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Tipps & Tricks : Mit dem Pferd auf Reisen

Tipps & Tricks : Mit dem Pferd auf Reisen Hänger, Routen, Pausen

Endlich wieder mit dem Pferd unterwegs! Aber Ihnen fehlt die Routine? Diese Praxis-Tipps unserer Experten bringen Sie gut vom Start bis ans Ziel.

Hänger auswählen

Zugegeben: Nicht immer hat man die Wahl, welchen Hänger man nutzen möchte. Doch wenn Sie einen Pferdeanhänger kaufen wollen oder überlegen, wen Sie Ihr Pferd transportieren lassen, sollten Sie ein paar Punkte in Erwägung ziehen. Besonders dann, wenn Ihr Pferd schwierig zu verladen ist:

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Auf Tour Mit dem Pferd unterwegs - daran müssen Sie denken!
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  • Eine Studie der Universitäten Bologna (Italien) und Wagga Wagga (Australien) aus dem Jahr 2020 weist darauf hin, dass Pferde entgegen der Fahrtrichtung komfortabler fahren als mit dem Kopf voraus. Die Pferde mussten sich so weniger ausbalancieren. Das Gleiche stellten die Wissenschaftler bei mehr Platz zur Seite fest. Pferdetransportunternehmer Bernd Uwe Nallaweg kann das bestätigen: "Nach vorne treten die meisten Kräfte auf, vor allem beim Bremsen. Rückwärtsstehen ist daher am besten." Meist ist Rückwärtsfahren nur auf größeren Transportern möglich – eine Option, um hängersaure Pferde wieder ans Fahren heranzuführen.
  • Geht ein Pferd ungern in den dunklen Hänger, kann ein Modell mit Frontausstieg hilfreich sein. "Da kann man erstmal durchgehen, oben immer wieder stehenbleiben und dann irgendwann die Vorderklappe schließen", rät Anhängerexpertin Doris Jessen (mit-pferden-reisen.de).
  • Will Ihr Pferd nicht auf die Rampe, könnte ein Einstieg mit Flügeltüren helfen. "Das Pferd schaut dann nicht wie beim Einsteigen über die Rampe aufs Dach, sondern konzentriert sich auf die Stufe", erklärt Stella Böckmann aus Vertrieb und Geschäftsführung des Hängerherstellers.
  • Große Warmblüter sollten nicht auf kleine und niedrige Anhänger geladen werden, Ponys nicht auf großen Hängern "schwimmen" – das lädt ein, sich umzudrehen, weiß Claudia Miller, Verladetrainerin und Tierärztin.

Hänger vorbereiten

Sie haben beim Hänger keine große Auswahl? Mit ein paar Handgriffen machen Sie die Reise trotzdem komfortabel:

  • Bruststange einstellen: "Sie sollte sich auf Brusthöhe, nicht etwa am Hals befinden", so Stella Böckmann.
  • Anbinder passend einstellen: Am praktischsten sind voreingestellte Anbindestricke, die im Hänger bleiben. "Sie sollten kurz genug sein, dass sich zwei Pferde nicht in die Haare bekommen können", rät Doris Jessen. Das Pferd sollte seinen Kopf noch leicht zur Seite, sich selbst aber nicht umdrehen können.
  • Streuen Sie den Hänger mit Spänen ein, so steht Ihr Pferd rutschsicher und Urin kann nicht auslaufen (das zu verhindern, ist gesetzlich vorgeschrieben!).
  • Heuraufe füllen oder Heunetz auf Kopfhöhe aufhängen.
  • Bei heißem Wetter: Alle Lüftungsluken öffnen/Belüftung einschalten

"Ein Pferdeanhänger sollte außerdem einmal jährlich zum Service in die Werkstatt", rät Doris Jessen. "Anders als ein Auto zeigt er nicht an, wenn etwas nicht stimmt. Werden die Bremsen regelmäßig richtig eingestellt, fährt Ihr Pferd außerdem sicherer und komfortabler." Prüfen Sie vor einer Reise nochmal, ob Auflaufbremse, Lichter und Blinker funktionieren. Checken Sie auch Ihr Zugfahrzeug: Haben Sie genug Öl, Benzin, Wasser? Sind Reifen und Lichter in Ordnung?

Packliste für unterwegs:

  • Ausreichend Heu und Wasser, Proviant für Sie (auch für Pannen)
  • Erste-Hilfe-Set für Pferd und Mensch
  • Ersatzrad für Hänger und Auto, Wagenheber, Werkzeug, Starterkabel
  • Pferdepass
  • Fahrzeugpapiere
  • Im Winter: warme Decken, falls Sie eine Panne haben
  • Mitgliedkarte eines Automobilverbands/Kontakt Abschleppdienst
  • Ladekabel fürs Smartphone

Verladen üben

Üben Sie das Verladen rechtzeitig vor einer geplanten Fahrt und auch immer wieder zwischendurch.

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Willkommen an Bord! Gut vorbereitet verladen und fahren Sie gleich viel entspannter.

Verladetrainerin Claudia Miller geht so vor: "Ich stelle mich auf die Hängerklappe und mache vorne leichten Druck am Seil, hinten touchiere ich das Pferd bei Bedarf mit einem langen Stick."

Das Wichtigste dabei: Gutes Timing! "Ich achte sehr darauf, nicht im falschen Moment Druck zu machen. Bei jeder kleinen Tendenz nach vorne, bei jeder richtigen Idee lasse ich sofort locker." Die besten Tipps fürs Verladetraining von Profi Claudia Miller:

  • Ihr Pferd hat endlich zwei Füße auf die Klappe gesetzt oder ist ganz eingestiegen? Belohnen Sie es und führen Sie es direkt wieder runter. So weiß es, dass es nicht ewig auf dem Hänger bleiben muss.
  • Arbeiten Sie in kleinen Schritten. "Ihr Pferd weiß nicht, welches Ziel Sie heute hatten. Gelingt nur ein kleinerer Schritt als geplant, haben Sie keinesfalls verloren", betont die Trainerin.
  • Nutzen Sie den Anhänger alle zwei bis drei Tage als zusätzliches Trainingsobjekt. Lassen Sie Ihr Pferd die Rampe mal nur halb hochgehen, rückwärts die Rampe hochtreten oder versuchen Sie, es aus einer Longierposition wie beim Zirkeln lassen auf die Rampe zu schicken. Wer mag, kann auch ab und zu auf dem Anhänger füttern.
  • Knackpunkt ist oft das Schließen der Stange hinter dem Pferd. Üben Sie diesen Schritt mit Ruhe, streicheln das Pferd mit der Stange, lassen es auf leichten Druck nach vorne gehen.

Probefahrt machen

Eine Probefahrt soll das Pferd in guter Erinnerung behalten. "Dazu ist es wichtig, über die Nervosität sozusagen hinwegzufahren, also einen Punkt zu erreichen, wo das Pferd sich entspannt und sich etwas an die Situation gewöhnt hat", erklärt Pferdetransportunternehmer Bernd Uwe Nallaweg, der auch Transporttraining anbietet. "Dazu sollte man etwa 20 bis 30 Minuten fahren." Wichtig ist, dem Pferd im Hänger Heu anzubieten, Kauen entspannt.

Route planen

Die erste richtige Reise steht an? Planen Sie die Route sorgfältig, das verhindert Stress:

  • Vermeiden Sie holprige, kurvige Landstraßen. Lieber eine etwas weitere Strecke wählen, wenn Sie dafür länger die Autobahn nutzen können.
  • Bei weiten Fahrten ist es sinnvoll, Tierkliniken auf der Strecke herauszusuchen, sollte es einen Notfall geben, rät Doris Jessen.
  • Sie sind länger als einen Tag unterwegs? Planen Sie einen Zwischenstopp mit Übernachtung in einem Reitstall ein.
  • Alle paar Stunden sollten Sie eine Pause von 15 bis 20 Minuten einplanen, Rastplätze vorher raussuchen.
  • Mit unerfahrenen Pferden planen Sie bereits etwa eine Stunde nach dem Start oder noch früher einen ersten Stopp ein, um nach dem Rechten zu sehen – besonders, wenn Sie keine Anhängerkamera haben.

Fahren

Ihr Pferd muss alle Bewegungen des Hängers ausgleichen, ohne vorher zu sehen, was kommt – ob Schlagloch, Kurve oder Bremsmanöver. Mit diesen Tipps fahren Sie gleichmäßig und sicher:

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Lisa Rädlein
Ihr Pferd muss alle Bewegungen des Hängers ausgleichen, ohne vorher zu sehen, was kommt.
  • Bremsen Sie vor Kurven oder Hindernissen noch auf der Geraden deutlich ab. Erhöhen Sie den Druck beim Bremsen von Anfang an gleichmäßig, statt zu zaghaft zu beginnen. Das verhindert starkes Nachbremsen.
  • Doris Jessen testet auch Zugfahrzeuge und weiß: "Mit Automatikschaltung, Tempomat und einem Abstandstempomat fahren Sie komfortabler und sicherer." Nutzen Sie also alles, was das Fahrzeug anbietet.
  • Achtung beim Tempo: Eine 100-Km/h-Zulassung für den Hänger gilt nur, wenn das Gewichtsverhältnis zwischen Anhänger und Auto passt (Leergewicht Zugfahrzeug x 1,1 = Zulässiges Gesamtgewicht Hänger, um Tempo 100 fahren zu dürfen). Außerdem dürfen unter anderem die Anhänger-Reifen nicht älter als sechs Jahre sein. Informieren Sie sich vorab über alle Voraussetzungen.
  • Im Notfall: Ihr Anhänger gerät ins Schlingern? Kurz und stark abbremsen. Sie riskieren einen Aufprall? Auch mit Anhänger immer notbremsen, dieser verhält sich bei einer Gefahrenbremsung ziemlich neutral.

Pausen machen

Die erste Pause steht an. Doch wie sieht das ideale Pausenprogramm fürs Pferd aus?

  • Laden Sie auf keinen Fall auf Rastplätzen oder an anderen nicht sicheren Stellen aus. Die Pferde können sich auch auf dem Hänger in Pausen zumindest etwas erholen, weil sie sich nicht ausbalancieren müssen.
  • Wasser in jeder Pause anbieten.
  • Bei Hitze im Schatten parken, für Durchzug sorgen.
  • Entfernen Sie Pferdeäpfel aus dem Anhänger.

Ankommen

Am Ziel angekommen? Lassen Sie Ihr Pferd doch gleich nach dem Aussteigen den Hänger nochmal betreten und belohnen es dort mit einem Leckerli. "So hat das Pferd nicht den Gedanken, möglichst schnell vom Anhänger wegzuwollen", erklärt Trainerin Claudia Miller.

Untersuchen Sie das Pferd auf eventuelle Verletzungen. Idealerweise kann es sich am Zielort frei bewegen, auf Koppel oder Auslauf. Muss das Pferd in die Box, können Sie es wenn möglich voher etwas im Schritt führen.

So entsteht ein Pferdeanhänger
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