Trainings-Tipps: So halten Sie Ihr Pferd durch Spielen fit

Gute Kondition: Spiel Dein Pferd fit

Foto: Rädlein CAVALLO Intelligenz-Test für Pferde
Spiel statt Dressur: Im Interview mit CAVALLO erklärt die US-Ausbilderin Karen Rohlf worauf es ankommt, wenn Reiter mit ihren Pferden spielen. Hier gibt es Tipps und Tricks für das sichere Training.

CAVALLO: Wie spielt man mit Pferden?

Karen Rohlf: Ich denke, es gibt beim Spielen mit Pferden kein „richtig“ oder „falsch“. Wenn wir zu viel über richtig und falsch nachdenken, zerstört das das jedes spielerische Element. Aber wir müssen uns fragen, welchen Zweck ein Spiel haben soll: Wollen wie Spaß mit dem Pferd haben, soll es sich entspannen, gelassener werden oder wollen wir einfach eine harmonische Zeit mit einem Pferd verbringen, das sich so benehmen darf, wie es möchte.

CAVALLO: Worauf müssen Pferdebesitzer achten?

Karen Rohlf: Uns muss klar sein, dass das, was wir uns wünschen, möglicherweise nicht das ist, was unsere Pferde gerade möchten. Was uns Spaß macht, muss fürs Pferd noch lange kein Vergnügen sein. Wir müssen uns also ehrlich fragen, warum wir etwas machen. Ein „falsches“ Spiel wäre eins, das sich nicht anfühlt wie ein Spiel oder das gefährliche Aggressionen heraufbeschwört.

Foto: Rädlein CAVALLO Intelligenz-Test für Pferde

Pferde zeigen, was sie mögen und was nicht.

CAVALLO : Wann kann ich anfangen, mit meinem Pferd zu spielen?

Karen Rohlf: Das hängt vom Pferd ab. Manche Pferde fühlen sich im Roundpen eingeengt. Wenn wir nun dorthin gehen, um zu spielen, fühlen sie sich unter Druck gesetzt und möchten am liebsten fliehen. Sie entspannen, wenn sie mehr Platz haben. Spiel kann überall funktionieren, solange Sie ihre Methoden an das gewünschte Ergebnis anpassen können. Wenn ein großes Pferd ermutigt werden soll und es geht einfach, muss der Mensch möglicherweise viel leisten, um interessant für das Pferd zu bleiben. Auf kleinerem Raum ist es leichter zu beeinflussen.

CAVALLO: Welche Tipps haben Sie für Einsteiger?

Karen Rohlf: Viel Spaß kann es machen, das Pferd auf Abenteuerspaziergänge mitzunehmen. Oder gehen Sie irgendwohin, wo Ihr Pferd ungewohnte Dinge sehen kann. Beobachten Sie, was sein Interesse weckt und schauen Sie sich diese Dinge auch selbst an.

CAVALLO: Welche Regeln gelten für ein Spiel und welche Spiele kann man spielen?

Karen Rohlf: Safety first! Stellen Sie immer sicher, dass Ihre Grenzen respektiert werden und dass Sie Ihre Individualdistanz verteidigen können. Sie müssen sicher sein können, dass Sie Ihr Pferd auf Abstand halten können, auch wenn es Sie bedrängt. Sie müssen sich in der Nähe Ihres Pferds wohlfühlen und es darf nicht aggressiv werden.

CAVALLO: Wie kann man Regeln aufstellen?

Karen Rohlf: Dafür habe ich bei meinen Pferden ein Futter-Ritual eingeführt. Zur Futterzeit stelle ich die Eimer in einem Paddock bereit. Das Tor ist offen und alle Pferde müssen hinter dem offenen Tor höflich warten. Wer am geduldigsten steht, wird per Namen eingeladen zu mir zu kommen, muss mit der Nase (und gespitzten Ohren) meine Hand berühren. Erst dann darf es zu seinem Eimer geben.

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Karen Rohlf kommuniziert spielerisch mit ihren Pferden.

CAVALLO: Spielen Pferde überhaupt gerne?

Karen Rohlf: Pferde spielen viel, wenn es um Futter und Wasser geht. Deshalb ist dieses Spiel für sie leicht zu verstehen. Im Kern drehen sich Pferdespiele um die Frage, wer der Anführer ist. Und wer das Futter kontrolliert steht ganz oben an der Spitze. Die Pferde müssen zu Ihnen kommen, Sie sind quasi der Pförtner für den Futter-Paddock.

CAVALLO: Welche Spiele können Sie außerdem empfehlen?

Karen Rohlf: Ähnliche Spiele kann man auch bei anderen Gelegenheiten spielen. Gehe ich mit einem Futtereimer im Arm und dem Horsemanship-Stick in einen Paddock, habe ich die Aufmerksamkeit der meisten Pferde. Normalerweise bekomme ich dann haufenweise Gelegenheiten, meine Grenzen zu setzen. Und wenn die Pferde höflich sind, kann ich ihnen eine Belohnung geben. Sie lernen dabei auch schnell, dass Begriffe wie „good boy“ oder ähnliches als Lob gemeint sind.

CAVALLO: Wie lässt sich das Interesse für Spielzeug wecken?

Karen Rohlf: Ein anderes Spiel ist, das Pferd einfach zu ignorieren. Ich bringe zum Beispiel Gegenstände mit in die Bahn, beschäftige mich damit und verhalte mich so, als wäre das Pferd gar nicht da. Ich schaue, ob das Pferd sich für mich und den Gegenstand interessiert, gehe mal an ihm vorbei und laufe auch mal „durch“ das Pferd als würde ich es nicht sehen.

Wichtig ist generell, dass ich nicht einfach in die Bahn komme und anfange, das Pferd herumzukommandieren. Das hat nichts mit Spielen zu tun. Stattdessen versuche ich eher, mit wie ein anderes Pferd zu verhalten, nur mit einer höheren Rangposition. Ich gehe, wohin ich gerade will und mache, wonach mir gerade ist. Pferde müssen denken, dass wir Menschen vielbeschäftigte Kreaturen sind. Für einige von ihnen ist es sehr erholsam, wenn mal ein Mensch in ihrer Nähe ist, ohne etwas zu verlangen. Nur so kommen ihre Neugier und ihr Spieltrieb überhaupt hervor. Sie spielen nicht, solange sie sich in unserer Nähe nicht wohlfühlen. Ist das geschafft, können Pferden ganz unterschiedliche Aufgaben Spaß machen.

CAVALLO: Spielen hat also mit freiem Willen und nichts mit Dressur zu tun?

Karen Rohlf: Dressur ist für Pferde nicht sinnvoll, weshalb sie oft nicht verstehen, wonach wir Menschen dabei eigentlich suchen. Kein Pferd denkt sich nach einer Reitstunde: „Wow, ich hatte heute wirklich eine gute Kadenz“, oder „Meine Biegung im Travers war heute wirklich besonders gut.“

Aber sie wissen, ob sie einen Huf auf etwas gesetzt haben, über einen Sprung gesprungen sind oder etwas mit ihrem Maul aufgehoben haben. Also ermutige ich sie zu diesem natürlichen Verhalten. Sie sollen Dinge aufheben, ihre Hufe in Gummieimer setzen, mit einem Ball herumspielen oder etwas umrunden. Haben sie verstanden, was von ihnen verlangt wird, sind die meisten von ihnen sehr glücklich. Es mag wie ein einfacher, dummer Trick wirken, ist aber in Wirklichkeit eine riesige Gelegenheit, dem Pferd Erfolgserlebnisse zu verschaffen und es stolz zu machen. Meine Pferde lieben diese Gegenstände und wenn ich sie in ihr Paddock lege, spielen damit und balgen sich darum – just for fun.

CAVALLO: Welches Spielzeug mögen Ihre Pferde am liebsten?

Karen Rohlf: Ein Ball kann ein tolles Spielzeug sein. Manche Pferde lieben ihn und spielen ganz alleine intensiv damit. Anderen muss man das Ballspiel erst erklären. Ich beginne damit, den Ball von ihnen wegzurollen, während wir nebenher gehen. Rollt der Ball weg und das Pferd folgt, stärkt das das Selbstvertrauen des Pferds, schließlich ist es der Ball, der weicht. Als nächstes werden Pausen am Ball belohnt. Ich halte dort an und wenn das Pferd den Ball mit der Nase berührt, gibt es ein Lob und wir machen dort Pause. Dann schieße ich den Ball etwas weg und wir laufen hinterher, so dass wir so schnell wie möglich wieder Pause machen können. Viele Pferde verstehen das bald.

CAVALLO: Was zun, wenn Pferde Angst vor Spielzeug haben?

Karen Rohlf: Das gibt es. Wer es dem Pferd dann trotzdem beibringt, etabliert kein Spiel, sondern stellt dem Pferd eine Aufgabe, die aussieht wie ein Spiel. Achten Sie immer darauf, dass nichts zu einer Aufgabe wird, was eigentlich als Spiel gedacht war.

CAVALLO: Wie kann man ruhige, faule oder schüchterne Pferde zum Spiel auffordern?

Karen Rohlf: Fühlt sich ein Pferd sicher und wohl bei ihnen und respektiert ihre Grenzen, ist Futter ein großartiger Motivator. Fordern Sie am Anfang wenig und belohnen Sie viel. Machen Sie mit faulen Pferden immer weniger. Der Schlüssel ist, ihnen zu zeigen, dass sie Pausen und Belohnungen umso schneller bekommen, je schneller sie eine Aufgabe erfüllen.

Für unmotivierte Pferde führt der Weg zu mehr Einsatz über eine Kombination aus klarer Führung - Verwirrung lässt sie sofort ihr Interesse verlieren - und dem sicheren Zutrauen, dass wenn sie etwas tun, es schnell vorbei ist und es eine große Belohnung dafür gibt. Sie können auch versuchen, Bewegungen auszulösen, ohne das Pferd direkt dazu aufzufordern. Ist der Mensch interessant genug, wird jedes Pferd neugierig.

Video: Temenos Fields

CAVALLO: Wie beruhigt man aufgeregte, begeisterte Pferde, damit sie einen im Eifer des Spiels nicht beißen oder treten?

Karen Rohlf: Stellen Sie zuerst sicher, dass der Respekt für Ihre Individualdistanz sicher vorhanden ist. Das muss man gegebenenfalls mit einer Barriere zwischen sich und dem Pferd beginnen, etwa in einem Futterständer oder über eine Boxentür. Es gibt kein Spiel, wenn sich einer der beteiligten unwohl oder unsicher fühlt. Es muss für jedes Pferd-Mensch-Paar eine gute Basis vorhanden sein, damit beide wirklich bereit sind, gemeinsam zu spielen.

Sorgen Sie dafür, dass der Platz auf dem Sie arbeiten das Pferd nicht einengt. Haben energievolle Pferde Platz, um möglichem Druck ausweichen zu können, ist es weniger wahrscheinlich, dass Sie Menschen treten.

CAVALLO: Wie kommt man mit Pferden in Kontakt - wie sprechen Sie Ihre Pferde an?

Karen Rohlf: Ich beginne jede Kommunikation mit Entspannung. Das heißt bei Parelli „Friendly Game“ und geht im Kern darum, die Kommunikation über Körpersprache aufrecht zu erhalten. Ich übe das, bevor Pferde sich aufregen können. Sie lernen, dass mein ruhiger Atem, ein Energieabfall, Streicheln auf ihrem Körper oder das rhythmische Wedeln mit meinem Stick ein „Game over“-Signal sind.

CAVALLO: In welchen Situationen kann es für Pferdebesitzer gefährlich werden?

Karen Rohlf: Wenn ich renne und springe und mein Pferd tut mir gleich, buckelt und tritt aus, muss ich auf mich selbst aufpassen. Energievolle Pferde vermitteln oft den Eindruck, dass sie hart spielen wollen. Aber oft steht hinter diesem Verhalten Angst oder Spannung. Dann mag das Toben zwar aus Menschenaugen spaßig aussehen, aber das Pferd wird diesen Gemütszustand nicht wirklich genießen.

CAVALLO: Welche Probleme können auftauchen und wann muss ich ein Spiel abbrechen und Hilfe holen?

Karen Rohlf: Wie schon angesprochen, müssen Sie vorsichtig sein mit dem, wonach Sie Ihr Pferd fragen. Pferde spielen manchmal ziemlich hart, selbst mit ihren besten Freunden. Stellen Sie sicher, dass Ihre Grenzen stabil sind und das Sie für Ihr Pferd die Nummer eins verkörpern. Ein anderes Problem ist, dass viele Menschen zwar denken, sie würden spielen, in Wirklichkeit ihre Pferde einfach nur dazu auffordern, mehr Sachen zu machen. Für manche Pferde würde ein gutes Spiel bedeuten, einfach nur gemeinsam herumzuhängen oder an einem Ast herumzuspielen oder sich gegenseitig zu beknabbern. Nicht alle Pferde lieben es, herumzutoben und zu rennen.

01.07.2011
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO