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CAVALLO-Coach: Verladetraining

„Monty will nicht in den Pferdehänger“

Leserin Michelle Schlögel hat Angst, ihren Wallach im Notfall nicht fahren zu können, weil er sich weigert, einen Pferdeanhänger zu betreten. Gemeinsam mit einer Verlade-Expertin haben wir die beiden besucht.

Traber-Wallach Monty (12) hat beschlossen, nie wieder einen Pferdeanhänger zu betreten. Er lässt sich zwar überzeugen, mit beiden Vorderbeinen auf die Rampe zu steigen, doch unter seinen Hinterhufen besteht er auf festen Boden. Da seine Besitzerin Michelle Schlögel (17) sich sorgt, Monty im Notfall nicht verladen zu können, wenn er zum Beispiel mal in die Klinik müsste, möchte sie das Problem unbedingt lösen.

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CAVALLO-Coach „Monty will nicht in den Hänger“
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Angst, mit den Hinterbeinen die Rampe zu betreten

Traber Monty ist in einer Sache mit vielen anderen Pferden einer Meinung: In einen Hänger gehe ich nicht rein! „Mit den Vorderbeinen tritt er auf die Rampe, aber die Hinterbeine bleiben draußen. Wenn ich ihn weiter hinein locke, macht er sich immer länger, aber keiner seiner Hinterhufe berührt die Rampe“, erzählt seine Besitzerin Michelle Schlögel. Horsemanship-Trainerin und Verlade-Expertin Cornelia Weidenauer und das CAVALLO-Team treffen Monty im heimischen Stall nahe Mainz.

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Leserin Michelle Schlögel und ihr Pferd Monty.

Dort lebt der Wallach erst seit ein paar Monaten. Es dauerte Stunden, bis Monty für den Umzug im Hänger war, und seitdem wollte er keinen mehr betreten, berichtet uns seine 17-jährige Besitzerin. Sie hat nun Sorge, dass sie Monty im Notfall nicht verladen kann, wenn er zum Beispiel mal in die Klinik müsste. Trainerin Cornelia Weidenauer kennt viele Pferde wie Monty, die mit den Hinterbeinen die Rampe nicht betreten wollen. „Wenn Pferde nicht in den Hänger gehen, liegt die Ursache oft in der Hinterhand“, erklärt sie. „Ihnen fehlt häufig das Gefühl für ihren gesamten Körper. Sie steuern bewusst nur ihre Vorderbeine an, weil sie gar nicht genau wissen, wo sich ihre Hinterbeine befinden.“

Kleine Übungen im Alltag können Montys Körpergefühl verbessern

Ein Beispiel: Ihn bitten, mit einem Hinterhuf einen Gegenstand auf dem Boden zu berühren. Wenn das am Anfang noch eine zu große Herausforderung ist, darf es auch ein Vorderhuf sein. Oder ein anderes Körperteil. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Trainerin entdeckt einen freistehenden Holzzaun. „Du könntest Monty zum Beispiel fragen, ob er mit der Hinterhand den Zaunpfosten berühren kann“, schlägt sie vor. Michelle führt ihren Wallach zum Zaun und versucht, seine Hinterhand Richtung Pfosten zu manövrieren. Monty zieht sofort den Bauch ein und drückt sich weg. „Das ist für den Anfang wohl eine Nummer zu groß. Frag ihn, ob er den Pfosten mit der Schulter berühren kann“, bittet Cornelia Weidenauer.

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Training für mehr Körpergefühl: Monty soll mit der Schulter den Pfosten berühren.

Aufgaben nicht zu schwierig stellen

Es sei wichtig, die Pferde genau zu beobachten, um sofort erkennen zu können, ob das Pferd die gestellte Aufgabe überhaupt erfüllen kann. „Ist der Widerstand zu groß, riskieren wir, dass das Pferd Angst bekommt und sich entzieht. So würden wir das Gegenteil von dem erreichen, was wir möchten: Vertrauen gewinnen, damit das Pferd bereit ist, mit uns zu kooperieren“, erklärt die Trainerin. Ihr Tipp: Immer mit einfachen Dingen beginnen und Schritt für Schritt die Anforderungen steigern. Für die Übung am Zaunpfosten soll Michelle das Prinzip „Annäherung und Rückzug“ nutzen, das aus dem Horsemanship-Training stammt.

Annäherung und Rückzug

Mit dem Ende des Bodenarbeitsseils kreist sie in Richtung Montys Schulter, bis er sich ein wenig zum Zaunpfosten hinbewegt. Diesen Schritt belohnt sie, indem sie ihm erlaubt, sich wieder ein Stück weit vom Pfosten zu entfernen. „Je mehr du ihm gestattest, sich zu entfernen, desto leichter fällt es ihm, sich wieder anzunähern“, so Weidenauer. Im Wechselspiel zwischen Annäherung und Rückzug schafft es Michelle, ihren Wallach Schritt für Schritt an den Pfosten heranzurücken, ohne dass er dabei in Stress gerät. „Sobald du spürst, dass er Spannung aufbaut, gibst du ihm noch mehr Raum, um sich zurückzuziehen“, rät die Trainerin. „Mache lieber einen Schritt zu wenig als einen zu viel.“ Übungen wie diese bringen Mensch und Pferd miteinander in eine Art Zwiegespräch und helfen dem Menschen, sein Bewusstsein für kleine Schritte zu schärfen, erklärt sie.

Atemübung für die Pferdebesitzerin

Annäherung und Rückzug sind auch beim Verladetraining wichtig betont Cornelia Weidenauer. Doch vorher bittet sie Michelle, den Wallach mehrmals zu sich zu holen und wieder zurückzuschicken. Ihr Tipp: Immer ein klares Bild von dem haben, was man möchte. „Am besten klappt das, wenn du dir wie ein Mantra immer wieder vorsagst: Vorwärts heißt vorwärts und rückwärts heißt rückwärts.“ Als Monty nicht gleich reagiert, wird seine Besitzerin etwas ungeduldig. Sofort spiegelt der Wallach ihre Anspannung. Die Trainerin empfiehlt eine Atem-Übung aus dem Yoga, um ruhiger zu werden: „Atme ein und zähle bis vier, halte die Luft an und zähle bis fünf, dann atme aus und zähle bis sechs.“

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Vorübung fürs Verladen: Vorwärtsbitten und rückwärtsschicken.

Bestimmtes Auftreten wirkt

Michelle wiederholt die Übung mit vier, sechs und sieben sowie vier, sieben und acht Atemzügen. Danach wirken Besitzerin und Pferd gelöster und können sich wieder aufeinander einlassen. Als Michelle beim Üben an den Pferdeanhänger heranrückt, wird Monty unruhig. Weidenauer greift ein: „Ich habe noch ein zweites Mantra für dich: Hab keine Angst, aber tu, was ich sage.“ Mit diesem Satz im Kopf gelingt es Montys Besitzerin, ruhig, aber bestimmt zu bleiben. Als sie ihr Pferd auffordert, sich dem Anhänger zu nähern, traut sich der Wallach mit der Nase heran.

Sofort belohnt Michelle ihn für seinen Mut, indem sie ihn vom Hänger wegführt und grasen lässt. Weidenauer rät: Nur so viel Druck machen wie nötig oder rechtzeitig die Anforderungen herunterschrauben, sonst steigt das Pferd aus. Dann wehrt es sich oder kehrt sich nach innen und wirkt resigniert. „Das Gefühl fürs Pferd ist wichtiger als die Technik“, so die Trainerin.

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Die Vorarbeit hat sich ausgezahlt und die Neugier gesiegt!

Weg vom Hänger führen

Mit den „Mantras“ hat Montys Besitzerin Grundregeln verinnerlicht, die ihr helfen, mit dem Wallach Schritt für Schritt den Weg in den Hänger anzugehen. Für den ersten Schritt ist Monty bereit, nachdem er die Rampe beschnuppert hat. Schnell steht Monty mit beiden Vorderhufen darauf. Doch bevor seine Besitzerin ihn auffordert, einen weiteren Schritt zu machen, schickt sie ihn wieder auf festen Boden. „Im besten Fall richten wir das Pferd immer schon zurück, bevor es selbst auf die Idee kommt“, erklärt Weidenauer. Als Monty ein weiteres Mal seine Vorderhufe auf die Rampe setzt, lockt Michelle ihn einen Schritt weiter, bevor sie ihn rückwärtsrichtet.

Der Wallach ist konzentriert bei seiner Besitzerin und verliert allmählich seine Abwehrhaltung gegenüber dem Hänger. Nach ein paar Wiederholungen tritt Monty erst mit einem, dann sogar mit beiden Hinterhufen auf die Rampe, auch wenn er sofort von sich aus wieder heruntersteigt. Die Trainerin lobt: „Super! Damit hat Monty die erste Schwelle überwunden. Das nächste Ziel wäre nun, darauf zu beharren, dass er einen Moment mit allen vier Beinen auf der Rampe steht.“ Monty bekommt eine längere Pause, denn Michelle Schlögel möchte mit ihm danach das neue Ziel anpeilen. Doch der Wallach schafft es nicht, mit den Hinterbeinen auf der Rampe zu verharren.

Guter Abschluss ist wichtig

„Nun hast du zwei Möglichkeiten“, erklärt Cornelia Weidenauer Montys Besitzerin. „Entweder du gehst einen Schritt zurück und schließt heute mit einem positiven Moment ab. Oder du machst weiter. Was denkst du?“ Michelle entscheidet sich zunächst, es weiter zu probieren. Doch sie stellt fest, dass Monty müde wird und beendet das Training, als er ruhig mit beiden Vorderbeinen auf der Rampe steht. Sie setzt sich auf die Rampe und gönnt ihm eine Pause. Er bleibt entspannt stehen. Ein gelungener Abschluss. „Du hast ein gutes Gefühl für dein Pferd“, lobt Cornelia Weidenauer Montys Besitzerin. „Wenn du darauf hörst, wird Monty bald mit dir auf den Hänger spazieren.“

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