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16 Trainingstipps, um ein Team zu werden

Tipps fürs Training am Boden, im Sattel und im Kopf

Ein Team zu werden kann man trainieren. Wir sagen, wie Sie das mit Ihrem Pferd schaffen - mit unseren Trainingstipps.

Führungsqualitäten

Harmonie in der Pferd-Mensch-Beziehung bedeutet nicht, dass Ihr Pferd immer machen darf, was es gerade möchte. „Sie sollen Ihr Pferd auch nicht dominieren, sondern ein verlässlicher Partner sein, an dem es sich orientieren kann“, erklärt Dressur-Ausbilderin Nicole Künzel. Was Sie von Ihrem Chef erwarten, wünscht sich Ihr Pferd auch von Ihnen. Eine gute Führungspersönlichkeit weiß, was sie sich wünscht, und kann diese Wünsche klar formulieren. Sie bleibt stets sachlich, kann positiv bestärken, gibt ein eindeutiges Feedback und schätzt auch kleine Vorwärtsschritte wert.

In der Praxis gelten für Sie also folgende Regeln – im Umgang und beim Reiten:
• Machen Sie sich bewusst, wie Sie Ihrem Pferd gegenübertreten. Denken Sie immer daran, dass Sie in Kommunikation mit Ihrem Pferd gehen, sobald Sie seinen Raum betreten – auch auf der Weide.
• Kontrollieren Sie Ihre negativen Emotionen.
• Wenden Sie für jede geäußerte Bitte an Ihr Pferd stets die gleichen Hilfen an.
• Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd Ihre Hilfe versteht, indem Sie klare Signale geben.
• Loben Sie Ihr Pferd, wenn es etwas gut gemacht hat.
• Strafen Sie es nicht, wenn es eine Übung nicht ausführt, sondern probieren Sie etwas anderes, was es gut kann. Danach fragen Sie die Übung noch einmal ab. Gegebenenfalls zerteilen Sie die Übung in kleine Einheiten, um sie Schritt für Schritt zu erarbeiten. Jeder kleine Schritt wird belohnt.

Richtig loben

„Unser Verhalten kann der Schlüssel zur Harmonie sein – oder eben auch bewirken, dass die Tür zum Dream-Team verschlossen bleibt“, meint Trainerin Dr. Claudia Münch. „Wer sich selbst reflektiert, auf sich vertraut, direkt kommuniziert, negative Gefühle kontrolliert und eine positive Grundstimmung hat, ist fürs Pferd der angenehmste Partner.“ Dann sind Sie fair zum Pferd – eine Grundvoraussetzung für gutes Teamwork. „Ein häufiger Harmonie-Killer im Umgang mit dem Pferd ist falsches Lob“, sagt Münch.

Das Pferd muss wissen, dass es etwas gut gemacht hat. Das kann es aber nur, wenn das Lob unmittelbar auf seine richtige Aktion folgt – das heißt innerhalb von drei Sekunden.

Vermeiden Sie, das Lob als „Kommando“ zu formulieren; etwa, indem Sie „gut“ rufen. Studien zeigen, dass Pferde Halsklopfen als Lob weniger mögen als Kraulen am Widerrist. Besser: Zeigen Sie Ihre echte Freude und streicheln Sie Ihr Pferd. Beim Reiten können Sie Ihr Pferd belohnen, indem Sie nach einer gelungenen Lektion durchparieren, stehen bleiben und warten, bis Ihr Pferd einmal tief geatmet hat. Dies ist dann ein Zeichen für Entspannung.

Korrektur ja, Strafe nein

„Strafen sollten Sie vermeiden“, sagt Dr. Claudia Münch. Doch korrigieren dürfen Sie. Wenn Ihr Pferd nach Ihnen schnappt, reagieren Sie direkt, indem Sie ihm mit der Außenseite der flachen Hand an der Maulspalte einen Klaps geben. Sie verteidigen so Ihren persönlichen Bereich, den Ihr Pferd respektieren muss.

Falsche Strafen können beim Pferd zu Vertrauensverlust führen. „Wer vom Pferd fällt und wieder aufsteigt, um zu zeigen, wer der Chef ist, begeht einen Riesenfehler“, erklärt Münch. Das Pferd verbindet die Strafe nicht mit dem Sturz, sondern mit dem, was direkt vor der Strafe erfolgte, also in diesem Fall mit dem Aufsteigen. Sie würden es also dafür strafen, dass es Sie wieder in den Sattel lässt.

Team-Übungen am Boden: Führtraining mit Tempounterschieden

„Korrektes Führen mit Tempo-Unterschieden ist ein Riesengewinn fürs Pferd-Reiter-Team“, erklärt Dr. Claudia Münch. Das Pferd lernt, auf Sie zu achten und nervenraubendes Ziehen und Bremsen am Strick gehören bald der Vergangenheit an. Wichtig beim Basis-Führtraining: Sie bleiben immer auf der gleichen Position, Sie geben immer die gleichen Hilfen und Sie dürfen weder am Strick ziehen noch rucken.

So geht’s: Sie führen Ihr Pferd am Knotenhalfter und einem langen Bodenarbeitsseil im Schritt. Ihre Position ist kurz hinter dem Genick des Pferds. Schauen Sie in die Richtung, in die Sie gehen möchten, nicht auf den Boden oder auf das Pferd. Fassen Sie mit der rechten Hand den Strickhaken, ohne daran zu ziehen. Ihr linker Arm übernimmt das Treiben, wenn nötig.

Ihre Aufgabe: Variieren Sie das Tempo – mal werden Sie schneller, mal wieder langsamer. Ihr Pferd soll sich an Ihnen orientieren und willig das Tempo erhöhen und verringern, ohne dass Sie ziehen oder bremsen müssen. Lässt sich Ihr Pferd ziehen, korrigieren Sie es, indem Sie den linken Arm zum Treiben impulsartig zurücknehmen (gegebenenfalls können Sie diesen mit einer Gerte verlängern, um den Effekt zu verstärken). Möchte es Sie überholen, bremsen Sie es, indem Sie eine gebogene Linie führen. Üben Sie das Führen sowohl von der rechten als auch von der linken Seite.

Achten Sie auf Ihren aufrechten Gang und Ihre Körpersprache. Gelingt die Übung, haben Sie eine tolle Basis geschaffen, um Schrecksituationen zu meistern. Denn wenn Sie gut führen, geben Sie Ihrem Pferd Sicherheit und Vertrauen.

Team-Übungen am Boden: Ihr Pferd hört auf seinen Namen

Freuen Sie sich, wenn Ihr Pferd auf Sie zuschlendert, sobald es Sie am Koppelzaun sieht. Dann sind Sie schon ein gutes Team! Dass Ihr Pferd auf Zuruf kommt, können Sie üben. Dressur-Ausbilderin Nicole Künzel: „Das stärkt die Aufmerksamkeit und Ihre Arbeitseinheit beginnt positiv.“

Am Anfang üben Sie in der Halle oder auf dem Platz. Sie stehen wenige Meter von Ihrem Pferd entfernt. Rufen Sie den Namen Ihres Pferds, immer in einer freundlichen Tonlage. Belohnen Sie es anfangs (Kraulen oder ab und zu ein Futterlob), wenn es Sie nur anschaut. Bald wird es einen Schritt auf Sie zukommen.

Nach und nach können Sie die Distanz erweitern und Ihr Pferd auch aus der Entfernung zu sich rufen.

Team-Übungen am Boden: Wälzen auf Signal

Rituale können sich auf die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd positiv auswirken. Viele Reiter geben Ihrem Pferd nach der Arbeit die Möglichkeit, sich im Sand zu wälzen. Machen Sie eine Übung daraus, die das Vertrauen Ihres Pferds zu Ihnen stärkt: das Hinlegen.

„Ein Pferd liegt nur freiwillig neben einem Menschen, dem es bedingungslos vertraut“, sagt Dr. Claudia Münch. So beginnen Sie das Training: Nehmen Sie dem Pferd nach der Arbeit Sattel und Trense ab und schicken Sie es zum Wälzen in die Hallenmitte. Legt es sich hin, äußern Sie ein Stimmkommando, zum Beispiel: „Leg dich hin.“

Beginnen Sie dann, das Pferd mit einem Futterlob zu belohnen, kurz bevor es wieder aufstehen möchte. Achten Sie darauf, Ihr Pferd in dieser Situation nicht zu erschrecken. So verlängern Sie die Zeit des Liegens Stück für Stück und ganz ohne Stress. Ihr Ziel: Ihr Pferd legt sich auf Kommando hin und bleibt liegen, bis es auf ein weiteres etabliertes Signal wieder aufstehen darf. Münch: „Fußlongen und andere Hilfsmittel sind bei dieser Übung absolut tabu.“

Team-Übungen unter dem Sattel: Paraden, die durchkommen

„Harmonisches Reiten basiert nicht nur auf der feinen Reaktion auf vorwärtstreibende Hilfen. Reiter sollten Ihr Pferd auch leicht und korrekt anhalten können“, erklärt Légèreté-Ausbilderin Sonja Weber. Wenn ein Reiter sein Pferd bremsen möchte und es klappt nicht sofort, ist es meist eine Frage der Balance. Erst weiter ausgebildete Pferde können anatomisch sinnvoll aus höheren Gangarten bremsen, ohne auf die Schultern zu fallen.

Eine Übung für Pferde, die eine Parade vom Trab in den Schritt ignorieren: Sie teilen die Parade in mehrere Schritte auf und holen Ihr Pferd vorsichtig (mit kleinen Impulsen, kein Ziehen am Zügel!) vom Trab über den Schritt und das Halten bis ins Rückwärts zurück. Indem Sie die Bewegungsrichtung umkehren, helfen Sie Ihrem Pferd, seine Balance zu verbessern und es assoziiert mit dem Bremsen sogar Rückwärtsgehen.

Versuchen Sie künftig, bei Paraden das Pferd ans „Rückwärts“ denken zu lassen. Möchten Sie zum Beispiel aus dem Schritt zum Halten durchparieren, gelingt die Parade besser, wenn auch Sie an die entgegengesetzte Bewegung denken anstatt nur an den Stopp.

Team-Übungen unter dem Sattel: Anreiten im Schritt

„Wer Harmonie im Sattel erreichen möchte, braucht als Grundvoraussetzung ein Pferd, das bereit ist, vorwärtszugehen“, sagt Légèreté-Ausbilderin Sonja Weber. „Wir benötigen seine Energie, um es in einer gesunden Haltung bewegen zu können.“ Und: Ein Pferd, das willig auf treibende Hilfen reagiert, akzeptiert die Führung durch den Reiter. Voraussetzung ist, dass das Pferd nicht eingeschränkt in den Bewegungen und gesund ist.

Beim Anreiten aus dem Halten soll Ihr Pferd auf eine leichte treibende Hilfe im Schritt antreten. Reagiert es nicht sofort oder sehr träge, lassen Sie es antraben. Das Pferd assoziiert dann: Auf die treibende Hilfe muss ich mit viel Aktivität antworten. Trabt es beim nächsten Versuch direkt an, loben Sie es für seine prompte Reaktion, anstatt es zu bremsen, weil Sie eigentlich Schritt wollten.

Anfangs können Sie die treibenden Hilfen mit der Gerte verstärken. Lassen Sie sich jedoch nicht dazu verführen, den Schenkeldruck zu erhöhen oder zu verlängern. Dadurch blockieren Sie Ihr Becken und so auch Ihr Pferd. Sie verfeinern die Hilfen durch Wiederholungen, bis Sie die Gertenunterstützung weglassen können. Wichtig ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Energie.

Das Ziel: Ihr Pferd tritt auf feine Hilfen ruhig von hinten unten nach vorne oben an, ohne auf den Schultern davonzulaufen.

Team-Übungen unter dem Sattel: Gezielt Ecken und Volten reiten

„Harmonie beim Reiten kann nur entstehen, wenn das Pferd vom Reiter in die Lage gebracht wird, sich unter dem Sattel harmonisch zu bewegen“, erklärt Sonja Weber. „Ein gut ausgebildetes Pferd hat gelernt, seinen Reiter zu tragen.“

Voraussetzung dafür ist die Tragkraft. „Und diese erreicht man durch versammelnde Arbeit“, ergänzt die Légèreté-Ausbilderin.

Korrekt ist die Versammlung, wenn das Pferd mehr Kadenz in den Bewegungen zeigt, seine Bewegungen sich vermehrt nach oben entfalten und Federkraft entwickelt. Dabei entsteht mehr Aufrichtung und der ganze Rumpf (Schultern, Rücken und Becken) ist beweglich.

Den Weg zur Versammlung können Sie beispielsweise im langsamen Schritt vorbereiten. Mit einfachen Übungen können Sie Schulterkontrolle und Balance verbessern.

Nutzen Sie die Ecken aus! Viele Pferde fallen auf gebogenen Linien auf die äußere Schulter und folgen mit den Hinterbeinen nicht der Vorhand. Durch bewusstes tiefes Ausreiten der Ecken können Sie Ihrem Pferd helfen, sich zu tragen.

So geht’s: Reiten Sie wirklich eine Ecke anstatt eine Rundung. Führen Sie beim Erreichen der Ecke die Vorhand herum (leichtes Schultervor). Dabei geben Sie einen Impuls mit dem inneren Schenkel, damit Sie den Brustkorb des Pferds für einen Moment mehr nach außen bringen. Wenn das Pferd aus der Ecke herauskommt, wird es sich mehr tragen.

Auch die Konterstellung können Sie nutzen. Reiten Sie Zirkel, Volten und Achten in Außenstellung im Wechsel mit geraden Linien. So stabilisieren Sie die Halsbasis Ihres Pferds und erleichtern Ihrem Pferd, diese und den Widerrist anzuheben.

Weitere Tipps für die gesunde Pferdeausbildung nach dem Prinzip der Légèreté finden Sie im Buch „Klassische Arbeit an der Hand“ von Sonja Weber und Kerstin Diacont (Müller Rüschlikon Verlag).

Team-Übungen unter dem Sattel: Mit Musik reiten

„Die Wirkung von Musik ist erstaunlich“, sagt Psychologin Dr. Kathrin Schütz. „Für eine Studie haben wir mehrere Reiter ihre Pferde im Schritt führen lassen, während wir ihre Lieblingslieder abgespielt haben. Die Pferde trugen Kopf und Hals tiefer, entspannten sich und ließen sich mehr auf ihre Führpersonen ein.“

Machen Sie es nach! Suchen Sie sich harmonisch klingende Musik aus, die Sie mögen und die annähernd zum Takt des Pferds passt. Lassen Sie die Lieder beim Reiten in einer angenehmen Lautstärke laufen.

Schütz: „Reiter werden motivierter, fühlen sich beschwingter und übertragen diese Stimmung auf ihre Pferde.“

Team-Übungen unter dem Sattel: Beim Reiten die Augen schließen

Haben Sie auf Ihrem Pferd schon mal die Augen geschlossen? Probieren Sie es aus. „Machen Sie beim Schrittreiten oder Leichttraben eine lange Seite lang die Augen zu. Viele Reiter spüren sich danach mit Ihrem Pferd viel verbundener“, weiß Dr. Kathrin Schütz.

Team-Übungen unter dem Sattel: Zirkelabitur

„Eine gute Biegung ist ein wichtiger Schritt zu harmonischem Reiten“, sagt Reitausbilderin Claudia Kusmanow. „Wenn Sie das schaffen, erhalten Sie Ihr Pferd gesund und flexibel. Es wird beide Körperhälften und Beine gleichmäßig belasten können und sich in seinem Körper und unter Ihnen wohlfühlen.“

Einen runden Zirkel zu reiten, ist leichter gesagt als getan. Mit dem „Zirkelabitur“ aus Kusmanows Buch „Kreativ gegen schief“ (Cadmos Verlag) testen Sie, wie gut das klappt, und trainieren gleichzeitig, besser zu werden.

So geht’s: Sie brauchen 17 Mehrwegflaschen aus Plastik (0,5 oder 0,75 Liter), die Sie mindestens zur Hälfte mit Wasser füllen. Stellen Sie die Flaschen so auf, wie auf der Grafik unten abgebildet.

Ihre Aufgabe: Sie versuchen, durch Gewichtseinwirkung und mit möglichst wenig Zügelhilfen auf der Zirkellinie zu bleiben. Am langen oder hingegebenen Zügel reiten Sie im Trab durch die Markierungen: drei Runden linke Hand, Handwechsel, drei Runden rechte Hand, Handwechsel und so weiter.

Das Abitur bestanden haben Sie, wenn Sie nach 18 Runden nicht mehr als 16 Markierungen umgeworfen haben. Pferde, die schon sehr gut ausbalanciert sind, bewältigen mehr Runden und schaffen es, im Verhältnis dazu weniger Markierungen umzuwerfen.

Wenn es bei Ihnen noch nicht so rund läuft, helfen Ihnen innere Bilder. Beispiel: Stellen Sie sich vor, der Boden unter Ihrem Pferd hebt sich und wird zu einem imaginären kreisrunden Schwebebalken – gerade so breit, dass Ihr Pferd darauf zum Laufen zwei Hufe nebeneinandersetzen kann. Ihr klares Bild im Kopf – „Wir sollten unbedingt auf dem Balken bleiben“ –, vermittelt Ihrem Pferd viel deutlicher, dass es auf der Zirkellinie bleiben soll.

Währenddessen können Sie überprüfen, was Sie tun müssen, damit die Pferdebeine auf der Linie bleiben. Welche Körperspannung brauchen Sie? Was machen Ihre Rumpfmuskulatur und Ihr Becken, sind Ihre Schultern und Ihr Brustbein auf die Zirkellinie ausgerichtet? Versuchen Sie, sich selbst zu korrigieren. „Oft drehen sich Reiter zu stark in die gewünschte Richtung“, erklärt Kusmanow.

Mental-Übungen für Reiter: Blick vom Leuchtturm

Kaum ein Reiter hat jederzeit jemanden an der Seite, der ihn beim Umgang mit dem Pferd beobachtet. Nicole Künzel: „Viele Probleme entstehen jedoch, weil wir unbewusst nicht das vermitteln, was wir vom Pferd möchten.“

Wenn Sie alleine sind und ein Konflikt im Sattel oder am Boden auftaucht, können Sie sich mit folgendem Bild helfen: Betrachten Sie sich und Ihr Pferd wie aus einem Leuchtturm von oben. Es wird Ihnen helfen, sich selbst von außen zu betrachten, um herauszufinden, welchen anderen Weg Sie einschlagen sollten, um Ihr Ziel zu erreichen.

Mental-Übungen für Reiter: Ins Pferd hineinversetzen

Ihr Pferd versteht Sie manchmal nicht oder Sie können seine Reaktion nicht nachvollziehen? Dann hilft es, wenn Sie versuchen, die Situation aus Pferdesicht zu sehen. Waren die Trainingsbedingungen nicht ideal, weil zu viele Reiter in der Halle waren? Waren Ihre Hilfen klar und verständlich? Hatte Ihr Pferd Angst?

„Harmonie hat immer mit dem Menschen zu tun, der mit dem Pferd agiert. Deshalb ist es als Reiter unsere Pflicht, dass wir uns immer wieder hinterfragen“, so Dr. Kathrin Schütz.

Mental-Übungen für Reiter: Negative Gedanken stoppen

Wenn Sie beim Reiten an einen Punkt geraten, an dem Sie nicht weiterkommen, sollten Sie Ihren Ärger im Zaum halten. „Halten Sie inne und fragen Sie sich: Was ist gerade das Problem? Was möchte ich stattdessen erreichen? Was kann und will ich dafür tun?“, rät Claudia Kusmanow. Versuchen Sie, sich auf positive Wege zu konzentrieren, die Sie sicher und mit mehr Zufriedenheit ans Ziel bringen.

Eine weitere Übung ist der „Bodyscan“ nach dem Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn.

So funktioniert’s: Tasten Sie gedanklich nacheinander verschiedene Teile Ihres Körpers von oben nach unten ab. Fühlen Sie zum Beispiel, wie angespannt Ihre Gesichtsmuskeln sind, wie locker Sie Ihre Ellenbogen tragen oder wie Ihr Gesäß den Sattel berührt. So richten Sie Ihren Blick produktiv nach innen und können negative Gedanken leichter wieder wegschicken.

Mental-Übungen für Reiter: Inneren Druck besänftigen

„Vor allem Reiter, die viel Wert darauf legen, zu Ihrem Pferd eine harmonische Beziehung zu haben, setzen sich stark unter Druck“, sagt Claudia Kusmanow. Sie haben häufig hohe Erwartungen an sich und müssen sehr damit kämpfen, wenn es mal nicht so gut klappt, wie sie es sich vorgestellt haben. Auch zuschauende Stallkollegen können enorm viel Druck auf Reiter erzeugen. Das Problem: Je mehr inneren Druck der Reiter aufbaut, desto weniger entspannt und losgelassen sitzt er im Sattel. Das wiederum spüren Pferde, die noch viel feinere Antennen für Spannungen haben, als wir oft annehmen. Ein Teufelskreis.

„Den Anspruch, immer alles richtig und möglichst perfekt zu machen, sollten Sie gar nicht haben“, sagt Kusmanow. „Hin und wieder auch mal fünf gerade sein zu lassen, führt oft schneller und weitaus entspannter zum Ziel. Und schauen wir uns mal um, wer ist schon immer perfekt?“

Ohnehin reiten Sie nicht für Ihre Stallkollegen, sondern für sich selbst und Ihr Pferd. Und das soll vor allem beiden Spaß machen. Nach jeder Reiteinheit sollten Sie sich und Ihr Pferd für etwas loben können, was gut war – und wenn es nur eine Kleinigkeit war. Verlassen Sie den Stall nicht mit Frustgefühlen im Bauch.

In Ihrem Buch „Kreativ gegen schief“ (Cadmos Verlag) stellt Claudia Kusmanow mehrere Übungen unter anderem aus dem mentalen Training vor, mit denen Sie inneren Druck abbauen können. Eine davon beschäftigt sich mit Ihrer Atmung. Setzen Sie sich im Sattel aufrecht hin. Ihre Schulter fallen locker nach hinten, Ihr Kiefer ist entspannt. Richten Sie Ihren Blick durch die Pferdeohren nach vorne. Spüren Sie, wie Ihr Atem durch Ihre Nase ein- und austritt und wie sich Ihre Bauchdecke dabei hebt und senkt. Schauen Sie sich quasi selbst dabei zu, wie sich Ihre Atmung von selbst verändert, und fühlen Sie, wie Sie ruhiger und gelöster werden. Beenden Sie die Übung mit bewussten tiefen Atemzügen. Nun können Sie losreiten. Nutzen Sie diese Übung auch in den Pausen während des Trainings. Sie werden spüren, dass Ihr Pferd sich gemeinsam mit Ihnen entspannt.

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