Anlehnung an den Zügel - die besten Tipps

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Zufrieden am Zügel

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Abkauübung unterm Sattel

Um ein Pferd vertrauensvoll ans Gebiss heranzuführen, bringt Gunnar Wiedner den Tieren als erstes bei, mit dem Mundstück zu spielen, indem er das Maul mobilisiert. „In der Légèreté sagen wir: Das Pferd ‚kostet‘ sein Gebiss“, erklärt der Ausbilder. Nach einigen Wiederholungen lockert sich der Kiefer, das Pferd kaut ab, entspannt: Es empfindet das Speicheln, Schlucken und Kauen als angenehm. Wichtig: „Die Nasenlinie bleibt vor der Senkrechten, das Genick der höchste Punkt! Wenn das Maul locker ist, entspannt sich das Pferd – und ist bereit für den nächsten Schritt: Das seitliche Biegen und Dehnen.
BR* Lockern Sie das Maul zunächst am Boden. Dazu auf Höhe des Pferdekopfs stellen, den äußeren Zügel aufnehmen und übers Genick nach innen führen, bis Ihre äußere Hand die Wange des Pferds erreicht.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Abkauübung unterm Sattel

Umfassen Sie den inneren Zügel mit der anderen Hand, den Zeigefinger im Gebissring. Führen Sie nun beide Hände langsam aufeinander zu, indem Sie Ihre äußere Hand nach unten in Richtung Gebissring drücken.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Abkauübung unterm Sattel

Die innere Hand führt nach oben in Richtung Maulwinkel. Sobald da Pferd im Unterkiefer nachgibt, geben auch Sie nach! Halten Sie weichen Kontakt, wenn das Pferd zu kauen und zu schlucken beginnt. Hört es damit auf, wirken Sie erneut sanft aufs Maul ein.
BR* Ein Dialog entsteht: Führen Sie Ihr Pferd ein paar Schritte, dann erneut das Nachgeben im Unterkiefer abfragen. „Nach ein paar Wiederholungen wird Ihr Pferd auf immer feinere Handeinwirkung abkauen, bis ein schöner Dialog zwischen Reiterhand und Pferdemaul entsteht“, so Wiedner.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Abkauübung unterm Sattel

Übertragen Sie das Nachgeben des Unterkiefers nun in den Sattel. Dazu beide Hände parallel hoch in Richtung Pferdeohren führen, „aber niemals rückwärts auf den Oberkörper zu“, betont Wiedner. Und so geht’s:

Spielerisch weich: Nehmen Sie im Schritt die Zügel so auf, dass diese jeweils zwischen Daumen und gekrümmtem Zeigefinger langlaufen. Die übrigen Finger leicht offen lassen, damit Sie locker am Zügel spielen können. Nun die Hände langsam schließen und so herumdrehen, dass Ihre Nägel nach oben zeigen. „Auf diese Weise landen die Ellenbogen korrekt am Oberkörper und man kommt nicht so leicht in Zugzwang.“

Hoch die Hände! Nun heben Sie Ihre Fäuste sanft an – je höher, desto mehr spannen sich Ihre Zügel.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Abkauübung unterm Sattel

„Das mag für manche Reiter seltsam aussehen“, weiß Gunnar Wiedner. „Tatsächlich aber wirken Sie mit dieser Methode weich auf die Maulwinkel ein, ohne das Gebiss auf die Zunge zu drücken – wie das der Fall wäre, wenn Reiter rückwärts einwirken.“

Freundlich nachgeben: Sobald das Pferd sein Maul öffnet, die Finger öffnen und beide Hände senken (Descente de main). Halten Sie solange minimalen Kontakt zum Maul, wie das Tier am Gebiss spielt. Wiederholen Sie den Vorgang, wenn es aufhört. Können Sie den Dialog locker aufrechterhalten, ist Ihr Pferd bereit fürs Biegen.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Biegeübung an der Hand

Ist der Pferdekiefer locker, können Sie dazu übergehen, den Kopf seitlich abzubiegen und beide Halsseiten zu dehnen. Wichtig: Achten Sie darauf, dass das Genick gerade sowie höchster Punkt bleibt und die Ohren auf gleicher Höhe stehen. „Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Pferd sich dem äußeren Zügel entzieht und einrollt“, warnt Wiedner.

Sanft schubsen: Legen Sie die Zügel auf den Hals, stellen Sie sich an die Außenseite des Pferds, so dass Sie das Genick im Blick haben. Nun den inneren Zügel über die Mitte des Pferdehalses legen und aufnehmen. Mit der anderen Hand an den Trensenring greifen, den Pferdekopf vorsichtig zur gegenüberliegenden Seite schubsen. Halten Sie diese Position für ein paar Sekunden.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Biegeübung an der Hand

Immer wieder nachgeben: Sobald das Pferd im Unterkiefer nachgibt, geben auch Sie nach, indem Ihre Hände das Maul nach vorwärtsabwärts begleiten. Loben! Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite, indem Sie einmal um den Pferdekopf herum zur anderen Seite laufen. Wichtig: Ziehen Sie den Kopf nie am Gebiss herum. Und erhalten Sie die Mobilität des Unterkiefers. „Erst dann können Sie den Hals stärker dehnen und das Beugen des Genicks als natürliche Reaktion erwarten“, erklärt Gunnar Wiedner. Der Grund: „Bevor das Pferd im Genick nachgeben kann, muss es im Maul nachgegeben haben und im Hals biegsam gemacht worden sein.“

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Biegeübung unterm Sattel

Sie können die Biegeübung auch im Sattel simulieren. Doch man darf sie nur maßvoll einsetzen und das Pferd nicht etwa mit Kraft zur Seite ziehen. „Entscheidend ist, wie Ihr Pferd reagiert“, erklärt Gunnar Wiedner. „Es zeigt Ihnen schon, wie oft und in welcher Intensität die Übungen sinnvoll sind.“ Sträubt sich das Pferd gegen die Biegeübungen, zeigt eine Karotte schnell, ob es nicht kann oder nicht will: Bringt es den Kopf beim Karotten-Angeln bis zur Hüfte, sollte die Biegeübung möglich sein. Falls nicht, sollte ein Osteopath das Tier checken.

Erstmal abkauen lassen: Lösen Sie zunächst das Nachgeben im Unterkiefer aus, indem Sie Ihre innere Hand behutsam nach oben führen – als wollten Sie einen Taktstock für eine leise Sinfonie erheben.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Biegeübung unterm Sattel

Der äußere Zügel hält gegen. Dann den Pferdehals vorsichtig zur Seite biegen. „Jetzt lernt das Pferd ganz ohne Zugzwang, solange die gewünschte Kopf-Hals-Position zu halten, bis ich es zu einer anderen Bewegung auffordere“, erklärt Gunnar Wiedner. Wichtig: Der Kontakt zum Pferdemaul bleibt weich, die Zügel sind nur leicht angespannt.

Die Basis: Entspannen und Dehnen - Biegeübung unterm Sattel

Immer länger dehnen: Die Biegung solange halten, wie das Pferd die Zügel auf Spannung hält und im Unterkiefer nachgibt. Dann die innere Hand wieder absenken und mit beiden Händen vorgehen. Legt sich das Pferd hingegen auf die Hand oder rollt es sich ein, geben Sie eine Aufwärtsparade (Demi-ârret).

Wichtig: Entlassen Sie Ihr Pferd nach erfolgreicher Biegung in die Dehnung, indem Sie die Zügel lang lassen. Das Strecken tut gut und ist für Pferde eine klasse Belohnung.

Problem 1: Das Pferd hebt sich heraus - Die Lösung: Aktion - Reaktion

„Bei Pferden, die über dem Zügel gehen, handelt es sich meist um Kandidaten mit dünnem und tief angesetztem Hals oder einem Hirschhals“, beobachtet Gunnar Wiedner. „Manche heben sich allerdings auch dann heraus, weil sie schlechte Erfahrungen mit der Reiterhand gemacht haben und sich der Einwirkung entziehen wollen.“ Solche sogenannten „Sternengucker“ müssen vor allem lernen, ihre Nase nach vorwärts-abwärts zu strecken und somit das Gebiss aktiv anzunehmen. Und zwar so:

Ans Pferdemaul herantasten: Gunnar Wiedner übt das Nachgeben im Unterkiefer zunächst genau wie bei allen anderen Pferdetypen am Boden, allerdings mit etwas höherer Kopfposition. „Dann übe ich solange beidseitig, das heißt mit beiden Zügeln Druck auf die Maulspalte aus, bis das Pferd beginnt, seine Nase nach vorwärts-abwärts zu strecken“, sagt der Trainer. Und genau darauf beruht das Prinzip von Aktion und Reaktion: Das Pferd liefert mit dem Nachgeben des Unterkiefers ein erstes Zugeständnis. Das reicht aber noch nicht. Wirklich entspannen darf es sich erst, wenn es bei anhaltender Zügelverbindung aktiv das Gebiss sucht – und damit den zwar nicht gerade schmerzhaften, aber nervigen Druck los wird.

Problem 1: Das Pferd hebt sich heraus - Die Lösung: Aktion - Reaktion

Wohlig strecken! „Pferde begreifen sehr schnell, dass sie die Zügel nach vorwärtsabwärts ziehen sollen und wie gut das Strecken ihnen tut“, weiß Wiedner. Folgen Sie dem Vorwärts-Abwärts-Impuls mit Ihren Händen und loben Sie Ihr Pferd ausgiebig für sein korrektes Verhalten. Führen Sie das Stretching im Schritt fort.

Problem 1: Das Pferd hebt sich heraus - Die Lösung: Aktion - Reaktion

Zügel annehmen: Klappten Aktion und Reaktion an der Hand, setzen Sie das Prinzip unterm Sattel fort. Dazu die Zügel sehr deutlich aufwärts heben, ohne rückwärts zu wirken. Halten Sie den Druck auch dann noch aufrecht, wenn Ihr Pferd im Unterkiefer nachgibt – und zwar genau wie an der Hand solange, bis es den Kopf senken und sich nach vorwärts-abwärts strecken möchte. Wichtig: „Diesen Moment dürfen Sie nicht verschlafen, sonst wird sich Ihr Pferd niemals vertrauensvoll ans Gebiss dehnen wollen“, warnt Gunnar Wiedner. Folgen Sie dem Pferdekopf mit den Händen in die Dehnung. Verringern Sie den Zügelkontakt, ohne ihn gänzlich aufzugeben!

Und so geht’s weiter: „Arbeiten Sie Ihr Pferd solange in der für es neuen Dehnungshaltung, bis sich seine Muskeln umgebildet haben und der Halsansatz stark genug für mehr Aufrichtung ist“, rät Gunnar Wiedner.

Problem 2: Das Pferd rollt sich ein - Die Lösung: in die Dehnung schicken

Bei Pferden, die sich einrollen, unterscheidet Gunnar Wiedner zwei Grundtypen: „Pferde mit hoch angesetztem, langem und biegsamem Hals, die sich dem Zügelkontakt entziehen“, erklärt der Ausbilder. „Und dann gibt es jene mit kurzen, starken Hälsen, die hinter der Senkrechten landen, weil sie sich einrollen und aufs Gebiss stützen.“ Für beide gilt: In der Regel haben die Tiere kein Vertrauen in die Reiterhand und sind total verspannt. Wie kann man ihnen helfen?

Schwingen und fallenlassen: Sich einrollende Pferde müssen lernen, mit dem Rücken zu schwingen und ihren Hals fallenzulassen. Wiedner: „Wichtig ist, dass der Reiter die Bewegung nach vorne hinauslässt.“ Einen ersten vertrauensvollen Kontakt zur Reiterhand versucht Gunnar Wiedner zunächst mit Hilfe von Aktion-Reaktion herzustellen – wie gehabt immer erst am Boden, dann vom Sattel aus. „Rollt sich das Pferd weiterhin ein, können Sie das Genick mit Aufwärtsparaden (Demi-ârrets) anheben und öffnen, um eine natürliche Kopf-Hals-Position wieder herzustellen“, erklärt der Ausbilder.

Entspannt in Kontakt bleiben: Hat das Pferd eine Idee davon, wohin sein Genick gehört, dann soll es lernen, in exakt dieser Position im Unterkiefer nachzugeben, sprich: ohne wieder hinter die Senkrechte abzutauchen. Klappt das, arbeitet Gunar Wiedner das Pferd mit dem Prinzip Aktion-Reaktion weiter, um es in eine korrekte Dehnungshaltung (Foto) zu schicken. Mit der sollte der gute Kontakt wieder hergestellt sein!

Problem 3: Das Pferd legt sich auf den Zügel - die Lösung: Aufwärtsparaden

Wenn sich Pferde tonnenschwer auf die Reiterhand stützen, haben sie in der Regel ein Balanceproblem. „Sie laufen auf der Vorhand, da sie mehr Gewicht auf die Schulter verlagern, um den Rücken zu entlasten“, erklärt Wiedner. „Dazu kommt oft eine schwache Hinterhand.“ Solche Pferde müssen lernen, den Hals selbst zu tragen. Pferde mit massiven, kurzen und manchmal auch tief angesetzten Hälsen neigen besonders dazu, sich auf den Zügel zu legen. „Oder sie haben schlechte Erfahrungen mit der Reiterhand gemacht.“

Das Genick öffnen: Um Pferde von der Reiterhand zu lösen und die Vorhand zu entlasten, müssen Sie den Vierbeiner mit Hilfe von Aufwärtsparaden (Demi-ârrets) aufrichten und das Genick öffnen. Stellen Sie sich dafür am Boden vors Pferd, greifen mit den Daumen in die Trensenringe und wirken mit dem Gebiss so nach oben auf Maulwinkel und Oberkiefer, bis der Hals deutlich aufgerichtet ist. Wichtig: „Nur so viel Druck wie nötig machen“, sagt Wiedner. Öffnet das Pferd sein Maul, dann haben Sie das erste Ziel erreicht: das Nachgeben im Unterkiefer. Versucht es indes, Ihren Kontakt als Stütze zu nutzen, dann erhöhen Sie den Druck.

Problem 3: Das Pferd legt sich auf den Zügel - die Lösung: Aufwärtsparaden

Antreten! Reagiert das Pferd wie erwünscht, lassen Sie es antreten, indem Sie seinen Kopf auf sich zu ziehen. Danach wieder Halten, den Kopf auf obige Weise aufrichten und das Pferd rückwärts treten lassen. Der Lerneffekt: „Das Pferd kann sich dabei nur ausbalancieren, indem es seinen Hals einsetzt, ohne gegen die Reiterhand zu kämpfen“, so Wiedner. Klappt die Übung, können Sie zur normalen Biegeübung übergehen.

Problem 3: Das Pferd legt sich auf den Zügel - die Lösung: Aufwärtsparaden

Leicht unterm Reiter: Im Sattel können Sie das Pferdegenick wie folgt öffnen: Nehmen Sie sanft die Zügel auf. Reagiert das Pferd mit Gegendruck, indem es sich aufstützen möchte, heben Sie die Hände einmal kurz impulsartig hoch. „Weil Sie dabei auf die Maulspalten und nicht auf die Zunge einwirken, richten sich Pferde automatisch auf.“ Zur Belohnung die Hände wieder sinken lassen, den leichten Kontakt aber beibehalten (Descente de main). Wiederholen Sie die Aufwärtsparaden so oft, bis das Pferd die Aufrichtung in jeder Gangart halten kann, ohne sich auf die Zügel zu legen.
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