Test: Reitschulen in Aachen und Umgebung

Reitverein Aachen

Auf einem Gutshof aus dem 16. Jahrhundert mitten in Aachen lernt Miriam Kreuzer einen waschechten Ausbrecher kennen – und bekommt eine Stunde nach Dienstplan.

Als ich mich anmelden möchte, ist Initiative gefragt: erst über den Hof, dann ins Büro, von dort weiter in die Reithalle zu Tina. Sie ­erklärt, dass Reitschüler hier Monatskarten erwerben. Wie im Fitnessstudio erteilt man eine Abbuchungserlaubnis und kann dann Unterricht nehmen. Eine Einzel-Schnupperstunde ist möglich und kostet 20 Euro.

FN-Bereiterin Michaela Hein bietet mir eine halbe Stunde für den nächsten Tag an. „Möchten Sie ein schnelles oder ein langsames Pferd?“ Tina soll Pferd und Ausrüstung zeigen, damit ich am nächsten Tag zur vereinbarten Zeit fertig bin. Schimmel Rebell, ein Reitpony (6), wird mein Partner. Er sei nicht sehr sensibel und man müsse viel treiben, sagt Michaela Hein. Im Stall hat jedes Schulpferd sei-nen eigenen Spind. Die Boxen sind gepflegt und gut gemistet. Rebells Box hat zwei Fenster. Die Boxentür ist mit einem ­Haken zusätzlich abgesperrt, da Rebell schlau ist und sich sonst befreit.

Seine Schläue zeigt der tadellos gepflegte Wallach auch beim Putzen, wo er mehrfach den Knoten im Strick löst. Ein gut sitzender, recht neuwertiger Dressursattel gehört auf seinen Rücken. Leider ist hier ein Strupfen zur Hälfte abgerissen.



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Am Testtag fühle ich mich allein gelassen. Nachdem ich mir irgendwo Putzsachen zusammengesucht habe, finde ich im Spind Bandagen und Gamaschen. Was soll Rebell tragen? Niemand in Sicht, der mir helfen könnte. Ich entscheide mich für die Gamaschen. Leider kümmert sich keiner darum, wie ich mit dem Tier umgehe und ob ich richtig sattele.

Bereiterin Michaela Hein erscheint pünktlich zur angegebenen Zeit in der Halle. Für eine halbe Stunde habe ich ihre ­ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie redet auf mich ein, gibt mir Tipps. Rebell ist auf der linken Hand verspannt und lässt sich nicht stellen. Die Trainerin ist freundlich distanziert und vertritt die unerbittliche Schule des Gegenhaltens: Bis Rebell nachgibt, soll ich den inneren Zügel feststellen. Dann nachgeben, aber nicht zu viel, das würde er ausnutzen. Eine Grundrittigkeit ist bei dem sympathischen Wallach nur bedingt vorhanden. Ich finde Rebell jedoch nicht faul und langsam, wie angekündigt. Er nimmt nur den linken Schenkel nicht an. Beim Schenkelweichen gibt er plötzlich, als ich ihn mit der Gerte leicht antitsche, mit angelegten Ohren Gas. Ein Kind hätte hier keine Chance. Die Steifheit auf der linken Hand bleibt bis zum Schluss. Nach den 30 Minuten Unterricht ist die Trainerin schnell weg – ab zum Kinder­unterricht in der kleinen Halle: Dienst nach Plan.

Michaela Hein ist in der ­gebuchten Zeit freundlich. Sie gibt einen durchschnittlichen Unterricht, der leider über die übliche Arbeit in Schritt, Trab und Galopp nicht hinausgeht. Sie bekommt ein Hufeisen.

Rebell ist zu schlau für den Schulbetrieb und scheint bisher nicht einmal den zweiten Punkt der Ausbildungsskala, die Losgelassenheit, zu kennen. Ein Schulpferd sollte jedoch so ­ausgebildet sein, dass man auf ihm Losgelassenheit fühlen lernt. Auch Schimmel Rebell erhält daher nur ein Hufeisen.

Der Branderhof liegt mitten in Aachen und ist der Heimatstall des Reitvereins Aachen mit FN-anerkannter Reitschule. Der Gutshof aus dem 16. Jahrhundert ist wunderschön gepflegt und besticht mit einer tollen, 20 x 60 Meter großen Reithalle, deren Boden kürzlich komplett erneuert wurde. Eine weitere kleine Reithalle dient dem Gruppenunterricht, hier werden aber auch mal die Schulpferde frei laufengelassen. Wiesen­paddocks sind laut Website vorhanden, werden aber wohl im Winter nicht benutzt. Assistentin Tina erzählt, dass zu wenig Wiesen vorhanden seien. „Aus Liebe zum Pferd“ lautet der Slogan des Vereins, der im Internet damit wirbt, dass seine Reitschule „seit 1949 zu den führenden der Region gehört“. Die Aktivitäten, die auf der Webseite beschrieben sind, lassen den Schluss zu, dass der RV Aachen tatsächlich sehr um seine Mitglieder bemüht ist, gerade auch um Kinder. Dem Betrieb mit seinen sehr gut gepflegten Pferden gebe ich zwei Eisen.

Das Preis-Leistungsverhältnis ist mit 20 Euro für eine halbe Stunde durchschnittlichen Reitunterrichts auf einem mäßig ausgebildeten Pony eher durchschnittlich und bekommt eineinhalb Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: eins von drei Hufeisen
Reitlehrer: eins von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eineinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Reitverein Aachen
52066 Aachen
Tel. (0241)63904
www.rv-aachen.de

26.06.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 05/2010