Der richtige Sattel: So wird die Passform ermittelt

Der Topograph gibt digitale Daten aus

Ein Sattel muss perfekt aufs Pferd passen. Darum entwickelte die Firma Equiscan den Topograph Pro. Das Gerät ist für jedes Pferd einsetzbar - der Pferderücken wird damit vermessen. CAVALLO hat das Mess-System getestet. Das Gerät funktioniert digital - auch über Landesgrenzen hinweg.
Foto: Rädlein CAVALLO Sattel anpassen

Test-Redakteur John Patrick Mikisch fummelt sich den Topograph Basic zurecht. Mit einiger Übung gelingt es immer leichter.

„Ein Händler oder Pferdebesitzer ermittelt mit dem Topograph in den USA die Werte eines Pferds, gibt sie auf der Plattform ein, und ein Sattler in Deutschland kann anhand der Daten einen Sattel bauen“. In den Staaten muss aber erneut ein Sattler her, der das Werk seines deutschen Kollegen vor Ort ans Pferd anpasst. „Das Gerät macht den Sattler auf keinen Fall überflüssig“, sagt Christoph Rieser. „Da man damit den Pferderücken nur im Stand ausmessen kann, muss unbedingt noch eine Beurteilung in Bewegung stattfinden.“

Wer nun für sein Pferd einen Sattel nach diesem System bauen lassen möchte, kann sich seinen Sattler zwar selbst aussuchen, dieser muss allerdings auch mit dem Topograph Pro arbeiten. Die eigentliche Passform des Sattels legt aber nicht die Firma Equiscan fest, sondern der Sattler vor Ort.

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Sattelfirmen, die mit dem Topograph arbeiten, können laut Rieser die Rückenform verschiedener Pferde nachbauen und somit jedem ihrer Sattelmodelle ein Referenzpferd zuordnen – zum Beispiel für Pferde mit hohem Widerrist oder kurzem, breiten Kreuz.

Neben dem Topograph Pro bietet Christoph Rieser für Pferdebesitzer zusätzlich eine einfachere Variante an, den Topograph Basic. Diese Basis-Version ist aus Pappe und Kunststoff hergestellt. Die Gelenke lassen sich nicht versteifen. Er soll dem Reiter dazu dienen, vorhandene Werte zu vergleichen und Veränderungen des Pferderückens sichtbar zu machen.

„Mit dem Topograph Basic wissen Sie, wann es Zeit für einen neuen Sattel oder eine Änderung ist“, sagt Christoph Rieser. Ob das Gerät tatsächlich so simpel anzuwenden ist, wie Rieser behauptet? Die CAVALLO-Testredakteure John Patrick Mikisch und Kristina Glaser probierten die Variante des Topograph Pro vor Ort aus. Der Papp-Bruder des blauen Gerippes besteht aus 700 Einzelteilen. Auch seine Gelenke sind gerastert, per Laser geschnitten und beschriftet. Rund 300 Euro kostet das Modell.

Im Selbstversuch erinnert das Zusammenstecken der Pappteile beide Redakteure sofort an die 3D-Holzpuzzle-Basteleien mit Dinosauriermodellen. Die Steckverbindungen sind zwar ein wenig friemelig, halten aber auch nach mehrmaligem Auseinander- und Zusammenbauen. Knifflig ist jedoch erst einmal nicht das Gerät selbst, sondern die Anatomie des Pferds. Denn der Reiter muss den Schulterblattknorpel des Pferds finden und auf beiden Seiten markieren, um den Basic an der richtigen Stelle anzulegen. Dafür braucht man eventuell mehrere Versuche.

Auch für das Auflegen des Basic auf den Rücken benötigen die Tester durch die beweglichen Rippen mehr als einen Anlauf. Hier lautet der Tipp der beiden: „Klappen Sie zuerst alle Arme auf eine Seite. Dann lässt sich das Mittelteil des Basic am einfachsten auflegen.“ Doppelseitiges Klebeband verhindert, dass sich das Gerüst gleich wieder verschiebt, wenn sich das Pferd ein wenig bewegt.

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24.02.2011
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 10/2010