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Test: Dressur goes Working

Tausche Viereck gegen Working-Trail

Tausche Viereck gegen Working-Trail! Sabine Ellinger wagte ein kurvenreiches Experiment und entdeckte so das südländische Feuer ihres Knabstruppers.

Magic lässt sich heute verwandeln – und zwar in ein Working-Equitation-Pferd. Der zwölfjährige Knabstrupper-Hengst ist in der Dressur bis Klasse S ausgebildet.

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Dressur goes Working
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Seine Besitzerin Sabine Ellinger aus dem schwäbischen Murrhardt wagt für CAVALLO ein spannendes Experiment: Abseits klassischer Dressurpfade begibt sie sich auf einen sogenannten Trail. Wie werden sich die Dressurausbilderin und ihr Magic wohl als Vaquera (spanisch für Viehhirtin) und Arbeitspferd anstellen?

Das wollen wir gemeinsam mit Nuno Avelar aus Portugal herausfinden, der 2014 Weltmeister in der Working Equitation war und zuletzt das Deutsche Nationalteam als Trainer zum Weltmeister-Titel 2018 führte.

Die Verwandlung nimmt bei Magic schnell ihren Lauf. Den in deutschen Dressurvierecken so beliebten Trab hat er nach ein paar Galopp-Schritt-Übergängen scheinbar schon vergessen.

„Kein Problem, daraus können wir lernen“, freut sich Nuno Avelar. Er will vor allem den Spaß an der Working Equitation vermitteln.

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Sabine Ellinger leitet im schwäbischen Murrhardt ein Rehazentrum für Pferde und bildet Pferde in klassischer Dressur aus.

Auch ein Knabstrupper taugt zum Worker

Gefragt ist hierfür ein rittiges, gut ausgebildetes, vielseitiges Pferd – Rasse und Preis sind egal. „Jedes Pferd eignet sich dazu, egal wie teuer es war. Es braucht dazu nur drei Gangarten“, sagt Nuno Avelar in einem munteren Mix aus Englisch und Deutsch. „Die Pferde des Deutschen Nationalteams haben alle vier zusammen nicht mehr als 10.000 Euro gekostet. Wir brauchen lediglich ein Pferd, das als Partner gerne mit dem Menschen arbeiten möchte“, erklärt Trainer Avelar.

Dazu ist Knabstrupper Magic auf jeden Fall bereit. Er und seine Reiterin tauschen jetzt also Reitplatz gegen Wiese. Avelar entwirft fix einen Trail aus Aluständern. „In nur fünf Minuten können wir einen Parcours aufbauen und ganz abwechslungsreich reiten“, sagt er. Sein Ziel: Er möchte die Reiter rausholen aus einem mitunter eintönigen Dressuralltag mit den immer gleichen Lektionen.

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Nuno Avelar stammt aus Portugal, lebt in der Nähe von Darmstadt und war Europa- und Weltmeister der Working Equitation. Zuletzt trainierte er die deutsche Mannschaft.

Man muss die Linie genau im Kopf haben

Wie ein Trail genau funktioniert, probiert Sabine Ellinger mit ihrem getupften Magic zunächst bei einem Slalom mit Neun-Meter-Abständen aus. Was leicht aussieht, erfordert höchste Konzentration vom Reiter und Durchlässigkeit vom Pferd. Ellinger soll exakt sechs Galoppsprünge von Wendung zu Wendung reiten und jeweils über einen Galopp-Schritt-Übergang auf der Mittellinie den Galopp wechseln. Danach hat sie Schweißperlen auf der Stirn.

„Wenn man nicht schon von Anfang an eine perfekte Linie reitet, ist die Übung im Eimer. Man muss alles genau im Kopf haben“, stellt sie fest. Nach drei Durchgängen wird Magic immer aufmerksamer und bietet sogar fliegende Galoppwechsel an. Nuno Avelar ist zufrieden, Sabine Ellinger hochkonzentriert. „Da ich außer Magic viele Jung- oder Rehapferde reite, spielt sich bei mir im Alltag doch viel auf großen Zirkeln oder ganzer Bahn ab“, sagt sie. „Es ist eine große Umstellung, so viele Übergänge und enge Wendungen zu reiten.“

Trail-Übungen fordern Reiter

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„Man muss die Linienführung von Anfang an genau im Kopf haben, sonst ist die Übung im Eimer.“

Working Equitation ist wie das Basteln mit Legosteinen: „Unser Training setzt sich aus halben Volten, Volten, Geraden und Übergängen zusammen“, erklärt der Trainer. Er kombiniert diese Elemente immer wieder neu und macht die Arbeit so für Pferd und Reiter abwechslungsreich. Durch die ständigen Wechsel der Aufgaben reagieren die Tiere immer feiner auf die Hilfen des Reiters.

„Mit einem so weit ausgebildeten, feinen Dressurpferd können wir natürlich schnell die ganz schwierigen Übungen erarbeiten“, sagt Avelar. Wer kein S-Dressurpferd, sondern ein ganz normales Freizeitpferd im Stall hat, könne die Trail-Übungen aber genauso gut reiten. Dann gilt es, das Tempo runterzufahren und die Trail-Elemente für Pferd und Reiter entsprechend einfacher zu gestalten (siehe auch Übungen in der Fotostrecke).

Trail-Übungen zwingen den Reiter dazu, sich auf den Weg und die Aufgabe zu konzentrieren und weniger aufs Pferd. „Viele Reiter versuchen, durch ständiges Wiederholen Lektionen zu erzwingen“, sagt Nuno Avelar. „Wir gestalten das Training abwechslungsreich und es bleibt spannend für die Pferde.“

Süchtig nach Working-Aufgaben

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„Viele Reiter werden richtig süchtig nach diesen Aufgaben – wie Kinder, die Videospiele spielen.“

Magic wirkt jetzt hochkonzentriert, seine Ohren sind bei seiner Reiterin, er scheint geradezu auf die Hilfen zu warten. „Mich erinnert es ein wenig ans Springreiten“, meint Sabine Ellinger. „Da zählt man als Reiter auch die Distanzen von Hindernis zu Hindernis in Galoppsprüngen und muss das Pferd mal mehr zurücknehmen oder vorwärtsreiten. Beim Trail-Parcours sind die Abstände aber noch viel enger.“

Damit es den beiden ja nicht langweilig wird, geht es für Ellinger und Magic nun ans Rückwärts. Avelar baut zwei parallele Slaloms mit Abständen von etwa drei Metern auf. In der Masterclass – der schwierigsten Klasse der Working Equitation – gilt es, aus dem Galopp anzuhalten und sich dann rückwärts durch den Slalom zu schlängeln. Bis zum Rückwärts klappt das ganz gut. Dann ist Magic verwirrt und bleibt erst mal stehen. Er weiß nicht, wie er rückwärts wenden soll – ging es in der Dressur doch bisher immer nur gerade rückwärts. „Er ist eher der Typ, der einfriert, wenn er was nicht versteht“, sagt Ellinger.

Avelar zerlegt die Übung in kleine Abschnitte. „Um Magic nach rechts zu wenden, schau über deine Schulter nach hinten zur Stange und nutze dein inneres Bein und den äußeren Zügel.“ Sabine Ellinger muss Magic bei dieser neuen Aufgabe gut führen. Nach zwei, drei Drehungen hat er verstanden, worauf es ankommt, und tritt flüssig um die Kurve. „Das ist typisch für ihn“, meint Sabine Ellinger. „Er braucht immer ein bisschen länger, bis er was versteht, aber danach sitzt es zuverlässig.“

Alle sind zufrieden, Ellinger ist begeistert. „Die Slalomstangen lassen wir gleich hier auf der Wiese stehen, da möchte ich unbedingt weiter dran arbeiten“, sagt sie. Nuno Avelar lächelt wissend. „Viele Reiter werden geradezu süchtig danach, diese Übungen immer weiter zu verbessern – wie Kinder, die Videospiele spielen.“

Portugiesischer Humor vs. deutsche Disziplin

Unser Fazit: Der Portugiese vermittelt Dressurreiten mit Humor und Leichtigkeit und bringt so frischen Wind in verstaubte Reithallen. „Ich lebe gerne in Deutschland und mag es, wie hier mit Disziplin und Ernst mit Pferden gearbeitet wird – manchmal aber verkrampft und immer auf der Suche nach Fehlern bei sich und dem Pferd“, findet Avelar. „Habt Spaß mit euren Pferden und seht Fehler als Herausforderung. Seid dankbar für jede kleine Verbesserung.“ Für Sabine Ellinger und Magic ging diese Strategie jedenfalls voll auf.

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CAVALLO Dressur goes Working

Working in Kürze

Working Equitation ist eine Disziplin, die in Deutschland immer beliebter wird. Sie hat eine lange Tradition in den südeuropäischen Ländern, wo die Arbeitsreitweise noch eine große Rolle spielt.

Die Wettbewerbe beinhalten vier Disziplinen, die Reiter mit einem Pferd absolvieren müssen: Dressur, Dressurtrail, Speedtrail und Rinderarbeit.

In höheren Klassen finden die Dressurprüfungen ausschließlich im Schritt und Galopp statt. Die Trail-Hindernisse sind zum Beispiel Gatter, Brücken sowie Slalom-Aufgaben.

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