Die seltenen Knabstrupper Lisa Rädlein

Knabstrupper: Charakter und Herkunft

Warum Knabstrupper so selten geworden sind Bedrohte Punktepferde

Absolute Knallerpferde! Die seltenen Knabstrupper sind genauso eigenwillig wie ihr Outfit. Was Sie über die bunten Dänen bestimmt noch nicht wussten.

Wer kennt den "Kleinen Onkel" nicht? Das Pferd von Pippi Langstrumpf hat die Schimmel mit bunten Tupfen berühmt gemacht. Doch was beim Filmstar vor jedem Dreh ins Fell gemalt wurde, haben die Knabstrupper von Natur aus: Punkte über Punkte. Manche von ihnen sind sogar mit einem Spezialeffekt ausgestattet: Sie sehen aus wie normale Schimmel – bis es zu regnen beginnt.

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Bedrohte Pferderasse Warum es so wenige Knabstrupper gibt
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Die seltenen Knabstrupper
Lisa Rädlein
Für ihre bunten Punkte sind die Knabstrupper bekannt. Trotzdem ist die Rasse bedroht.

Elke Wetzel hat so einen "magischen Schimmel". Ihr Parzival vom Soonwald, genannt Paule, ist ein Knabstrupper vom barocken Typ, den es nur noch selten gibt. Er hat ein paar Flecken, aber nicht die charakteristischen Punkte. "Die sieht man erst, wenn er nass ist", verrät seine Besitzerin. Denn nicht alle Knabstrupper verraten sich gleich durch ihre auffällige Färbung. Bei einfarbigen und weißgeborenen Tieren schlägt das Tiger-Gen optisch zwar nicht durch, wird aber weitervererbt. Mit seinem fast weißen Fell gehört Paule in die Kategorie "few spotted", also zu den Pferden mit sehr wenigen Punkten.

Die seltenen Knabstrupper
privat
Elke Wetzel mit ihrem Parzival vom Soonwald.

Von weißgeboren bis komplett getüpfelt

Doch der Knabstrupper-Farbtopf hat noch mehr zu bieten: Wer meint, das Pferd vor lauter Punkten nicht zu sehen, steht vermutlich vor einem Volltiger: Knabstrupper mit diesem Farbschlag sehen aus, als wären sie übersäht mit Sommersprossen. Schabracktiger sind im vorderen Bereich einfarbig weiß und tragen nur hinten Punkte. Und die Schneeflockentiger haben einfarbiges Fell mit weißen Punkten.

Das Tigergen ist übrigens uralt: Steinzeitliche Höhlenmalereien, etwa in Almeria (Spanien) oder Peche Merle (Frankreich), zeigen Pferde mit Punkten im Fell. Dass dies keine künstlerische Freiheit war, bewiesen Forscher, als sie 2018 prähistorische Pferdeskelette untersuchten. In manchen Knochen entdeckten sie das Leopardenkomplex-Gen (TRPM1-Gen). Dieses Gen sorgt für getupftes Fell und wurde auch in anderen Pferdeknochen aus dem westeuropäischen Raum gefunden.

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Barock-Knabi Tassilo vom Erlerhof lebt bei Wolfgang Hellmayr in Österreich.

Bei Wildpferden hat sich das Tupfenfell nicht dauerhaft durchgesetzt. Das liegt vermutlich daran, dass das Leopardenkomplex-Gen schuld an einer angeborenen Nachtblindheit (CSNB) sein könnte. Pferde, die zweimal das Leoparden-Komplex-White-Spotting-Pattern-Allel tragen, können im Dunkeln nicht gut sehen. Betroffen sind vor allem Tiere mit hohem Weißanteil.

Ein Knabstrupper prüft, bevor er sich bindet

Paule jedoch sieht perfekt und kann sein Leben im Offenstall auch zu später Stunde genießen. Er kam als Vierjähriger zu Elke Wetzel und war ein Glücksgriff. "Paule ist total umgänglich und brav. Ich konnte ihn gleich als Handpferd mit ins Gelände nehmen und sogar Autobahnbrücken überqueren", erzählt sie. Auf dem Hof am Soonwald in Rheinland-Pfalz erinnert sich Züchterin Katharina Sohn noch gut an Parzival, der jetzt Paule heißt.

Ihre kleine Zucht begann mit demUmzug aufs Land und dem Wunsch, die originalen Knabstrupper zu bewahren. "Als Elke auf der Suche nach einem Pferd zu uns kam, war sie sehr skeptisch", erinnert sie sich. Doch die Züchterin hatte gleich das Gefühl, das Pferd und Kaufinteressentin sich leiden können. Keine Selbstverständlichkeit. "Knabstrupper zeigen, wenn sie jemanden mögen oder lieber links liegen lassen möchten", sagt sie schmunzelnd. Wenn Katharina Sohn bei der ersten Begegnung von Mensch und Pferd kein gutes Gefühl hat, spricht sie das offen an. Denn ohne den passenden Menschen wird ein Knabstrupper nicht glücklich.

Die seltenen Knabstrupper
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Wie das Pippi-Langstrumpf-Pferd: Besonders farbenfroh sind die Volltiger.

Caesar wollte ein "Ein-Frau-Pferd" sein

Elke Wetzels kritischer Blick auf Paule kam nicht von ungefähr. Ihr verstorbenes Pferd Caesar war auch ein Knabstrupper. Bevor er zu ihr kam, war er durch viele Hände gegangen. "Ich war Besitzerin Nummer fünf", weiß sie. So richtig angekommen war Caesar wohl bei keinem seiner Vorbesitzer, zuletzt wurde er aus Zeitmangel auf dem Abstellgleis geparkt.

Während beim Probereiten im Gelände noch alles in Ordnung schien ("bis auf einen Buckler, aber der war nicht schlimm"), entpuppte er sich im neuen Zuhause als komplizierter Geselle. Er hatte im Umgang keinen Respekt und mähte alles nieder, was ihm im Weg stand. "Zwei Jahre habe ich mit mir gekämpft, ob ich ihn behalte", gesteht Elke Wetzel. Doch Stückchen für Stückchen taute Caesar auf. Bis zu seinem Tod vor drei Jahren blieb er ein Ein-Frau-Pferd: Mit niemand anderem als seiner Besitzerin wollte er etwas zu tun haben.

Dass der Charakter des Knabstruppers genauso eigenartig ist wie seine Farbe, hat auch Bent Branderup, Begründer der Akademischen Reitkunst, festgestellt. In seinem Buch "Knabstrupper – gefleckte Fürstenpferde" erzählt er von seinem alten Pferd Prins: "Er teilte seine Menschen in drei Kategorien auf: Erstens, Menschen, die er mochte. Für diese tat er alles und war das beste Pferd der Welt. Zweitens, Menschen, die ihm egal waren. Diese konnten mit ihm umgehen, durften ihn aber nicht ärgern (…). Und drittens, Menschen, die er nicht mochte (…). Für diese war er eine lebensgefährliche, menschenfressende Bestie."

Barocke Fürsten liebten die bunten Rösser

Wer sich mit Bent Branderup und seiner Reitkunst beschäftigt, kommt an den Tupfenpferden kaum vorbei. Zur Geschichte der Knabstrupper hat er wohl mehr Informationen zusammengetragen als irgendjemand sonst:

Um 1540 gründete Frederik der Zweite in Dänemark das Gestüt Frederiksborg, um schicke Pferde für den Adel zu züchten. Die Tiere wurden aus Spanien importiert oder stammten aus spanischen Blutlinien. Unter den Frederiksborgern gab es auch einen Reinzucht-Stamm mit Tigerschecken. Das Barock war ihre Blütezeit: Understatement war damals nicht angesagt. Ein hoher Herr, der mit einem farbenfrohen Tigerschecken beritten war, machte was her.

Um 1800 änderte sich das Zuchtziel: Der barocke Typ war nicht mehr gefragt. Das Gestüt Frederiksborg reduzierte seinen Pferdebestand. Unter den Käufern einiger Stuten war Major Villars Lunn, der Besitzer des Guts Knabstrup und ein Freund der barocken Rösser. Er wollte den alten Typ bewahren. Mit den Frederiksborger Stuten und einer getigerten Stute, die er bei einem Pferdehändler und Schlachter entdeckte, begründete er die Knabstrupper-Zucht und konnte damit die Tigerschecken vor dem Aussterben bewahren. 1891 ging Gut Knabstrup durch einen Blitzeinschlag in Flammen auf, 22 Pferde starben. Ein schwerer Schlag für die Knabstrupperzucht, insbesondere die wenigen Tigerschecken. Erst 1897 kam wieder ein schwarzgetigertes Fohlen zur Welt.

Seit 1972 gibt es in Dänemark einen Zuchtverband für die Rasse, der sich jedoch zunächst darauf konzentrierte, den barocken Knabstrupper zeitgemäßer und sportlicher werden zu lassen. Dass die alten Blutlinien nicht ausgestorben sind, haben die Knabstrupper deutschen Züchtern zu verdanken. Sie erhielten den original Knabstrupper und konnten erreichen, dass der dänische Zuchtverband auch den barocken Typ wieder ins Zuchtprogramm aufgenommen hat. Dennoch gibt es nur noch wenige Knabstrupper. 2018 zählte die deutsche Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. 140 eingetragene Stuten und 51 Hengste.

Wie schade wäre es, wenn wir die barocken Tigerschecken nur noch in alten Büchern bestaunen könnten. Denn sie haben absolutes Fan-Potenzial. "Wer einen Knabstrupper einmal für sich gewonnen hat, kann immer auf ihn zählen", betont Züchterin Katharina Sohn. Dann ist er ein richtiges Arbeitstier und bringt Höchstleistungen. Sieht er aber keinen Sinn in dem, was er tun soll oder fühlt er sich ungerecht behandelt, macht er nicht mit.

Elke Wetzel hat diese Erfahrungen mit ihren Pferden gemacht: Knabstrupper lernen extrem schnell, "und leider auch Dinge, die sie sich nicht merken sollten", weiß sie. Wer einen Fehler macht, kann sich sicher sein, dass sein Pferd ihn bemerkt und nicht so schnell wieder vergisst.

Nicht einfach, aber einfach liebenswert. Und deshalb wird Elke Wetzel ihren alten Caesar auch niemals vergessen. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke."

Rasse-Steckbrief

Herkunft: Dänemark

Bestand: Aktuell weltweit geschätzt ein paar Hundert Pferde. 2018 zählte die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. in Deutschland 140 eingetragene Stuten und 51 eingetragene Hengste.

Zuchtziel: Der Knabstrupper wird als Pferd und als Pony gezüchtet. Bei den Pferden wird zwischen Zuchtstandards des Sportreitpferds und des klassischen Typs unterschieden. Der ideale klassische Knabstrupper ist elegant, harmonisch, und möglichst quadratisch gebaut und hat ein Stockmaß zwischen 148 und 165 Zentimetern. Farben: Volltiger, Schabracktiger, Schneeflockentiger, Weißgeborene und Einfarbige (außer Schimmel).

Eignung: Der Knabstrupper vom barocken Typ soll laut Zuchtprogramm ruhig, aufmerksam, intelligent und arbeitswillig sein. Er eignet sich damit besonders für die klassische Dressur und das Freizeitreiten.

Zuchtheimat

Herkunft: Die Knabstrupper sind Nachkommen aus der Zucht des ehemaligen dänischen königlichen Gestüts Frederiksborg, das um 1540 gegründet wurde und zu dessen Bestand einige Tigerschecken zählten. Als sich das Zuchtziel änderte, wurden viele Pferde verkauft. Major Villars Lunn baute 1798 eine Zucht auf seinem Gut Knabstrup auf, um die alten Blutlinien und Tigerschecken zu erhalten.

Die seltenen Knabstrupper
WikiCommons / Ramblersen2
Major Villars Lunn baute 1798 eine Zucht auf seinem Gut Knabstrup auf, um die alten Blutlinien und Tigerschecken zu erhalten.

Pferde mit Punkten gab es schon in der Steinzeit, wie diese Höhlenmalerei aus Frankreich zeigt.

Die seltenen Knabstrupper
Kersti Nebelsiek / WikiCommons
Pferde mit Punkten gab es schon in der Steinzeit, wie diese Höhlenmalerei aus Frankreich zeigt.

Zuchtverband in Dänemark: Seit 1972 führt der Verein "Knabstrupperforeningen for Danmark" das Zuchtbuch. www.knabstrupperforeningen.dk

Knabstrupper in Deutschland: Der Zuchtverband für deutsche Pferde e.V. (ZfdP) in Verden betreut nahezu alle Pferderassen, die in Deutschland gezüchtet werden. Alle Tiere, die bei anderen anerkannten Züchtervereinigungen der EU eingetragen sind, können auch beim ZfdP eingetragen werden. www.zfdp.de

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