Raedlein

Statements der Oliveira Stables und CAVALLO

Reaktionen auf das Titelthema Dehnen

Zum Titelthema „Dehnen? Ja, bitte!“ in Ausgabe 1/2020 hat CAVALLO positives und ebenso kritisches Feedback erhalten. Hier ein Schreiben der Oliveira Stables und die Antwort von CAVALLO.

Einen Teil der Leserbriefe – selbstverständlich auch die kritischen Stimmen – wird CAVALLO veröffentlichen. Jedoch werden Zuschriften, die Beleidigungen enthalten, weder beantwortet noch vollständig gedruckt.

Hier das Schreiben der Pressevertreterin von Oliveira Stables Gina Ahrend, zu dem wir gerne Stellung nehmen:

Sehr geehrte Frau Krüger, sehr geehrte Frau Szymanski,

zurzeit ist viel die Rede von Pressefreiheit, von Fake News, von der Rolle der Medien. Und es ist gut, dass es diese Debatte gibt, denn die freie Presse ist eine der unerlässlichen Säulen unserer Demokratie. Investigativer Journalismus deckt Missstände auf und sachliche Berichterstattung seriöser Medien hilft, komplizierte Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Standpunkte zumindest nachvollziehen zu können.

Ihr Artikel „Dehnen? Ja, bitte!“ trägt leider nicht zu einer solchen sachlichen Debatte und zu Erkenntnisgewinn auf beiden Seiten bei. Sie schreiben, dass Ihre Experten für Pferdeausbildung und Biomechanik die Argumente der Dehnungsgegner widerlegen. Aber, da steht Expertenmeinung gegen Expertenmeinung. Worum geht es Ihnen in dem Artikel? Geht es darum, zum Wohle der Pferde eine sachliche Debatte zu führen und die Argumente des jeweils anderen anzuhören und zumindest zu versuchen, sie zu verstehen? Oder geht es darum, die Oliveira Stables und Manuel Jorge de Oliveira zu diffamieren? Letzteres wäre erstaunlich, wenn Sie sich solche Mühe machen und ganze zehn Seiten Ihres Heftes dafür hergeben.

Besonders befremdlich ist der Bericht „Reitkunst sieht anders aus“ auf Seite 23, der immerhin mit „Unsere Ansicht“ gekennzeichnet ist. Hier wird aber die persönliche Voreingenommenheit der Redakteurin besonders deutlich, wenn sie anfangs von „leeren Stuhlreihen“ spricht und es weitergeht mit „Und mich schaudert’s schon. Nicht nur, weil es affenkalt in der Reithalle ist.“ Sprachlich wird hier bereits eine negative Atmosphäre vermittelt. Wäre es Ihnen, Frau Szymanski, um faire Berichterstattung gegangen, dann hätten Sie nicht „undercover ermittelt“, sondern sich zu erkennen gegeben und das Gespräch gesucht, Fragen gestellt, wenn Ihnen das Gesehene so befremdlich und gar schauderhaft erscheint. Wäre es da nicht naheliegend und dringend erforderlich, dass man als Journalistin nachfragt?

Die Oliveira Stables suchen das Gespräch, denn uns liegt das Wohl der Pferde am Herzen und sonst nichts. Es wäre uns nichts lieber als eine wirkliche Debatte. Mittlerweile haben Hunderte unsere Escola besucht und bringen das von Manuel Jorge de Oliveira und seinem Team vermittelte Wissen in die Welt. Schülerinnen und Schüler kommen aus Großbritannien, Kanada und Norwegen. Anja Beran war übrigens auch eine langjährige Schülerin von Manuel Jorge de Oliveira.

Zu Ihrem Artikel wird es sicher Leserbriefe hageln: Leserinnen und Leser, die sich empören über die Oliveira Stables – und andere, die Ihren Artikel nicht gutheißen werden. Sicher werden Sie als seriöses Magazin beiden Raum geben wollen. Was halten Sie von einem „Runden Tisch“, einer Diskussionsrunde mit Expertinnen und Experten beider „Seiten“ mit nachfolgender Veröffentlichung? Das fänden wir spannend und fair.

Gerne höre ich von Ihnen.

Mit besten Grüßen
Gina Ahrend

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

OLIVEIRA STABLES

Sehr geehrte Frau Ahrend,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Die sachliche Debatte zum Wohl des Pferds ist genau das, worum es in unserem Titelthema geht. Kern des Themas ist die kritische Auseinandersetzung mit öffentlich verbreiteten Thesen, die in der DVD mit dem plakativen Titel „Der Jahrhundertirrtum Vorwärts-abwärts“ aufgestellt werden. Während in der DVD ausschließlich den Argumenten gegen die Dehnungshaltung 143 Minuten eingeräumt wurde, konnten wir der Argumentation in unserem Magazin nur begrenzten Platz geben – weil wir darüber hinaus auch die Thesen gegen die Dehnungshaltung dargestellt und erklärt haben. Um eine sachliche Berichterstattung zu gewährleisten, haben wir Experten aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort kommen lassen, die zum Teil ebenso wie Manuel Jorge de Oliveira Pferde therapieren, die gesundheitliche Schäden durch Trainingsfehler erlitten haben – übrigens auch bewusst jene, die nicht hundertprozentig für die Dehnungshaltung sind.

Die Experten haben in unserem Titelthema mehrfach betont, dass es sich bei einem tief getragenen Hals des Reitpferds in vielen Fällen leider nicht um eine korrekte Dehnungshaltung handelt. Im abschließenden Praxisteil unseres Titelthemas haben wir daher gemeinsam mit Dressurausbilder Knut Krüger noch einmal erläutert, wie wichtig die korrekte Dehnungshaltung für ein gesundes Reitpferd ist und warum es für den Reiter so schwierig ist, sie umzusetzen. Einen einfachen und leicht verständlichen Weg, der zur korrekten Dehnungshaltung führen kann, hat Knut Krüger dargestellt.

Anlass für Ihre Kritik scheint vor allem der Bericht unserer Redakteurin Nadine Szymanski zu sein, die auf einer Seite ihre Eindrücke von einem Besuch in den Oliveira Stables geschildert hat. Da einige von Ihnen veröffentlichte Videos die Frage aufwerfen, ob der vollständige Verzicht auf das Reiten in korrekter Dehnungshaltung ein gesundheitserhaltendes Training sein kann, hat sie sich durch den unangekündigten Besuch ein ungeschöntes Bild gemacht. Effekte, die möglicherweise durch eine offizielle Einladung entstehen können, waren damit ausgeschlossen. Die von Nadine Szymanski besuchte Veranstaltung war wie folgt angekündigt: „Sie erleben hautnah, was die Teilnehmer der Escola de Equitacao in drei Jahren erlernen und was korrekte Pferdeausbildung tatsächlich bedeutet“. Wie Manuel Jorge de Oliveira in seinem Buch „Vertikal 1“ beschreibt, gehören dazu Ausbildungsziele wie Takt, Losgelassenheit, Geschmeidigkeit und Balance, die unbestritten essentiell sind. Hätten wir diese Punkte an diesem Nachmittag beobachtet, hätten wir selbstverständlich darüber berichtet. Dass Nadine Szymanski ihre Eindrücke schildert und wir gemeinsam mit ihr Position beziehen, ist Bestandteil journalistischer Arbeit.

Über Ihr Gesprächsangebot freuen wir uns und nehmen es gerne an. Wir glauben, dass gutes oder weniger gutes Reiten unabhängig von der Reitweise ist. Sollten nicht alle Reitweisen eine gemeinsame Basis zum Wohle der Pferde haben? Um diese Gemeinsamkeiten in einem konstruktiven Gespräch zu beleuchten, möchten wir Sie und Vertreter anderer Reitweisen zu uns an einen Runden Tisch bitten.

Darüber hinaus möchten wir versuchen, subjektive Eindrücke durch Fakten zu objektivieren. Die renommierte Verhaltensbiologin Dr. Kathrin Kienapfel hat uns dafür ihre wissenschaftliche Unterstützung zugesichert.

Wären Sie dabei?

Mit freundlichen Grüßen,

Linda Krüger
Chefredakteurin CAVALLO

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