Sind Curly Horses geeignet für Allergiker? Lisa Rädlein

Sind Curly Horses geeignet für Allergiker?

Pferderasse mit Locken Sind Curly Horses geeignet für Allergiker?

Curly Horses gelten als Pudel unter den Pferden: Ihre Locken sollen selbst Asthmatiker leichter atmen lassen. Eine Luftnummer?

Equ c 1 trifft man überall: im Zug, der Bibliothek, selbst auf dem Schulklo spürten Forscher die winzigen Protein-Partikel auf. Dabei stammt Equ c 1 eigentlich aus dem Stall. Der Stoff aus der Gruppe der Lipokaline gilt als Hauptverdächtiger in Sachen Pferdeallergie und steckt in Hautschuppen, Urin und Pferdeäpfeln. Hengste produzieren größere Mengen als Stuten oder Wallache. Und auch die Pferderasse soll eine Rolle spielen.

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Sind Curly Horses geeignet für Allergiker?
Das Pudel-Pferd Sind Curly Horses geeignete Pferde für Allergiker?
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Welche Rolle spielt das Lipokalin Equ c 1?

Equ c 1 und seine Kollegen aus Schweiß, Speichel, Rosse- und Tränenflüssigkeit des Pferds sorgen bei allergiegeplagten Menschen für laufende Nasen, juckende Augen, reizenden Husten und Luftnot. Im schlimmsten Fall wird Reiten zur Qual oder schlicht unmöglich. Sind hypoallergene Pferde die Lösung des Problems?

Betroffene Reiter sind überzeugt, die lockigen American Baskhir Curly Horses seien deutlich besser verträglich, allergische Symptome seltener. Tatsächlich scheinen zwei praxisorientierte Untersuchungen diese These zu untermauern.

Doch produzieren die Lockenträger wirklich weniger Allergene als andere Pferde? Sorgt ihr spezieller Hauttalg, das Sebum, dafür, dass beim Putzen weniger Haare, Hautschuppen und daran haftende Allergene durch die Luft wirbeln?

Was sagt die Forschung zum hypoallergenen Pferd?

Monika Raulf, Professorin an der Ruhr Universität, und ihr Team um Eva Zarahdnik wollten das herausfinden und gingen den Pferde-Allergenen der Curlys wissenschaftlich auf die Spur. Sie untersuchten 224 Haarproben und 32 verschiedene Pferderassen – vom Shetty über den Haflinger bis zum Hannoveraner.

Das Resultat: "Bei den Curlys fanden wir im Vergleich sogar deutlich höhere Mengen an Allergenen", berichtet Raulf. Damit hatte sie nicht gerechnet. Am besten weg kamen übrigens Tinker, Isländer und Shetland Ponys. Ihr Allergenlevel lag etwa um das siebenfache unter den Werten anderer Rassen. Woran das liegt, ist bisher unklar.

Sind Curly Horses geeignet für Allergiker?
Riemann
Betroffene Reiter sind überzeugt, die lockigen American Baskhir Curly Horses seien deutlich besser verträglich.

Auch bei einem vergleichenden Putztest konnten die Pferde mit dem lockigen Fell nicht punkten. Hier gingen die Forscher mit Hilfe ihrer Nase ans Werk. Während des Putzens trugen sie spezielle Filter in den Nasenlöchern. Der darin gesammelte Staub wurde anschließend auf seinen Allergengehalt analysiert. Ob die Tester zuvor ein Curly oder Quarter Horse striegelten, erwies sich als unerheblich: In den Nasenfiltern fanden sich jeweils ähnlich hohe Werte.

Welche Pferde produzieren welche Allergene?

Sind hypoallergene Rassen also reine Augenwischerei? Zumindest sieht es derzeit danach aus. Kritische Allergene wiesen die Forscher jedenfalls bei allen Pferden nach.

Doch es gibt auch positive Neuigkeiten: Die Wissenschaftler fanden individuelle Unterschiede zwischen einzelnen Pferden. Die Mengen an Equ c 1 und Equ c 4 waren von Pferd zu Pferd verschieden hoch; vor allem Hengste fielen negativ auf. Raulf: "Es gibt also Pferde mit hoher und niedriger Allergenproduktion, unabhängig von der Rasse."

Hinzu kommt: Menschen sind unterschiedlich sensibel. Was den einen juckt, lässt den anderen möglicherweise gerade noch kalt. Einfach weil das allergische Sensibilisierungsmuster der Menschen individuell gestrickt ist.

Allergologen und Allergiegeplagte kennen das Phänomen von Hunden: Während hypoallergene Rassen wie Pudelkreuzungen von Forschern längst als Marketinggag entlarvt sind, ist es durchaus möglich, Hund A bestens zu vertragen, während bei Hund B der selben Art die Nase läuft und die Haut mit Ausschlag reagiert.

Und noch ein Phänomen überrascht in der Praxis die Experten: Mitunter gewöhnt sich der Körper auch an ein bestimmtes Tier, die Abwehr sinkt und die Allergie ebbt ab.

Pferde-Allergie: Was hilft und was nicht?

So lange es bei einem allergischen Schnupfen im Stall bleibt, ist für die meisten Reiter die Trennung vom Tier keine Option. Professor Rose vom Klinikum Stuttgart empfiehlt, zunächst die Last der Allergene zu reduzieren.

Ein guter Pferdestaubsauger mit HEPA-Filter, um das Pferd zu reinigen, ist ein guter erster Schritt. Denn Reizstoffe aus angetrocknetem Schweiß, Talg oder losen Hautschuppen sind federleicht. Sie schweben nicht nur lange, sondern auch weit durch die Luft – noch 300 bis 500 Meter von Ställen entfernt, lassen sie sich je nach Witterung in frischer Luft nachweisen.

Auch ein Umstellen des Pferds von Stroh auf Späne kann Symptome lindern. Selbstredend sollten Allergiker oder Reiter mit empfindlichen Angehörigen Reitkleidung und Haare nach jedem Stallbesuch waschen, die Kleider außerhalb der vier Wände lagern und wenn möglich ein extra Stall-Auto fahren.

Allergischen Dauerschnupfen kann ein cortisonhaltiges Nasenspray lindern, ebenso unterdrücken Antihistaminika unangenehme Reaktionen. Eine Dauerlösung sind sie nicht. Wer sensibilisiert ist gegen Pferde, reagiert oft auch gegen Katzen und Hunde. Denn Equ c 1 gleicht von seiner chemischen Struktur her den Hauptallergenen bei Hund und Katze.

Eine Desensibilisierung, wie man sie von Heuschnupfen kennt, ist bei Tierhaarallergien bislang wenig erfolgversprechend. In extremen Fällen verschreiben Allergologen lieber Spritzen, die die Immunreaktion auf Allergene an der Basis aushebeln. Quasi Antikörper gegen die Antikörper, mit denen der Mensch auf Allergene reagiert.

Für die Katz: Neue Impfung soll Allergie-Potential dämpfen

In Zürich forscht Saiba Animal Health derzeit an einer spannenden Lösung: eine Impfung für Katzen. Sie verhindert, dass Katzen das Protein Fel d 1 produzieren, das bei der Katzenwäsche mit Speichel aufs Fell übertragen wird.

Hypocat, so der Name des Impfstoffs für die Katze, befindet sich aktuell in Testphase 2. Vierbeinige Probanden haben den Stoff bisher problemlos vertragen – und bei ihren Besitzern besserten sich Symptome deutlich.

Ob so eine Lösung in Zukunft für Pferde denkbar wird? Vielleicht. Eine Impfung für Hunde nach demselben Prinzip haben die Schweizer jedenfalls schon im Blick.

CAV Curly Horses Leserfotos Sonja Merz
Reiterwelt
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