Experten-Tipps für Pferde mit Senkrücken

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Foto: Rädlein CAVALLO Training für Pferde mit Senkrücken

Rücken dehnen mit der Bergziege

Bei dieser Übung nähern sich die Hinterbeine den Vorderbeinen und das Pferd streckt den Hals nach vorne in die Tiefe. Auf diese Weise dehnt es Rücken, Hals und Kruppenmuskeln. „Diese Lektion erfordert sehr viel Geduld“, sagt Julia Thut, Trainerin B aus dem hessischen Michelstadt. „Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis sie perfekt gelingt.“
Und so geht‘s: Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd vorne breit und geschlossen steht. Touchieren Sie nun ein Hinterbein mit der Gerte.
Loben Sie Ihr Pferd, sobald es das Hinterbein weiter unter den Bauch stellt.
Wiederholen Sie den Vorgang mit dem zweiten Hinterbein, bis dieses ebenfalls unter dem Bauch steht. Auch die Übung „Kopf senken“ dehnt den Hals und ist die Basis einer entspannten Haltung.
Am besten klappt sie am Kappzaum: Stellen Sie sich neben das Pferd, beugen sich etwas nach unten und geben leichten Druck am Kappzaum in die Tiefe. Anfangs dürfen Sie ruhig auch ein Leckerli zur Hilfe nehmen, welches Sie dem Pferd unten parallel anbieten. Wichtig: Der Pferdekopf soll mindestens bis zum Buggelenk in die Tiefe wandern.

Bunte Gassen für tragfähige Muskeln

Die sogenannte „Equikinetic“ vom bayerischen Pferdetrainer Michael Geitner hat sich längst als ideales Trainingsprogramm für den Pferderücken etabliert. Dabei longierten Sie Ihr Pferd in Stellung nach einem festen Zeitschema in einer Quadratvolte aus Dualgassen. Gerade mal eine halbe Stunde reicht um das Pferd effektiv zu trainieren.
Der Grund: In engen Wendungen dehnt das Pferd die äußeren Rumpfmuskeln, während die inneren intensiv arbeiten. Ruhiges Tempo, kurze Reprisen und ständige Handwechsel verhindern dabei Überlastungen.
Weil das Training schon im Schritt wirkt, können auch alte oder kranke Pferde damit wieder aufgebaut werden. Tolle Effekte zeigte ein Trainings-Versuch: Bei einem Pferd mit leichtem Senkrücken verlief nach drei Monaten die Rückenlinie um zwei Zentimeter höher als zuvor.

Kreuzen für einen starken Rücken

Beim Beinekreuzen geht das Pferd vorwärtsseitwärts und ist gegen die Bewegungsrichtung gestellt. Auch bei dieser Übung ist ein Kappzaum ratsam, weil sich das Pferd damit gut stellen und später sogar biegen lässt. Der Clou beim Kreuzen: Das Pferd rotiert in der Hüfte und dehnt die jeweils äußere Seite von Kopf bis Schweif. Außerdem müssen Pferde beim seitlichen Übertreten den Bauch anspannen.
Das wirkt so ähnlich wie Sit-Ups beim Menschen: Diese stärken nicht nur die Bauchmuskeln, sondern trainieren gleichzeitig die Rückenmuskeln. Weil Rückenund Bauchmuskulatur eng miteinander verbunden sind, ist das Beinekreuzen daher ideal für Senkrücken und Hängebäuche. Fortgeschrittene Pferde proftieren von echten Seitengängen: Schulterherein, Travers und Traversalen mobilisieren ebenfalls die Hüfte und biegen das Pferd zusätzlich in der Längsachse. Richtig gemacht arbeiten die schrägen Bauch- und die Halsmuskeln besonders effektiv.

Im Galopp zum ehrlichen Sixpack

Im Galopp springen die Hinterbeine unter den Schwerpunkt nach vorne. Damit das klappt, muss das Pferd den Bauch anspannen und den Rücken wölben – eine prima Übung zur Aufmuskelung eines Senkrückens. An der Longe fällt der Dreitakt betroffenen Pferden allerdings meist schwer, ähnlich wie ungeübten Jungpferden. Vor allem, wenn die Bauchmuskeln fehlen, hapert es an Kraft und Balance.
Gestattet ein Fachmann wie Ihr Tierarzt, dass Sie Ihr Pferd trotz Senkrücken reiten, sollten Sie das Galopptraining auf gerade Strecken im Gelände verlagern. Unser Tipp: Leichte Anstiege sowie Trab-Galopp-Übergänge fordern Bauchund Rückenmuskeln zusätzlich.
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