielen Reitern relevant sein.

Auch Alter und Rasse beeinflussen die Reaktion auf Hilfen

Neben der Anzahl der Reiter fanden die Forscher weitere signifikante Einflussfaktoren auf die Reaktion auf Hilfen: So ließen sich Pferde mit zunehmendem Alter sowohl besser zurücknehmen also auch besser vorwärtstreiben und sie reagierten besser auf Zügelhilfen. Die Forscher führten dies auf die fortschreitende Ausbildung zurück. Auch die Rasse spielt eine Rolle: Schwere Pferde, Iberer, Ponys, Warmblüter und Quarter Horses waren leichter zurückzunehmen als Rassemixe.