So lernen Pferd und Mensch aus Fehlern beim Reiten: Top-Reiter & Ausbilder geben Tipps

Mit Fehlern nach vorn
So lernen Pferd und Mensch aus Fehlern

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.10.2026
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Das Foto zeigt eine Reiterin mit Reithelm auf einem Pferd beim Ausritt auf einem schattigen Waldweg, die Arme seitlich ausgestreckt.
Foto: MELANKA HELMS

Yvette Blokesch über ihre Fehler in der Vergangenheit: "Ich wollte nur ich selbst sein in Verbindung mit meinen Pferden – und habe das Gegenteil getan"

Nach meiner eineinhalbjährigen Babypause stand ich wieder vor großem Publikum: Shows sind eigentlich nicht meine Welt. Aber ich war zu einem Auftritt bei der Galashow in Herning eingeladen, einem der prestigeträchtigsten Pferdeevents in Europa. Ich war natürlich nervös. Aber ich mag Herausforderungen. Also sagte ich zu. Die Veranstalter durften sich die Pferde aussuchen und entschieden sich für Mellow und Imola. Das war aufregend – vor allem, weil Imola zuvor noch nie in einer Show aufgetreten war.

Aber ich wollte eigentlich nur eines: Ich selbst sein. Mit meinen Pferden verbunden bleiben. Es musste nicht perfekt werden. Dann kam der Moment: Ich ritt auf Imola in die voll besetzte Arena, Mellow lief frei neben uns. Ich merkte beim Einreiten, dass Imola unruhig wurde. Ich konzentrierte mich so sehr darauf, dass ich Mellow aus dem Blick verlor. Mellow galoppierte Richtung Ausgang – und plötzlich waren beide Pferde nicht mehr wirklich bei mir. Der Auftritt ging daneben. Ich schaffte es nicht, den Pferden ein gutes Gefühl zu geben. Nach dem Auftritt war ich am Boden zerstört. Ich hatte mir vorgenommen, einfach ich selbst zu sein – und das Gegenteil war eingetreten. Es war die schlechteste Show meines Lebens. Aber ich wollte verstehen, was passiert war. Also habe ich den Auftritt genau analysiert. Was hatte ich gemacht? Wann hatte ich die Verbindung zu den Pferden verloren? Was hätte ich anders machen können? Mir wurde klar: Das vergangene Jahr hatte Spuren hinterlassen. Die Frühgeburt meines Sohnes, die bange Zeit, in der wir nicht wussten, ob er es schaffen würde – das waren sehr intensive Erfahrungen. Ich hatte viel Angst erlebt. Und ich glaube, dass ich dadurch auch Vertrauen verloren hatte: in mich selbst, in das Leben und vielleicht auch in die Möglichkeit, dass Dinge einfach gut gehen können. Am nächsten Tag gaben wir eine zweite Vorstellung. Diesmal hatte ich mir ein kleines Programm überlegt. Nicht, um alles perfekt zu machen. Sondern als Rahmen, der mir Sicherheit gab. So kamen Mellow, Imola und ich in einen Flow. Wir hielten die Verbindung – trotz des Publikums. Ich hatte Spaß. Die Pferde hatten Spaß. Und wenngleich nicht alles perfekt funktioniert hat, war mein Ziel erreicht.

Yvet Blokesch im Porträt
Yvet Blokesch
Die Expertin

Uta Gräf über Fehler beim Reiten: "Reiten ist immer ein Ausprobieren. Wer Angst hat, etwas falsch zu machen, blockiert sich nur”

Ich mag das Wort Fehler in Bezug auf Reiten gar nicht. Reiterei bedeutet für mich, etwas auszuprobieren und sich heranzutasten – sei es bei einer Lektion oder bei jedem neuen Schritt in einer Trainingseinheit. Wer Angst hat etwas falsch zu machen, blockiert sich. Weicht etwas vom Plan ab, bezeichne ich das nicht als Fehler. Ich frage mich vielmehr: Was war die Ursache? Was hat vielleicht noch gefehlt? Dann probiere ich eine andere, passendere Strategie.

Ich trainiere auch viele junge Pferde. Was mit ihnen vor ein paar Monaten gut funktioniert hat, kann später plötzlich nicht mehr passen. Der Großteil der Pferde entwickelt sich nicht geradlinig. Entscheidend ist, flexibel zu bleiben und die Bedürfnisse des Pferds im Blick zu behalten. Dafür muss ich mich trauen, etwas auszuprobieren. Auch wenn es mal nicht funktioniert. Ein gutes Beispiel sind die fliegenden Wechsel. Beim Üben sind kleine Verwirrungen fast vorprogrammiert. Manchmal verrutscht etwas, das Pferd muss sich und seine Beine erst sortieren. Das gehört zum Lernprozess dazu. Auch bei der Ausbildung darf man sich nicht zu sehr von einem äußeren Ideal leiten lassen. Auf Lehrgängen erlebe ich zum Beispiel immer wieder, dass Reiter von ihren Pferden etwas erwarten, was diese etwa aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen gar nicht leisten können. Oder sie lesen nach einer Prüfung im Protokoll, der Galopp könne noch mehr bergauf sein. Aber manche Pferde bringen diese Qualität schlichtweg nicht mit. Das ist kein Fehler, den man glattbügeln muss. Entscheidend ist die Entwicklung des einzelnen Pferds in dessen Möglichkeiten, nicht der Vergleich mit anderen.

Uta Gräf im Porträt
Uta Gräf
Die Expertin

Jessica von Bredow-Werndl: "Ein Fehler ist erstmal nur eine Information"

Mich auf einen Fehler zu begrenzen, ist tatsächlich schwierig – ich habe gefühlt schon jeden Fehler gemacht, den man bis zum Grand Prix machen kann: vom nicht korrigierten Wechsel bis zur falsch gerittenen Linie. Aber genau daraus habe ich unglaublich viel gelernt....

Du willst mehr darüber erfahren, wie Jessica von Bredow-Werndl und andere Profis mit Scheitern und Fehlern beim Reiten umgehen? Hier kannst du den kompletten Artikel lesen: