Lisa in fremden Sätteln - Isländer reiten Thomas Hartig
Lisa in fremden Sätteln - Isländer reiten
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Wie sitzt es sich auf einem Island-Pferd?

In fremden Sätteln Wie sitzt es sich auf einem Island-Pferd?

Wie fühlt man sich in Sätteln, in denen man noch nie saß? CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein schnuppert ins Isi-Reiten hinein. Ob der Gangwechsel wohl knirscht?

Schnell und temperamentvoll – wenn ein Pferd diese zwei Eigenschaften mitbringt und dazu ein hübsches Gesicht hat, ist es um CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein geschehen. Kein Wunder, dass sie von Isländer-Wallach Glófaxi gleich hin und weg ist: aufmerksame Knopfaugen unter hellblondem Schopf, feines Köpfchen – und der richtige Charakter!

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Lisa in Aktion Wie reiten sich Gangpferde?
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"Er ist immer mit Freude bei der Arbeit, temperamentvoll und hat einen guten, regulierbaren Vorwärtsdrang", beschreibt Trainerin Rebecca Heinrich ihr Berittpferd. "Ich hätte auch ein superlangsames Pferd mitbringen können, aber das macht ja keinen Spaß..."

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Thomas Hartig
Trainerin Rebecca Heinrich unterstützt Lisa Rädlein von unten.

Mitgebracht hat die Trainerin den hübschen Kerl auf den Münzenfelder Hof bei Pforzheim/Baden-Württemberg. Auf der 250 Meter langen Ovalbahn des Islandpferdezentrums darf Fotografin Lisa Rädlein heute ins mehrgängige Reiten hineinschnuppern; Glófaxi beherrscht neben den Grundgangarten auch Tölt und Rennpass. Wie sich der ungewohnte Bewegungsablauf wohl für die Dressurreiterin anfühlen wird?

Ganz fremd ist Lisa Rädlein das Isi-Reiten nicht. "Als Kind bin ich ein paar Mal auf Isländern ausgeritten. ‚Draufsitzen und ab ins Gelände‘, war damals das Motto. Ob ich da im Trab oder Tölt unterwegs war, weiß ich nicht mehr", erzählt die Fotografin, während Rebecca Heinrich Glófaxi aus dem Hänger lädt. "Heute wirst du den Unterschied bemerken", sagt Rebecca Heinrich und führt den Achtjährigen zum Putzplatz.

Lisa schnappt sich die Bürste für die hellblonde Mähne. "Glófaxi bedeutet Leuchtmähne", erzählt die 34-jährige Reitlehrerin; wenn das mal kein treffender Name ist. Der Scheck-Wallach, der dem Gestüt Kjarr Horses aus Island gehört, ist seit Oktober 2019 in Deutschland, wird von Rebecca Heinrich ausgebildet und steht zum Verkauf. Na, wird Lisa da ins Überlegen kommen? Auf den ersten Blick überzeugt der Isländer ja bereits. Ob das noch so ist, wenn Lisa seine Gänge sortiert?

Gangsalat ist für Reiter ziemlich unbequem

Denn das ist nicht immer einfach: Naturtölter tun sich etwa schwer mit dem Trab, "der ist dann sehr flach", erklärt Rebecca Heinrich. Unangenehmer für den Reiter wird es, wenn das Pferd Tendenzen zum Rennpass hat und sich der viertaktige Tölt mit dem zweitaktigen Pass mischt: "Das ist wie ein langsamer, sehr unbequemer Rennpass, man nennt das Schweinepass", sagt Rebecca Heinrich.

Damit ein Gangpferd taktklar gehen kann, muss es wie jedes Reitpferd durchlässig und rittig sein. "Nur so kann man auf den Punkt genau zwischen den Gängen wechseln", sagt die Trainerin, "und das Pferd behält dabei sein Tempo, seine Balance und Ausstrahlung."

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Lisa Rädlein (42) reitet seit über 33 Jahren, vorwiegend klassische Dressur – hat aber auch ein Faible für Temperament und Tempo. Da war Isländer-Wallach Glófaxi genau richtig für sie.

"Mal schauen, ob ich beeinflussen kann, was ich reite", ist Lisa gespannt auf ihren Ritt. Rebecca Heinrich legt dafür gerade den Sattel auf Glófaxis Rücken. "Liegt der nicht zu weit hinten?", wundert sich Lisa Rädlein. "Nein, das sieht vielleicht so aus, aber er hört ja vor dem letzten Rippenbogen auf", erklärt die Trainerin. "Der Sattel muss aber auch eine Handbreit hinterm Ellbogen liegen, damit das Pferd eine gute Schulterfreiheit hat."

Kleiner Schecke, große Bewegungsfreude

Dass der Schecke diese Freiheit braucht, merkt Lisa schon wenige Meter nach dem Aufsitzen an der Ovalbahn: "Was der für einen Schwung im Rücken hat, Wahnsinn! Ich hätte gedacht, dass sich der Schritt viel kürzer anfühlt." Und noch ein Gefühl hat sie: "Ich habe den Eindruck, als würde er gleich losstarten. Bin ich zu schnell?", will sie wissen.

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„Ich kann die Faszination für Isis verstehen. Der Mix aus Coolness und Feuer hat was.“

"Das Gefühl haben Reiter von Warmblutpferden oft, weil der Bewegungsablauf einfach zackiger ist", sagt Rebecca Heinrich. "Der Schritt ist jetzt flott, aber das ist okay so."

Die Trainerin geht während der ersten Runden auf der Ovalbahn neben den beiden her und korrigiert Lisa Rädlein: "Lass dein Bein lang. Wenn du ihn etwas bremsen willst, richte dich auf und bringe mehr Gewicht in den Sattel. Die Knie dabei aber locker lassen!"

Nach ein paar Runden Warmwerden ist Rebecca Heinrich zufrieden: "Das sieht gut aus. Sollen wir mal ein bisschen tölten?" "Oh ja", ruft Lisa. "Aber was mache ich denn dafür?"

Der Gangwechsel klappt – allerdings ungewollt

Die Trainerin erklärt: "Also, du sitzt wie im Schritt, du musst nur schneller mitschwingen." Lisa soll Glófaxi mit einer halben Parade versammeln und den Schritt verkürzen, um so den Tölt vorzubereiten.

Tipp der Reitlehrerin: "Stell dir vor, du willst eine Piaffe reiten – so musst du ihn versammeln."

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„Tölten ist ein irres Gefühl! Aber am Anfang gar nicht so leicht zu sitzen …“

Rebecca Heinrich geht zur Unterstützung wieder neben den beiden her – und schon töltet Glófaxi. "Popo locker lassen", ruft die Ausbilderin Lisa Rädlein hinterher. Nach einer halben Runde wechselt der Wallach in den Trab. "Sag nochmal einer, dass Tölt so bequem ist! Puh, wie soll man das denn sitzen können?", fragt Lisa, als sie wieder bei der Trainerin ist.

Deren Tipp: "Du musst locker lassen." Na dann, Gesäßmuskeln entspannen, dafür das Pferd positiv spannen, und schon töltet der Schecke. "Jetzt fühlt es sich viel besser an!", freut sich Lisa, lehnt sich mit dem Oberkörper minimal vor – und ist prompt wieder im Trab.

"Du darfst dich nicht nach vorne lehnen und das Nachtreiben von hinten nicht vergessen", rät Rebecca Heinrich. Gar nicht so einfach, den Gang beizubehalten!

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Lange Beine auf kleinem Pferd: Ungewohnt für Lisa, dass ihre Knöchel nicht am Pferd anliegen.

Nach ein paar Versuchen klappt das immer besser. "Das sieht super aus!", ruft Rebecca Heinrich. Auch die Fotografin findet Gefallen am Tölt: "Wenn ich dabei zum Reiten komme und ihn gut am Sitz habe, ist das ein irres Gefühl. Mega! Ich kann mir gut vorstellen, in Island stundenlang so zu reiten."

Im Gegensatz dazu ist Rennpass nur was für rasante Sprints. Ob Lisa und Glófaxi das genauso gut hinbekommen? Zuerst braucht der Wallach eine Schutzausrüstung: Rebecca Heinrich legt ihm zum Schutz vor Ballentritten Hufglocken an.

"Rennpass reitet man aus dem Galopp heraus", erklärt sie dann, "also galoppiere erstmal an." Das macht Lisa und ist von der kraftvollen Bergauf-Galoppade beeindruckt: "Ich könnte auch nur im Galopp weiterreiten", ruft sie, während sie mit dem Wallach vorbeifliegt. Doch Galopp kann ja jedes Pferd, Rennpass nicht.

Also pariert Lisa zum Schritt und lässt sich von Rebecca Heinrich die Hilfen erklären: "Wenn du aus der Kurve kommst, entlaste ihn im Sitz etwas. Leichte Außenstellung, mit der inneren Hand schnelle Impulse geben. Das äußere Bein ist verwahrend zurück, das innere Bein treibt."

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Isis können nur tölten? Glófaxi widerlegt das Vorurteil in vollem Galopp.

Viel auf einmal. Lisa probiert es ein paar Mal, leider ohne Erfolg. "Ich glaube, ich bin zu langsam mit meinen Hilfen", meint sie. "Das ist auch ein komplettes Umdenken, was Hilfengebung und Geschwindigkeit angeht", so Rebecca Heinrich.

"Für den ersten Ritt hast du das super gemacht!" Glófaxi hat das super gemacht, meint Lisa. "Ich kann verstehen, warum viele von Isis fasziniert sind. Dieser Mix aus Coolness und Feuer unterm Sattel, das hat was!" Tempo und Temperament eben; genau Lisas Beuteschema.

Klar im Takt statt Gangsalat

Je nach Veranlagung beherrschen Islandpferde neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auch Tölt und Rennpass. Tölt ist ein schneller Viertakt, bei dem immer ein Bein am Boden ist – daher ist er für Reiter bequem zu sitzen.

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Dass am Sprichwort „klein, aber oho“ was dran ist, beweist Lisas glückliches Gesicht nach dem Ritt auf Glófaxi.

Beim Rennpass bewegt sich immer ein gleichseitiges Beinpaar nach vorne; dabei werden Geschwindigkeiten von über 50 km/h möglich. Auf Turnieren wird bewertet, wie taktrein die Pferde ihre Gänge zeigen.

Die Reihenfolge, in der die Gänge gezeigt werden, ist dabei immer die gleiche: Tölt, Trab, Schritt, Galopp und entweder nochmals Tölt oder Rennpass. Mehr Infos unter: www.ipzv.de.

CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein probiert das Reiten im Damensattel aus.
Reiterwelt
Ausprobiert: CAVALLO-Redakteurin Lisa Rädlein probierte für unsere Reihe "Lisa in fremden Sätteln" dieses Mal den Distanzsattel aus.
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