Fütterungsspezial bei Stoffwechselkrankheiten Lisa Rädlein

Richtig füttern bei PSSM, EMS und Cushing

Fütterungsspezial bei Stoffwechsel-Problemen Richtig füttern bei PSSM, EMS und Cushing

Die Stoffwechselkrankheiten PSSM 1 und 2, EMS und Cushing sind weit verbreitet – und fordern spezielle Diäten für die Pferde. Die Tipps unserer Fütterungs- Experten helfen Ihnen, die jeweils passende Ration zusammenzustellen und Mängel zu vermeiden.

Bedarf bei Protein und Nährstoffen ist stark umstritten

PSSM2 wird den chronischen Equinen Myopathien zugeordnet. Bei den Muskelstoffwechselstörungen raten Experten zur proteinreichen Ration mit wenig leicht-löslichen Kohlenhydraten (non-structural carbohydrates, NSC). Wie Reiter diese zusammenstellen – und welche Bestandteile umstritten sind:

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Raufutter: Der Anteil an leicht verdaulichen Kohlenhydraten in der Gesamtration sollte unter 20 Prozent liegen, sagt Eva-Maria Saliu vom Institut für Tierernährung (FU Berlin). Dr. Julienne Meints vom Futterhersteller St. Hippolyt rät bei Pferden, die nicht sportlich gearbeitet werden, sogar nur zur 10-Prozent-Grenze. Auch fürs Heu gelten diese Grenzen an leicht-verdaulichen Kohlenhydraten. Laut LUFA Nord-West enthielten die 2021 analysierten Heu-Proben im Schnitt 18,7 Prozent NFC (nonfibre carbohydrates). Je später Heu geerntet wird, umso geringer ist meist der Anteil; die genauen Werte verrät eine Heu-Analyse.

Weidegang: Gras ist eine wichtige Zucker-Quelle und kann bei PSSM2 problematisch sein, "muss es aber nicht", sagt Julienne Meints. Ihr Tipp: Ausprobieren, also langsam anweiden und die Zeit wieder reduzieren, wenn das Pferd Symptome zeigt. Bei fruktanreichem Gras (siehe "Weide" bei EMS) sollte man auf diese Anzeichen besonders achten.

Kraftfutter: In Getreide steckt Stärke, die bei PSSM2 Probleme bereiten kann, aber nicht muss. Daher: individuell entscheiden. Braucht Ihr Pferd für sportliche Leistungen eine Energiequelle, können Sie zu getreidefreiem Kraftfutter wie speziellem PSSM-Müsli greifen. Das ist fettreich und hat oft erhöhte Proteingehalte (siehe nächster Punkt).

Proteine: PSSM2 beansprucht die Muskeln; "daher kann der Gesamtproteinbedarf bei Myopathien 130 bis 200 Prozent des Erhaltungsbedarfs von gesunden Pferden sein", so Eva-Maria Saliu (Normal für 500-kg-Pferd wären 317g dünndarmverdauliches Rohprotein). Die Menge ist indes strittig: "Extreme Eiweißzufütterung kann zu Hufrehe und Nierenversagen führen und tödlich enden. Die doppelte Menge des Bedarfs ist die Obergrenze und wird bereits Folgen haben", warnt Pferdewissenschaftlerin Conny Röhm. Klar ist: Das Pferd benötigt alle essenziellen Aminosäuren.

Mikronährstoffe: Brauchen PSSM2-Pferde mehr Vitamin E, Magnesium oder Mangan? Reiter diskutieren das ebenso wie die Frage, ob der Mehrbedarf abhängig ist von der Gen-Variante (siehe unten). Die Experten sind uneins: "Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Belege für einen Mehrbedarf", so Conny Röhm. Sie rät, die Ration bedarfsgerecht zu gestalten, also an Gewicht, Leistung, Alter anzupassen. "Nach Gen-Variante zu füttern, bringt nichts", ist Eva-Maria Saliu ganz direkt. Magnesium im Übermaß könne zu Darmsteinen führen, ein Mangan-Mangel sei äußerst selten. Dass ein erhöhter Mangan-Bedarf wissenschaftlich nicht belegt sei, sagt auch Manuela Muth von Futterhersteller Marstall: "Auf der anderen Seite können Erfahrungsberichten zufolge Mangan-Zulagen in moderaten Mengen sinnvoll sein." Dr. Meints ergänzt, dass es gute praktische Erfahrungen mit gen-spezifischer Fütterung gebe. Hier klaffen Forschung und Praxis auseinander.

PSSM2: Polysaccharid-Speichermyopathie Typ 2: Man ging früher davon aus, dass bei diesem Typ ebenfalls eine Speichermyopathie (siehe PSSM Typ 1, Seite 72) vorliegt. Mittlerweile werden unter diesem Begriff Störungen zusammengefasst, welche ähnliche Symptome zeigen, aber genetisch PSSM1-frei sind. Ein bislang unvalidierter Gentest unterscheidet sechs Genvarianten (P2, P3, P4, P8, Px, K1). Meist entstehen bei PSSM2 Rittigkeitsprobleme und Leistungseinbußen. Sekundär folgen als Symptome Dellen in Muskeln, Muskelzittern, schlechte Bemuskelung, Bewegungsunlust.

Abspecken, ohne Muskeln abzubauen

EMS ist eine Wohlstandskrankheit und geht in den meisten Fällen mit Übergewicht einher. Oberstes Ziel der Fütterung ist daher eine Ration, die den Speck reduziert und die Symptome der Krankheit eindämmt.

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Das A und O bei der Rationsplanung: eine Heuanalyse, die Energie und Nährstoffe aufschlüsselt.

Gesamtration: Grundsätzlich sollte die Ration bei EMS – wie bei PSSM1 – möglichst stärke- und zuckerarm sein; der NSCGehalt sollte unter 10 Prozent liegen. Damit ist die Ration zugleich energiearm. Aber, ergänzt Manuela Muth: "Es gibt dünne EMS-Pferde, die nur lokale Fettdepots aufweisen. Sie brauchen auch eine stärke- und zuckerarme, aber nicht zwingend energiearme Ration." Bringen diese Pferde Leistung, können Sie Ihnen getreidefreies Müsli zufüttern oder Öle als Energiequelle nutzen (siehe letzter Absatz). Moppelchen brauchen hingegen kein zusätzliches Kraftfutter.

Raufutter: Besitzer von EMS-Pferden sollten das Heu im Labor analysieren lassen (etwa bei LUFA Nord-West). Wichtig ist vor allem der Gehalt an Zucker, aber auch an Fruktanen. Diese Polysaccharide (Mehrfachzucker) können zu Hufrehe führen. Das Heu zu wässern, kann wasserlösliche Kohlenhydrate herausspülen – aber auch Proteine und Aminosäuren (siehe PSSM2 oben). Beides brauchen jedoch EMS-Pferde, um Muskeln aufzubauen bzw. zu erhalten; denn jeder Muskel verbrennt Fett, das ja reduziert werden muss. Der Proteinbedarf muss daher auf jeden Fall gedeckt sein (siehe "Proteine" bei PSSM2).

Stecken im Heu mehr als 10 Prozent Zucker, können Reiter 20 bis 30 Prozent der täglich benötigten Raufuttermenge durch hochwertiges Futterstroh ersetzen. Wie viel das Pferd braucht, lässt sich übers Gewicht errechnen. Bei übergewichtigen Pferden gehören maximal 1,5 Kilo Raufutter pro 100 Kilo Körpergewicht in die Raufe – aber: des Zielgewichts, nicht des aktuellen Gewichts.

EMS: Equines Metabolisches Syndrom: An der Stoffwechselstörung erkranken vor allem übergewichtige Pferde. Die Fettzellen wirken hormonell und fördern Entzündungsprozesse. Körperzellen sprechen nicht mehr gut auf Insulin an (Insulinresistenz), das der Körper aber benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu steuern und Glukose zu speichern. Symptome: lokale oder generelle Fettleibigkeit, Insulinresistenz, ständige Hufrehe-Neigung.

Weide: Auch im Gras stecken Zucker und Fruktane. Daher sollten EMS-Pferde möglichst nicht auf die Weide, oder nur mit einem sehr strikten Weide-Management. Heißt: kein Weidegang, wenn das Gras fruktanreich ist (auf abgegrasten Koppeln oder im Frühjahr und Herbst an kalten, sonnigen Tagen). Selbst bei überständigem Gras (etwa im Juli und August), das energiearm ist, sollte der Weidegang auf ein bis zwei Stunden pro Tag begrenzt werden.

Mikronährstoffe: EMS fördert Entzündungsprozesse im Körper, verursacht durch die Botenstoffe Zytokine. "Antioxidantien grenzen diese ein, daher brauchen EMS-Pferde mehr davon", so Conny Röhm. Konkret: Vitamin E (2 mg / kg Körpermasse) und Zink (1 bis 2 mg / kg KM).

Chrom erhöht bei Menschen die Insulinsensitivität, die Zellen sprechen besser auf Insulin an, erklärt Manuela Muth; dieser Effekt könne auch EMS-Pferden helfen. Der Bedarf ist zwar meist durchs Heu gedeckt. "Es kann aber sinnvoll sein, entsprechend chromhaltige Futtermittel zuzufüttern", sagt Dr. Meints, etwa Bierhefe. Wichtig: Chromhefe ist nicht als Futtermittel zugelassen! Auch Öle sind nützlich: Leinöl enthält entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren. "Schwarzkümmelöl kann helfen, den Blutzucker zu senken und die Insulinresistenz so zu reduzieren", so Muth.

Gewässertes Heu enthält weniger Proteine

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Gewässertes Heu enthält weniger Proteine.

Wer Heu 15 Minuten wässert, reduziert die Energie um 5 bis 15 Prozent und den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten um 25% (Studie von Mandy Bochnia, 2021). Ideal zum Abnehmen – doch das Raufutter verliert auch Proteine (17%) und Aminosäuren (35%). Wie Pferdebesitzer überprüfen, ob das Pferd noch ausreichend versorgt ist: 1. Heu (trocken) analysieren lassen. Beispielrechnung: dünndarmverdauliches Protein (dvP) liegt bei 5% – macht bei 8 Kilo Heu also 400g Protein. 2. Aus den ermittelten Proteinwerten den voraussichtlichen Bade-Verlust abziehen: 17% von 400g sind 68 g, macht bei 8 Kilo Heu noch 332g dvP. 3. Werte mit Bedarf vergleichen (500-kg-Pferd im Erhaltungsbedarf: 317g dvP – Ration passt gerade noch so). Differenz ergänzen, etwa mit Bierhefe.

Mehr Vitamin E und Zink fürs Immunsystem

Das Equine Cushing Syndrom (ECS, auch Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, PPID) tritt oft im Doppelpack mit EMS auf sowie gehäuft bei Pferden ab 15 Jahren. Übergewicht und Alter sollten Pferdebesitzer bei der Fütterung berücksichtigen.

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Getreide ist stärkereich – und damit für Pferde mit Stoffwechselproblemen tabu.

Adipöse Pferde: Tiere mit EMS und ECS sind oft insulinresistent; daher muss ihre Ration zucker- und stärkearm sein, insbesondere bei übergewichtigen Pferden. Der NSC-Gehalt der Gesamtration sollte unter 10 Prozent liegen. Lassen Sie daher regelmäßig Ihr Heu analysieren, um die Ration entsprechend anzupassen.

Wie hoch der Anteil an leichtverdaulichen Kohlenhydraten im Weidegras ist, "ist weder kalkulier- noch regulierbar. Daher sollte der Weidegang stark eingeschränkt oder, noch besser, komplett gestrichen werden", rät Manuela Muth.

Beim Krippenfutter plädiert sie dafür, getreide- und melassefrei zu füttern. Conny Röhm findet hingegen: "Bei adipösen Pferden ist kein Kraftfutter nötig. Solche Tiere brauchen nur ein gutes, bedarfsdeckendes Mineralfutter." Hier kann es sinnvoll sein, auf spezielle Mineralfutter-Sorten für Cushing-Pferde zurückzugreifen, "denn normale Mineralfutter reichen je nach Rezeptur und Bioverfügbarkeit der Mineralstoffe manchmal kaum für kerngesunde Pferde", so Julienne Meints. Zudem brauchen Cushing-Pferden mehr an zellschützendem Vitamin E sowie Zink (Unterstützung fürs angeschlagene Immunsystem). "Gut ist es, wenn das Mineralfutter zugleich noch essenzielle Aminosäuren enthält", sagt Celina Hofmann von Agrobs: Vor allem Methionin, Lysin und Threonin unterstützen den Muskelerhalt.

Normalgewichtige und dünne Pferde: Aus demselben Grund brauchen auch normalgewichtige und dünne ECS-Pferde ausreichend Rohprotein und essenzielle Aminosäuren, um den altersgemäßen Muskelschwund zu verringern. Proteinquellen sind Sojaextraktionsschrot, Luzerne oder Reiskleie.

Reiskleie enthält zudem Fette; das wirkt altersbedingtem Gewichtsverlust entgegen und hält den NSC-Anteil unter den anvisierten 10 Prozent. "Doch der Stärkegehalt kann zwischen 10 und 40 Prozent schwanken", sagt Conny Röhm; ECS-Pferde sollten stärkearme Kleie bekommen. Pflanzenöle wie Leinöl liefern Energie und entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.

Gesundheitliche Probleme: Cushing-Pferde sind anfällig für Hufprobleme; in diesen Fällen helfen B-Vitamine (etwa 30 bis 60 g Bierhefe täglich) oder Biotin, so Julienne Meints. Auch das Immunsystem der Tiere ist anfälliger; bei akuten Infekten können Reiter mit Ergänzungsfutter die Vitamin-C-Gabe erhöhen (auf 4 bis 5 g / 100 kg LM/Tag).

Wechselwirkung mit Pergolid: Im Medikament Prascend, das Cushing-Pferde zur Symptomlinderung erhalten, steckt der Wirkstoff Pergolid. "Aus chemischer Sicht ist das ein Abkömmling eines Mykotoxins", erklärt Tierärztin Dr. Anne Mößeler. Mykotoxine sind Toxine von Schimmelpilzen, die bei entsprechender Belastung im Futter vorkommen können. Um Tiere vor deren Aufnahme zu bewahren, sind Futtermitteln wie Müslis oder Mineralfutter oft Mykotoxinbinder zugesetzt (wie Bentonit). "Leider sind mir keine Studien dazu bekannt, aber es erscheint durchaus plausibel, dass diese Mykotoxinbinder auch den Wirkstoff Pergolid binden, wenn sie parallel gefüttert werden. Das würde dann die Wirkung des Medikaments mindern", erklärt Dr. Mößeler. Ihr Tipp: Fütterung von entsprechenden Futtermitteln und Medikamentengabe zeitlich entkoppeln, also etwa morgens die Prascend-Tablette geben, abends Müsli füttern. "Bei einigen vierbeinigen Patienten erschien dies sehr hilfreich."

ECS: Equines Cushing Syndrom: Eine Stoffwechselstörung, deren Ursache in der tumorösen Wucherung der Hirnanhangsdrüse sitzt. Die produziert Hormone im Übermaß, darunter das adrenokortikotrope Hormon (ACTH). Das kurbelt im Zusammenspiel mit weiteren Hormonen die Produktion von Kortisol an; der Körper ist dauerhaft in Alarmbereitschaft. ECS tritt oft bei älteren sowie EMS-Tieren auf. Symptome: gestörter Fellwechsel, Hufrehe, Insulinresistenz, Muskelschwund.

Fette und Öle liefern die nötige Energie

Pferde mit PSSM1 reagieren hochempfindlich auf leicht-verfügbare Kohlenhydrate im Futter; daher brauchen die Tiere einen ganz besonders strikten Rationsplan, um Symptome zu vermeiden.

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Gras ist vor allem in Frühjahr und Herbst eine Zuckerbombe, an kalten, sonnigen Tagen.

Raufutter: Auch bei PSSM1 gilt, dass der NSC-Anteil so gering wie möglich sein sollte. Sprich: unter 10 Prozent in der Gesamtration. "Der größte Zuckeranteil wird über Gras und Heu aufgenommen", erklärt Manuela Muth – und dieser Zuckeranteil schwankt. Im Schnitt liegt er bei 9 Prozent der Trockenmasse (laut Auswertungen der LUFA Nord-West für das Jahr 2021). "9 Kilo Heu entsprächen damit etwa 810 Gramm Zucker", rechnet Manuela Muth hoch. Das klingt nach viel, wäre jedoch noch unter der angepeilten 10-Prozent-Grenze. Doch die Zucker-Werte können auch höher sein; der höchste Gehalt der bei der LUFA untersuchten Heuproben liegt bei 16,8 Prozent – weit mehr, als für PSSMler gut wären.

Daher sollten Pferdebesitzer ihr Heu regelmäßig analysieren lassen (Kosten rund 40 Euro), um den genauen Zuckerwert zu kennen. Manche Labore listen in der Auswertung statt NSC den Gehalt an NFC (non-fibre carbohydrates – Stärke, Zucker, Fruktan, Pektine) auf. "NSC bezieht sich auf Strukturen, NFC auf Fasern im Futter", erklärt Conny Röhm. Beide Werte seien aber vergleichbar und sollten jeweils unter 10 Prozent liegen.

Doch was, wenn der Wert höher ist und Pferdehalter nicht auf eine zuckerärmere Variante umsteigen können? Dann kann Wässern eine Alternative sein; das reduziert bis zu 50 Prozent der wasserlöslichen Kohlenhydrate. Weil das jedoch auch Proteine und Aminosäuren verringert, müssen Reiter den Verlust durch Ergänzungsfutter ausgleichen (siehe Abschnitt "Gewässertes Heu enthält weniger Proteine").

Fette als Energiequelle: Getreide enthält Stärke, welches als Glykogen vermehrt im Muskel eingebaut wird, und ist damit bei PSSM1 tabu. "Energie sollte über Fette und Öle in die Ration kommen", erklärt Manuela Muth. Entsprechende Spezial-Müslis enthalten beispielsweise Lein-/Rapsextraktionsschrot, Leinsaat/-kuchen, Sojaflocken oder Öle. Fettreiches Futter sollte aber nur dann im Trog landen, "wenn das Pferd die zusätzliche Energie wirklich braucht", so Conny Röhm. Das lässt sich über eine Rationsberechnung herausfinden.

Reiskleie kann ebenso eine mögliche Energiequelle sein: Sie punktet mit Proteinen (13 Prozent), Fett (15 Prozent) und NDF (22 Prozent), so Eva-Maria Saliu. NDF (neutral detergent fibre) sind Zellwandsubstanzen aus Futterpflanzen wie etwa (Hemi-) Zellulosen und Lignin. Sie sind vor allem für das Mikrobiom im Dickdarm wichtig, da diese daraus energiereiche Verbindungen herstellen. Auch wenn der Stärke- und Zuckergehalt mit durchschnittlich 29 Prozent hoch sei: "Bei einer ansonsten stärke- und zuckerarmen Ration kommt man meistens wieder auf ausgeglichene Werte", erklärt die Wissenschaftlerin. Wichtig sei, die Gesamtration hinsichtlich der Verteilung aller Nährstoffe anzusehen.

Mikronährstoffe: Die Stoffwechselstörung sorgt (wie bei PSSM2) für chronische Entzündungsherde in der Muskulatur. Um diese einzudämmen, sollten die Pferde bedarfsdeckend mit Zink, Kupfer und Selen versorgt sein, so Eva-Maria Saliu. "Der Bedarf an Vitamin E kann doppelt so hoch sein wie üblich", sagt Conny Röhm (also: 400 statt 200 mg/100 kg LM). Magnesium und Mangan sind "unentbehrlich für die Muskelfunktion, die bei Myopathie-Pferden ja gestört ist", sagt Julienne Meints. Den nötigen Bedarf decken Pferdebesitzer mit einem guten Mineralfutter.

PSSM1: Polysaccharid-Speichermyopathie Typ 1: Eine genetisch bedingte Erkrankung der Muskulatur (Gen GYS1). Die Insulinsensitivität ist erhöht, Glykogen wird verstärkt in den Muskeln eingelagert, was eine chronische Myopathie auslöst. Symptome: steife Muskeln, Kreuzverschlag, Klemmigkeit, Lahmheiten.

Hunger auf Eiweiß?

Wissenschaftsautor Bas Kast erwähnt im Buch "Der Ernährungskompass" (Bertelsmann) den "Eiweißeffekt": "Ein Tier ist [...] so lange hungrig und sucht so lange nach Futter, bis es seinen spezifischen Proteinbedarf gedeckt hat. [...] Sobald ein Tier seinen Eiweißbedarf gedeckt hat, hört es tendenziell auf zu essen [...]." Dieser Effekt zeige sich bei Mäusen, Fischen, Vögeln oder Pavianen. Könnte das auch eine Ursache für Übergewicht bei Pferden sein?

Schließlich zeigen Heu-Analyse immer wieder, dass der Eiweißgehalt darin niedrig sein kann; teils so niedrig, dass ein Pferd mit einer Ration von 1,5 kg/100kg LM seinen Eiweißbedarf nicht decken kann. Überfuttert es sich an solchem Heu? Futterexpertin Dr. Anne Mößeler findet den Ansatz spannend, meint aber: "Stehen Pferde in jungem Gras, haben sie ein massives Eiweißüberangebot; sie hören aber nicht auf zu fressen." Bei Pferden sowie Hunden und Katzen, deren Ration oft deutlich mehr Eiweiß enthalte, als sie benötigen, gebe es diesen Effekt vermutlich nicht. "Die Evolution hat eher vorgesehen, dass sich Pferde im Frühjahr und Sommer eine Speck-Reserve anfuttern, von der sie dann im Winter zehren."

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