Schmerzen beim Pferd erkennen und behandeln

Daran erkennen Sie ein Schmerzgesicht beim Pferd

Foto: Lisa Rädlein
Experten erklären, woran Sie erkennen, dass Ihr Pferd Schmerzen hat.

Ein relativ neuer Ansatz zur Schmerzbeurteilung bei Pferden ist die 2014 gemeinsam von italienischen, deutschen und englischen Wissenschaftlern vorgestellte „Horse Grimace Scale“ (HGS).

Sie wurde ursprünglich für die Beurteilung von Schmerzen nach Routine-Kastrationen von Hengsten entwickelt. Nach einem solchen Eingriff erhielten einer britischen Studie zufolge tatsächlich nur rund 37 Prozent der Pferde überhaupt Schmerzmittel – vermutlich deshalb, weil es so schwierig ist, Schmerzen bei Pferden zu erkennen und zu quantifizieren.

Für die Horse Grimace Scale werden sechs Gesichtsregionen jeweils mit einem Punktwert von 0 (nicht vorhanden), 1 (mäßig) oder 2 (offensichtlich vorhanden) beurteilt. Aus der Summe der Einzelbewertungen ergibt sich ein Gesamtwert zwischen 0 und 12 und damit ein Hinweis auf die Intensität des empfundenen Schmerzes.

Die Horse Grimace Scale hilft Fachleuten, die Intensität der Schmerzen über einen gewissen Zeitraum zu beurteilen und dient damit der Therapiekontrolle. Dennoch leistet die Methode bei jedem Verdacht, dass das Pferd Schmerzen hat, gute Dienste. Ihr Vorteil: Die Bewertung ist relativ einfach auch von Laien durchzuführen und dauert nicht lange.

Als Hinweis auf Schmerzen gelten:
• nach hinten gerichtete Ohren
• verstärkte Muskelspannung im Augenbereich
• verengter Lidspalt
• angespannte, deutlich hervortretende Kaumuskulatur
• zusammengepresste Maulspalte mit deutlich hervortretendem „Kinn“
• angespannte Nüstern und abgeflachte Nase

15.03.2018
Autor: Julia Baumann
© CAVALLO
Ausgabe 03/2018