Fit mit Obst Teil 6 Sandra Reitenbach / Kosmos Verlag
Fit mit Obst Teil 6
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Fit mit Obst Teil 6 6 Bilder

Fit mit Obst (Teil 6)

Balance-Übungen und Massagen für den Pferderücken

Der Rücken wird entzückt sein: Zum Finale unserer Fitness-Serie gibt’s Wellness! Katrin Obst zeigt, wie Balance-Übungen und Massagen den Pferderücken gesund erhalten.

Body-Check – Hand anlegen und Muskeln ausstreichen

Fühlen üben: Nehmen Sie sich täglich Zeit für einen Body-Check und streichen Sie mit der ganzen Hand in Fellrichtung über den Körper des Pferds. Seien Sie dabei aufmerksam und konzentriert: Fühlen sich manche Muskeln härter an als andere? Gibt es sehr warme Stellen am Körper? Das kann auf Verspannungen deuten. „Auch Beulen und Knubbel fallen eher auf, wenn Sie den Pferdekörper täglich bewusst berühren“, sagt Physiotherapeutin Katrin Obst.

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Tipp: Atmen Sie während der Streicheleinheiten tief ein und aus. So entspannen Sie sich auch direkt – und diese Haltung überträgt sich wiederum auf Ihr Pferd.

Hintere Sitzbeinmuskulatur lockern: Stellen Sie sich seitlich neben die Hinterhand des Pferds. Streichen Sie mit der flachen Hand die Muskeln von der Kruppe über die Sitzbeinhöcker nach unten Richtung Achillessehne aus.

Sobald die eine Hand fertig ausgestrichen hat, beginnen Sie direkt mit der anderen Hand oben eine neue Streichbewegung. „Es sollte immer mindestens eine Hand Kontakt zum Pferd haben. So entsteht ein fließendes Gefühl und eine schöne Verbundenheit“, meint die Gesundheits-Expertin.

Sie können auch Massagegriffe variieren: Schütteln Sie zuerst die Muskeln einige Sekunden locker aus dem Handgelenk und streichen dann die Muskeln aus (Foto). „Viele Pferde lieben diese Massage vor allem an den Sitzbeinhöckern. Diese sind als feste Struktur neben dem Schweif leicht zu ertasten“, so die Physiotherapeutin.

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„Viele Pferde lieben diese Massage vor allem an den Sitzbeinhöckern. Diese sind als feste Struktur neben dem Schweif leicht zu ertasten“, so die Physiotherapeutin.

Wie stark Sie beim Ausstreichen Druck mit der Handfläche ausüben, hängt vom Pferdetyp ab. „Da ist jedes Tier individuell“, weiß Katrin Obst. Behalten Sie dabei die Reaktion des Vierbeiners im Blick. Mögliche Zeichen für Entspannung: Der Kopf sinkt, die Augen schließen sich, die Muskeln fühlen sich weicher an. Wird das Pferd hingegen hibbelig und weicht aus, reduzieren Sie sofort die Druckstärke.

Physio-Effekte:

Streichmassagen regen die Durchblutung an. Blut versorgt Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffen und hält sie so funktionsfähig. Streichen Sie mit sanftem Druck über den Körper des Pferds, bewegen Sie damit Flüssigkeiten im Blut- und Lymphsystem. So baut der Körper Stoffwechsel- und Entzündungsprodukte besser ab und beugt Verletzungen vor.

Zum Aufwärmen vor dem Reiten: Berührungen wärmen die Muskeln auf. Daher ist das Ausstreichen gut vor dem Reiten. Zugleich stärkt die Berührung die Bindung zwischen Pferd und Reiter. Ist das Pferd physisch entspannt, überträgt sich das aufs Gemüt. Möglicherweise verhält sich Ihr Pferd nach der Streicheleinheit beim Reiten weniger schreckhaft.

Netzwerken mit Massagen

Rolle für den Rücken: Faszien-Rollen sehen aus wie Nudelhölzer (Foto). Es gibt sie ab 20 Euro (www.sanihorse.de). Stellen Sie sich für die Behandlung auf einen Hocker. Rollen Sie das Massage-Gerät über die großen Rückenmuskeln, erst in Fellrichtung (so verlaufen die Muskelfasern), dann quer dazu. Meiden Sie knochige Bereiche. Beginnen Sie mit leichtem Druck und beobachten Sie das Pferd dabei. „Das Lösen der Verklebungen kann anfangs schmerzhaft sein“, erklärt die Physiotherapeutin. Manche Pferde zappeln oder treten. Machen Sie in dem Fall eine Pause. Tut die Massage gut, drücken einige Tiere ihren Körper gegen die Faszien-Rolle. Schnaufen, Gähnen, Kauen sind Zeichen für Entspannung.

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Faszien-Rollen sehen aus wie Nudelhölzer. Rollen Sie das Massage-Gerät über die großen Rückenmuskeln, erst in Fellrichtung (so verlaufen die Muskelfasern), dann quer dazu. Meiden Sie knochige Bereiche.

Physio-Effekte

Faszien sind wie Stoßdämpfer. Die Bindegewebsstrukturen umhüllen unter anderem Muskeln und Organe, grenzen Strukturen im Körper voneinander ab – oder verbinden sie miteinander. Für diesen Job müssen sie jedoch elastisch sein.

Faszien durchziehen den Pferdekörper wie ein Spinnennetz. Sind sie geschädigt, kann das selbst entfernt liegende Muskeln und Organe beeinflussen. „Deshalb ist es besonders wichtig, Faszien gesund zu erhalten“, sagt Katrin Obst.

Reitergewicht und Sattel üben enormen Druck auf die große Rückenfaszie von Pferden. Verklebungen dort sind ein häufiges Problem. Die gute Nachricht: Die Schäden lassen sich mit Massagen beheben. Sie lösen Verklebungen und lockern. Mit verspannten Faszien kann ein Pferd keine Muskeln aufbauen. Rückentraining kann also nur effektiv sein, wenn die Faszien fit sind.

Regeneration – Jetzt gibt’s eine Packung Wärme

Wärme-Pads auflegen: Verwöhnen Sie Ihr Pferd nach dem Training oder während einer Massage mit Wärme-Behandlungen. Dafür gibt es Wärme-Kissen (rund 18 Euro; siehe Foto). Sie funktionieren wie Taschenwärmer: Einfach mit in den Stall nehmen und per Knopfdruck die Wärme aktivieren. Kissen auf dem Rücken des Pferds platzieren und für mindestens 15 Minuten liegen lassen. Die Wärme-Pads können Sie mehrfach benutzen. Ein Bad in kochendem Wasser lädt sie wieder auf (jeweilige Gebrauchsanweisung beachten).

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Verwöhnen Sie Ihr Pferd nach dem Training oder während einer Massage mit Wärme-Behandlungen. Dafür gibt es Wärme-Kissen.

Physio-Effekte:

Die Wellness-Behandlung spricht den Parasympatikus an. Das ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Es sorgt dafür, dass Pferde ruhig werden und der Körper das Signal für Entspannung gibt. „Die Wärmebehandlung ist für das Pferd wie für uns eine Fangopackung. Danach möchten wir gerne chillen oder gehen direkt ins Bett“, sagt die Therapeutin. Deshalb sollten auch Pferde nach der Wärmebehandlung Ruhe genießen dürfen.

Tut dem Pferd der Rücken weh, wirkt Wärme auf der betroffenen Stelle schmerzlindernd. Sie hilft verkrampften Muskeln, sich zu entspannen. Zudem regt Wärme die Durchblutung und den Stoffwechsel an, der Körper kann Schadstoffe so besser abtransportieren.

Kraft & Koordination – Das Gleichgewicht finden auf Balance-Kissen

Stehen auf weichen Pads aus Schaumstoff: Für Menschen sind Balance-Boards für Reha und Training schon lange im Einsatz. Auch für Pferde haben sie sich bewährt. Für das Training brauchen Sie zwei bis vier Kissen (Kosten pro Stück circa 30 Euro). Die Pads sind aus Schaumstoff, der nachgibt. Stellen Sie das Pferd auf einen ebenen Untergrund.

Heben Sie ein Bein hoch und legen das Kissen dorthin, wo vorher der Vorderhuf stand. Dann führen Sie den Huf aufs Pad. Das Pferd soll den Huf selbst abstellen. Üben Sie keinen Zwang aus, sonst verspannt das Pferd, was kontraproduktiv ist. „Gesunde Pferde können Sie täglich trainieren. Anfangs reichen aber wenige Minuten, sonst droht Muskelkater“, weiß Katrin Obst. Hat das Pferd genug, geht es meist von selbst von den Balance-Kissen runter.

Gewicht verlagern: Drehen Sie den Pferdekopf leicht zu sich und schieben ihn wieder weg. Das Pferd wird durch diese Bewegung etwas hin und her schaukeln (Foto).

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Klassik-Ausbilder Marius Schneider baut Balance-Übungen ins Training ein.

Schwierigkeit steigern: Steht das Pferd sicher mit einem Vorderbein auf dem Pad, versuchen Sie, ob es auch den anderen Vorderhuf auf das Kissen stellen möchte (Foto). Wiederholen Sie die Übung am nächsten Tag mit den Hinterhufen. Die Verwendung von vier Balance-Pads gleichzeitig ist der höchste Schwierigkeitsgrad.

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Steht das Pferd sicher mit einem Vorderbein auf dem Pad, versuchen Sie, ob es auch den anderen Vorderhuf auf das Kissen stellen möchte.

Physio-Effekte:

Besseres Gleichgewicht: Um sich auf dem nachgiebigen Untergrund auszubalancieren, aktiviert das Pferd seine Tiefenmuskulatur. „Dieses Krafttraining gibt dem Körper Stabilität“, erklärt die Expertin. Reiter können das selbst ausprobieren und auf die Kissen steigen. Vielleicht haben Sie auch schon auf einer weichen Turnmatte gestanden und selbst gefühlt, wie anspruchsvoll die Übung ist.

Nach Verletzungen lernen Pferde mit Balance-Boards, ihren Körper wieder besser wahrzunehmen. Auch stolpernde Pferde profitieren. Zudem gleicht das Training ungleichmäßige Belastungen aufgrund von Schonhaltungen aus.

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