6 Übungen für mehr Harmonie im Sattel

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Foto: Rädlein So bleiben Pferd und Mensch auch beim Reiten Freunde

Vertrauensübung 1: Kopfsenken

Sybille Wiemer zeigt Pferden mit dieser Übung, dass sie sich bei ihrem Reiter als „Herdenführer“ sicher fühlen können und die Umgebung nicht ständig abchecken müssen.

Stellen Sie sich stabil auf beide Füße vor Ihr Pferd. Es soll so viel Abstand zu Ihnen haben, dass Sie die Arme ausstrecken können. Atmen Sie aus und zupfen an Halfter oder Kappzaum etwas nach unten, bis das Pferd den Kopf senkt. Kommt es dabei näher, schicken Sie es auf den richtigen Abstand zurück und lassen es erneut den Kopf senken.

Schicken Sie Ihr Pferd wie ein wachsamer Herdenchef schon beim Vorsetzen eines Hufs wieder auf die alte Position. Hat es so gelernt, sich neben Ihnen zu entspannen, können Sie das Kopfsenken in den Sattel übertragen: „Ich fordere das Pferd dazu auf, indem ich leicht entlaste, mich nach vorne lehne und am Hals kraule. Ein Stimmsignal hilft ebenfalls.“

Vertrauensübung 2: Verschiedene Führpositionen

Damit das Pferd Sicherheit gewinnt, wenn beim Reiten niemand vorangeht, erarbeitet Tuuli Tietze verschiedene Führpositionen.

Führen Sie Ihr Pferd dazu an (Knoten-)Halfter oder Kappzaum und lockerem Strick zunächst auf Kopf-/Halshöhe geradeaus, in Ecken, Volten und Schlangenlinien.

Vertrauensübung 2: Verschiedene Führpositionen

Dann versuchen Sie das Gleiche auf Höhe der Gurtlage. Im nächsten Schritt führen Sie mit Trense und nehmen die über dem Hals liegenden Zügel an der Schnalle auf, Ihre Hand mit den Zügeln liegt auf dem Widerrist.

Wenn Sie Richtung oder Tempo ändern möchten, nehmen Sie diese Hand hoch, machen sich groß und das Pferd so auf die kommende Veränderung aufmerksam. Die andere Hand weist mit dem Zeigefinger in die gewünschte Richtung.

Das Pferd lernt neben dem Vorausgehen beim Reiten so auch die signalgebende Hand kennen. Zudem lernt es, sich an Ihrem Energielevel und Ihrer Körperausrichtung zu orientieren.

Verständnisübung 1: Nachgeben am Gebiss

„Bei dieser Übung lernt das Pferd bereits am Boden, sich ans Gebiss zu stellen“, erklärt Peter Kreinberg.

Stehen Sie vor Ihrem Pferd und greifen Sie in die Gebissringe. Bewegen Sie einen Ring ein bis zwei Zentimeter nach vorne, den anderen ebenso weit nach hinten.

Es entsteht leichter Druck an der Ober- bzw. Unterlippe sowie auf Zunge und Zahnfleisch. Bewegt das Pferd das Genick leicht in Richtung des Drucks an der Unterlippe, stellt sich also in diese Richtung, lässt der Druck automatisch nach.

Klappt das, können Sie die Gebissringe gleichzeitig leicht aufwärts oder nach hinten bewegen. Das Pferd soll im Genick nachgeben und kauen.

Verständnisübung 2: Ein-Zügel-ein Schenkel-Kontakt

Diese Übung von Peter Kreinberg hilft dabei, jungen oder verunsicherten Pferden Vertrauen in die Reiterhilfen zu geben und ihnen die richtige Reaktion darauf zu vermitteln. Zudem können Sie die Durchlässigkeit überprüfen und selbst üben, eine ruhige Zügelverbindung zu halten.

Sie arbeiten dazu mit einer einseitigen Schenkel- und Zügelhilfe. Reiten Sie an der Bande entlang und halten beide lockeren Zügel in der inneren Hand. Lassen Sie die äußere Hand am äußeren Zügel heruntergleiten, greifen ihn, stellen Kontakt zum Maul her und legen Ihre Hand am Hals auf. Dadurch kann sie ruhigen und stetigen Kontakt bieten. Gleichzeitig legen Sie auf derselben Seite den Schenkel an, eventuell leicht tippend.

Das Pferd soll nun nachgiebig auf Wade und Zügel reagieren, sich zur Bande hin biegen und auf der gegenüberliegenden Seite dehnen. Im Genick soll es Stellung zur Bande einnehmen und kurz nachgeben.

Sobald es das tut, öffnen Sie Ihre Hand und lösen den Schenkel etwas vom Pferd. Es lernt so, dass Druck nachlässt, wenn es nachgibt. Klappt das, nehmen Sie innen Zügel- und Schenkelkontakt auf. Hier muss der Schenkel zusätzlich begrenzen, damit das Pferd nicht abwendet.

Klarheitsübung 1: Das Energielevel steuern

Um klarer mit Ihrem Pferd zu kommunizieren, sollten Sie Ihr Energielevel kontrollieren können.

„Pferde spiegeln, wenn Reiter nervös oder träge sind“, so Tuuli Tietze. Um Ihr Pferd zu entspannen oder das Tempo zu verlangsamen, atmen Sie tief aus. „Nehmen Sie eine Kartoffelsack-Haltung ein.

Klarheitsübung 1: Das Energielevel steuern

Um das Pferd dagegen aufmerksam zu machen, atmen Sie tief ein und dann wieder aus. Nehmen Sie eine erhabene Königinnenhaltung ein“, erklärt Tuuli Tietze.

Andrea Bethge lässt Pferde durch erhöhte Körperspannung piaffieren und im Tempo zulegen: „Ich erhöhe dazu gezielt meine Muskelspannung und fahre sie dann wieder herunter“, sagt sie. „Ich kann mein Pferd über meinen Muskeltonus entweder aktivieren oder entspannen.“

Klarheitsübung 2: Entspannungs-Anker

„Damit der Reiter in jeder Situation klare Hilfen geben kann, hilft ein Entspannungsanker“, sagt Tuuli Tietze.

Dazu verbinden Sie einen Druckpunkt am Zeigefinger fest mit körperlicher und mentaler Entspannung: Im Sattel fixiert der Daumen normalerweise den Zügel auf dem Zeigefinger. Möchten Sie Ihren Entspannungsanker betätigen, lösen Sie ihn von dort und drücken kurz neben dem Zügel auf Ihren Zeigefinger.

Zuvor etablieren Sie diesen Punkt als Auslösereiz für die Entspannung, indem Sie sich immer wieder tief entspannen, sich eine entsprechende positive Reitsituation vorstellen und dabei den Punkt gedrückt halten.
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