Test: Reitschulen im Saarland

Reitanlage Lindenhof

Auf einen tadellosen Betrieb traf Reitschultesterin Miriam Kreutzer in Wadern. Das Schulpferd war erst feinfühlig und fleißig, dann war die Luft raus.

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"Bella ist heute aber faul“, betont Reitlehrerin Astrid Kasper immer wieder. Dabei ist der Mérens-Mix meiner Meinung nach ganz flott und aufgeweckt unterwegs. Zwar ist das Treiben mit dem Schenkel mühsam, dafür hat mir Astrid Kasper zu Beginn der Stunde eine Gerte in die Hand gedrückt.

Ansonsten ist die sechsjährige Stute willig, durchlässig und reagiert einwandfrei auf alle anderen Hilfen. Darüber bin ich froh, denn vor lauter Vorhandwendungen, Schlangenlinien, Schenkelweichen, verkleinerten und vergrößerten Zirkeln schwirrt mir der Kopf. Die Reitlehrerin gönnt mir keine Verschnaufpausen. Deswegen ist es angenehm, dass sich das Pony so leicht biegen lässt und die Schlag auf Schlag geforderten Übungen meistert. Allerdings nur, bis es ans Galoppieren geht.

Bella nimmt meinen Schenkel nicht an und Astrid Kasper rät, die Gerte zu benutzen. Das bringt die Stute sofort in einen ausgreifenden, etwas schaukeligen Galopp. „Sie hält das Gleichgewicht nicht so gut im Galopp“, weiß die Pferdewirtin.

Viele stämmige Pferderassen haben hier Defizite. Nach dem Galopp ist die Luft raus – Bella wird faul. Sie trottet mehr oder weniger dahin und fängt auch an, sich auf den Zügel zu legen. Das ist schade, denn dafür muss ich ihr insgesamt ein Hufeisen abziehen. Ein weiteres halbes ziehe ich wegen der Defizite im Galopp ab. Bleiben anderthalb für das solide Schulpferd.



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Pferdewirtin Astrid Kasper erhält drei Eisen für ihren straffen und lehrreichen Unterricht. Sie fordert unnachgiebig, aber freundlich und achtet streng auf einen perfekten Sitz. Der darf keine Sekunde verrutschen. Keine zwei Tritte Leichttraben auf dem falschen Fuß gehen ihr durch. Bei den Bahnfiguren achtet sie auf treibende und verwahrende Schenkel. Auch die Haltung der Hände rechts und links neben der Mähne ist ihr wichtig. Bei Paraden hat Astrid Kasper immer genau im Blick, ob ich die Zügel richtig dosiert annehme und nachgebe. Das klingt strapaziös, war es aber nicht. Im Gegenteil: Ich habe den strukturierten Verlauf der Stunde und die vielen Tipps und Korrekturen genossen und konnte viel aus dem Unterricht mitnehmen. „Unsere Schulpferde sind alle sehr gut ausgebildet und fein zu reiten“, sagt Astrid Kasper. Die jüngeren, zu denen sie die sechsjährige Bella nicht mehr zählt, werden regelmäßig Korrektur geritten. Bei der Haltung der Schulpferde gibt es keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Zwei ältere, aber absolut neugierige 20-jährige Pferde befinden sich ebenso unter den 13 Schulpferden des Betriebs wie eine trächtige Stute und eine Mutter mit Fohlen. Alle Schulpferde wurden von Familie Kasper selbst ausgebildet.

Schulpferde und die Pferde der Einsteller stehen gemeinsam auf drei Ställe verteilt, die bei der Kennenlern-Runde auf dem Hof alle tipptopp gefegt sind. Die Boxen sind frisch gemistet. Die Fuchsstute Bella hat besonders Glück: Sie bewohnt eine große Box mit Außenpaddock in dem neuesten, hellen und freundlichen Stall.

Letztendlich fällt die Unterbringung im Sommer nicht so sehr ins Gewicht, da alle Pferde des Betriebs durchgehend auf der Koppel sind. Auch im Winter werden die Pferde zum Austoben regelmäßig nach draußen gebracht. Bellas Hufe sind vorne beschlagen, hinten nicht. Wie viele Ponyrassen haben die Mérens harte, gute Hufe. In der Stallgasse des neuen Stalls sind Schränke in die Wand integriert, in denen sich die Sättel, Trensen und das Putzzeug der einzelnen Pferde befinden. Die Stallgasse ist dadurch frei und aufgeräumt. Die vorbildliche Pferdehaltung und der bestens organisierte Betrieb sind mir am Ende drei Hufeisen wert. Die Einzelstunde hat 35?Minuten gedauert und 15 Euro gekostet. Das ist sehr günstig für einen so intensiven Unterricht, weshalb ich für Preis-Leistung ebenfalls drei Hufeisen vergebe. Die Gruppen-Reitstunde von 45?Minuten mit bis zu vier Mitreitern kostet 12 Euro, beim Kauf einer Zehnerkarte ist eine Stunde kostenlos.

Regelmäßige Ausritte stehen in dieser schönen Umgebung ebenfalls auf dem Programm. Für spezielle Western-Reitstunden kommt einmal wöchentlich ein externer Reitlehrer auf den Lindenhof.

Auf diesem schönen Hof in Wadern-Nuhweiler lässt es sich als Schulpferd gut aushalten.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei
Hufeisen
Reitbetrieb: drei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Reitanlage Lindenhof
66687 Wadern-Nuhweiler
Tel. 06871-909685
www.lindenhof-nuhweiler.de

12.11.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2010