Test: Reitschulen in Aachen und Umgebung

Reitanlage Röthgener Burg

„Das Leben ist zu kurz, um schlechten Reitunterricht zu bekommen.“ Stimmt diese Internet-Eigenwerbung des Reitstalls Röthgener Burg?


Die Burg mit dem Reitstall von Heinz-Peter Kugel liegt, von einem Wasser­graben umgeben, neben einer Bahnstrecke. Die alten Ställe wirken dunkel und eng. Hier sind größtenteils die Schulpferde untergebracht. Viele Pferde haben allerdings eine Außenbox mit Blick in den Innenhof, in den ein zusätzlicher Boxenstall gebaut wurde.

Alles ist sauber; die Boxen werden während meiner Anwesenheit gemistet. Ich treffe den Stallbetreiber und Sportpferdezüchter Heinz-Peter Kugel in einer der Reithallen und melde mich für eine Einzelstunde an. Auf seine mit einem Augenzwinkern gestellte Frage, ob ich mich auf eine gemütliche Ausreitsaison vorbereiten oder lieber „dressurmäßig gezwiebelt“ werden möchte, bitte ich um das Zwiebeln.

Kugel ist sehr sympathisch und macht einen lustigen Eindruck. Stolz stellt er mir Lennox vor: Der selbstgezogene, braune Rheinländer-Wallach ist sechs Jahre alt und rund 1,70 Meter groß. Ein Gemeinschafts-Putzkasten steht vor seiner Box; im Spind hängt das Sattelzeug. Beim Satteln stelle ich fest, dass Lennox‘ Stalldecke an Widerrist, Brust und Schultern leicht scheuert.

Der Sattel berührt die Scheuerstellen nicht und liegt deutlich weiter hinten. Lennox hat leichte Verdickungen auf den Rückseiten der ­Beugesehnen. Er ist aber nicht druckempfindlich und geht klar. Vertrauensvoll trottet er hinter mir zur Halle und ist außerordentlich brav im Umgang.



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Kugel erzählt, dass er Lennox seit Kurzem im Schulbetrieb einsetzt, da er ihn als Kopper schlecht verkaufen könne. Es sei aber auch gut, ein Pferd für die fortgeschrittenen Reiter zu haben. Ich soll ihn ohne Sporen und ohne Gerte reiten.

Der Unterricht ist logisch und durchdacht. Kugel erklärt viel und achtet sehr auf eine leichte Hand. Ihm ist wichtig, dass der Schub aus der Hinterhand kommt und die Zügel nur eine leichte Verbindung darstellen. Lennox ist leichtrittig, dehnt sich schnell und leicht, lässt sich auf beiden Seiten gut stellen. Durch Körperspannungsübungen im Leichttraben bringt mich Kugel dazu, Lennox‘ Tempo nur über mein Gewicht zu regulieren und Tempounterschiede zu reiten. Der Wallach wird immer weicher in seinen Bewegungen. Kugel lässt uns über Stangen traben und anschließend galoppieren. Lennox reagiert äußerst fein auf den leisesten Schenkeldruck. Wir beenden die Stunde mit ein paar Runden im Leichttrab, wobei Lennox mir die Zügel aus der Hand kaut. Über langsamer werdende Bewegungen soll ich ihn zum Schritt bringen. Eine anspruchsvolle Stunde ist rum.

20 Euro für eine Einzelstunde dieser Qualität – das ist sehr günstig und bringt dem Preis-Leistungsverhältnis volle drei Hufeisen. Lennox ist ein hervorragendes Schulpferd; er verdient ebenfalls drei Eisen.

Reitlehrer Heinz-Peter Kugel bekommt zweieinhalb Eisen, der Betrieb nur eins, da Putzzeug und Boxen der Pferde teilweise zu wünschen übrig ließen.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Reitanlage Röthgener Burg
52249 Eschweiler
Tel. (02403) 37614
sportpferde-kugel.de

26.06.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© outdoor
Ausgabe 05/2010