Pferdekenner: Tierärztin und Pferdewirt - Konstanze und Knut Krüger

Feine Dressur ohne Reitplatz

Knut Krüger und Konstanze Krüger haben sich dem Leben mit Pferden verschrieben. Sie als Tierärztin und Professorin für Pferdehaltung. Er als Ausbilder für Pferde und Reiter. CAVALLO stellt das pferdebegeisterte Paar vor.
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten

Knut Krüger nimmt die Zügel in eine Hand und prüft so, ob das Pferd fein abgestimmt ist.

Heute sitzt Knut Krüger nur noch sporadisch im Sattel. Stattdessen ist er als mobiler Reitlehrer vornehmlich in Bayern unterwegs. Berittpferde nimmt er keine an. „Ich trainiere lieber Mensch und Tier zusammen und zeige dem Reiter, wie er sein Pferd selbst ausbildet.“ Ein weiterer Grund: Am heimischen Offenstall gibt es weder Gastboxen noch einen Reitplatz oder eine Halle. Mit den eigenen Pferden reitet er nur noch aus. „Ich verlege die Dressurarbeit ins Gelände.“

Fürs CAVALLO-Fotoshooting sattelt er Oldenburger-Stute Traum und wandelt eine nahegelegene Wiese ausnahmsweise zu einem provisorischen Dressurviereck um. „Seit sechs Jahren war ich mit ihr nicht mehr auf einem Reitplatz“, sagt Knut Krüger. Die fehlende Routine merkt man der 18-jährigen Stute nicht an. Schon nach wenigen Minuten im Schritt dehnt sie sich vorwärts-abwärts und wölbt den Rücken. Doch bevor Knut Krüger antrabt, prüft er mit seiner Lieblingsübung, ob die Stute dafür bereit ist. „Traum reagiert gleichmäßig auf leichten Druck beider Unterschenkel. Jetzt können wir starten.“ Das Pferd trabt taktrein und mit schwingendem Rücken über die Wiese – ein wahrer Reitertraum.

„Würde man antraben, ohne dass sich das Pferd vorher gedehnt hat und auf beide Schenkel nicht gleichmäßig reagiert, verstärkt sich die Schiefe des Tiers“, meint Knut Krüger. „Dann verfehlt das Training seinen Sinn.“ Mit dem Phänomen der natürlichen Schiefe beschäftigt sich auch seine Frau. „Da sich die Schiefe mit zunehmender Entspannung bessert, gehen wir davon aus, dass es sich um ein sogenanntes sekundäres Phänomen handelt“, erklärt Konstanze Krüger. „Je angespannter ein Pferd, desto mehr tendiert es dazu, sein Umfeld mit dem linken Auge zu betrachten. Dazu biegt das Pferd den Kopf nach rechts. Das verstärkt die Schiefe.“ Ganz durchleuchtet ist dieses Phänomen allerdings noch nicht.

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13.12.2012
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe 07/2012