Test: Reitschulen in Aachen und Umgebung

Reitstall Helg

Ein Quarter-Wallach, der nach den Prinzipien der französischen Légèreté ausgebildet ist? Bei Philippa Helg ist das kein Problem.

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Cherokee steht sonst im Offenstall, aber morgens darf er in die Box, um ein wenig seine Ruhe von den anderen Pferden zu haben“, sagt Philippa Helg, Reitstallbetreiberin und Ausbilderin.

Ich habe mich bei ihr an­gemeldet für eine Unterrichtsstunde nach den Prinzipien der „Ecole de Légèreté“, die sich an die traditionelle fran­zösische Schule und den Ausbilder Philippe Karl anlehnt. Philippa Helg holt den elfjährigen Quarter-Wallach Cherokee aus der Box. Ich bin etwas verwundert, als sie mich fragt, ob ich denn auch bereit wäre, mein Pferd selber zu putzen. Sie drückt mir eine Tasche mit alten Bürsten und Kardätschen in die Hand.

Cherokees Hufe wurden vor Kurzem auf Barhuf umgestellt und sehen vorne ungewohnt schräg und stark abgenutzt aus. Zaumzeug und Sattel hängen im kleinen Aufenthaltsraum mit Blick in die kleine Halle und sehen ordentlich gepflegt aus. Philippa beginnt schon, während sie mir beim Satteln hilft, mit dem Unterricht: „Wissen Sie, warum wir Schenkeltrensen verwenden?“ Ich verneine.



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„Philippe Karl benutzt keine Nasen- oder Sperr-Riemen, da sie das Pferdemaul zuschnüren. Er möchte wissen, wie das Pferd auf den Zügel reagiert, vor allem mit der Zunge. Deswegen bleiben Nasenrücken und Unterkiefer frei. Die Schenkel sind da, damit die Trense nicht durchs Maul rutscht.“ Sie erklärt weiter, dass für die Stellung die innere Hand aus dem Ellbogen heraus leicht gehoben wird. „So wird die Zunge frei, und das Pferd gibt im Genick nach.“ Trotz der leichten Zügelführung hält auch Philippa Helg eine ständige Verbindung mit dem Maul. Hilfen werden über das Gewicht und leichten Schenkeldruck gegeben. „Zum Anhalten nehmen wir die Oberschenkel leicht zurück und sitzen tief ein.“ Zur Zügelführung muss ich noch einmal absitzen. „Ist das okay, wenn wir heute erst einmal ganz viel ­theoretische Basisarbeit machen?“ Ich nicke. „Ich möchte, dass Sie zuerst einmal genau verstehen, worum es eigentlich geht. Deswegen kommen wir heute nicht so sehr zum Reiten.“

Neben dem Pferd stehend, soll ich nun den Zügel in beide Hände nehmen und vor mich strecken. „Ihre Hände sind jetzt das Pferdemaul.“ Philippa Helg hat die Enden des Zügels in der Hand und fängt an, daran zu ziehen. Die breite Zügelführung ist bei Philippe Karl durchaus erwünscht, da sie einen stabilisierenden Effekt hat. Nun darf ich wieder aufsitzen. Es folgen Trab-Schritt-Übergänge, Galopp und zum Abschluss ein Konterschulterherein, für dessen Umsetzung mich Philippa Helg noch einmal absitzen lässt, um mir vorzureiten, wie es geht.

Die Ausbilderin achtet sehr auf Sicherheit, besteht auf einer Reitkappe und geht als gutes Beispiel voran: Sogar für die drei Minuten Konterschulterherein-Demo holt sie ihren Helm. Ihr Umgang mit dem Schulpferd Cherokee ist sehr sanft, dabei besteht sie auf konsequenten Hilfen. „Wenn Cherokee nicht auf den Schenkel reagiert, dann müssen Sie ihm mit der Gerte sagen, dass eine Reaktion erwünscht ist.“ Weiter: „Konsequenz und viel Lob ist wichtig.“

Die Trainerin ist sanft und behutsam. Fast scheint sie anfangs etwas unsicher. Ihre Ausführungen beim Unterricht sind aber klar und verständlich; sie ist mit Herz und Seele dabei. Da sie mich rundum sehr gut betreut hat sowie viel theoretisches und praktisches Wissen vermitteln konnte, bekommt Philippa Helg volle drei Hufeisen.

Cherokee ist wohlgenährt, brav im Umgang, macht alles mit und reagiert gut auf die – von mir sicher zum Teil noch etwas unbeholfen gegebenen – Hilfen. Der Wallach bekommt daher zweieinhalb Hufeisen.

Der Betrieb ist ordentlich geführt. Sattler, Zahnarzt, Ostheopath und Hufschmied betreuen die Pferde nach Philippa Helgs eigener Aussage regelmäßig. Leider gibt es kein eigenes Putzzeug für Cherokee, und der Hang des Offenstalls tritt sich offensichtlich bei matschigem Wetter herunter. Die Box, in der Cherokee den Morgen verbrachte, wurde seit Längerem nicht gemistet; die Halle ist dunkel und verhältnismäßig klein. Der Betrieb hat daher nur eins von drei Hufeisen verdient.

35 Euro für die Einzelstunde sind ein ziemlich hoher Preis. Da Philippa Helg sich aber die größte Mühe gibt und ich einen guten ersten Eindruck von der Reit-Philosophie Philippe Karls gewonnen habe – zudem noch auf einem geduldigen, netten und wohlerzogenen Pferd –, ­notiere ich hier zweieinhalb Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zweieinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Reitstall Helg
52076 Aachen
Tel. (0241) 404054
www.reitstall-helg.de

26.06.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 05/2010