Was steckt drin: Lecksteine für Pferde im Test

Pferde kennen ihren Salzbedarf nicht

Auf den Inhalt kommt es an: Für Dr. Vervuert gehört in einen Salzleckstein ohnehin nur Natriumchlorid. Das besteht in der Regel zu 38 Prozent aus Natrium, der Rest ist Chlorid.

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Foto: Rädlein CAVALLO Lecksteine

Dr. Müller versetzt das abgewogene Steinpulver mit Säure und kocht es über dem Wasserbad.

„Aber auch andere Natriumverbindungen wie etwa Natriumsulfat sind legitim.“ Die restlichen Mineralien sollten die Pferde kontrolliert über ein Mineralfutter bekommen. Für eine optimale Salzversorgung empfiehlt Ingrid Vervuert Sportpferden Viehsalz, das über das Futter gestreut wird. „Diese Tiere, die viel leisten und im Sommer bis zu 10 Liter Schweiß verlieren, brauchen etwa 80 bis 100 Gramm Salz am Tag. Das decken Pferde nicht über einen Leckstein ab“, sagt die Ernährungsexpertin.

Ein Indiz dafür: Der Stein müsste sonst häufiger gewechselt werden. Oft verstaubt der aber unberührt in der Pferdebox. Der Grund dafür ist schlicht: Pferde wissen nicht instinktiv, wie viel Salz sie brauchen. „Ein Pferd leckt nicht nach Bedarf am Stein“, sagt Ingrid Vervuert. Wer sichergehen will, dass sein Pferd ausreichend Salz bekommt, kann auch normales Speisesalz übers Futter streuen. „Fangen Sie mit 10 Gramm morgens und 10 Gramm abends an“, empfiehlt Vervuert. Salz im Futter schmeckt nicht jedem Pferd. „Versüßen Sie es Ihrem Pferd daher mit Apfelmus oder Melasse.“ Sie erinnert daran, dass Pferde bei einer Salzfütterung unbedingt Wasser zur freien Verfügung brauchen: „Können die Pferde nicht trinken, kommt es zu Wasserverschiebungen aus den Zellen.“ Salz wirkt stark säuernd und kann Magengeschwüre verschlimmern. „Achten Sie daher bitte darauf, wirklich nur geringe Mengen dazu zu füttern“, sagt Ellen Kienzle.

Geben Sie zusätzlich Salz, sollte es kein Jod enthalten – wie etwa Meersalz. Je mehr Jod ein Pferd über einen Leckstein aufnimmt, desto mehr Salz braucht es, um den Natriumchloridbedarf zu decken. Damit steigt wiederum die Jodaufnahme – was bei ungeborenen Fohlen zum Kropf führen kann. Ellen Kienzle rät wie Vervuert zu hiesigen Salzlecksteinen: „Leckt das Pferd zu viel, kommt der Stein weg und das Salz wird übers Futter gestreut. So habe ich die Salzaufnahme besser im Blick.“

Aus Pakistans Lagerstätten muss der Stein also nicht stammen, denn er enthält weder gesünderes noch besseres Salz. Er birgt auch nicht mehr oder bessere Elemente als die herkömmlichen und wesentlich günstigeren weißen Salzlecksteine. Schonen Sie also Ihren Geldbeutel – ein gängiger Salzleckstein reicht völlig.

16.10.2010
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 01/2010