Klingelnd am Pferd vorbei?: Radfahrer und Reiter im Austausch

Austausch zwischen Radfahrer und Reiter
„Darf ich klingeln oder wollt ihr das gar nicht?“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.02.2026
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„Darf ich klingeln oder wollt ihr das gar nicht?“
Foto: Jun Zhang / GettyImages
Nadine Szymanski: Wir sind beide viel in der Natur unterwegs – du auf dem Rad, ich auf dem Pferd. Wir Reiter und Radler begegnen uns also regelmäßig. Hast du mit uns schon mal blöde Erfahrungen gemacht?

Christian Brunker: So richtig blöd eigentlich nur einmal. Ich kam von hinten und habe eine Frau überholt, die ein Pferd geführt hat. Ich war echt langsam und hatte geklingelt, trotzdem erschreckte sich das Pferd und ist durchgegangen.

Hast du mit der Frau darüber sprechen können, was passiert ist und warum es so gelaufen ist?

Nein. Sie ist ihrem Pferd hinterhergelaufen und war nicht mehr so gut auf mich zu sprechen, glaube ich.

Ups, so hätte ich wohl ehrlich gesagt auch spontan reagiert. Aber wahrscheinlich würdest du schon gerne wissen, wie du dich richtig verhältst, wenn du ein Pferd überholen möchtest?

Mich würde vor allem interessieren, wie ich mich bemerkbar machen soll, wenn ich von hinten komme. Soll ich klingeln oder ist es vielleicht besser zu rufen?

BFC / Ascent Xmedia / GettyImages
Das mit dem Klingeln ist wirklich schwierig. Wenn du plötzlich dicht hinter dem Pferd klingelst, zucke wahrscheinlich sogar ich vor Schreck zusammen. Besser ist es, schon von Weitem zu klingeln. Oder eben zu rufen.

Schon klar. Dann musst du mir als Reiter aber auch signalisieren, dass du mich gehört hast. Sonst bleibt mir ja nichts anderes übrig, als laufend weiterzuklingeln oder zu rufen. Und was soll ich denn rufen? Reicht "Achtung!" oder besser "Achtung, Fahrrad!"?

Du hast recht, dann sollte ich ein Handzeichen geben und dir damit zeigen, dass ich dich bemerkt habe und du überholen kannst. Am besten rufst du "Achtung, Fahrrad!". Dann wüsste ich gleich, dass da jemand kommt, der etwas schneller unterwegs ist.

Wenn du weißt, dass ich hinter dir bin, heißt das aber noch nicht, dass dein Pferd mich auch schon bemerkt hat.

Wenn mein Pferd vor sich hinträumt oder hinter seinem Pferdekumpel hertrottet, kann das schon mal passieren. Aber dann muss ich mein Pferd auf dich aufmerksam machen, indem ich es zum Beispiel kurz anhalte und zurückschauen lasse.

Und wenn ich einer Gruppe von Reitern begegne, die größtenteils aus Kindern besteht? In der Regel ist der erfahrene Reiter ja vorne und führt die Gruppe an. Der hört mich vielleicht gar nicht.

Es wird von den Reiterverbänden empfohlen, dass eine erfahrene Person am Schluss reitet, die von hinten alles im Blick hat. Ich persönlich habe allerdings noch keinen geführten Wanderritt mitgemacht, bei dem das so war. Das müsste in der Praxis öfter beherzigt werden.

Und in welchem Tempo soll ich Reiter überholen? Muss es Schritt-Tempo sein?

Das kommt darauf an, wie eng der Weg ist und mit wieviel Abstand du vorbeifahren kannst. Wenn du nicht viel Platz hast, am besten im Schritt-Tempo, aber wenn du einen weiten Bogen fahren kannst, darfst du ruhig etwas zügiger fahren. Nur nicht plötzlich hinterm Pferd abbremsen, dass die Steine nur so wegspritzen.

Das sollte ja selbstverständlich sein. Wenn ich ein Pferd sehe, fahre ich genauso vorsichtig vorbei wie bei einem Kind oder einem Hund. Ich muss ja damit rechnen, dass die mir vors Fahrrad laufen. Ich nutze eigentlich immer die ganze Wegbreite aus, um einen möglichst großen Bogen zu machen.

Weißt du, welchen Sicherheitsabstand du als Radfahrer zum Pferd einhalten musst?

Darüber habe ich tatsächlich noch nicht nachgedacht. Ich vermute, genauso viel wie zwischen Rad und Auto?

Richtig, das sind 1,50 Meter mindestens, besser zwei Meter.

Macht es einen Unterschied, ob ein Pferd geführt wird? Dann müsste es doch einfacher zu händeln sein.

Einfacher zu händeln ist es dann nicht. Ich kann ein Pferd, das ich führe, nicht halten, wenn es sich erschrickt und wegrennen will. Da habe ich im Sattel mehr Einflussmöglichkeiten. Aber ich könnte vielleicht vom Pferd fallen.

Stimmt, das sehe ich ein.

Eine Frage habe ich noch. Kollegen von dir finden es nicht so toll, wenn sie um Pferdeäpfel herumfahren oder sogar durchfahren müssen. Stört dich das auch?

Ich denke doch, dass man nicht aus Versehen über einen Haufen Pferdeäpfel fährt. Aber ich bin mit meinem Rennrad auch nicht auf schmalen Waldpfaden unterwegs. Das betrifft wohl eher die Mountainbiker.

Also weg mit den Äpfeln, dann freuen sich auch die Fußgänger. Wir sollten wohl alle ein bisschen mehr Rücksicht aufeinander nehmen und mehr miteinander reden. Ich kann jedenfalls deine Sichtweise als Radfahrer jetzt besser verstehen.

Das geht mir genauso!

Regeln für Reiter und Radler

Reiter und Radfahrer, die auf öffentlichen Straßen unterwegs sind, müssen sich an die Verkehrsregeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) halten. Die Regeln für private Wege stellen die einzelnen Bundesländer auf. Auf Feld- und Waldwegen gilt das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Reiter müssen beachten:

  • Auf der Fahrbahn auf der äußersten rechten Seite bleiben.
  • Nicht auf Fahrradwegen oder auf Gehwegen reiten.
  • Bei schlechten Sichtverhältnissen auf ausreichende Beleuchtung achten.
  • Reitergruppen bestehen aus maximal 12 Reitern.
  • Größere Gruppen müssen sich aufteilen.
  • Auf Straßen müssen Pferdeäpfel beseitigt werden. Nicht unbedingt sofort, aber spätestens nach dem Ausritt.

Radfahrer müssen beachten:

  • Nicht auf ausgewiesenen Reitwegen fahren.
  • Der Mindestabstand zum Pferd beim Überholen beträgt 1,50 Meter. Empfohlen sind zwei Meter.
  • Kann der Radfahrer den Sicherheitsabstand nicht einhalten, weil der Weg zu schmal ist, muss er warten, bis er überholen kann. Alternativ kann er den Reiter ansprechen und fragen, ob er überholen darf. Er hat jedoch eine Sorgfaltspflicht, auch wenn er überholt, nachdem er dies mündlich angekündigt oder geklingelt hat.