Shetty als Holzrückepferd Lisa Rädlein

Groß am Zug

Ein Shetty als Holzrückepferd

Power-Pony mit viel Pfeffer im Hintern sucht neue Herausforderungen. Warum Holzrücken keine Nummer zu groß für den kleinen Yakari ist!

Das Modell Yakari ist eine kompakte Mini-Holzrückemaschine, tiefergelegt, inklusive Mähwerk, nur 86 cm hoch und 105 Kilo schwer. Treibstoff: Müsli. Leistung: ein Mini-PS. Den Servicevertrag für dieses megastarke Gerät hat Nora Contzen vor gut drei Jahren abgeschlossen. Wir gratulieren zu diesem hervorragenden Glücksgriff! Denn diese kleine Maschine ist eine unverschämt niedliche Puschelkugel: Yakari ist ein waschechtes Minipony. Eins zum Bäume ausreißen. Na ja, fast. Aber zum Stämmeschleifen auf jeden Fall.

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Shetty als Holzrückepferd
Lisa Rädlein
Mini-Edition: Gut gerüstet von Kopf bis Huf zieht Yakari in den Wald.

Dass Yakari das Holzrücken lernt, hatte seine Besitzerin Nora Contzen eigentlich nicht auf dem Schirm. Sie hatte den Kleinen 2017 zu sich geholt, damit er ihren beiden anderen Pferden Gesellschaft leisten kann. Zu Hause zeigte das nun achtjährige Pony schnell seine Stärken: ganz viel Selbstbewusstsein und Spaß am Lernen. Zirkuslektionen und Langzügelarbeit hatte er schnell drauf – und das Einfahren war ein Kinderspiel. Ein Stallkollege von Nora Contzen hatte vor ein paar Monaten die Idee, dem Shetty das Holzrücken beizubringen. "Das kann der doch bestimmt", sagte Daniel Wafzig, der mit seiner einige Nummern größeren Percheron-Stute Ulinette hobbymäßig leidenschaftlich gerne in den Wald geht, um einfach so mal ein paar Stämme zu schleppen. So wurde Yakari zum Holzrücke-Schüler.

Yakari hatte das kleine Holzrücke-ABC schnell drauf

Auf seiner eigens fürs Rücke-Üben bestückten Wiese mit Brücke, Wippe und anderen Hindernissen hängte Daniel dem Shetty Stamm statt Sulky an. "Das hat sofort geklappt, weil er schon eingefahren war", erzählt er. Normalerweise müssen Pferde auf sicherem Gelände gründlich vorbereitet werden, bevor man mit ihnen zum Rücken in die freie Natur ziehen kann. Daniel ist mit seiner Uli am Anfang viel spazierengegangen, hat Bodenarbeit gemacht und dann auf seiner Übungswiese Hindernisse eingebaut. "Dadurch haben wir Vertrauen zueinander gewonnen, das Wichtigste fürs Holzrücken. Sonst kann es gefährlich werden", erklärt er. Knowhow gab’s dann bei Kursen der Interessengemeinschaft Zugpferde e. V. und einem befreundeten Holzrücker.

Shetty als Holzrückepferd
Lisa Rädlein
Einfach nur süß? Von wegen!

Die Ausbildung eines Rückepferds beginnt am Boden an der Doppellonge. Nachdem es ans Geschirr gewöhnt wurde, wird es zunächst ohne Gewicht geführt, damit es sich an die Kette und die Geräusche gewöhnen kann. "Und wenn wir das erste Mal ein leichtes Gewicht anhängen, arbeiten wir immer mit einer Sicherheitsleine und einer zweiten Person, damit wir in einer brenzligen Situation das Gewicht sofort abkoppeln können", betont Daniel. "Bei Yakari konnten wir mehrere Schritte des kleinen Holzrücke-ABC überspringen und gleich bei E anstatt bei A anfangen", sagt er grinsend. Nun muss das "Fine-Tuning" der Mini-Rückemaschine optimiert werden.

Gute Ausrüstung ist das A und O

Damit das funktioniert, muss die Ausrüstung gut passen. Das Pony-Zuggeschirr ist leicht und an der Brust weich gepolstert. "Es war nicht so einfach, etwas Passendes zu finden", erzählt Nora Contzen. Yakaris Kollegin, die knapp 1,70 Meter große Uli, trägt ein Spitzkummet. Wie sieht es denn hier mit passenden Größen aus, möchte sie wissen. "Kummets gibt es in verschiedenen Größen, Ulis ist aber maßangefertigt", antwortet Daniel. "Bis es ihr gut gepasst hat – das erkennt man gut am Schweißbild –, habe ich es dreimal nachpolstern lassen." Ulis Kummet ist sogar vorne an der Brust verstellbar. "Das habe ich mir so bauen lassen, damit ich es immer wieder anpassen kann", erklärt Daniel.

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Die große schwarze Nase gehört Percheron-Stute Ulinette (1,68 Meter), Yakari misst 86 Zentimeter.

Im Wäldchen um die Ecke des kleinen Stalls im Rhein-Sieg-Kreis, wo Yakari und Uli wohnen, dürfen die beiden Stämme ziehen. Während Uli sich in die Seile hängt und am liebsten im Trab losschießen würde, trottet Yakari mit der Nase am Boden zwischen den Bäumen hindurch. Was an ihm hängt, kümmert ihn nicht, wohl aber, was unter ihm wächst. Nora Contzen verdreht belustigt die Augen. "Er darf eigentlich nicht fressen beim Arbeiten. Wir versuchen es ihm schon lange abzugewöhnen, aber im Sommer wächst ihm das Gras quasi direkt in die Schnute." Deshalb wird das hungrige Pony gebisslos gefahren. "Ich möchte ihm nicht im Maul zuppeln, um ihn vom Fressen abzuhalten", erkärt seine Besitzerin.

Wer beim Holzrücken "hüh" ruft, wird sich wundern

Wie viel Gewicht kann so ein kleiner Yakari eigentlich ziehen? Der Stamm, den er gerade so unbekümmert hinter sich herschleift, ist vielleicht halb so schwer wie der von Uli. "Ein Pferd kann 15 bis 20 Prozent seines Eigengewichts über einen längeren Zeitraum hinweg ziehen", weiß Daniel, "kurzfristig sogar ein Gewicht, das so schwer ist wie das Pferd selbst." Dabei komme es aber noch sehr darauf an, wie der Boden beschaffen und ob eine Steigung zu überwinden ist. "Der Widerstand durch schweren Boden ist eine immense Kraft, die dazu kommt", ergänzt der Holzrücker. Uli wiegt übrigens 900 Kilo und zieht in der Regel 135 bis 180 Kilo.

Shetty als Holzrückepferd
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Einsatz- und abmarschbereit.

Daniel muss also gut auf seine Füße aufpassen: schnell sein, vorausdenken – und Stahlkappenschuhe tragen. In Kurven kann der Stamm schon mal ausschlagen. Und immer wieder kommt er den Füßen der Holzrücker gefährlich nahe. Bei Uli ist aber auch ordentlich Dampf dahinter. Da ist die ganze Anlegenheit bei Schüler Yakari doch ein deutlich beruhigenderer Anblick. Der hat gerade glücklich auf der Wiese geparkt und darf endlich ungestört die Nase ins Grüne tauchen.

"Jö", sagt Daniel und Uli zieht noch einmal an. Jö? Warum nicht "hüh"? "Hüh" heißt links, erklärt er. "Ha" bedeutet rechts, bei "ho" soll das Pferd anhalten und bei "jöjö" darf es antraben. "Welche Kommandos ich nehme, ist aber egal", sagt Daniel. "Hauptsache, ich kann mich mit meinem Pferd verständigen. Auch das muss aus Sicherheitsgründen unbedingt funktionieren, weil ich auch mal ohne die Leinen als Hilfsmittel mit Uli kommunizieren muss."

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Auf der Trail-Wiese von Holzrücker Daniel Wafzig wird geübt. Über die Wippe läuft Yakari heute zum ersten Mal.

Während Uli nicht genug vom Holzrücken bekommen kann, tobt Yakari nach dem Stämmeschleifen auf dem Platz. Power hat das Pony! Es ist ja nicht so, als ob Yakari den ganzen Tag nur herumstehen würde. Seine Freizeit verbringt er im Offenstall mit ganzjährigem Weideanschluss. Und mit seinen beiden Pferdekumpels. Ob die sich wohl manchmal lieber einen Mitbewohner mit gedrosseltem Mini-PS wünschen?

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