Side view portrait of a thoroughbred lipizzaner horse iStockphoto

Hofreitschule Wien: Rechnungshof bemängelt Bewegungsmangel der Pferde und Verschwendung von Steuergeldern

Rechnungshof nimmt Hofreitschule unter die Lupe Spanische Hofreitschule in der Kritik

Die Spanische Hofreitschule in Wien sieht sich gerade mit heftigen Vorwürfen konfrontiert. Der Rechnungshof bemängelte zunächst den Bewegungsmagel der Lippizzaner-Hengste und deckt nun die vermeintliche Verschwendung von Steuergeldern für ein Berittpferd eines Aufsichtsratsmitglieds auf.

In der Spanischen Hofreitschule sei der Lippizzaner-Hengst der Tochter des Aufsichtsratvorsitzenden Johann Marihart acht Jahre lang von Bereitern ausgebildet und betreut worden sein, ohne dass die Kosten dafür bezahlt worden seien, bemängelt der Rechnungshof nach Prüfung der Finanzen der traditionellen Reitinstitution. Außerdem habe die Hofreitschule auch die Kosten für Tierarzt, Hufbeschlag sowie die Reitstunden, die Mariharts Tochter mit dem Hengst genommen habe, getragen.

Marihart hatte den Hengst 2013 von der Hofreitschule erworben. Laut Rechnungshof war eine reine Einstellgebühr von 1.200 Euro im Trainingszentrum Heldenberg vereinbart. Im Einstellvertrag wären weitere Kosten nicht inklusive gewesen. Der Rechnungshof wirft dem Aufsichtsratvorsitzenden nun vor, das Geld für die Ausbildung und Betreuung des Pferds unterschlagen zu haben, dessen Wert sich durch den langjährigen Beritt inzwischen auf mehrere hunderttausend Euro gesteigert haben soll. Die Höhe des Schadens für die Republik wird auf 700.000 Euro geschätzt.

Wie der Österreichische Rundfunk berichtet, weist Johann Marihart die Vorwürfe zurück: Seine Tochter habe vielmehr einiges an Geld in das Tier investiert, ohne es selbst nutzen zu können. Maestoso Fantasca sei ein Sponsorpferd, für dessen Haltung und Ausbildung die Spanische Hofreitschule von privater Hand die Kosten erstattet bekommen hat, so Marihart. Beim Kauf des Pferds habe es das Angebot gegeben, dass die Hofreitschule das Tier weiter betreut. Das habe man in Anspruch genommen und dafür 1.200 Euro pro Monat gezahlt. Als sich 2014 ein Engpass bei Pferden für die Ausbildung und Vorführungen ergab, wurde der Hengst weiter ausgebildet und für Auftritte eingesetzt. Die Besitzerin habe das Pferd kaum mehr selbst nutzen können. Nur die "eine oder andere" Bewegungseinheit habe die Käuferin selbst übernommen.

Zum Einstellvertrag soll es tatsächlich einen Nachvertrag geben, in dem geregelt ist, dass die Hofreitschule für den Tierarzt und den Hufbeschlag rückwirkend ab 2014 die Kosten übernimmt. Es heißt, der Rechnungshof habe damals bemängelt, dass bei Tieren im Privatbesitz und ohne Nutzung durch die Hofreitschule die Kosten für Beschlag und Tierarzt nicht vom Haus getragen werden dürfen. Die Kostenübernahme wurde gegen Zusicherung der uneingeschränkten Nutzung geschlossen, berichten österreichische Medien. Die Besitzerin zahlte laut eigenen Angaben weiterhin die monatliche Gebühr von 1.200 Euro sowie Sättel und Zaumzeug und einen 2018 erforderlichen Klinikaufenthalt.

Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (VP) willl den Fall nun "rasch und umfassend" aufklären und hat bereits Stellungnahmen der Geschäftsführung und dreier Aufsichtsräte der Hofreitschule angefordert.

Erst unlängst kritisierte der Rechnungshof die Hofreitschule – unter anderem weil die Pferde zu wenig Bewegung bekämen und aufgrund des wirtschaftlichen Drucks zu häufig in Vorstellungen eingesetzt würden. Gegen diese Vorwürfe wehrte sich die Geschäftsführerin Sonja Klima: Die Hengste würden täglich im Training, in den Reithallen sowie in der Schrittmaschine bewegt und kämen alle acht Wochen ins Trainingszentrum Heldenberg, wo die Pferde Koppeln und Paddocks zur Verfügung hätten. Hier die entsprechende Pressemitteilung der Hofreitschule.

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