Jungpferd anreiten

Charmant im Sand

Zuerst war die wilde Shimounah im CAVALLO-Erziehungscamp kaum zu bändigen. Doch jetzt, nach vier Monaten, lässt sich die kleine Araberstute endlich reiten.
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Foto: Rädlein Jungpferd anreiten

Christiane Wehnert von CAVALLO (links) hilft Ausbilderin Tamara Ebert beim Anreiten von Shimounah.

Araberstute Shimounah steht nicht im Stall, auch in der Reithalle und auf der Weide ist sie nicht zu finden. Bereits vor einer Woche war das Pferd listig durch den Weidezaun gekullert, und die hessische Jungpferdeausbilderin Tamara Ebert, die sie beherbergt, musste hinter ihr herjagen. Ist der Wildfang nun schon wieder ausgebüxt?

Das Rätsel löst sich nach wenigen ­Minuten, als Tamara Ebert auf der vier­jährigen Araberstute auftaucht; Shimounah läuft am langen ­Zügel. „Wir sind eine kleine Runde aus­geritten“, sagt die 39-Jährige und strahlt zu Recht – ein Riesenerfolg, denn Shimounah befindet sich erst seit einem Monat unterm Sattel. Noch vor vier Wochen ließ sich die freche Stute im Gelände als Handpferd nur schwer unter Kontrolle bringen: Sie stieg, dabei riss sie die Ausbilderin fast von deren Haflingerwallach Ben.

Auch Shimounahs Besitzerin Gabriele Barth aus Geisenheim im Rheingau ist baff. Als sie CAVALLO vor einem halben Jahr um Erziehungshilfe für die eigensinnige Araberstute bat, hätte sie nicht damit gerechnet, dass sich ihr Pferd schon nach vier Monaten reiten lässt.

Und das ohne Gebiss, nur mit einem ­Nylonhalfter und daran befestigten Zügeln. „Beim Longieren half Shimounah ein Gebiss, um locker zu werden“, meint Trainerin Ebert. „Doch beim Reiten lutschte sie mir zu sehr auf dem Metall herum, und ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht mehr auf mich konzentriert.“ Also ließ sie das Gebiss weg. Auch ohne das Metall im Maul läuft die Stute locker durch den Hallensand und durchs Gelände, lässt sich stellen, biegen und anhalten. Die Bodenarbeit der letzten Monate hat sich wohl ausgezahlt. „Beim ersten Mal bin ich einfach aufgestiegen und losgeritten“, berichtet Ebert. „Meine Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen hat Shimounah gleich angenommen.“ Seitdem übt Ebert regelmäßig in kurzen Trainings-einheiten mit der hübschen Stute, auch im Trab. „Shimounah stieg und buckelte nur ein einziges Mal“, erinnert sich die Ausbilderin. „Dabei wäre sie fast umgefallen. Das war ihr eine Lehre. Seither buckelt sie nicht mehr.“ Bislang passte Shimounah der Sattel ihres Stallkollegen Ben.

10.08.2009
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe 09/2009