Start Fachfortbildung Trauma

Datum: 09.05.2019 (09:00) bis 11.05.2019
Ort: 78467 Konstanz
Land: Deutschland
Kategorie: Kurs/Seminar
Webseite zum Event: https://www.ipth.de/seminar/fachfortbildung-trauma...
Weitere Informationen: Bruder-Klaus-Str. 8

Zertifizierte/r Traumapädagoge/in

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Die Traumapädagogik hat sich in den letzten Jahren zu einem eigenständigen Fachgebiet innerhalb der Pädagogik und Sozialarbeit entwickelt. Sie stellt ein pädagogisches Konzept dar, welches sich auf ganzheitliche, ressourcenorientierte Erziehungsansätze stützt. Sie bietet hilfreiche Konzepte und Methoden zur pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Missbrauchs-, Misshandlungs- oder Vernachlässigungserfahrungen im Bereich der stationären Jugendhilfe, Erziehung und Beratung.

In der stationären Jugendhilfe geht man davon aus, dass 60-70% der Kinder und Jugendlichen in der Herkunftsfamilie massive körperliche und seelische Traumatisierungen erfahren haben und entsprechende Symptome, wie Bindungsstörungen, selbstverletzende Verhaltensweisen, Störungen der Affektregulation und verschiedene Störungen des Sozialverhaltens zeigen.

Traumatisierte Kinder und Jugendliche stellen für Erzieher und Sozialarbeiter eine ganz besondere Herausforderung dar. Die Grundhaltung, das Wissen und die vielen Methoden der Traumapädagogik können den Erziehern, Sozialarbeitern und den betroffenen Kindern und Jugendlichen wirksam helfen. Die Traumapädagogik flankiert auf sinnvolle und effektive Weise ambulante psychotherapeutische wie auch stationäre psychiatrische Maßnahmen. Sie setzt im Alltag, im tatsächlichen Lebensraum der Kinder und Jugendlichen an und stützt sich auf feinfühlige Beziehung, kontinuierliche emotionale Nähe und auf die Fähigkeit des Menschen, bei guten pädagogischen Rahmenbedingungen nachzureifen und versäumte Schritte in der Persönlichkeitsentwicklung nachzuholen. Die Traumapädagogik kann für die Phase der Stabilisierung und Neuorientierung von großem Nutzen sein. Darüber hinaus fördern ihre Grundhaltung und Vorgehensweisen das soziale und emotionale Nachreifen von Kindern und Jugendlichen mit Traumaerfahrungen. Das heißt, sie unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung und hilft symptomatisches Verhalten wie Bindungs- und Beziehungsstörungen, Selbstverletzung, Suizidversuche, dissoziative Zustände, Mangel an Impulskontrolle usw. wirksam zu reduzieren bzw. auszugleichen.

Das Besondere an diesem speziellen Angebot ist, dass gängige traumapädagogische Konzepte und Methoden mit der Pferdegestützten Arbeit kombiniert werden und das Pferd als stabiler Interaktionspartner, als Möglichkeit zur Regression ebenso wie zur Erarbeitung von Autonomie methodisch in die Traumapädagogik eingebunden wird. So lernt die Fachkraft fundierte und allgemein anerkannte Inhalte der Traumapädagogik in Kombination mit den effektiven Wirkmechanismen pferdegestützter Interventionen. Reitpädagogen und Reittherapeuten können ihren Wirkungsbereich auf Kinder und Jugendliche mit Traumatisierungen spezialisieren.

Konkrete Seminarinhalte

Es werden in der Fachfortbildung Inhalte einer traumapädagogischen Arbeit geschult, die den professionellen Ansprüchen in diesem Fachbereich entsprechen. Ein Teil der methodischen Arbeit wird in Bezug zur Pferdegestützten Therapie gesetzt und vertiefend bearbeitet.

Seminar 1

Grundlagen der Traumaforschung und Traumapädagogik
Neuroanatomie des Traumas, neurophysiologische Reaktionen
Symptome im Zusammenhang mit Traumatisierung, Traumafolgeerkrankungen
Abgrenzung und Kooperation mit kinder- und jugendpsychotherapeutischen Interventionen, Überblick zu Behandlungsverfahren
traumapädagogischer Umgang mit typischen Symptomen von Traumatisierungen im Kindes- und Jugendalter, Basisstrategien traumazentrierter Pädagogik und Beratung
ressourcenorientierte Arbeitshaltung in der Arbeit mit Traumatisierten
Grundlagen der Resilienzforschung
Beziehung und Bindung
Grundhaltung der Traumapädagogik

Seminar 2

Ressourcen im Lebenslauf der Klienten finden und aktualisieren
Hinterfragung eigener Lebensgeschichte und der beruflichen Rolle
therapeutisches Vorgehen bei Bindungsstörungen
Krisenintervention und Umgang mit selbstverletzendem oder suizidalem Verhalten
Vorgehensweisen und Methoden zur Regulierung von emotionalen Spannungszuständen
Grundlagen der Stabilisierung
körperliche und soziale Stabilisierung
Psychohygiene

Seminar 3

Krisenintervention
Einführung in das Konzept der Selbstfürsorgetrainings
Arbeit mit Geschichten und Imaginationen
Ego State Arbeit
Entspannungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen
Arbeit mit Körperwahrnehmung und Körperbildern
Im-Einklang-Sein – methodische Ansätze mit Nutzung von Musik, Klang und Körperübungen
Psychische Stabilisierungstechniken
Fallvorstellung und Supervision

Seminar 4

Biographiearbeit
Umgang mit körperlich losgelösten Erscheinungen; Tics, Zwängen
Methodenvertiefung
Psychohygiene für Fachkräfte
Fallvorstellung und Supervision

Seminar 5

Methodenvertiefung
Fallvorstellung und Supervision
5 Seminarveranstaltungen mit insgesamt 170 UE, Supervision ist Bestandteil jedes Weiterbildungsmoduls.

Zielgruppe

Angesprochen sind Angehörige psychosozialer, medizinischer und pädagogischer Berufe: z.B. MitarbeiterInnen in Einrichtungen der Jugendhilfe, in Beratungsstellen, ErzieherInnen, KollegInnen aus Bereichen der Krankenpflege, ErgotherapeutInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen, HeilpädagogInnen.

Je nach spezifischer Fortbildungsgruppe müssen neben dem Grundberuf (Traumapädagogik Basis) für die spezifischen Gruppen eine einschlägige Weiterbildung im Bereich der Pferdegestützte Intervention (Schwerpunkt PI) oder der Tiergestützten Therapie und Pädagogik (Schwerpunkt Tiergestützte Therapie) vorhanden sein. Es werden in den Schwerpunkt-Gruppen keine Grundlagen reittherapeutischer oder thergestützter Arbeit geschult (auch keine Inhalte zur Ausbildung von Therapiepferden/-tieren). Die Seminare gehen immer wieder auf die Umsetzungsmöglichkeiten mit dem Tier ein und zeigen die Einsatzmöglichkeiten auf.

Voraussetzungen für die Teilnahme an der Fortbildung mit Schwerpunkt Pferdegestützte Therapie:

zusätzlich abgeschlossene Weiterbildung PI wie unter Zielgruppe beschrieben
Zertifizierung durch das IPTh als Traumapädagoge/in mit Schwerpunkt Pferdegestützte Therapie
Voraussetzung für eine Zertifizierung zusätzlich durch die DeGPT/BAG:DeGPT_siegel

abgeschlossene Berufsausbildung (Fachschulen) sozialadministrativer, erzieherischer oder pflegerischer Berufe (insbesondere ErzieherIn, Pflegefachkraft, ErgotherapeutIn, LogopädIn) oder Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im pädagogischen, medizinischen oder psychologischen Bereich

mindestens dreijährige Berufserfahrung
drei Fallvorstellungen (zwei davon mündlich und schriftlich, eine rein schriftlich) oder ein Fall und eine Projektvorstellung (beides jeweils mündlich und schriftlich); mindestens eine Fallvorstellung der TeilnehmerIn ist durch ein Originaldokument zu belegen (Videoaufnahme)
mündliche Fallvorstellungen erfolgen im Rahmen der in die Weiterbildung integrierten Supervision