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CAVALLO Coach: Mehr Losgelassenheit

„Warum lässt Savi so schwer los?“

Wallach Savigny macht sich oft fest. Hat er Rückenschmerzen oder ist es Kopfsache? Wir gehen dem Problem mit Dressurausbilderin Sabine Ellinger auf den Grund.

Savi ist ein Sensibelchen. Der heute neunjährige Wallach von Sir Donnerhall ist selbstgezogen und sollte das Reitpferde-ABC in erfahrenen fremden Händen lernen. Nachdem er trotz viel Geduld im Laufe seiner Ausbildung große Probleme hatte, loszulassen und oft verspannt wirkte, holte Silvia List-Reinhart ihr Pferd wieder zu sich.
 Sie ließ Savi tierärztlich und osteopathisch durchchecken. Ohne Befund. Festgestellt wurde lediglich eine feste Muskulatur; manche Experten vermuteten Rückenprobleme. Im vergangenen Jahr lahmte der Wallach, ohne dass dafür eine Ursache gefunden wurde. Seine Besitzerin gönnte ihm daraufhin eine längere Pause im Offenstall, bis die Lahmheit wieder verschwand. Inzwischen geht Savi wieder klar; er wirkt fit und gesund. Das CAVALLO-Team und Dressurausbilderin Sabine Ellinger staunen gewaltig: Savis Rücken ist eine Augenweide, gut bemuskelt von vorne bis hinten, keine Kuhlen, keine Beulen.

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Unsere Leserin berichtet, dass Savi bis heute empfindlich auf jegliche Art von Druck reagiert. Wie wir später sehen, geht sie darauf ein und reitet sehr vorsichtig und behutsam, ohne viel von ihrem Pferd zu erwarten. So hat sie es geschafft, dass Savi inzwischen bei ihr wieder entspannt unter dem Sattel geht. Wo also ist das Problem? "Ich bin mir unsicher, ob ich alles richtig mache", gesteht Savis Besitzerin. "Wie viel kann ich von ihm verlangen? Hat er vielleicht doch Rückenschmerzen?"

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Auf manche Druckpunkte reagiert der Wallach leicht verärgert.

Trainerin Sabine Ellinger macht zunächst einen "Check-Up" und tastet Savis Körper ab. Die Dressurreiterin betreibt ein Ausbildungs- und Rehazentrum für Pferde und trainiert dort viele Pferde mit körperlichen Problemen. "Ich bin zwar keine Physiotherapeutin oder Osteopathin, kann aber Punkte kontrollieren, die problematisch sein könnten", erklärt sie. An der Wirbelsäule ist Savi unempfindlich, doch am Hals findet er leichten Druck blöd – er schaut verärgert und weicht aus. "Der Oberarm-Kopf-Muskel ist verspannt. Dieser Muskel ist ein Gegenspieler der Rumpfträger, die die Oberlinie stabilisieren. Arbeitet er nicht richtig, kann Savi auch die Rumpfträger nicht nutzen", erklärt Ellinger.

Dazu passt, dass es dem Wallach nicht gefällt, als sie mit dem Finger leicht in die Mitte der Gurtlage drückt. "Er möchte seinen Brustkorb nicht anheben", so die Trainerin. Savis Sattel ist frisch angepasst und scheint ihm auch gut zu passen. Noch gibt es keinen Hinweis auf körperliche Probleme, denn der Wallach steht gut da und hat ein korrektes Exterieur, das ihm nicht im Weg stehen sollte. Bereit für die nächste Runde!

An der Longe lässt der Wallach es gemütlich angehen.

"Er wirkt aber nicht faul, sondern eher zurückhaltend", vermutet Sabine Ellinger. Savis Besitzerin merkt an, dass der Wallach ab und an Verdauungsprobleme hat und fragt, ob das ein Grund dafür sein könnte, wenn er nicht frei vorwärtsgeht. "Ja", stimmt die Trainerin zu, "solche Probleme können sicherlich dazu führen, dass Pferde sich im Rücken erst einmal festhalten."

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Savi lässt den Hals fallen, tritt aber zu wenig unter. Das ist kein gutes Vorwärts-Abwärts.

Savi lässt den Hals tief fallen, tritt aber mit den Hinterbeinen noch zu wenig unter. Sein Brustkorb sackt nach unten; er kommt auf die Vorhand. "Was er gerade zeigt, ist kein korrektes Vorwärts-Abwärts. Genau dies wird oft als Dehnungshaltung bezeichnet und deshalb kritisiert. Es ist aber falsch, daraus zu schließen, dass die Dehnungshaltung per se dem Pferd schadet."

Als Savis Besitzerin nachtreibt, um seine Hinterhand mehr zu aktivieren, lupft der Braune das Hinterteil und prescht danach im Galopp los. "Er entzieht sich auf diese Art, weil er das zu anstrengend findet", kommentiert die Trainerin Savis Verhalten. "Ich bin gespannt, wie er beim Reiten reagiert."

Am langen Zügel ist der Wallach zufrieden

Silvia List-Reichart hat einen tollen, geschmeidigen Sitz und eine weiche Hand. Dafür heimst sie gleich ein Lob von Sabine Ellinger ein. Doch auch jetzt, im Schritt und im Trab, kommen die Hinterbeine zu wenig mit und Savi lässt seine Zehen durch den Sand schleifen.

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Schritt am langen Zügel findet Savi prima.

"Das ist nett und gemütlich, aber kein richtiges Training", sagt Ellinger schmunzelnd. "Wir müssen Savis Motor anschmeißen und ihn aus seiner Komfortzone locken. Dadurch wird er auch besser loslassen und kann seinen Rücken entspannen." Sabine Ellinger bittet Savis Reiterin, mit beiden Zügeln eine gleichmäßige Verbindung aufzubauen. Sie soll sich vorstellen, nicht schneller reiten zu wollen, sondern größere und raumgreifendere Tritte.

Auf das Treiben reagiert Savi zunächst jedoch kaum, im Gegenteil: Kommt die Schenkelhilfe, weicht er aus, anstatt zu reagieren. Beim Anreiten aus dem Halten geht er anfangs sogar rückwärts. "Da wurden wohl die treibenden Hilfen nicht richtig installiert", mutmaßt die Trainerin. Sie rät, gewohnte Muster zu durchbrechen. "Wenn er zum Beispiel rückwärts ausweicht, forderst du entweder noch weitere Tritte Rückwärtsrichten oder du tippst ihn einmal mit der Gerte an."

Nachtreiben und Herauskauen lassen

Nach ein paar Runden im Trab wird Savi fleißiger kommt aber ab und an mit der Nase etwas hinter die Senkrechte. "Da hilft nur nachtreiben", so die Trainerin. Das kann Savis Besitzerin gut umsetzen, denn die Nase ihres Pferds zeigt schnell wieder nach vorne. Sabine Ellinger empfiehlt der Reiterin, immer wieder zwischen Herauskauen lassen und nachtreiben sowie Aufnehmen und Heranschließen zu wechseln: "Zuerst treibst du, um die Hinterbeine zu aktivieren, dann lässt du dein Pferd mit leicht vorgehender Hand in die Tiefe. Danach nimmst du ihn wieder vorsichtig auf und treibst nach." So wird Savi lernen, sich besser zu tragen.

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Zum Schluss galoppiert Savi mit aktiver Hinterhand und Bergauf-Tendenz, ohne mit der Nase hinter die Senkrechte zu kommen.

Als der Wallach phasenweise flotter wird, sehen wir gleich, dass er sich anspannt. Der Grund: Savi kann dieses Tempo nicht halten, weil ihm noch die Kraft fehlt. Sabine Ellinger rät der Reiterin, darauf zu achten, dass Savi nicht zu schnell wird. Doch in dem Wallach steckt mehr, als er am Anfang zeigen wollte.

Er kann unter den Schwerpunkt treten, entwickelt Schwung und wird dynamischer. Das sieht gut aus! Zum Schluss darf Savi galoppieren. Silvia List-Reichart könnte dabei noch besser mit der Hand vorgehen. "Vor allem deine innere Hand bremst Savi etwas aus. Schau, dass du mit beiden Händen den Galoppsprung herauslässt – immer in dem Moment, in dem auch deine Hüfte vorschwingt", rät Ellinger. Die Trainerin ist zufrieden. "Savi hat ein tolles Exterieur, das ihm nicht im Weg steht. Ich denke nicht, dass sein Rücken schmerzt, wohl aber, dass er mehr loslassen müsste. Das kann er, wenn er seinen Motor anschmeißt." Seine Reiterin kriegt das hin!

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Sabine Ellinger ist Dressurreiterin und Fachbuchautorin.

Die Leserin und ihr Pferd: Silvia List-Reichart hat ihren Wallach Savigny (9), genannt Savi, selbst gezogen. Als sie ihr Pferd zur Grundausbildung in Beritt gab, zeigte sich, dass Savi sensibel auf Druck reagiert und dazu neigt, sich zu verspannen. Er verlor zwischenzeit- lich sogar seinen Schritt, zackelte oder trat auf der Stelle. Im weiteren Ausbildungsverlauf besserte sich das, doch an der Losgelassenheit haperte es immer wieder. Inzwischen steht Savi wieder bei seiner Besitzerin.

Die Expertin: Sabine Ellinger ist Dressurreiterin und Fachbuchautorin. Sie betreibt ein Ausbildungs- und Rehazentrum für Pferde im schwäbischen Murrhardt. www.dressur-design.de

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