So geht ein korrektes Kurzkehrt

Hinterhandwendung um 180 Grad

Foto: Rädlein Pferd mit Reiter
Bitte wenden! Die 180-Grad Wendung aus der Bewegung heraus stärkt die Hinterhand und fördert die Versammlung. Wir zeigen, worauf es ankommt.

Das Kurzkehrt ist eine aus dem Mittelschritt oder Trab heraus gerittene Hinterhandwendung, bei der das Pferd 180 Grad mit der Vorhand um die Hinterhand schwenkt. „Die Fußfolge beim Kurzkehrt ist immer der Schritt“, erklärt Dressurausbilderin Sabine Ellinger.

Das bedeutet: Wird die Lektion etwa aus dem Trab heraus geritten, pariert der Reiter sein Pferd zum Schritt durch und trabt nach dem Wendemanöver sofort wieder an.

Kurzkehrt erst ab Klasse L

Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn im Kurzkehrt soll das Pferd seine Beine flüssig auf zwei kleinen Kreisen koordinieren. Auch darf es nur seitwärts, aber nicht vorwärts treten. Auf dem Bild ist prima zu sehen, wie Hengst Magic in der Linkswendung weit mit dem rechten Vorderbein über das linke kreuzt, während die Hinterbeine fast „auf dem Teller“ im Kreis treten.

Dabei wird das Pferd in die Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Damit das alles klappt, sollte das Tier sich schon ein wenig versammeln und hinten Last aufnehmen können, weshalb das Kurzkehrt in Dressurprüfungen auch erst ab Klasse L abgefragt wird.

Foto: Rädlein So geht ein korrektes Kurzkehrt

Mittelpunkt Hinterbein

Das innere Hinterbein ist der Mittelpunkt des 180-Grad-Schwenks, um den sich die anderen drei Beine drehen. „Damit der erwünschte Viertakt des Schritts im Kurzkehrt erhalten bleibt, muss es fleißig auf- und abfußen“, erklärt Sabine Ellinger. Wie es richtig aussieht, kann man auf dem Foto sehr gut sehen: Magic hebt sein inneres linkes Hinterbein vorbildlich an.

Dafür muss er seine Sprunggelenke anwinkeln und Last auf der Hinterhand aufnehmen. Das stärkt den Pferdepo und fördert die Versammlung. Die Vorderbeine zirkeln derweil vorwärts-seitwärts auf einem möglichst kleinen Halbkreis um die Hinterhufe. Das äußere Hinterbein zirkelt ebenfalls – und zwar ums innere herum, darf dieses aber nicht kreuzen.

Der Abschluss

Erst in dem Moment, wenn das Pferd komplett herumgeschwenkt ist und seine Nase in die neue Richtung zeigt, dürfen die Hinterbeine einen klitzekleinen Moment kreuzen, damit Reiter und Pferd wieder auf dem Hufschlag landen. Dazu schickt Sabine Ellinger ihren Magic für genau einen Schritt traversartig vorwärts-seitwärts.

Foto: Rädlein So geht ein korrektes Kurzkehrt

Reitersitz und Hilfen

Ein bis zwei Schritte oder Tritte vor dem Kurzkehrt macht Sabine Ellinger ihr Pferd mit einer halben Parade am äußeren Zügel aufmerksam „als wolle man halten“, erklärt die Ausbilderin. Dann stellt sie ihr Pferd in die Bewegungsrichtung (auf unserem Foto nach links) und leitet die Wendung ein, indem sie ihr Gewicht auf den inneren Gesäßknochen verlagert und mit der inneren Hand leicht seitwärts weist.

Parallel schaut Ellinger deutlich in die Bewegungsrichtung. Der innere Schenkel bleibt am Gurt, treibt den Vierbeiner sanft vorwärts und sorgt für fleißige Schritte. Das äußere Reiterbein liegt verwahrend hinterm Gurt, damit die Kruppe nicht ausbricht. Wichtig: „Der äußere Schenkel darf nicht seitwärts drücken, weil sonst die Hinterbeine kreuzen würden.“

Mit dem äußeren Zügel gibt Ellinger ein wenig nach, um die Biegung zu ermöglichen und gibt halbe Paraden, damit das Pferd nicht vorwärtsläuft. „So dann immer weiter verfahren, bis das Pferd in die Gegenrichtung geschwenkt ist. Das sind in der Regel sechs Schritte.“ Jetzt wird das Pferd einen Schritt zur Seite auf den Hufschlag zurück geritten. Dazu gibt der Reiter dieselben Hilfen wie in der Wendung, fängt nur diesmal die Vorwärtsbewegung nicht auf. „Danach das Pferd wieder gerade stellen und weiterreiten.“

25.07.2018
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 06/2018