Test: Reitschulen in Aachen und Umgebung

Reiterverein Würselen

Beißen beim Satteln, Wegknicken beim Reiten – auf dem alten Quick Boy hat man wenig Freunde. Dafür kann der Braune aber nichts.

Angemeldet habe ich mich für eine Gruppenreitstunde, in der laut Reitlehrerin Anja Dohms „nicht so viel los“ ist. Als ich am Testtag ankomme, kümmert sich niemand um mich. Ein Mädchen hilft mir schließlich und schaut in der Sattelkammer in einem Buch nach, welches Pferd mir zugeteilt wurde. „Oh, Quick Boy, der ist total lieb und toll!“ Das Mädchen führt mich zur Box eines neugierig guckenden braunen Hannoveraners. Es greift in einen Wandschrank und holt eine Putzkiste hervor, auf welcher der Name meines Pferds steht. Hierin befinden sich auch Gamaschen und Streichkappen.

Quick Boy hat ein Stockmaß von rund 1,60 Meter. Schnell stelle ich fest, dass der Wallach sich nicht gerne putzen lässt und dass er Geschwülste um die Gurtlage hat. Als ich nachfrage, was das ist, heißt es nur lapidar: „Das hatte der schon immer.“ Ich folge dem Rat der mittlerweile aufgetauchten Trainerin: „Trensen Sie ihn zuerst, satteln Sie ihn danach. Dabei zappelt er immer ein wenig.“ Das Satteln wird eine Tortur für mich: Quick Boy beißt nämlich, wenn man ihm den Sattel auflegt und versucht, den Gurt zu schließen.

Ich achte penibel darauf, die Geschwülste frei zu lassen. Dann stelle ich fest, dass die Gamaschen und Streichkappen eigentlich zu klein sind für Quick Boys Beine.Er ist, wie ich später herausfinde, ein ehemaliges Springpferd, das heute sein Dasein in einer kleinen Eckbox fristet und jedes Pferd angiftet, das vorbeigeführt wird oder ihm zu nahe kommt. Dabei ist er sehr menschenbezogen und verschmust. Auf die Wiese kommen die Pferde hier im Winter nicht, sommers laut Angaben der Kinder schon.



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Meine Stunde beginnt, und ich führe Quick Boy in die alte Halle, deren Tor kaputt im Wind wackelt. Da Quick Boy versucht, mir beim Nachgurten in die Füße zu beißen, hilft mir Reitlehrerin Anja dabei. Das Pferd ist steif, und von einer Grunddressur ist nichts zu merken. Das Tier versucht, durch schnelles Schütteln des Kopfs, auf und ab, sich dem Zügel zu entziehen. Sonst bleibt es fest im Genick und hält von Anlehnung wenig.

Glücklicherweise muss in dieser Reitstunde – wahrscheinlich aus gutem Grund – nicht ausgesessen werden. Quick Boys Trab ist unsitzbar und außerordentlich unbequem. Der Galopp, obwohl nicht superweich, ist verglichen mit dem Trab eine Wohltat. Ich teile die Halle mit sieben weiteren Schülern. Reitlehrerin Anja Dohms kümmert sich um jeden und scheint alles zu sehen. Ihre Ratschläge sind nachvollziehbar, lassen sich auf einem Pferd wie Quick Boy aber zum größten Teil nicht umsetzen. Zu sehr muss ich mich konzentrieren, wie das Tier läuft, als dass ich mich um meinen Sitz und meine sonstige Einwirkung kümmern kann. Daher kommt schnell Frustration auf.

Jeder Versuch, das Pferd zu stellen und zu biegen, wird durch Kommentare wie „Sie dürfen die Zügelfäuste nur ganz leicht eindrehen, stellen Sie
die Zügelfäuste nebeneinander, nicht so eine breite Zügel­führung“ zunichte gemacht, weil ich mit feinen, angedeuteten Hilfen bei Quick Boy nicht weiterkomme. Etliche Male knickt der Wallach mit einem Hinterbein weg. Ich kann den Grund nicht feststellen, aber vermutlich hat er eine schwache Hinterhand. Er kann einem Schüler nicht zeigen, was falsch und was richtig ist; damit ist er kein geeignetes Schulpferd – auch wenn er brav seine Runden läuft und zu jedermann lieb ist. Deshalb bekommt der braune Quick Boy null Hufeisen.

Das Sattelzeug des Wallachs ist alt. Die Bügelriemen fallen auseinander, seine Gamaschen und Streichkappen sind zu klein. Die Hufe wurden gut gepflegt, die Box ist gemistet. Laut Webseite plant der Reiterverein eine Sanierung und sammelt Spenden. Der Betrieb bekommt ein halbes Eisen.

Reitlehrerin Anja Dohms bemüht sich und gibt einen übersichtlichen Reitunterricht. Sie bemerkt aber nicht, dass sich einige Gamaschen und Streichkappen lösten oder von Schülern falsch angebracht wurden. Sie bekommt ebenfalls ein halbes Eisen. Ihr Satz „Das hat doch schon ganz gut geklappt“ am Ende der Stunde ist sicher nett gemeint. Doch erfolglos versucht sie, mich für weitere Stunden zu begeistern. Zu groß sind die Defizite in Ausbildung und Haltung der Pferde.

Das Preis-Leistungsverhältnis bewerte ich bei 15 Euro für ein Gruppenstunde im Vergleich zu den anderen getesteten Reitschulen im Raum Aachen mit einem halben Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: null von drei Hufeisen
Reitlehrer: null von drei Hufeisen
Reitbetrieb: null von drei Hufeisen
Preis-Leistung: ein halbes von drei Hufeisen

Kontakt

Reiterverein Würselen
52146 Würselen
Tel (02405) 84262
www.reiterverein-wuerselen.de

26.06.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 05/2010