CAV Zügelhilfe 2 Rädlein

7 Zügelhilfen zum Lenken, Lockern, Stellen und Biegen

So wirken Zügelhilfen

Zügelhilfen sind weit mehr als nur ein ruppiges Stoppsignal fürs Pferd. Wir erklären 7 Zügelhilfen und ihre Wirkung aufs Pferd.

Den Weg zeigen

Mit dem Zügel seitwärts weisen: Um das Pferd abzuwenden, können Sie Ihre Zügelhand vom Pferdehals weg nach innen führen. Dabei öffnen Sie Ihren Unterarm wie eine Tür. Der Ellenbogen bleibt angewinkelt. „Westernreiter nennen den seitwärtsweisenden Zügel auch „direkten“ Zügel, weil er das Pferd direkt in eine Richtung lenkt“, sagt Ute Holm. Er hilft vor allem bei jungen Pferden, um ihnen den Weg zu zeigen, und kommt zusammen mit Gewichts- und Schenkelhilfen zum Einsatz. Ziel ist es, den seitwärtsweisenden Zügel im Laufe der Ausbildung immer mehr zu reduzieren und das Pferd nur noch fein über Sitz und Schenkel zu reiten.

Als Hilfe beim Seitwärts: Sobald Pferde Schenkelweichen und Seitengänge lernen, kann der seitwärtsweisende Zügel wieder kurzzeitig helfen: Beim Schenkelweichen gibt er als äußerer Zügel die Richtung. Bei der Traversale biegt er als innerer Zügel den Hals mehr und zeigt dem Pferd den Weg. Dabei muss der äußere Zügel aber immer als Begrenzung anliegen.

Die Schulter begrenzen

Den Zügel an der äußeren Halsseite anlegen: In einer Biegung oder in der Wendung kontrolliert der äußere Zügel die Schultern des Pferds. In der deutschen Reitlehre wird diese Zügelhilfe auch als „verwahrende Zügelhilfe“ oder als indirekter Zügel bezeichnet. „Dazu steht der äußere Zügel etwas mehr an und liegt am Hals“, sagt Ute Holm, Westerntrainerin aus dem schwäbischen Rottenburg. Westernreiter nennen diesen Zügel auch den „Neck Rein“ (deutsch: Halszügel). Dieser Zügel verhindert, dass das Pferd in einer Wendung oder bei einem Seitengang nach außen driftet oder auf die Schulter fällt. Der innere Zügel gibt dem Pferd Stellung und Biegung. Das Pferd lernt, dem anliegenden Zügel zu weichen.

Gute Vorübung für einhändiges Reiten. „Damit das Pferd dem verwahrenden äußeren Zügel in der Biegung gut folgt, muss das Pferd sehr fein auf das innere Bein des Reiters reagieren und an den äußeren Zügel herantreten“, sagt Julia Thut, Klassik-Trainerin aus der Nähe von St. Gallen in der Schweiz. Der äußere begrenzende Zügel ist für all die Reiter interessant, die später einhändig oder auf Kandare reiten möchten – egal ob in der Working Equitation, klassisch oder western. „Reitet man einhändig, sollte sich das Pferd besonders gut am äußeren Zügel führen lassen“, sagt die Klassik-Trainerin. Da Sie beim einhändigen Reiten das Zügelmaß nicht ständig ändern können und mit dem inneren Zügel nicht seitwärts weisen können, muss das Pferd gut auf Gewicht und Schenkel reagieren. Und dabei hilft es ihm, dem äußeren Zügel wie einer Leitplanke zu folgen.

Die Schultern halten

Die Zügel breit führen: Jungen oder untrainierten Pferden fällt es oft noch schwer, sich zwischen ihren Schultern auszubalancieren. „Sie schwanken und kommen noch leicht aus dem Gleichgewicht“, sagt Ute Holm. Solchen Kandidaten hilft anfangs eine breite Zügelführung, weil sich die Pferde dadurch gut einrahmen und begrenzen lassen. Das nützt ihnen auf der Geraden und auf großen Wendungen.

Gleichmäßige Verbindung: Die breite Zügelführung hat aber noch einen weiteren Effekt: „Der Reiter kann dank einer etwas variableren Zügelführung eine konstante Verbindung aufrechterhalten, auch wenn das Pferd seine Kopf-Hals-Position noch oft ändert“, erklärt Julia Thut.

Die Durchlässigkeit kontrollieren

Die Zügel schmal führen: Je näher Ihre Fäuste beieinanderstehen, desto weniger können Sie auf Maul, Genick und Hals einwirken. Ihre Hände können nur noch leicht angehoben oder geschlossen werden, nicht aber seitlich auf Hals und Schulter einwirken. Diese Zügelführung zeigt, wie durchlässig Ihr Pferd auf Gewichts- und Schenkelhilfen reagiert. Je weiter Ihr Pferd ausgebildet ist, desto mehr sollte es rein auf Ihren Sitz reagieren.

Als Vorübung für Einhändig: Eine enge Zügelführung ist die Zwischenstufe zum einhändigen Reiten, das auch auf Trense klappt, wenn das Pferd fein geritten ist. Zügelhilfen können Sie jetzt nur noch durch ein Drehen der Faust geben. Probieren Sie es aus: Gelingen Ihre Lektionen auch mit einer Hand?

Das Pferd zum Kauen anregen

Die Zügel aufwärts bewegen: Um einen Kaureflex auszulösen, beginnen Sie im Stehen und bewegen das Gebiss mit etwas Druck am Maulwinkel nach oben, bis das Pferd zu kauen beginnt, die Ganaschen öffnet und den Kopf nach unten senkt. Dann sofort nachgeben.

Wichtig: Das Genick bleibt der höchste Punkt und die Nase unbedingt vor der Senkrechten. Klappt es vom Boden gut, können Sie die Übung auch vom Sattel aus anfragen. Dazu beide Hände parallel nach oben Richtung Pferdeohren führen, die Hände langsam schließen und die Hände langsam so drehen, dass Sie die Fingernägel sehen können. Sobald das Pferd sein Maul öffnet, öffnen Sie die Finger wieder und senken die Hände (siehe auch CAVALLO 5/2018 „Zufrieden am Zügel“). Um das Pferd innen abkauen zu lassen und den Hals zu biegen, heben Sie die innere Hand an.

Was dahintersteckt: „Durchs Kauen lockert das Pferd seinen Unterkiefer und bewegt das Zungenbein“, sagt Gunnar Wiedner. Da alle Muskelketten von der Zunge übers Genick bis zur Hinterhand miteinander verbunden sind, kann ein Pferd nur locker sein, wenn diese Muskelketten locker zusammenarbeiten. Ein lockeres Maul ist also eine wichtige Voraussetzung für ein losgelassenes und entspanntes Pferd.

Das Genick auf gleiche Höhe bringen

Außen höher, innen tiefer: Manche Pferde entziehen sich der Biegung, indem sie sich im Genick verwerfen. Sie halten den Kopf schief statt gerade und die Ohren sind nicht mehr auf der gleichen Höhe. „Um das zu korrigieren, kann man den äußeren Zügel für kurze Zeit etwas höher nehmen und das Genick dadurch stabilisieren. Der innere Zügel bleibt tiefer“, erklärt Ute Holm.

Wichtig: Diese Korrektur darf nur bei Pferden eingesetzt werden, die sich nicht aufgrund von körperlichen Ursachen verwerfen. Denn oft hängt das Verkanten im Genick auch mit Zahnproblemen, unpassenden Gebissen oder Verspannungen zusammen. Sie sollten also sichergehen, dass es sich beim Verwerfen um ein reines Ausbildungsproblem handelt.

Die Hinterbeine beugen und aktivieren

Die Zügel annehmen: Diese Zügelhilfe wirkt über den Pferderücken auf die Hinterbeine und kann sie dadurch entweder mehr aktivieren oder mehr beugen. Voraussetzung für diese Zügelhilfe ist, dass das Pferd reell vorwärtsgeht und nicht nur die Zügelhilfen, sondern vor allem auch Gewichts- und Schenkelhilfen gut annimmt.

Der Moment der Hilfe ist hier entscheidend: Um diese Zügelhilfe korrekt einzusetzen, sollte der Reiter genau wissen, wann das jeweilige Hinterbein am Boden ist oder in der Luft. Nimmt er die Zügel zu Beginn der Stützbeinphase an (also wenn das entsprechend gleichseitige Hinterbein am Boden ist), beugt das Pferd dieses Hinterbein mehr. Nimmt er die Zügel eher am Ende der Stützbeinphase mehr an, stößt sich das Pferd mit dem gleichseitigen Hinterbein mehr ab. Es tritt also aktiver von hinten nach vorne.

So klappt die annehmende Hilfe: Die größte Fehlerquelle der annehmenden Zügelhilfen liegt darin, zu viel rückwärts aufs Pferd einzuwirken. Um das zu verhindern, sollte Ihre Hand nicht Richtung Bauchnabel ziehen. Damit würden Sie nicht nur unangenehm im Maul ziehen, sondern auch die wichtige Verbindung vom Pferderücken zum Hinterbein kappen. Besser: Schließen Sie die Zügelhand sanft oder drehen Sie die Fäuste ein. Bei Pferden, die auf Trense geritten werden, können Sie die Faust auch leicht anheben, um die Zügel anzunehmen.

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