Wie Pferdebesitzer die Persönlichkeit ihres Tiers beeinflussen

Internationale Studie zum Charakter von Pferden
Wie Umgang und Training die Pferde-Persönlichkeit beeinflussen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.10.2026
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Eine Frau mit ihrem Pferd im Stall.
Foto: FatCamera/ gettyimages

Jeder Pferdebesitzer würde es unterschreiben: Unsere Tiere sind echte Persönlichkeiten. Neben genetischen Faktoren sowie Alter, Geschlecht und Rasse könnten auch der (Trainings-)Alltag und die Beziehung zum Menschen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Charakters spielen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science veröffentlicht wurde.

Menschenbezogenheit, Sozialverhalten, Aufmerksamkeit und Stressanfälligkeit im Fokus

Für die Studie werteten Forschende der Universität Turku in Finnland und der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften die Angaben von 2.257 Pferdebesitzern aus. Diese äußerten sich zu insgesamt 2.767 Pferden aus Europa, Nordamerika und weiteren Regionen. Die Besitzer füllten einen Fragebogen mit 52 Fragen zur Persönlichkeit ihres Pferds aus. Zusätzlich wurden Informationen zur Haltung, zur Häufigkeit des Reitens und der Bodenarbeit, zur gemeinsam verbrachten Zeit, zur Dauer der Beziehung, zu Besitzerwechseln und zur verwendeten Ausrüstung erhoben. Auch Alter, Geschlecht und Rasse der Pferde wurden berücksichtigt.

Die Auswertung ergab vier übergeordnete Persönlichkeitsbereiche:

  • Soziale Orientierung gegenüber Menschen: Sucht und genießt das Pferd den Kontakt zum Menschen?
  • Sozialverhalten gegenüber Pferden: Wie leicht geht es freundschaftliche Kontakte mit Artgenossen ein?
  • Aufmerksamkeit: Wie gut konzentriert es sich auf Signale des Menschen und reagiert darauf?
  • Neurotizismus: Wie empfindlich und emotional reaktiv ist das Pferd gegenüber Stress?

Langfristige Beziehungen standen mit größerer Menschennähe in Verbindung

Pferde, die seit mehr als zehn Jahren beim selben Besitzer lebten, erzielten höhere Werte bei der sozialen Orientierung gegenüber Menschen. Pferde mit mehreren Besitzerwechseln zeigten dagegen niedrigere Werte.

Auch die Art der gemeinsam verbrachten Zeit spielte eine Rolle. Verbrachten Besitzer regelmäßig entspannte, wenig fordernde Zeit mit ihrem Pferd, etwa beim Putzen, Kraulen oder einfach in seiner Nähe, war dies ebenfalls mit einer stärkeren Menschennähe verbunden.

Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass eine lange Beziehung oder forderungsfreie gemeinsame Zeit ein Pferd grundsätzlich menschenbezogener macht. Möglich wäre auch, dass besonders kontaktfreudige Pferde eher langfristig beim selben Besitzer bleiben und ihre Halter besonders gerne und häufig Zeit mit ihnen verbringen.

Häufig gerittene Pferde waren aufmerksamer und weniger stressanfällig

Pferde, die vier- bis siebenmal pro Woche geritten wurden, erzielten höhere Werte bei der Aufmerksamkeit. Gleichzeitig lagen ihre Werte für Neurotizismus niedriger. Sie wurden also als weniger emotional reaktiv und stressanfällig eingeschätzt als Pferde, die seltener geritten wurden.

Regelmäßiges Reiten könnte dazu beitragen, dass Pferde aufmerksamer und gelassener werden. Um einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nachzuweisen, wäre hier jedoch weitere Forschung nötig, denn umgekehrt könnten gelassenere Pferde auch häufiger für regelmäßiges Reiten ausgewählt werden.

Gruppenhaltung fördert soziales Verhalten

Deutliche Zusammenhänge zeigten sich auch bei der Haltung. Pferde, die allein gehalten wurden, erzielten erwartungsgemäß niedrigere Werte beim Sozialverhalten gegenüber anderen Pferden als Pferde, die mit Artgenossen zusammenlebten – unabhängig davon, ob sie paarweise oder in größeren Gruppen gehalten wurden.

Studie zeigt Zusammenhänge, aber keine eindeutigen Ursachen

Die wichtigste Einschränkung der Untersuchung: Die Daten wurden zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben. Die Forschenden konnten dadurch Zusammenhänge erkennen, aber nicht feststellen, was Ursache und was Wirkung ist.

Zudem beruhen die Persönlichkeitsbewertungen auf den Einschätzungen der Besitzer. Diese können durch die eigene Beziehung zum Pferd oder durch persönliche Erwartungen beeinflusst sein. Andererseits ermöglicht die große Zahl der untersuchten Pferde einen breiten Einblick in unterschiedliche Haltungs- und Beziehungssituationen.

Was Pferdebesitzer aus der Studie mitnehmen können

Die Untersuchung legt nahe, dass eine stabile Beziehung zum Menschen, positive und entspannte Interaktionen sowie Sozialkontakte zu anderen Pferden mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Wie Pferdebesitzer die Haltung und den Alltag ihres Pferds gestalten, könnte also beeinflussen, ob Pferde eine entspannte und zugewandte Persönlichkeit entwickeln.

Hier geht es zur Originalstudie.