Besser sitzen im Trab

10 Tipps fürs lockere Aussitzen

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Endlich locker Aussitzen

Drehschritt für mehr Beweglichkeit

Sie fühlen sich vor Ihrer Trainingseinheit eher steif? Dann hilft diese Übung wunderbar beim Aufwärmen und Lockern, gerade an kalten Tagen, wenn der Körper besonders dazu neigt zu verspannen.

Führen Sie Ihr Pferd warm, nehmen die Zügel dabei über den Hals und greifen sie mit der Hand, die vom Pferd wegzeigt. Beginnen Sie nun, Ihren Körper mit jedem neuen Schritt zu drehen. Erst seitlich zum Pferd hin, dann nach hinten und über die seitliche Position wieder zurück in die normale Führhaltung. Der Blick geht dabei jeweils über die Schulter nach vorne.

Foto: Greifen Sie den Zügel zunächst mit der anderen Hand als gewohnt.

Drehschritt für mehr Beweglichkeit

Diese Übung hilft Ihnen, die seitliche Rumpfmuskulatur, den Rücken, die Hüfte und die Schultern beweglicher zu machen. Außerdem fördert sie die Koordination, weil Sie Ihre Beine dabei gut sortieren und Ihre Füße aufmerksam setzen müssen.

Drehschritt für mehr Beweglichkeit

Die Beweglichkeit, die Sie durch diese Übung erlangen, hilft Ihnen auch bei Lektionen, die mit der Rotation des Oberkörpers arbeiten.

Drehung in Hüfte und Oberkörper brauchen Sie etwa, wenn Sie auf gebogene Linien abwenden. Und in Travers und Renvers werden Schulter und Hüfte leicht gegeneinander gedreht. Genau das sind übrigens auch Übungen, die Ihr Pferd im Rücken mobiler werden lassen und Ihnen so wiederum beim Sitzen helfen.

Hüfte zur Seite und nach vorne öffnen

Diese beiden Übungen dehnen die Hüfte und die Muskulatur der Oberschenkel. Wer nicht bequem sitzen kann, neigt dazu, mit den Oberschenkeln am Pferd zu klemmen. Die hüftöffnenden Übungen lassen Sie Ihre Oberschenkel bewusst spüren und helfen dabei, diese mehr zu öffnen und beim Aussitzen sanft und locker am Pferd liegen zu lassen.

Um die Hüfte nach vorne zu öffnen und die Oberschenkelvorderseite zu dehnen, kommen Sie in den Ausfallschritt und senken ein Knie zum Boden, hintere Zehen aufstellen. Je nach gewünschter Dehnung lassen Sie die Arme dabei hängen, strecken sie zu den Seiten oder heben sie nach oben und lehnen den Oberkörper leicht zurück.

In der schwierigsten Variante heben Sie die Arme nach oben.

Hüfte zur Seite und nach vorne öffnen

Für den seitlichen Hüftöffner ziehen Sie ein Bein seitlich mit der Hand am Knie nach oben. Spüren Sie die Dehnung an der Oberschenkelinnenseite und wie der Hüftbeuger in dieser Haltung arbeitet.

Der seitliche Stretch dehnt die Oberschenkelinnenseite.

Spielerisch die richtige Sitzposition finden

„Viele Reiter lehnen sich beim Aussitzen zu sehr nach hinten“, beobachtet Ausbilderin Christine Hlauscheck. „Wer unangenehme Stöße unterm Po spürt, weicht oftmals reflexhaft nach hinten aus.“

Christine Hlauscheck demonstriert die unterschiedlichen Haltungen fürs Foto besonders ausgeprägt. Auch für Sie darf es sich ruhig übertrieben anfühlen. Lehnen Sie sich nach hinten.

Spielerisch die richtige Sitzposition finden

Andere Reiter wiederum sitzen beim Aussitzen zu sehr auf dem Oberschenkel und fallen nach vorne. Um die richtige Position für den Oberkörper zu finden, empfiehlt Christine Hlauscheck, spielerisch mit Extremen zu arbeiten.

Begeben Sie sich zunächst im Stand abwechselnd übertrieben mit dem Oberkörper nach hinten, dann nach vorne und suchen Sie anschließend die Mitte. Die Übung können Sie auch im Schritt machen. „Probieren Sie sich als Reiter aus, aber beeinträchtigen Sie dabei das Pferd nicht“, rät Christine Hlauscheck.

Spielerisch die richtige Sitzposition finden

„Durch die Extreme zeigen Sie Ihrem Körper: So weit ist hinten, so weit ist vorne. So finden Sie besser die Mitte beim Aussitzen.“ Zusätzlich mobilisieren Sie durch die Übung das Becken, indem Sie es nach vorne und hinten rollen und können so besser aussitzen.

Rückwärts fahrradfahren für bessere Stoßdämpfung

Mit dieser Übung können Sie den Bewegungen des Pferdes mit dem Becken weicher folgen und verbessern zudem Ihre „Stoßdämpfung“. Stellen Sie sich dazu vor, rückwärts Fahrrad zu fahren. Bewegen Sie Ihr gesamtes Bein wie im Leerlauf in Kreisen nach hinten.

Die Bewegung geht von der Hüfte aus und fließt über ins Knie und das Fußgelenk. „Vergesessen Sie den Fuß nicht“, rät Christine Hlauscheck. „Er ist wichtig, um die Stöße abzufedern, weil hier Energie aus dem Körper herausfließt.“ Machen Sie die Bewegungen im Rhythmus des Pferds, achten Sie darauf, wann sich der Rücken leicht nach links und rechts absenkt und folgen Sie diesen Bewegungen.

Die Übung eignet sich für Schritt und Trab, im Galopp ist der Bewegungsfluss nicht geeignet. „Reiter schieben gerade beim Aussitzen im Trab und im Schritt oft übertrieben mit dem Becken von hinten nach vorne. Diese Übung hilft dabei, die tatsächliche Bewegung des Pferderückens feiner wahrzunehmen und ihr harmonischer zu folgen.“

Machen Sie die Bewegungen zunächst relativ deutlich. Wenn nötig, können Sie die Steigbügel dazu auch überschlagen. Später werden die Bewegungen so klein, dass sie von außen gar nicht mehr sichtbar sind. „Allein der Gedanke an diese Übung ist sehr hilfreich, um besser mit der Bewegung mitgehen zu können“, erklärt Christine Hlauscheck.

Aussitzen und Leichttraben im Wechsel

Beim Aussitzen bekommen Sie Seitenstechen und werden verbissen? Machen Sie es sich leicht und unterteilen die Trabphasen in kleine Häppchen: Einige Tritte sitzen Sie aus, danach traben Sie wieder leicht.

„Diese Übung hilft dabei, Probleme beim Aussitzen aufzuspüren und sich langsam heranzutasten“, sagt Christine Hlauscheck. Wählen Sie eine ungerade Anzahl von Tritten, die Sie aussitzen möchten. So landen Sie nach der ausgesessenen Phase automatisch wieder auf dem richtigen Fuß. Beginnen Sie zum Beispiel mit drei Tritten und steigern sich langsam auf fünf oder sieben.

„Beginnen Sie mit dem Aussitzen erst, wenn das Pferd locker ist, und erhöhen Sie die Anzahl der Tritte nur, wenn das Pferd beim Aussitzen entspannt bleibt.“

Aussitzen und Leichttraben im Wechsel

Wird das Pferd fest, läuft etwas noch nicht optimal. „Gehen Sie in sich auf die Suche“, rät Christine Hlauscheck. Halten Sie die Luft an? Werden Ihre Hände fest? Ziehen Sie die Schutern hoch? Sind Sie insgesamt entspannt genug?

Oft schleichen sich diese Fehler erst ein, wenn Sie länger aussitzen und konditionell an Ihre Grenzen kommen. Stufen Sie die Anzahl der Tritte dann wieder zurück. Diese Übung zeigt auch, ob sich Ihr Körper flexibel umstellen kann, denn Ihre Muskulatur wird beim Leichttraben und Aussitzen anders beansprucht.

Abwechselnd Entlasten und Aussitzen

Diese Übung fördert Körperbeherrschung, Rhythmusgefühl und die Mobilität Ihres Körpers. Kommen Sie dazu vom ausgesessenen Galopp oder aus dem Leichttraben im Trab immer wieder in den Entlastungssitz oder in den leichten Sitz.

Entwickeln Sie die neue Körperposition über mehrere Sprünge oder Tritte hinweg, kommen Sie nicht abrupt in die neue Haltung. „Versuchen Sie, wie auf einer Welle zu surfen“, veranschaulicht Christine Hlauscheck.

Abwechselnd Entlasten und Aussitzen

Sie spielen hier mit Ihrem Körperschwerpunkt, denn würde jemand das Pferd unter Ihnen wegnehmen, müssten Sie im Enlastungssitz stehenbleiben können, ohne umzukippen. Dazu müssen Sie Ihren Po mehr nach hinten bringen und Ihre Bauchmitte in Richtung des vorderen Sattelteils.

Dieses Spiel mit dem Körperschwerpunkt mobilisiert den Körper und erleichtert das Schwingen. „Außerdem arbeiten wir auch hier mit extremeren Körperpositionen. Das hilft dabei, später beim Aussitzen die Mitte zu finden“, so Hlauscheck. Außerdem lässt sich mit dieser Übung prüfen, ob Sie im Aussitzen zu viel treiben: Pariert das Pferd sofort durch, wenn Sie entlasten, ist Ihr Bein dabei zu dominant. Achten Sie darauf, feiner zu treiben.

Einhändig aufrecht sitzen

Durch einhändiges Reiten können Sie Ihren Oberkörper auf natürliche Weise mehr aufrichten, ohne dabei zu verspannen. „Machen Reiter sich absichtlich gerade, halten sie oft die Luft an“, beobachtet Christine Hlauscheck. Das passiert mit dem Einhand-Trick weniger leicht. Lassen Sie einen Arm dazu locker herabhängen und greifen die Zügel mit der anderen Hand. „Wer häufig mit dem Oberkörper nach vorne fällt oder auf dem Oberschenkel sitzt, kann seinen Sitz durch einhändiges Reiten meist vertiefen und kommt so besser dazu, mit den Bewegungen mitzugehen“, erklärt Christine Hlauscheck.

Zusätzlicher Selbstcheck: Sie können prüfen, ob Sie beim Aussitzen noch zu sehr aus dem Gleichgewicht kommen und sich am Zügel festhalten. Bereitet Ihnen das einhändige Reiten Balanceprobleme, ist das ein Hinweis darauf. Eine Sitzschulung an der Longe könnte Abhilfe schaffen.

Leichter Zulegen auf gebogenen Linien

Üben Sie Trabverstärkungen, kommen Reiter oft in Sitz-Not. Der zusätzliche Schwung kann das Mitgehen mit der Bewegung erschweren. Ein einfacher Trick: Reiten Sie von gebogenen Linien auf die Gerade und beginnen noch in der Kurve mit dem Verstärken.

Wählen Sie zum Beispiel den Mittelzirkel und beginnen schon auf der offenen Zirkelseite, die Tritte zu verlängern. Dann reiten Sie direkt weiter auf die ganze Bahn. „Für das Pferd ist die Gerade dann eine Erleichterung. Es wird also nochmal eine Schippe drauflegen und besser und in schönerem Takt zulegen.“

Leichter Zulegen auf gebogenen Linien

Je mehr Tritte Sie verstärken, desto schwieriger wird es für das Pferd, Balance und Takt zu halten. Es wird unbequem für Sie. Verlängern Sie deshalb nur fünf, sechs Tritte und nehmen Ihr Pferd dann gleich wieder zurück.

Immer mal was Neues einbauen

„Gestalten Sie Ihre Trabphasen abwechslungsreich“, rät Christine Hlauscheck. „Das fördert die Beweglichkeit des Pferderückens und lässt Sie besser sitzen.“ Bauen Sie zum Beispiel immer wieder Übergänge zwischen Schritt, Trab und Galopp ein. „Jede Gangart hat ihren eigenen Rhythmus. Deshalb muss das Pferd beim Übergang den Takt wechseln“, erklärt Hlauscheck. Das fördert die Koordination und beansprucht die Muskulatur vielschichtiger, als nur in einer Gangart zu bleiben.

Übergänge zum Halten oder Rückwärtsrichten erfüllen einen ganz ähnlichen Zweck. Bauen Sie außerdem viele Bahnfiguren ein, verkleinern Sie das Viereck und vergrößern Sie es. Bei Vor- und Hinterhandwendungen oder beim Übertreten muss das Pferd die Beine seitlich versetzen. Auch das födert die Mobilität der Hinterhand und des Rückens. „Reitet man immer nur geradeaus, lernt das Pferdebein nur die Bewegung nach vorne“, erklärt Christine Hlauscheck.

Eine aktive Hinterhand bedeutet für die Ausbilderin nicht nur Schub aus der Hinterhand, sondern auch Mobilität. Neben Übergängen zwischen den Gangarten helfen auch Tempounterschiede im Trab und Galopp. „Arbeiten Sie mit kurzen Tempospielereien“, rät Hlauscheck. „Fördern Sie durch Verlangsamen auch das tragende Moment des Hinterbeins. Legen Sie immer nur zu, trainieren Sie einseitig die Schubphase und sitzen schlechter.“

Den Rücken mit Stangen kockern

Ganz ähnlich wie Übergänge zwischen den Gangarten oder seitliches Übertreten trainieren auch unterschiedliche Trittlängen den Pferderücken vielseitig und bringen ihn locker zum Schwingen.

Mit Trabstangen können Sie das besonders gut unterstützen. Legen Sie die Stangen zunächst im gewohnten Abstand hin und vergrößeren Sie die Abstände dann etwas, so dass das Pferd längere Tritte machen muss. Genauso können Sie die Stangen etwas mehr zusammenschieben, um die Tritte zu verkürzen. Kommen Sie über den Stangen in den Entlastungssitz. Der Effekt des Stangentrainings: „Unterschiedlich große Bewegungen fordern den Pferderücken auf verschiedene Arten“, erklärt Christine Hlauscheck. Werden die Tritte verlängert, dehnt sich der Rücken in die Länge. Kürzere Tritte schieben das Pferd zusammen, kräftigen Bauch- und Kruppenmuskulatur und heben dadurch den Rücken an.

„Stangentraining bringt also sowohl mehr Kraft als auch mehr Dehnung. Das macht den Rücken schneller locker und mobil“, sagt Christine Hlauscheck. Trainieren Sie regelmäßig über Stangen oder bauen Sie diese ins Aufwärmtraining ein und sitzen anschließend aus, werden Sie spüren, dass Sie besser sitzen können.
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