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CAVALLO-Experten geben Antwort

Warum quälen Menschen Pferde? CAVALLO gibt Antwort

Immer wieder quälen Menschen Pferde – manchmal sogar bis zum Tod. Warum tun sie das? Kriminalpsychologe Adolf Gollwitz gibt Antworten.

„Der Täter übt erst am Tier“

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Rädlein
Pferdequäler missbrauchen selbst harmlose Werkzeuge, um Pferde damit zu misshandeln.

CAVALLO: Bei Hamburg ist ein Pferd brutal gepfählt worden. Was sind das für Leute, die sich an Pferden vergehen?

Gallwitz: In diesem Fall ist das noch schwer zu sagen. Es ist bisher nur eine einzelne Tat, von der sich daher nur schwer ein klares Profil ableiten lässt. Das ist bei solchen Vergehen generell schwer, was auch an der Spurenlage liegt. Häufig werden Pferde gar nicht obduziert. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer: Viele Fälle werden nicht angezeigt oder überhaupt nicht als solche erkannt. Daher haben wir über Pferdequäler nicht allzu viele Informationen.

In der Öffentlichkeit dominiert das Bild vom sexuell gestörten Mann.
Das ist ein Klischee. Sicherlich spielen bei solchen Taten Sexualität und Aggression immer eine Rolle. In Hamburg scheint das der Fall zu sein. Aber grundsätzlich kommen für solche Taten nicht nur Männer als Täter in Frage. In den wenigen uns bekannten Fällen haben auch Frauen Pferde gequält.

Kann man daraus bestimmte Tätertypen ableiten?
Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Tätergruppen. Das eine sind allgemeine Tierquäler, das andere sind Täter, die sich bewusst eine bestimmte Tierart aussuchen.

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privat
Professor Adolf Gallwitz ist Kriminalpsychologe und Psychotherapeut. Der 59-jährige lehrt an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen/Baden-Württemberg.

Wie unterscheiden sich die beiden Gruppen?
Bei Tätern, die neben Pferden auch andere Tiere quälten, gibt es Hinweise darauf, dass sie selbst als Kleinkind schwer misshandelt oder sexuell missbraucht wurden. Solche Täter wollen sich an der von ihnen als feindlich empfundenen Umwelt rächen und vergreifen sich dazu an Tieren. Wir gehen in solchen Fällen davon aus, dass die tierquälerischen Taten einen Vorbereitungscharakter haben.

Der Täter hat es also in Wahrheit auf Menschen abgesehen?
Ja. Er übt gewissermaßen nur am Tier. Er desensibilisiert sich mit jeder seiner Taten, die deswegen auch immer brutaler werden.

Es gibt Täter, die sich auf eine bestimmte Tierart spezialisieren, in diesem Fall also Pferde. Warum tun sie das?
Hier muss man von der symbolischen Bedeutung des Pferds ausgehen. Das Pferd hat unter den Tieren ja eine Sonderstellung. Es ist eines der ältesten Haus- und Nutztiere des Menschen. Wir schreiben ihm viele menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten zu. Pferde gelten als schön, edel und stark.

Was hat der Täter von der Tötung eines so liebenswerten Wesens?
Er komplettiert sich gewissermaßen. Der Täter ist nämlich alles andere als selbstbewusst. Er glaubt, dass ihm selbst genau die Eigenschaften fehlen, die wir dem Pferd gemeinhin zuschreiben. Indem er das Tier umbringt, eignet er sich diese Eigenschaften symbolisch an.

Wird jeder mit extrem schwachem Selbstwertgefühl zum Pferdequäler?
Nein. Um eine derart schwere Störung des Selbstwertgefühls hervorzurufen, muss die Person als Kleinkind schon schwer traumatisiert worden sein.
Das Kind führt diese Erfahrung auf eigene Unzulänglichkeiten zurück. Die sollen durch das Töten des Tiers behoben werden. Denkbar sind aber auch andere Auslöser: Möglicherweise wurde der Täter durch ein Tier schwer verletzt. Oder aber er fühlt sich gegenüber einem Tier zurückgesetzt, weil es mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommt als er selbst.

Wie kann ich meine Pferde schützen?
Das ist schwer. Eigentlich nur, indem Sie das Entdeckungsrisiko erhöhen, also regelmäßig Stall und Weide kontrollieren, die Tiere nachts im Stall unterbringen und Überwachungskameras und Alarmanlagen installieren.

Und wenn ich tatsächlich einen Täter auf frischer Tat ertappe?
Das ist eine gefährliche Situation. Spielen Sie auf keinen Fall den Helden. Es ist wichtiger, ein guter Zeuge zu sein.

Hintergrund

Am Himmelfahrtstag verletzten Unbekannte den 21-jährigen Orlow-Traber Uli auf seiner Weide in Oststeinbeck bei Hamburg schwer: Sie steckten ihm den Stiel einer Bollenharke in den After. Der Wallach musste wegen der inneren Verletzungen eingeschläfert werden. Offenbar hatten die Täter sich zuvor vergeblich an einer Stute auf derselben Koppel zu schaffen gemacht. Einen Zusammenhang mit den Taten des sogenannten Pferderippers sieht die Polizei nicht. Ihm werden seit 1993 rund 50 Angriffe mit Lanzen und Schusswaffen auf Pferde in Norddeutschland (Schwerpunkt Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern) angelastet. 2003 endete die Verletzungs-Serie.

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