Reithelme im Test
Test: Reithelme im Sicherheits-Check

Worauf muss man beim Kauf eines Reithelms achten? CAVALLO hat Reithelme auf Herz und Nieren geprüft.

Reithelmtest
Foto: Lisa Rädlein

Welche Reithelme sind gut?

Gewinner auf einen Blick

exxential II MIPS von UVEX
Überragend - Testsieger
Reithelmtest
FazitBei den Stoßdämpfungsprüfungen lag der Uvex-Helm in allen drei Tests vor den anderen Modellen, teils sehr deutlich. Damit ist der Reiterkopf bestens geschützt.
  • Preis: Ab 149,95 Euro
  • Verfügbare Größen: 52-55 cm, 55-57 cm, 57-59 cm, 59-61 cm
  • Farbe: Schwarz; Gewicht: ca. 430 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 182 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 182 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 139 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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ProNova II von Felix Bühler
Gut
Reithelmtest
FazitIn den Stoßdämpfungsprüfungen nach Norm schnitt der Felix-Bühler-Helm sehr gut ab. Schwachstelle beim verschärften Stoßdämpfungstest war ein Kunststoffelement.
  • Preis: Ab 69,90 Euro
  • Verfügbare Größen: 52-58 cm, 57-62 cm
  • Farbe: Braun, Navy, Silber, Wood, Schwarz/Titan, Schwarz/Schwarz; Gewicht: ca. 520 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 195 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 192 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 386 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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Apart von Casco
Sehr gut
Reithelmtest
FazitDas kürzlich erschienene Modell Apart von Casco bestand alle drei Stoßdämpfungsprüfungen problemlos. Ein Reithelm, der einen sehr guten Schutz verspricht.
  • Preis: Ab 450,00 Euro
  • Verfügbare Größen: 52-56 cm, 54-58 cm, 58-62 cm
  • Farbe: Flip Flop-Grau, Flip Flop Weiß, Schwarz; Gewicht: ca. 550 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 236 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 217 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 146 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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Noir von Horze
Sehr gut
Reithelmtest
FazitGleichmäßig niedrige Werte zeigte das neue Modell Noir von Horze. Die drei Stoßdämpfungstests waren für den Helm keinProblem; das verspricht einen sehr guten Schutz.
  • Preis: Ab 111,75 Euro
  • Verfügbare Größen: 52-54 cm, 55-57 cm, 58-60 cm
  • Farbe: Mountain View Green, Schwarz, Burgundy Red Mahogany, Dunkelnavy; Gewicht: ca. 480-560 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 195 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 215 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 209 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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X-Cellence Pure von Knightsbridge
Gut
Reithelmtest
FazitDen Aufprall auf einen flachen Amboss meisterte das neue Knightsbridge-Modell ohne Probleme. Die dritte Stoßdämpfungsprüfung abseits der Norm bestand der Helm nicht.
  • Preis: Ab 79,90 Euro
  • Verfügbare Größen: 51-55 cm, 55-57 cm, 57-59 cm
  • Farbe: Schwarz/Silber, Schwarz/Schwarz; Gewicht: ca. 450 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 192 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 209 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 325 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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Paso von KED
Ungenügend
Reithelmtest
FazitEine Stoßdämpfungsprüfung nach Norm sowie den verschärften Aufprall nicht bestanden, dazu durch die Durchdringungsprüfung gefallen: Das Modell von KED enttäuschte im Test.
  • Preis: Ab 101,96 Euro
  • Verfügbare Größen: 52-58 cm, 57-62 cm
  • Farbe: Schwarz, Navy, Titan, Braun, Gold, Rosé, Weiß; Gewicht: ca. 520-610 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 240 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 254 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 538 g

Durchdringungsprüfung: nicht bestanden (1. Modell)

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EQ3 Pardus von Back on Track
Sehr gut
Reithelmtest
FazitSolide Werte zeigte der Helm von Back On Track: Das Testmodell meisterte alle Stoßdämpfungsprüfungen. Ein Reithelm, der einen sehr guten Schutz verspricht.
  • Preis: Ab 269,00 Euro
  • Verfügbare Größen: 53-61 cm (jeweils in cm-Schritten)
  • Farbe: Blau, Schwarz; Gewicht: ca. 600 g

Abstreiftest: bestanden

Stoßdämpfung Oberkopf (erlaubt: 250 g): 209 g

Stoßdämpfung Schläfe (erlaubt: 250 g): 236 g

Stoßdämpfung simulierter Huftritt (erlaubt: 250 g): 153 g

Durchdringungsprüfung: bestanden

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So testeten wir die Helme beim TÜV Rheinland

Beim Test orientierten wir uns an Pflicht-Prüfungen der gültigen Reithelmnorm VG 01.040 2014-12.

Abstreiftest: Der Helm wird fest auf einem Prüfkopf verschnallt. Am Hinterkopf wird ein Seilzug befestigt, der den Helm ruckartig nach vorne zieht. Dabei muss der Helm auf dem Prüfkopf bleiben.

Stoßdämpfung: Jeder Helm wurde an drei Stellen im Bereich Oberkopf, Schläfe und Hinterkopf geprüft. Die Helme prallten mit mindestens 5,94 Metern pro Sekunde auf den Prüf-Amboss. Die Mess-Werte dürfen 250 g (g-force, Erdbeschleunigungskraft) nicht überschreiten. Die Stellen an Oberkopf und Schläfe wurden nach Norm mit einem flachen Amboss geprüft.

Unsere Highlights

In der dritten Teilprüfung am Hinterkopf prallte der Helm auf einen dachförmigen Amboss. Noch ist das kein Bestandteil der Reithelmnorm, aber gilt etwa für Fahrrad- und Motorradhelme. Ein solcher Aufprall könnte durch einen Huftritt geschehen.

Durchdringung: Hier wird ein Kegel auf den Helm aufgesetzt. Aus 50 Zentimetern Höhe fällt eine drei Kilo schwere Metallkugel darauf; der Kegel darf nicht bis ins Helminnere vordringen.

Reithelmtest
Lisa Rädlein
Peter Schaudt studierte Maschinenbau, ist seit 1992 beim TÜV Rheinland und dort seit 2002 zuständig für die Prüfung von Kopfschutz (etwa Ski-, Reit- oder Motorradhelme). www.tuv.com
Reithelmtest
Lisa Rädlein
Jedes Modell prallte zweimal auf einen flachen Amboss, einmal auf einen dachförmigen wie hier.
Reithelmtest
Lisa Rädlein
Beim Abstreiftest wird der Testhelm fest auf dem Prüfkopf verschnallt.

Was muss man beim Kauf eines Reithelms beachten?

In erster Linie muss der Helm den Kopf schützen und eine gute Stoßdämpfung bieten. Entscheidend dafür ist die Styropor-Innenschicht (EPS). Je dicker sie ist, desto mehr Energie kann sie aufnehmen und so besser schützen. Was den Helm-Aufbau angeht, gibt es Unterschiede: Bei InMould-Helmen wird die Styropor-Innenschicht (EPS) in die Außenschale gespritzt. Bei Hardshell-Helmen werden beide Schichten getrennt aufgebaut und dann miteinander verbunden, etwa durch Kaltverschweißung. Wie gut ein Helm schützt, lässt sich nicht an dessen Bauweise festmachen.

Auch die Passform ist entscheidend: Ein Helm muss fest auf dem Kopf sitzen und darf nicht rutschen. Probieren Sie den Helm an, um zu testen, ob er zu Ihrer Kopfform passt. Reithelme sind heute gut anpassbar mit verschiedenen Riemen. Diese sollten sich leicht verstellen lassen, dürfen sich aber nicht von selbst lockern. Sind die Riemen zu leichgängig, kann es sogar reichen, wenn der Reiter den Kiefer bewegt, damit der Riemen sich lockert. Das darf nicht passieren.

Achten Sie auch auf das Helmklima. Belüftungsschlitze und Materialien im Innenfutter, die Schweiß gut aufsaugen, sorgen für einen kühlen und trockenen Kopf.

Wieviel kostet ein guter Reithelm?

Reithelme gibt es in unterschiedlichen Preisklassen und schon ab etwa 40 Euro. Der günstigste Helm in unserem Test schnitt mit rund 70 Euro gut ab. Unser Testsieger kostet rund 130 Euro und liegt damit im mittleren Preissegment. Mehrere Hundert Euro muss man für einen sicheren Helm also nicht ausgeben.

Wie lange kann man einen Reithelm benutzen?

Selbst ohne Sturz und sichtbare Mängel ist nach etwa vier Jahren ein neuer Helm angesagt. Denn: "Eine Alterung des Materials wird es definitiv geben", sagt Thomas Dautermann, Leiter des Qualitätsmanagements beim Helm-Experten Uvex aus Fürth in Bayern. "Zudem ist für die Sicherheit eines Helms nicht nur die Nutzungsdauer wichtig, sondern auch wie oft Sie damit reiten." Wer einmal in der Woche auf dem Pferd sitzt, wird seinen Reithelm länger tragen können als ein Reiter, der jeden Tag – womöglich sogar mehrmals – mit Helm reitet und ihn dadurch stärker beansprucht. Zeit für einen neuen Helm ist es stets, sobald Sie innen oder außen Risse erkennen oder aus der Innenschale ein Stück herausgebrochen ist. Lockert sich ständig der Kinnriemen, ist das ebenfalls ein Zeichen, den Helm besser nicht mehr aufzusetzen. Ein loser Riemen hält bei einem Sturz den Helm nicht auf dem Kopf. Genauso wenig sorgt ein defektes Schloss für einen sicheren Sitz.

Nach einem Sturz oder auch dann, wenn der Helm nur auf die Stallgasse geknallt ist, sollten Sie ihn austauschen. Beschädigungen am Helm sind von außen nämlich nicht unbedingt sichtbar. Einige unserer Testmodelle sahen nach der Stoßdämpfungsprüfung noch top aus, der Amboss hatte ihnen nur wenige oberflächliche Kratzer verpasst. Vermeintlich zumindest: Denn unter den Kopfpolstern offenbarten sich feine Risse in der EPS-Schale. Würde ein Reiter mit einem so vorgeschädigten Helm erneut vom Pferd fallen, würde das Material die Energie nicht mehr gut abpuffern; das Risiko für Kopfverletzungen steigt.

Auch die Lagerung spielt eine Rolle: Werden Helme bei Temperaturen über 50, aber auch bei unter minus 50 Grad Celsius gelagert, leidet das EPS", sagt Thomas Dautermann. Das sind zwar Extrem-Temperaturen, aber wer sein Auto im Sommer in der Sonne stehenlässt, erreicht schnell über 80 Grad Celsius im Innenraum. Äußerlich werden Sie keinen Defekt erkennen, dennoch tun diese Temperaturen Helmen nicht gut. Das alles sind gute Gründe, weshalb Sie von gebrauchten Helmen die Finger lassen sollten. Schließlich kennen Sie das Vorleben des Helms nicht bis ins kleinste Detail und auch das angegebene Alter ist meist fraglich. Wer weiß schon, wie lange der Helm auf der Hutablage des Autos auf Reisen war oder wie oft er auf die Stallgasse gefallen ist?

Welche Reithelme haben MIPS?

Wer einen Reithelm trägt, senkt im Falle eines Sturzes dieses Verletzungsrisiko bereits um 40 bis 50 Prozent. Einige Reithelme versprechen noch mehr Schutz: Sie setzen auf die MIPS-Technik, die auch in zwei unserer Testmodelle steckte (Uvex und Back On Track).

Diese vier Buchstaben stehen für "Multi-Directional Impact Protection System". Dahinter verbirgt sich ein zusätzlicher Aufprallschutz fürs Gehirn. Das ist bei Stürzen besonders gefährdet. Gerät es in Rotation, also in eine Drehung, kann es an die Schädeldecke stoßen, Hirnzellen können zerstört werden, kleine Blutgefäße abreißen, erklärt Schaudt.

MIPS soll das abpuffern: An der Helmschale, unter dem Kopfpolster, ist eine dünne, gelbe Kunststoffschale befestigt. Bei einem Sturz soll sie die Rotationsenergie aufnehmen, um den Kopf herumgleiten und das Gehirn schützen. "Vor allem im Fahrrad- und Motorradbereich ist die Technik schon verbreitet."

Testsieger und sehr gutes Modell mit MIPS hier kaufen:

Wie viel wiegen gute Reithelme?

Unter den Reithelmen in unserem Test war der leichteste zugleich der beste Helm: Der Uvex exxential II MIPS wiegt nur 430 Gramm. Die meisten Helme wogen um die 520 bis 550 Gramm, die schwersten um die 600 Gramm. Aus den Testergebnissen lässt sich kein Zusammenhang zwischen Gewicht und Schutzwirkung eines Reithelms ableiten. Nur soviel: Ein besonders guter Reithelm kann gleichzeitig besonders leicht sein, was für hohen Tragekomfort spricht.

Wo kann man Reithelme kaufen?

Reithelme finden Sie mittlerweile nicht nur im Fachhandel vor Ort, sondern auch im Online-Fachhandel oder z.B. bei Amazon. Generell sollten Sie einen Reithelm unbedingt anprobieren, um Ihre Entscheidung zu treffen. Im Fachgeschäft kann das Personal Sie dabei zur Passform und richtigen Einstellung beraten.

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12 / 2022

Erscheinungsdatum 23.11.2022

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