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So sprechen Reiter

Reitersprache für Fortgeschrittene

Reiter haben eine ganz eigene Art sich auszudrücken. Wir stellen die gängigsten Kommandos vor und was sie bedeuten.

Stell dein Pferd durch!

„An die Zügel stellen heißt, das Pferd von hinten nach vorn heranschieben.“ (H.Dv.12)

Wie es verstanden wird: Will ein Reiter sein Pferd „durchstellen“, möchte er Kopf und Hals des Tiers in eine bestimmte Haltung bringen. Dabei werden seine Hände aktiv. „Im besten Fall führt das zu einer rückwärts wirkenden Hand. Im schlimmsten Fall zum Riegeln, also zum wechselseitigen Ziehen am Zügel, um den Pferdekopf nach unten zu zwingen“, meint Pötzsch. „Beides ist nicht erstrebenswert.“

Was damit gemeint ist: Viele Reiter reden vom „Durchstellen“, wenn sie ihr Pferd mehr an den Zügel stellen wollen. Der zweite Teil des Satzes aus der H.Dv.12 gehört aber unbedingt dazu. Das „An-die-Zügel-stellen“ beschreibt keineswegs, dass der Pferdekopf ausschließlich mit der Hand beigezäumt werden soll. Man verstand darunter ein Pferd, das am Zügel, also an den Hilfen steht. „Dazu gehören selbstverständlich nicht nur die Zügelhilfen, sondern auch Gewichts- und Schenkelhilfen – und zwar wie beschrieben in der Reihenfolge von hinten nach vorne“, erklärt Klaus Pötzsch.

In der H.Dv.12 wird nicht nur einmal erwähnt, dass die treibenden Hilfen (Schenkel und Gewicht) Vorrang vor den verhaltenden Hilfen (Zügel) haben. Was in diesem Zusammenhang im Übrigen auch oft falsch interpretiert wird, ist das „Heranschieben“, merkt Pötzsch an. „Ein Reiter, der die Beine zupresst und mit dem Kreuz sein Pferd anschiebt, bekommt ein verspanntes Pferd, das sich im Rücken festmacht und nicht vorwärtsgehen möchte. Wer so treibt, bremst sein Pferd eher aus.“ Wie korrektes Treiben funktioniert, lesen Sie im Abschnitt „Treiben, treiben, treiben!“.

Mach dein Pferd rund!

„Zum Beizäumen wiederholt der Reiter die beim An-die-Zügel-stellen beschriebenen Hilfen, bis das Pferd die für die Zügeleinwirkung erforderliche und seinem Gebäude angemessene Hals- und Genickbiegung hergibt.“ (H.Dv.12)

Wie es verstanden wird: Das eben beschriebene „Durchstellen“ soll dazu führen, dass das Pferd seinen Hals rund macht. Wie bereits erwähnt, vergessen Reiter, die sich vorrangig darum kümmern, den Hals ihres Pferds zu runden, oft die treibenden Hilfen. Das Ergebnis ist ein Pferd, dessen Nase sich hinter der Senkrechten befindet – bis hin zum bis auf die Brust gezogenen Kopf, der Rollkur.

Was damit gemeint ist: Die H.Dv.12 verbietet dem Reiter, die „Genickbiegung erzwingen zu wollen durch Herunterdrücken und Steifmachen von Hand und Arm“. Klaus Pötzsch: „Ein Reiter, der die Rollkur nötig hat, versteht nichts vom eigentlichen Sinn der Pferdeausbildung.“ Denn das korrekt gerittene Pferd gibt in dem Maß im Genick nach, wie es mit der Hinterhand an den Zügel herantritt. Voraussetzung dafür ist eine „sichere, weiche Verbindung zwischen Hand und Pferdemaul“, beschreibt die H.Dv.12.

Je mehr Last das Pferd im Laufe seiner Ausbildung mit der Hinterhand tragen kann, umso mehr gibt das Pferd im Genick nach – das Pferd beginnt sich zu versammeln und erreicht einen höheren Grad der Aufrichtung. Wichtig: Die Nase des Pferds hat immer vor der Senkrechten zu sein. In der H.Dv.12 wird ausführlich beschrieben, wie Pferde, die „zu kurz im Halse werden“ oder „den Hals kraus machen“, korrigiert werden müssen: „Diesen Pferden muss die Nase immer wieder vor die Senkrechte getrieben werden, sonst besteht die Gefahr, dass sich ein falscher Knick im Halse bildet, der, einmal eingewurzelt, schwer zu beseitigen ist (…).“ Nur ein weit ausgebildetes Pferd darf den Kopf für kurze Zeit senkrecht tragen, wenn das Genick der höchste Punkt ist: beim Halten und in den versammelten Gängen.

Treiben, treiben, treiben!

„Der Schenkel muss aber umso tätiger sein und der Schenkeldruck umso stärker werden, je mehr es gilt, die Hinterfüße anzuregen und zu beherrschen.“ (H.Dv.12)

Wie es verstanden wird: Ein Reiter, der mit hochrotem Kopf und sichtlich körperlich angestrengt sein Pferd bewegt, ist kein seltener Anblick. Klaus Pötzsch: „Dass Treiben wichtig ist, haben viele Reiter verinnerlicht. Sie versuchen, die Hinterhand zu aktivieren. Doch wenn sie nicht gelernt haben, wann die Hinterbeine des Pferds abfußen, treiben sie im falschen Moment. Dann verpuffen ihre Hilfen.“

Was damit gemeint ist: Pötzsch betont: „Natürlich muss man mit dem Schenkel mal mehr und mal weniger Druck ausüben.“ In der H.Dv.12 wird beschrieben, dass der Druck erhöht werden soll, bis das Pferd reagiert. Die Schenkelhilfe zielt auf das jeweilige Hinterbein ab, das aktiviert werden soll. Deshalb muss der Reiter die Hilfe in dem Moment einsetzen, in dem das Hinterbein nach vorne fußt. Die aktive Schenkelhilfe ist ein Impuls. Denn bei einem „in guter Haltung schwungvoll am Zügel gehenden Pferd genügt bei richtigem Sitz das weiche Fühlenlassen der Unterschenkel, um es in Form, Gangart und Tempo zu erhalten“ – nachzulesen in der H.Dv.12.

Das Pferd muss sich am Gebiss abstoßen!

„Die durchhaltende Zügelhilfe wird gebraucht bei Pferden, die zu viel Anlehnung nehmen (…) und bei allen halben Paraden. Sie besteht darin, dass die auf ihrem Platz verbleibenden Hände fest geschlossen werden und den vermehrten Druck aushalten, bis das Pferd sich wieder am Zügel abstößt und leicht wird.“ (H.Dv.12)

Wie es verstanden wird: „Dass Pferde sich am Gebiss abstoßen sollen, wird oft als Grundregel verstanden“, meint Klaus Pötzsch. Viele Pferde gehen nicht reell am Zügel. Anstatt das Pferd von hinten nach vorne an die Hand heranzutreiben, werden Kopf und Hals mit der Hand in die gewünschte Position gebracht und das Pferd arrangiert sich damit. Es tritt jedoch nicht korrekt an die Zügel heran. „Weil es nicht gelernt hat, die Anlehnung zu suchen“, erklärt Pötzsch. Denn in solchen Fällen werde die Anlehnung nicht vom Reiter gewährt, sondern erzwungen.

Was damit gemeint ist: In der H.Dv.12 wird der Begriff „am Gebiss abstoßen“ nur in Verbindung mit einer durchhaltenden Hand verwendet. Damit ist gemeint, dass die Zügelhände fest geschlossen werden und stehen bleiben, ohne rückwärts zu wirken. Diese Zügelhilfe wird nach der H.Dv.12 mit einem „vorgeschobenem Gesäß“ und „elastisch angespanntem Kreuz“ sowie treibenden Schenkeln eingeleitet. „Das Pferd wird mit diesen Hilfen dazu animiert, an das Gebiss heranzutreten – etwa wenn es hinter den Zügel gerät oder bei einer halben Parade“, erklärt Pötzsch. „Die durchhaltende Zügelhilfe darf aber nicht dauerhaft gebraucht werden“, ergänzt er. So steht’s auch in der H.Dv.12: In dem Moment, in dem das Pferd leicht am Gebiss wird, wird auch die Hand des Reiters leicht. „Denn die korrekte Anlehnung besteht aus einer gefühlvollen Reiterhand, die eine konstante, aber leichte Verbindung zum Pferdemaul hat“, so Pötzsch.

Wozu hast du Sporen an? Benutze sie!

„Genügt eine Schenkelhilfe nicht, wird sie durch den Sporen verstärkt.“ (H.Dv.12)

Wie es verstanden wird: Reagiert ein Pferd nicht auf eine Schenkelhilfe, wird zusätzlich der Sporen eingesetzt. Pötzsch beobachtet immer wieder, wie leichtfertig und falsch dieses Hilfsmittel genutzt wird. „Das Pferd ist faul und soll mithilfe der Sporen schneller werden.“ Häufig würde der Absatz hochgezogen, um den Sporen ans Pferd zu drücken. Und in vielen Fällen würden Reiter gar nicht merken, dass sie ständig ihr Pferd piksen. An unruhige Schenkel gehören keine Sporen, erklärt der Ausbilder. „Sie wurden nicht dafür erfunden, dass der Reiter sie bei jedem Tritt des Pferds in dessen Bauch stechen kann. Durch permanenten Sporeneinsatz stumpft das Pferd ab“, so Pötzsch.

Was damit gemeint ist: In der H.Dv.12 wird die Sporenhilfe als „geschicktes Fühlenlassen“ beschrieben. „Genau das ist gemeint“, so Pötzsch. „Der Sporen wird gezielt eingesetzt, um die Schenkelhilfe zu verstärken, wenn das nötig ist. Zum Beispiel bei versammelnden Lektionen, um das Pferd im richtigen Moment sensibel zu machen.“ Permanentes Vorwärtstreiben mit den Sporen war nicht gewünscht. Denn Sporen musste der Reiter sich erst verdienen. Nur wer korrekt sitzen konnte, war reif für die Sporen.

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