Standpunkt Horsemanship: Wie sanft sind Seilschwinger?

Pferdecharakter definiert Trainings-Ziel

Schlechte Horsemanship-Trainer empören Reiter und bringen das pferdefreundliche Trainings-Konzept in Verruf. Aufgebrachte Tierfreunde setzen schlechte Seilschwinger mit der Methode gleich und verdammen beide. Höchste Zeit für mehr Sachlichkeit.
Foto: Lisa Rädlein Horsemanship

Das geht schief: Wer grob agiert, macht Pferden mit Stick und Seil nur Angst. Harmonie entsteht so nicht.

Erfolgreiche Ausbilder aller Disziplinen prüfen ständig, ob ihr Pferd in der aktuellen Situation überhaupt lernen oder Leistungen bringen kann. "Seit Jahrhunderten wird von Menschen echtes Horsemanship betrieben – nur heißt es nicht überall so", betont Silvia Furrer.

"Menschen, die gefühlvoll auf die Bedürfnisse der Tiere eingehen, gab und gibt es immer und überall." Doch in keinem Training werden die Persönlichkeit und das individuelle Befinden des Pferds systematischer berücksichtigt als in der Arbeit guter Vertreter der Horsemanship-Konzepte. Sie stellen die Beziehung zwischen Mensch und Pferd vor jedes Leistungsdenken.

Und sie beziehen den Pferde-Charakter explizit in die Wahl der Trainingsstrategie ein. Zum Beispiel mit Parellis Horsenality-Ansatz, der vier Persönlichkeits-Typen mit diversen Varianten kennt. Welche Technik der Mensch dann im Training genau anwendet, ist weniger wichtig. "Stimmt die Einstellung zum Pferd, kann man technisch viel falsch machen, ohne dass es gravierende Probleme gibt", sagt Silvia Furrer. Pferde verzeihen viele Fehler.

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Pferde brauchen Grenzen

Allerdings hilft eine gute Technik dabei, existierende Probleme schneller zu lösen und die Beziehung schneller aufzubauen und zu festigen. Wichtig sind zum Beispiel Konsequenz und Durchsetzungsvermögen an der richtigen Stelle: "Der Mensch muss klare Ansagen machen und die Führung übernehmen", stellt Berni Zambail klar. "Nur mit Streicheln allein erreicht man beim Pferd nicht viel." Wichtig ist Zambail, dass ein guter Horseman immer erklären kann, warum er Seil, Knotenhalfter oder die oft "Stick" genannte Horsemanship-Peitsche einsetzt.

Richtig genutzt helfen sie dabei, dem Pferd seine Grenzen aufzuzeigen. "Die brauchen Pferde als soziale Wesen und Herdentiere dringend", erklärt Zambail. "Sie wollen wissen, wo sie hingehören und an wem sie sich orientieren können. Nur durch eine sanfte, aber klare Erziehung kann sich das Tier in der Welt des Menschen sicher zurechtfinden."

Viele Pferde kennen ihre Grenzen nicht. Meistens, weil Menschen im Umgang und in der Erziehung gravierende Fehler gemacht haben. Das Ergebnis sind sogenannte Problempferde, die sich, die Menschen in ihrer Nähe und andere Tiere durch ihr Verhalten zum Teil massiv gefährden. "Ihnen zu zeigen, wie man freundlich und kooperativ mit Menschen umgeht, ist nicht immer schön anzusehen", gibt Ralf Heil zu.

Video: Wie Horsemanship nicht aussehen sollte




30.04.2014
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 05/2014