Das ist das Lieblingspferd von Emilia Schlotterbeck

Einfach Gold wert
Das Lieblingspferd von Emilia Schlotterbeck

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.03.2026
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Emilia Schlotterbeck mit ihrem Pferd Gala Seite an Seite
Foto: Rädlein

Es gibt Pferde, die kommen einfach zur richtigen Zeit. Sie stehen plötzlich da und sind ganz anders als erwartet. Und doch sind sie genau die Antwort auf all das, was zuvor verloren ging. Für Showreiterin und Influencerin Emilia Schlotterbeck ist Gala genau so ein Pferd. Keine perfekte Erscheinung auf den ersten Blick, aber eine, die geblieben ist. Und die weit mehr mitbrachte als Talent: für Emilia Gewissheit und Mut, wieder nach vorn schauen zu können.

Emilias Traum vom Showpferd

Als Emilia, 26, auf Instagram bekannt als "dancinghorses", nach dem Abitur in Spanien ihr erstes eigenes Pferd kaufte, schien ein Traum in Erfüllung zu gehen. "Faraon war ein tolles Showpferd", erinnert sie sich. "Mit ihm konnte ich alles machen." Doch die Freude währte kurz: Der Wallach starb im Alter von vier Jahren an einer Kolik. Kurz darauf traf Emilia der nächste schwere Schlag: Ihr Wallach Uncas musste mit nur sieben Jahren trotz aller tierärztlicher Bemühungen aufgrund einer mysteriösen Lahmheit eingeschläfert werden. Die Verluste hinterließen tiefe Spuren. Hoffnung, Mut und vor allem Lebensfreude waren brüchig geworden.

Emilia Schlotterbeck galoppiert ohne Sattel mit ihrem Pferd Gala am Halsring über die Wiese
Rädlein

Von Eleganz war zu Beginn keine Spur

Doch Emilia gab ihren Traum nicht auf und suchte weiter nach einem passenden Showpferd. Sie sah sich viele Pferde an. "Süß waren sie alle, aber keines fühlte sich richtig an", erzählt sie. Bis sie im Sommer 2022 schließlich auf eine Verkaufsanzeige stieß, die sie sofort fesselte: eine dreijährige, buckskinfarbene Cruzado-Stute, in Spanien geboren und mit stolzem, eleganten Ausdruck. "Die will ich unbedingt haben", war Emilias erster Gedanke. Kurzerhand fuhr sie neun Stunden mit leerem Anhänger von Reutlingen in Baden-Württemberg in die Niederlande, wo die Stute namens Gala in einem Stall zum Verkauf stand. Vor Ort folgte zunächst die Ernüchterung. Gala war kleiner, als in der Verkaufsanzeige angegeben, Schopf wie Schweif sehr kurz. Von Eleganz keine Spur. "Gala wirkte so babyhaft. Ich war total enttäuscht", erinnert sich Emilia.

Der Moment, der schließlich alles veränderte, kam beim Freilauf auf dem Reitplatz. Gala begann, einen circa einen Meter hohen Sandhaufen auseinanderzunehmen, kletterte hoch und wieder runter – völlig selbstverständlich, neugierig und mutig. "Dieses Verhalten hat mich überzeugt", sagt Emilia. Und außerdem: "Sie kann ja nur hübscher werden." Emilia unterschrieb also den Kaufvertrag.

Gala beim Wälzen in der Reithalle
Rädlein

Von Anfang an war Gala anders als alle Pferde, die Emilia bis dahin kennengelernt hatte: hochmotiviert, lernwillig, immer total fröhlich und mit einer Arbeitsmoral, die selbst die junge Trainerin überraschte. Lektionen wie Spanischer Schritt, Kompliment oder Hinlegen lernte die Stute in Rekordzeit. "Gala war und ist nach wie vor immer voll dabei", sagt Emilia. "Sie ist wie ein Hund im falschen Körper – wie ein intelligenter, arbeitswilliger Border Collie."

Galas Energie wirkte ansteckend. Mit ihr kamen Hoffnung, Mut und Lebensfreude in Emilias Alltag zurück. "Mit Gala zu arbeiten, macht einfach Spaß – selbst unter widrigsten Umständen", sagt Emilia und berichtet von Galas erster Show auf einem kleinen Turnier in Hessen. Die Bedingungen dort waren alles andere als ideal. Der Showplatz war lediglich mit flatterndem rot-weißen Band abgesteckt, der Boden vom Regen klatschnass. "Gala hat sich trotzdem ganz vertrauensvoll abgelegt", erzählt Emilia. "Sie hat sich ganz auf mich konzentriert und alles andere ausgeblendet. Das hat mich sehr beeindruckt."

Emilia Schlotterbeck mit ihrem Pferd Gala bei der versammelnden Freiarbeit
Rädlein

Eine Stute mit feinem Gespür

Unvergessen bleibt der Moment, der Gala endgültig zu Emilias Lieblingspferd machte. Anfang Dezember 2023 starb Orador, bis dahin Emilias absolutes Herzenspferd. Ein Tumor im Bauch des PRE-Wallachs war geplatzt, er schlief friedlich ein. Emilia war zu diesem Zeitpunkt mit Gala und ihrer anderen Stute Kiwi in Spanien. Als der Anruf kam, ging sie zu den Pferden, telefonierte mit der Freundin, die bei Orador gewesen war, und weinte. Plötzlich packte Gala sie. Die Stute schlang den Hals um Emilia, hielt sie fest und begann zu brummeln. Emilia konnte nicht weg. Erst als sie lachen musste, ließ Gala los. Als die Tränen wiederkamen, begann sie erneut Emilia festzuhalten. "Sie muss gespürt haben, dass es mir nicht gut ging", sagt Emilia.

Dieses Verhalten wiederholte sich Jahre später am Strand von Renesse in den Niederlanden. Dort war Emilia zuvor schon einmal mit ihrem Orador gewesen. "Zu diesem Ort mit Gala zurückzukommen, war sehr emotional für mich", sagt Emilia. Auch das muss Gala gespürt haben und schlang den Hals um Emilia. "Sie hielt mich wieder fest und brummelte."

Ausgebildet wurde Gala konsequent, aber fast ohne Druck. "Das Training war und ist nach wie vor so unglaublich einfach mit ihr", sagt Emilia. So auch das Anreiten. Nachdem sie ganz viel am Boden mit Gala gearbeitet hatte, ritt sie Gala frei ein, ohne Trense und ohne Sattel. Stimmkommandos reichten, um die Stute zu lenken. Selbst das Rückwärtsrichten funktionierte sofort. Wie Emilia dabei vorgegangen ist, dokumentierte sie auf Video und stellte alle Filme online (dancing-horses.de).

Emilia Schlotterbeck mit ihrem Pferd Gala bei der Dressurarbeit unterm Sattel
Rädlein

Galas Bühne sind die Shows, nicht Turniere

Gala ist keine Mitläuferin. Sie ist zwar sehr leistungsbereit, aber auch speziell, sensibel und eigensinnig. Im vergangenen Jahr startete Emilia, die bereits mit Orador Deutsche Jugendmeisterin der Working Equitation war, mit Gala auf einem Working-Equitation-Turnier. In der Dressurprüfung hob Gala gleich beim Grüßen der Richter ihr Vorderbein als wollte sie selbst "Hallo" sagen. "Sie ist, wie sie ist", sagt Emilia und gesteht: "Das Turnier war ok, aber ich habe gemerkt, dass das nicht Galas Bühne ist. Shows gefallen ihr viel besser. Dort kann sie glänzen."

Emilia Schlotterbeck mit ihrem Pferd Gala, die auf Kommando vor ihr steigt.
Rädlein

In der Show blüht Gala auf. Sie liebt Applaus und die Aufmerksamkeit des Publikums sowieso. Emilia berichtet von Galas erstem Equitana-Auftritt in der großen Showarena: "Sie ging in der großen Halle auf Erkundungstour, schaute sich neugierig die LED-Wand an, verfolgte die Fotografen und steckte ihre Nase ins Publikum. Gala liebt es, im Mittelpunkt zu stehen."

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Perfektes Team: Gala und Galo

Heute ist Gala sechs Jahre alt. Emilias Pferde leben zusammen in einem großen Offenstall. In der Herde ist "Wutzi", wie Emilia Gala liebevoll nennt, nicht Chef. Sportpferd-Stute Kiwi und Anglo-Araber Galo stehen in der Rangordnung vor ihr. "Aber Gala und Galo sind das perfekte Gegenstück", sagt Emilia und lacht: "Die teilen sich eine Gehirnzelle."

Das ist besonders wichtig für Emilias Shownummer, ihre Interpretation der Ungarischen Post. Während viele Showstars sie klassisch mit großen Pferden zeigen, kombiniert Emilia ihre großen Pferde Gala und Galo mit den beiden Shetlandponys Fuego und Nacho vorneweg – ein Bild, das man so kaum sieht. "Das ist mein Team Gold. Meine Zukunft", sagt Emilia. Team Gold, benannt nach der goldenen Fellfarbe der vier Pferde und nach großen Träumen, die sie hat: "Ich möchte gerne auf großen Shows auftreten und die Menschen inspirieren."

Emilia Schlotterbeck mit ihren Pferden auf ihrem eigenen Hof
Rädlein

Unterricht hatte Emilia für die Ungarische Post keinen. Sie brachte es sich selbst bei. Was früher anstrengend und teils chaotisch war, wirkt heute mühelos. Gala spielt dabei eine zentrale Rolle. Ihre Coolness und ihre Bereitschaft, Verantwortung für Galo zu übernehmen, machen sie zum perfekten Partner.

Fehler passieren bei der Shownummer selten und wenn, dann nur im Training. "Trotzdem bockt Gala immer mal wieder", berichtet Emilia. "Nicht aus Überforderung, sondern bewusst wie beim Reiten. Glücklicherweise hat sie das in einer Show noch nie gemacht."

Wie geht’s mit Gala weiter? Ein Fohlen von ihrem Lieblingspferd ist ein Traum, den Emilia kaum zu denken wagt. Zu groß ist die Angst, nach allem Erlebten erneut etwas zu verlieren. Im Mittelpunkt steht vor allem Galas Gesundheit. Und Zeit – füreinander und für die Entwicklung. Emilia arbeitet mit ihrem Team Gold stetig an der Ungarischen Post und verfeinert ihre Shownummer. "Ich würde sehr gerne Dressurlektionen wie Piaffe oder Passage einbauen", sagt sie "Mal sehen, ob ich das Gala und Galo synchron beibringen kann."

Emilia hat gelernt, nicht gegen die Persönlichkeiten ihrer Pferde zu arbeiten. Gemeinsam wachsen sie an neuen Ideen, neuen Bildern und neuen Träumen. Ohne Eile. Was zählt, ist der gemeinsame Weg mit Gala.