Extreme Trail Parks Lisa Rädlein
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Extreme Trail Parks: Outdoor-Spielplatz für Pferde

Was macht einen guten Extreme Trail Park aus? Outdoor-Spielplatz

Extreme Trail Parks kombinieren Geländespaß mit effektivem Training – und sind absolut im Trend. Was zählt für einen guten Outdoor-Spielplatz?

Sicherheit auf dem Abenteuerspielplatz

Balancieren, wippen, klettern – Extreme Trails sind wahre Abenteuerspielplätze. Doch gerade wenn es steil oder wacklig wird, muss die Sicherheit von Pferd und Reiter gewährleistet sein. Aber welche Kriterien sind sicherheitsrelevant und woran erkennt man einen guten Park?

CAVALLO hat den Extreme Trail Park im württembergischen Kirchberg an der Jagst besucht und mit den Vorständen der beiden Extreme Trail Associations (siehe Abschnitt "Zwei Verbände für mehr Sicherheit") gesprochen.

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Auf der Brücke: Die Stahlträger und Drahtseile halten sogar das Gewicht eines Pkw aus.

"Das Training sollte immer unter Anleitung eines Ausbilders stattfinden", erklärt Alexandra Stegmaier, die den Park in Kirchberg leitet und das CAVALLO-Team heute durch den Parcours führt. Vor drei Jahren hat sie ihre Anlage eröffnet und diese seitdem weiter ausgebaut.

"Reiter und Pferde, die zum ersten Mal da sind, müssen bei uns einen Kurs buchen. Bevor wir reiten, schicken wir die Pferde am langen Seil durch die Hindernisse", erklärt sie, während ihr sechsjähriger Criollo-Wallach Nevada Schritt für Schritt eine Treppe hochstapft. Bevor es an die Hindernisse geht, checkt sie, wie gut sich das Pferd führen und schicken lässt. "Voraussetzung ist, dass es sich in alle Richtungen bewegen lässt, mit Vor- und Hinterhand gut weicht und auf Kommando zu stoppen ist."

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Auf der Treppe: Dickes Eichenholz ist langlebig und sehr stabil.

Besser mit Beinschutz: Da die Pferde immer mal von Stufen abrutschen und sich aufschürfen können, sind gut sitzende Gamaschen zu empfehlen.

Kunststoff versus natürliche Materialien

"Extreme Trails bestehen aus fest verbauten Hindernissen, die die Ebene verlassen und in Hänge eingebaut sind. Deshalb sind mobile Trails auch keine richtigen Extreme Trails", erklärt Andrea Baumbach. Sie ist Vorstand der German Extreme Trail Association und hat vor rund zehn Jahren die erste Anlage in Deutschland im hessischen Herbstein eröffnet.

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Im Wasser: Der Untergrund sollte befestigt und rutschfest sein.

Hängebrücken schweben frei und wackeln, daher sind sie am schwierigsten zu bauen. Alexandra Stegmaier hat sich bei ihrer Brücke für einen Unterbau aus Stahl mit drei Drahtseilen entschieden. "Da könnte jetzt sogar ein Pkw drüberfahren, so stabil ist sie."

Die meisten Hindernisse hier im Park in Kirchberg bestehen aus mindestens fünf Zentimeter dickem Eichenholz. Dieses Holz sei am stabilsten und langlebigsten erklärt Alexandra Stegmaier. Weil Holz, wenn es nass wird, oft auch glatt wird, wurden an einigen Hindernissen rutschfeste Tupfer aus einem Farb-Sandgemisch angebracht.

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Das Drahtseil hält viele Tonnen aus.

Euro-Paletten werden übrigens von den beiden Extreme-Trail-Verbänden nicht gerne gesehen: "Sie können zwar schwere Lasten tragen, aber für den punktuellen Druck durch einzelne Hufe sind sie nicht ausgelegt", erklärt Katja Brendel, Vorstand bei der 1st European Extreme Trail Association (EETA).

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Diese Schraube steht gefährlich aus dem Holz heraus.

Wie wird es rund um die Hindernisse rutschfest?

Alexandra Stegmaier hat, um die Sicherheit zu erhöhen, rund um die einzelnen Trail-Stationen die Wiese ganz natürlich belassen und zum Teil rutschfeste Kunststoff-Matten verbaut. "Da ich viele Barhufpferde habe, wollte ich auf Kies oder Schotter verzichten", sagt sie. Ihr Trailpark ist ohnehin nur zwischen April und Oktober nutzbar, weil die Wiesen ans Naturschutzgebiet angrenzen.

Andrea Baumbach hat einen anderen Weg gewählt und den Boden rund um ihre Hindernisse im Trail-Park in Herbstein mit einem Unterbau befestigt und einer federnden Tretschicht ausgestattet. "Wir verzichten bewusst auf Kunststoffe", erklärt sie. Alte Lkw- oder Traktoren-Gummireifen sind für beide Trail-Verbände übrigens ein No-Go, weil die Pferde zu leicht daran hängenbleiben können. Auch Flatterbänder oder bunte Stangen sind unerwünscht.

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Erdanker sollten dicht anliegen und gebogen sein.

Wie entsteht ein Trail Park?

Andrea Baumbach hat vor dem Bau ihrer eigenen Anlage mehrere Extreme Trails in den USA besucht, um sich inspirieren zu lassen. Die Ideen hat sie dann zusammen mit einem Garten- und Landschaftsbauer auf ihrer eigenen Anlage in Herbstein umgesetzt.

Alexandra Stegmaier arbeitete mit Schreinern zusammen und hat in der Lkw-Werkstatt ihres Bruders ihre Hängebrücke selbst gebaut.

Wer kontrolliert Extreme Trail Parks?

Da Extreme Trails ziemlichen Belastungen ausgesetzt sind, ist die regelmäßige und fachkundige Wartung sicherheitsrelevant. Die Verbände nehmen neue Anlagen zwar einmalig nach dem Bau ab, eine TÜV-ähnliche Überprüfung gibt es jedoch nicht.

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Alexandra Stegmaier testet die Hindernisse mit dem Vorschlaghammer.

Für die Sicherheit der Trails sind die Betreiber verantwortlich. Alexandra Stegmaier geht deshalb vor jedem Kurs ihre Hindernisse ab. Auch heute sind einige mit einem Hütchen markiert: Hier gibt es Wartungsarbeiten. "Es muss eigentlich immer etwas ausgetauscht oder repariert werden," sagt sie und zeigt dem CAVALLO-Team eine Schraube, die sich herausgearbeitet hat, und ein Holzbrett, das von einem Pilz zerfressen wurde. Besonders anfällig sind Astlöcher im Holz, weil sich hier das Wasser sammelt.

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In Astlöchern kann sich Wasser sammeln. Deswegen ist dieses Holzbrett morsch geworden.

Kontrolle mit dem Hammer: Einen Teil der Hindernisse checkt Alexandra Stegmaier mit dem Vorschlaghammer. Nach dem Winter überprüft sie zum Beispiel ihren gesamten Trail auf Stabilität: Schrauben könnten sich gelöst haben und Bretter durch Schnee und Regen morsch geworden sein. Katja Brendel von der 1st European Extreme Trail Association (EETA) sagt, dass in einem Extreme Trail Park immer mal wieder Hindernisse erneuert werden müssen. Mittlerweile sind 15 Anlagen in Deutschland bei der EETA gelistet, auch Parks in Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Ländern können Mitglied werden.

"Es gibt noch keine einheitlichen Regeln für die Kontrolle von Extreme Trails. Nicht mal in den USA, dem Mutterland des Extreme Trails", erklärt Andrea Baumbach von der GETA, an die derzeit acht Anlagen bundesweit angeschlossen sind. Diese müssen allerdings einige Kriterien erfüllen: Der Betreiber verfügt über Erfahrung im Bereich Training und muss sich im Extreme Trail fortgebildet haben. Darüberhinaus müssen die Anlagen dem Reglement der GETA entsprechen und werden vor der Eröffnung abgenommen und zertifiziert.

Die Mitgliedschaft in einem der Verbände ist also durchaus ein Kriterium, dass sicherheitsrelevante Qualitätsstandards in einem Park erfüllt sind.

Zwei Verbände für mehr Sicherheit

Die German Extreme Trail Association (GETA) gründete sich mit der Eröffnung des ersten Parks im Jahr 2011. Der Verein fungiert als Dachverband für mehrere Anlagen und bietet Aus- und Weiterbildungen an. Zudem unterstützt die GETA Betreiber beim Bau neuer Anlagen und zertifiziert diese. www.germanextremetrailass.de

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Alexandra Stegmaier mit ihrem sechsjährigen Criollo-Wallach Nevada.

Die 1st European Extreme Trail Association (EETA) gibt es seit acht Jahren und ist Europas erster Verband von Extreme-Trail-Interessierten. Der Verein berät seine Mitglieder in Sachen Bau und Training, organisiert aber auch Veranstaltungen und Wettkämpfe in der Disziplin Extreme Trail. www.eeta.eu

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