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FN beschließt Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde Kommentar: Aktionismus bei der Herpes-Impfpflicht

Die FN hat eine Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde beschlossen. Gelten soll sie ab 2023. Doch angesichts von Impfstoffmangel und fehlender Erkenntnisse zur gefährlichen neurologischen Form EHM erscheint die Entscheidung als Aktionismus.

In Folge des Herpesvirus-Ausbruchs bei einem internationalen Turnier in Valencia sind im Frühjahr 2021 insgesamt 18 Pferde aus verschiedenen Nationen gestorben. Rufe nach der Einführung einer Impfpflicht gegen das Equine Herpesvirus 1 (EHV-1) wurden laut. Diesen Rufen ist die FN nun bei ihrer Jahrestagung gefolgt. Der Beirat Sport beschloss die Impfpflicht für Turnierpferde ab dem 1. Januar 2023. Die Übergangszeit soll die Produktion von ausreichend Impfstoff und das Impfen der Pferde mit Vorlauf ermöglichen. Nach der Grundimmunisierung muss die Herpes-Impfung halbjährlich aufgefrischt werden. Derzeit seien Impfstoffe von drei Herstellern auf dem Markt so die FN, die alle gegen EHV-1 schützen, das eine fiebrige Erkrankung der oberen Atemwege hervorrufen kann. In selteneren Fällen kommt es zur neurologischen Form EHM (Equine Herpes Myelitis). Hier wird die Schutzwirkung der Impfung als gering eingestuft.

Kommentar von Linda Krüger, CAVALLO-Chefredakteurin, zur Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde:

Impfen – das verspricht Sicherheit und Schutz. Die Corona-Pandemie hat diese Einschätzung befeuert. Für die gefürchtete Equine Herpes Myelitis (EHM), den "Schlaganfall des Pferds", mit schweren bis tödlichen neurologischen Folgen gilt das leider nicht.

Die verantwortlichen Herpesviren schlummern in vielen unserer Pferde. Sie erwachen zum Beispiel unter Stress, also in typischen Turniersituationen mit Anreise, fremder Umgebung, Wettkampf. Und was tun die reaktivierten Viren? Sie vermehren sich und werden vom Pferd ausgeschieden: Dieser Vorgang ist durch keine Impfung sicher zu verhindern. Fest steht zudem: Auch geimpfte Pferde erkranken, wobei der Schutz vor der neurologischen Form selbst von Befürwortern der Herpesimpfung als gering eingestuft wird. Und es gibt sogar Hinweise, dass Herpesimpfungen unter bestimmten Bedingungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Tiere an EHM erkranken.

Wir haben also weder wirksame Impfstoffe, die vor EHM schützen, noch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, welche Auswirkungen die Impfung tatsächlich auf die EHM-Problematik hat. Obendrein gibt es in schöner Regelmäßigkeit Engpässe bei der Versorgung mit Herpesimpfstoffen. Von einer "Herdenimmunität" mit einer Impfquote von 80 bis 90 Prozent der Pferde mal ganz zu schweigen.

Die bevorstehende Impflicht für Turnierpferde erscheint da als Aktionismus. Im Schlepptau hat sie eine Scheinsicherheit für die Pferdebesitzer. Will man dem Vorstoß der FN etwas Gutes abgewinnen, dann die Hoffnung auf intensivere Forschung und die Entwicklung neuer Impfstoffe – die dann hoffentlich wirklich Pferde vorm Schlaganfall schützen.

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